Fliegenfischen in Frankreich – Bien sur mes amis!

Phil Pembroke – Fliegenfischen in Frankreich

Phil Pembroke – Fliegenfischen in Frankreich

Was den deutschen Urlaubern die Reise nach Spanien oder Italien, ist für die Briten ein Trip nach Frankreich. Kein anderes europäisches Land wird trotz der seit Jahrhunderten gepflegten Haß-Liebe, von Reisenden aus dem Vereinigten Königreich öfter besucht. Wen wunderts; bietet doch die Überfahrt nach Frankreich, die Möglichkeit der Umkehr der letzten Invasion Großbritanniens im Jahr 1066. Als wäre es im Genpool der Briten fest gemacht, strömt also jährliche eine Heerschar an Urlaubern über den Ärmelkanal um die Vorzüglichkeiten – vielleicht auch die verborgenen Gemeinsamkeiten mit der Grande Nation – zu entdecken. Hatte William the Conquerer doch das äußerst Mögliche unternommen, im Zuge der Besetzung Englands, das Erbe der ursprünglichen Herrscher und Einwohner – Angeln, Sachsen, Jüten, Kelten – säuberlichst auszumerzen. Eine besondere Gemeinsamkeit beider Nationen ist die Besessenheit mit Fliegen und Nymphen, Forelle & Äsche nach zu stellen.

Trotz ähnlich bewegter Geschichte – man denke an den großen Frankenkönig – ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich nicht annähernd so innig. Es entsteht der Eindruck, Fliegenfischen (pêcher à la mouche) in Frankreich rangiert im unteren Skalenbereich des Urlaubsbarometers vieler heimischer Fliegenfischer. Zu Unrecht, wie ich behaupte. Bietet doch Frankreich mit seinem kulturellen, kulinarischen und landschaftlichen Angebot insbesondere den mit Familie reisenden Fischern ein kaum zu überbietendes, allumfassendes Ferienangebot.

© flickr user: Jean-Louis Vandevivère

© flickr user: Jean-Louis Vandevivère

Warum also nicht einmal zur Abwechslung den gemeinsamen Urlaub in Frankreich verbringen und dabei die persönlichen Interessen mit den Urlaubsansprüchen der Familie verbinden. Nebst angenehmen Temperaturen und köstlichem Speis und Trank überzeugt Frankreich als Destination für Fliegenfischer, mit seinen moderaten Preisen für Tages-/Wochenkarten, die in etwa mit den Ausgaben dafür in Deutschland zu vergleichen sind.

Phil Pembroke’s Eigenauflage ‚Flyfishing in France‘ ist gewiss sehr hilfreich bei der Planung der Urlaubsreise. Detailliert, wenn auch manchmal etwas unübersichtlich, werden Ziele in Nord- und Westfrankreich zur Ausübung des Fliegenfischens vorgestellt. Mit groben Skizzen der erfolgträchtigsten Flüsse von der Normandie bis in die Pyrenäen, werden Ausgabestellen, Kosten, Fliegenmuster und Information heimischer Fliegenfischer, dem interessierten Besucher vermittelt. Sicherlich eine ausgezeichnete Basis zur weiteren Recherchearbeit in Bezug auf Unterkunft sowie weitere Attraktionen der zu besuchenden Region.

In Anbetracht Phil Pembrook’s Eigenregie bei der Gestaltung dieses 180-seitigen Informationsbüchleins, habe ich Nachsehen mit den gelegentlichen Tippfehlern, sowie der manchmal ungewöhnlich anmutenden Textgestaltung. Aber hey, Pembrook ist Fischer dem es offensichtlich ein Anliegen war, auch ohne die Unterstützung eines Verlagshauses, ansprechende Regionen und Flüsse in simpler Aufbereitung einer reisewilligen Schar an PetrijüngerInnen bekannt zu machen. Ich hatte lange und verzweifelt nach mir verständlicher Information zu Fliegenfischen in Frankreich gesucht und bin dabei bislang noch über nichts Ausführlicheres gestoßen. Bon voyage!

© flickr user: Jean-Louis Vandevivère

© flickr user: Jean-Louis Vandevivère

Fliegenfischen wird in Frankreich auf sehr hohem Niveau betrieben. Eindrucksvoll wird diese Behauptung mit Topplatzierungen französischer Fliegenfischer bei internationalen Meisterschaften belegt. Egal wie man dazu stehen mag – durchaus auch kritisch wie ich selbst –, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass unzählige Material – und Technikerneuerungen auf Casting oder Fischwettbewerbe zurückgehen.

Fürs Filmemachen ist man auch begabt in Frankreich. Von den auch sehr reizvollen transatlantischen Produktionen unterscheiden sich französische Filme, wie in den nachstehenden drei Filmchen, durch ihre Realitätsbezogenheit. Der Geruch des feuchten Gras, der Tritt aufs samte Moos, die wunderschön gezeichneten wilden – wenn auch untermaßigen – Forellen, sind letztlich die Essenz des Fliegenfischens an naturbelassenen Revieren, die unseren Traum vom Fang des Lebens nähren.

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