Frank Sawyer

 

 Frank Sawyer, River Avon, Wiltshire (UK)

Frank Sawyer, River Avon, Wiltshire (UK) © Nick Sawyer

Die Selbstverständlichkeit mit der Fliegenfischer eine beschwerte Nymphe an das Vorfach  binden, verdanken wir zu  einem großen Teil dem englischen Flusswart Frank Sawyer.  Sawyer konnte sich  auf den starken Schultern G.E.M. Skues aufstützen, dessen Werke zu Beginn des 20. Jahrhunderts sich immenser Opposition ausgesetzt sahen. Es bedurfte Mut und äußerste Überzeugung, einer breiten Öffentlichkeit die Tatsache zu unterbreiten, dass Forellen zu einem großen Teil ihre Nahrung unter Wasser beziehen.  Frank Sawyer ging in seinen Ansichten sogar einen Schritt weiter und unterbreitete einer noch immer skeptischen Leserschaft, dass Forellen nicht nur schlüpfbereite, sondern auch aufsteigende Nymphen abfangen.

Geboren 1906 in Bulford (Wiltshire, UK), avancierte Sawyer im zarten Alter von einundzwanzig Jahren zum Flusswart des River Avon in dessem Oberlauf. Der Flussabschnitt war in militärischem Besitz und wurde verwaltet von der Officers‘ Fishing Association, der späteren Services Dry Fly Fishing Association (SDFFA). Frank Sawyer versah Dienst als Oberflusswart für die SDFFA bis zu seinem Tod in 1980: dreiundfünfzig Jahre im Dienste der Fischerei!

Dafür Sorge zu tragen, den Offizieren ausgezeichnete Gelegenheit zur Ausübung ihres Hobbies zu bieten, war somit die Hauptaufgabe des engagierten Flusswarts. Um diese Möglichkeit bereitstellen zu können, muss ein Kreideflusswart  Uferreparaturen durchführen, für Fischbesatz sorgen, flutenden Hahnenfuß (Ranunculus) und andere Wasserpflanzen jäten und vieles mehr. Mit einem Wort, sehr viel Zeit am – und insbesondere in Kreideflüssen – im Wasser verbringen.

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Bis zur Hüfte im Wasser stehend, befand sich Sawyer in bester Position um Unterwasserleben zu beobachten. Adlerscharfe Augen ermöglichten ihm, Kleinstlebewesen in ihrer natürlichen Umgebung minutiös zu studieren. Das stetige vor und zurück der Nymphen konnte er somit aus nächster Nähe wahrnehmen und daraus schlussfolgend benannte er diese ‚aktive‘ oder ‚rastlose‘ Nymphen. Die dabei wohl wichtigste Beobachtung die Sawyer machte, war die Tatsache das Forellen nebst geschlüpften und schlüpfreifen Insekten, eine Vorliebe für aufsteigende Nymphen besitzen. Somit wurde die Idee geboren, tiefstehende Forellen zum Zupacken zu verleiten, indem man sie flussaufwärts  auf Sicht befischte und durch das Anheben der Rutenspitze das Aufsteigen von Nymphen imitierte. Dieser Technik wurde später von dem ebenfalls in Bulford wohnenden Oliver Kite, die einfache aber treffende Bezeichnung ‚Induced Take‘ (provozierter Biss) verliehen.

Trotz Sawyers Beobachtungsgabe, Wissbegierde und analytischer Fähigkeit, sollte es bis in seine mittleren Jahre dauern, mit seinem Wissen um das Leben in und an Gewässern, eine hellhörige Leserschaft zu beglücken. Als bescheidener Autodidakt, der  nicht in akademischen oder anderweitig professionellen Kreisen verkehrte, wurde Sawyer erst auf Zureden des befreundeten und pensionierte Richters Sir Grimwood Mears  – eine Freundschaft die am Ufer des Avon, zwischen Fischpausen entstand – auf die Idee gebracht, sein fundiertes Wissen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Der bestens vernetzte Sir Grimwood trug Sorge, dass Sawyer sich mit seinen Ideen zum Nymphenfischen, mit keinem geringeren als G.E.M. Skues austauschen konnte. Der bereits neunzigjährige, sich im Ruhestand befindliche Rechtsanwalt Skues, erkannte die Fähigkeiten des schüchternen Flusswarts und genoss den Austausch mit Sawyer, trotz manchmal unterschiedlicher Ansichten betreffend Nymphenfischens und Entomologie. In Folge stellte er Frank Swayer, dem Verleger Black’s und unterschiedlichsten Redakteuren verschiedenster Magazine vor. Unter diesen befand sich der damalige Chefredakteur der Fishing Gazette, R.L. Marston – sprichwörtliche Aristokratie unter Herausgebern von Fischermagazinen.

