Ehre wem Ehre gebührt

Fast auf den Tag genau vor 35 Jahren verstarb Elvis Presley. Berechtigterweise fragen sich einige nun, was das Ableben des King of Rock ’n ‚Roll mit Fliegenfischen gemeinsam hat? Nicht das es mir bekannt wäre, das Elvis Presley sich in die Zunft edler Fischerkollegen einreiht. Im Gegenteil, Elvis wird wahrscheinlich die traurige Ehre zu teil, in einem der haarsträubensden Filmmomente mit Fischfang zu erscheinen.

Am 28.07.2012 verstarb der letzte aktiv im Tagesgeschäft von Hardy Fishing involvierte Angehörige der Familie Hardy, James L. Hardy, welcher zwischen 1948 – 1992 die Geschicke des Unternehmens mitgestaltete und leitete. Nun fragt ihr euch wahrscheinlich noch immer, wo hier nun der Bezug zu Elvis Presley besteht?

Dazu möchte ich euch gerne ein Erlebnis schildern, welches ich vor eineinhalb Jahren in einem Tackleshop in Österreich hatte. Ich begleitete einen Freund zum Rutenkauf, in Vorbereitung auf seinen zweiten Neu Seeland Trip. Besagter Shop stattete zwei Jahre zuvor meinen Freund, der sich erst kurz davor dem Fliegenfischen zuwandte, mit einer qualitativ sehr hochwertigen europäischen Rute der AFTM Klasse 5, für seinen ersten Neu Seeland Besuch aus. Heimgekehrt vom Trip, mit Tränen in den Augen über die Aussichtslosigkeit sich mit diesem Gerät den kampfstarken und gewichtigen Forellen Neuseelands zu stellen, dabei das Gelächter der Einheimischen über seine Ausstattung noch gut im Ohr, beschloss mein Freund sich eine weitere Rute zulegen – diesmal mit etwas mehr Rückgrat. Mein bescheidenes Wissen über Ausrüstung sollte ihn bei der Wahl des nächsten Stücks unterstützen.

So betraten wir den modernen und wundervoll mit Tackle und Bindematerial bestückten Shop, um ein geeignetes Teil zu finden, welches ihn besser für seinen nächsten Trip ausstatten sollte. Interessiert und mit viel Staunen und Bewunderung für die gezeigten Stücke europäischer Bauart, liessen wir uns Rute für Rute vorführen.  Und während wir uns so austauschten über unterschiedlichste Hersteller und ich eine Empfehlung für eine Hardy Marksman aussprach, fiel mir der Besitzer und Kundenberater brüsk ins Wort: Das Unternehmen verkaufe nicht solchen ******dreck.

Und an dieser Stelle schliesst sich der Kreis vom Ableben Jim Hardy’s zum viel zu frühen Tod von Elvis Presley.

James L. Hardy 1927 – 2012 © Hardy Fishing

James L. Hardy 1927 – 2012
© Hardy Fishing

Ich bevorzuge hunderttausendfach die Musik von Radiohead zu der von Elvis. Dennoch gilt unumstritten: Elvis is the King!

Und dieselbe Wertschätzung und Anerkennung gilt der Firma Hardy, auch wenn diese in den letzten Jahren, nicht dieselben Innovationsschübe leistete wie in den Jahren 1890 – 1980. Zu dieser Zeit aber, genoss Hardy Brothers einen ähnlich unerreichten Status. Hardy ruled supreme, Hardy were King!

Wie und womit Elvis Presley seinen Platz im Olymp des Rock ’n‘ Roll einnahm, ist vielen von uns besser im Gedächtnis, als die richtungsweisenden Errungenschaften von Hardy Brothers über die Jahre.

Ein Auszug aus den Innovationen der Firma Hardy:

•    Patent auf Kugellager Rollen
•    Hardy ‚Perfect‘ Rolle: Markeinführung 1892 – noch immer im Katalog
•    Erste Large Arbor Rollen (1911)
•    Bremsmechanik in Large Arbor Rollen (stille Hemmung)
•    Stiftschraubensicherung zum Zusammenstecken von Ruten
•    Greifringe zum Befestigen von Rollen an Ruten
•    Die ersten Fliegenfischer Artikelkataloge (seit 1920)
•    Die ersten Fliegenfischer Filme (seit 1930)
•    Kohlefaserruten
•    Vertrieb in Deutschland seit 1903

Für seine besonderen Leistungen wurde Hardy mit dem American Kudos Award For Design Excellence (1984) ausgezeichnet und errang als erstes nicht-japanisches Unternehmen einen Japanese Industrial Design Award.

Jim Hardy’s Zeit am Steuer der Unternehmensgeschicke, bescherte dem globalen Rutenmarkt in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die ersten Kohlefaserruten. Eine aus dem modernen Rutenbau nicht mehr wegzudenkende Kunstfaser, die das Fischen schlichtweg revolutionierte.

Bekanntschaft mit dem kürzlich verstorbenen Jim Hardy kann man in dem vielfach preisgekröntem Film zur Geschichte der Traditionsfirma Hardy,         ‚The Lost World of Mr. Hardy‘, – Dokumentation, Fliegenfischzeitreise, Sozialgeschichte und Verneigung vor Handwerkskunst – machen.

Fliegenfischen Film Lost World of Mr Hardy

Sicherlich die größte Würdigung Jim Hardy’s Nachlassenschaft, erteilen wir ihm im Lesen seiner Hardy Bros Biografie ‚The House The Hardy Brothers Built

Fliegenfischen Literatur The Hardy Brother

Aus diesem Grund, lasst uns Einhalt gebieten aus Anlass des Ablebens des letzten Nachkommens, dieser respektwürdigen Unternehmerdynastie die seit 1872 die Entwicklung von Tackle auf allerhöchstem Niveau mitbestimmt.

RIP James L. Hardy

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Comments

  1. Kurt Becker says:

    …es muss natürlich heißen „näher“- und nicht „häher kommen“…

  2. Kurt Becker says:

    …ach ja, das hatte ich vergessen zu erwähnen, wenn ich bis jetzt auch nur flüchtig auf dieser Seite hier war, . .. großes Kompliment für Ihre Arbeit und Dank für die bereitgestellten Informationen…

  3. Kurt Becker says:

    Sehr geehrter Herr Rinder
    Es gibt für mich 2 Aspekte zur Beurteilung Ihres Versuchs, dem Phänomen Hardy häher zu kommen…
    …zum einen, das – sicher ehrenwerte – Bemühen, diese Dynastie ob ihrer über Generationen bestehenden hochwertigen Produkte zu ehren.
    …zum anderen aber, die postulierte Forderung nach einem Erschauern vor dem Schrein dieser alt-ehrwürdigen Familie – die weder Sie noch ich persönlich näher kennen gelernt haben.(auch wenn ich mit James und Jim, wie auch mit Ian Blackburn einige Worte gewechselt habe.)
    …Zitat:“Aus diesem Grund, lasst uns Einhalt gebieten aus Anlass des Ablebens des letzten Nachkommens, dieser respektwürdigen Unternehmerdynastie die seit 1872 die Entwicklung von Tackle auf allerhöchstem Niveau mitbestimmt.“
    …salbungsvoller hätte es auch ein hochrangiger Vertreter aus wohlbekannter deutscher Geschichte nicht formulieren können.
    Hardy’s, resp. das Phänomen Hardy, entspringt aus dem Zeitgeist eines Imperialismus und ist nach m.E. auch nur daraus zu erklären. Hätte das Viktorianische Brittannia nicht die weltweite Okkupation mit entsprechender Ausprägung und Platzierung von Herrenmenschen in allen Erdteilen hervorgebracht, und damit eben diese Gentlemen-Individuen, die sich den Luxus des Game-fishing, des spielerischen, sportlichen(im englischen Wortsinn) Fischens erlauben konnten, sich dabei deutlich und sehr bewußt vom coarse-fishing des einfachen Volkes absetzten, um nicht zu sagen distanzierten („grayling is considered a pest“), hätte es keine Perfekt, keine Bouglé und vieles andere auch nicht gegeben – und keinen Personenkult um die Produkte der „ehrwürdigen“ Firma, die ihre Arbeiter genauso ausgebeutet hat, wie andere in dieser Zeit auch.
    So bedauern wir, wenn wir ehrlich sind, sicher weniger die Ausbeutung, die Arbeits- und Lebensbedingungen der goldenen Jahre des Gentlemen-Fischens, sondern die Fülle, aus der diese Herren schöpfen konnten.
    Wenn Sie den Sattel des Fischers verlassen und auf anderen Platz nehmen, werden Sie die gleichen Lamentos vernehmen, sei es über das Verschwinden edelster Side by Side Flinten ebenso nahmhafter Häuser, den Tweed Stoffen, den Brogues aus bestem Boxcalf, den alten Rolls‘ und Bentleys…
    mit anderen Worten: wir betrauern heute ein Paradies, bei dem wir als Zeitgenosssen seiner Nutznießer wohl mehrheitlich hätten draussen vor der Tür verweilen müssen.
    So nun hoffe ich, dass ich Ihren durchaus berechtigten Ansprüchen an Leserkritiken ein wenig mehr Genüge getan habe.
    Abschließend darf ich noch verraten, dass ich seit meiner frühen Jugend ein Verehrer dieser „Lost World of Mr Hardy“ und vieler anderer bin, meine bescheidene Sammlung hege und pflege und wenn immer ich sie in Händen halte, eine leise Wehmut verspüre…

    • Hallo Herr Becker,

      ich bedanke mich für die ausführliche Erläuterung Ihrer Kritik an diesem Artikel und Ihr Stein des Anstosses wird nun schon klarer.