Mit Begeisterung schnappte Sawyer die Gelegenheit auf, Chronologien zur Kreideflussfischerei für die Fishing Gazette zu verfassen. Frank Sawyer hatte bereits mehr als einhundert Artikel geschrieben, als sein Freund und Mentor Sir Grimwood, dem Redakteur der Zeitschrift The Field, eine Sammlung an Sawyers Beiträgen vorlegte. Dieser erkannte sofort das Potential für ein Buch. Nach langen ausgedehnten Verhandlungen – die Sir Grimwood im Namen Sawyers mit R.L. Marston  führte – erließ Marston das Urheberrecht auf die Artikel. Mit der Zustimmung des Verlegers Black’s, arrangierte Wilson Stephens (The Field) die Artikel zum Buch ‚Keeper of the stream‘ (1952). Diese Veröffentlichung etablierte Frank Sawyer als Experten für Nymphenfischen und verhalf dem Netheravon Stil   –  flussaufwärts präsentierte Nymphe auf gesichtete Forellen  – zu internationalem Ruf. Wahre Meister unter Fliegenfischern, darunter Namen wie Charles Ritz, waren begeistert von Sawyers praktischen Fähigkeiten und wurden zu Befürwortern der tiefgeführten  Nymphe. Sawyers Taktik des ‚Induced Take‘ entwickelte sich zum einem Standard der Nymphenfischerei und die dazu von Sawyer erfundene ‚Pheasant Tail Nymph – PTN‘ startete ihren Siegeszug um die ganze Welt.

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Das Erbe Frank Sawyers wird heute von seinem Enkel Nick Sawyer weitergeführt, für dessen Erlaubnis zur Nutzung des Fotos seines Großvaters, ich sehr dankbar bin.

Comments

  1. Moin Tankred.

    Der Grund die Rute nicht zu kaufen war, als junger Bengel hatte man ja nicht so reichlich Knete und konnte mal eben einen knappen Monatslohn für eine Spezialrute ausgeben. In den 70er Jahren wurde die Herstellung leider eingestellt. Zum Glück habe ich Freunde, die vielleicht einmal dieses Taper nachbauen werden.

    Frank Sawyer recommends for nymph angling (in which he was a real master) the Parabolic Sawyer Nymph 8’10”, # 5/6 that Ritz realized and tuned just for him;

    Grüsse aus dem Norden
    Uwe

    • Moin Uwe,

      ein gut nachvollziehbarer Grund. Auch für verdienende Erwachsene sind Tacklepreise oft jenseits des verfügbaren Budgets.

      Natürlich wäre es schön ein rares Stück sein Eigen nennen zu können, auch wenn man von derselben Furcht wie Koos Brandt erfasst wird.

      „My biggest worry is that my wife (when I’m dead) will sell my fishing gear for what I said I paid for it.“

      Herzliche Grüße aus Köln

  2. Hi Tankred.

    Abermals ein guter Bericht mit vielen zusätzlichen Informationen über eine Legende. Ich habe bereits Ende der 60er Jahre mit der Sawyer Nympfe erfolgreich gefischt. Für mich ist die P.T.N. heute immer noch die Nr.1 unter den Nympfen. Was sich damals bewährt hat, ist heute immer noch aktuell.

    Ich konnte auch damals die von Charles Ritz extra für ihn entwickelte Rute „Sawyer Nymph“ bei Freunden testen, aber leider habe ich es versäumt, mir dieses Prachtstück zuzulegen.

    Die kleinen Filmchen sind aber nach wie vor der Knaller, bitte weiter so.

    Uwe Heyk

    • Moin Uwe,

      danke für das Lob! Es wird von mir geschätzt, zu wissen meine Beiträge finden Anklang und sind selbst für sehr erfahrene Fliegenfischer von Interesse.

      Erstaunlich an der PTN ist der Umstand, das Sawyer mangels an verfügbarem Material, Kupferdraht aus entsorgten Radiogeräten verwendete.

      Ich wusste nicht, dass Charles Ritz für Sawyer eine eigene Nymphenrute entwickelte. Dass die beiden viel Zeit verbrachten und Ritz ein Bewunderer der Arbeit Sawyers war, war mir bewusst.

      Ich hoffe, du hattest damals einen guten Grund die Rute nicht zu kaufen. Das lindert zumindest die Enttäuschung darüber. Don’t cry over spilled milk!

      Ein lustiges Filmchen wird kommenden Sonntag veröffentlicht.

      Bis dahin herzliche Grüße nach Kiel
      Tankred

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