      Es mag Sie vielleicht überraschen, dass ich Ihnen in vielen Aspekten Ihrer Beurteilung zu 100% zustimme. Ganz deutlich sogar in Ihrem Exkurs zu den sozial-geschichtlichen Hintergründen der Bekanntheit der Firma Hardy.

      Wobei ich der Meinung bin, dass Arbeits- und Produktionsbedingungen sich in England wahrscheinlich nicht wesentlich von denen im deutschsprachigem Raum unterschieden. Die Wirren der 20-30 Jahre des letzten Jahrhunderts in Österreich und Deutschland zeugen davon. Stichwort Klassenkampf – der ohne den dafür nötigen Nährboden sicherlich nicht diesen Ausdruck erlebt hätte. Insbesondere denke ich an den Bürgerkrieg in Österreich zwischen dem bürgerlichen Lager und der aufstrebenden Sozialdemokratie.

      Wo ich nicht ganz auf Ihrer Linie bin, ist die Romantisierung einer gerechteren, weniger im Klassendenken behafteten Gesellschaft in D/Ö. Erst kürzlich konnte ich die wunderbare Frank Warlies Biographie über Hans Gebetsroither lesen und es überraschte mich nicht wenig, dass dieser die Traun genau so wenig befischen durfte, wie die von Ihnen zitierte Arbeiter- oder untere Mittelschicht Englands die begehrten Lachsflüsse.

      Zumindest behielt sich die englische Oberklasse einzig das Privileg der Lachsfischerei vor und der Gemeinbürger durfte sich – wohl oder übel – mit Forelle & Äsche begnügen. Zahlreiche Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert belegen das und Pritt, Stewart und viele andere einfache Nordengländer hätten ihre wunderbare Publikationen nicht auf den Markt gebracht, wäre deren Fokus auf andere Fischarten gerichtet gewesen.

      Die von Ihnen erwähnte Ablehnung des ‚coarse fish‘ Äsche liegt in erster Linie begründet, in der Minderschätzung dieses Fisches als gierige Beute, die der ‚edlen‘ Forelle bei der Nahrungsaufnahme häufig zuvor kam und anstatt dieser am Haken endete. Und mal ganz ehrlich, der Ruf nach Entfernung des ’niederwertigen‘ Döbels aus Forellengewässern, schallt noch heute durch viele heimischen Munde und Publikationen. Ich schätze den Aitel sehr!

      Doch zurück zum Thema Hardy. Mir war es ein Anliegen zur Zeit des Ablebens Jim Hardys, diesem einen Nachruf zu widmen, der sich von den zu dieser Zeit massig veröffentlichten Pressemitteilungen unterschied. Dabei erinnerte ich mich an die Verärgerung die ich erfuhr, ob des Erlebnis in besagtem Tackleshop und die respektlose Äusserung gegenüber dieser ikonischen Firma, die die Geschichte des Fliegenfischens maßgeblich mitbestimmte. Deshalb sah ich mich bemüßigt, die Errungenschaften der Firma Hardy noch einmal für alle in Erinnerung zu rufen.

      Ich stelle diese Firma und ihre Produkte nicht über die Qualität anderer Erzeugnisse, bin mir aber der Bedeutung des Unternehmens – wenn auch bedingt durch die glückliche Fügung politischer und wirtschaftlicher Hegemonie – bewusst. Denn wie gesagt – Ehre wem Ehre gebührt!

      Der Dialog mit Ihnen hat mir sehr viel Freude bereitet und ich schätze die eindringliche und kritische Art, wie die Leser von Forelle & Äsche meinen Veröffentlichungen begegnen. Das ein analytischer und sinniger Geist wie der Ihre meine Arbeit lobt, ermutigt mich in meinem Versuch, einen Beitrag zur heimischen Kultur der Fliegenfischerei zu leisten.

      PS: den Tippfehler hätte weder ich, noch irgendjemand anders beanstandet.

      Danke vielmals für diesen wundervollen Beitrag zu meinem Blog!

      Freundliche Grüße
      Tankred Rinder

  4. Kurt Becker says:

    Geschwafel hoch drei…

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