Der Flyfishing Guide der aus der Hölle kam?

Die Auslöser einen Artikel zu verfassen sind oft unergründlich und erscheinen dabei manchmal zu unvorhergesehenen Momenten. Der sorgfältig zusammen gestellte Veröffentlichungsplan, wird durch besondere Ereignisse leicht aus dem Gleichgewicht gebracht. Doch diesen unverhofften Störern gilt es auch ihren Raum zu geben, um sich zu entfalten und als willkommene Inspiration zu dienen, sich vom eingeschlagenen Weg kurz abbringen zu lassen. Während ich also zu Anfang dieser Woche über oben gezeigtes Video stürzte und mir den geeignetsten Rahmen überlegte, diese überspitzte aber sicherlich zutreffende Persiflage euch zu präsentieren, erreichte mich die Nachricht eines Freundes, über seine Absicht sein Wissen und Können öffentlich zur Verfügung zu stellen.

Der Zeitpunkt der Nachricht kam sicherlich überraschend. Doch das Vorhaben, die eigene Expertise als weiteres Standbein in den Ring der Existenzdeckung zu werfen, war mir lange bekannt. Denn erst kürzlich unterhielten wir uns auf dem Weg an den Fluss, über die Hank Patterson’s dieser Welt. Und offensichtlich unterstreicht das Video unsere gemeinsame Überzeugung, selbst unter Fliegenfischern – die durchaus das eine oder andere Mal sich und die von ihnen gewählte Disziplin zum Fang von Forelle & Äsche in die Nähe der göttlichen Berufung rücken – befinden sich Geschöpfe fraglichen Charakters.

Ohne meinem Freund an dieser Stelle Hinweise geben zu wollen oder sogar zu müssen, nutzte ich die Gelegenheit mir zu überlegen, welche Ansprüche ich an einen Guide stellen würde, um nach einem bezahlten Lehrgang oder die Einführung an ein Gewässer mit dem Gefühl nach Hause zu fahren, jeder einzelne ausgegebene Euro war seinen Einsatz wert.

Soziale Kompetenz – während des Lehrgangs stehen Kunden mit ihrem aktuellen Können im Vordergrund. Somit bringt der Guide Verständnis für unterschiedlichstes Begabung mit und versucht innerhalb dieses Rahmens, geduldig und ermutigend die Kunden zum Erfolg zu führen.

Professionalität: Pünktlichkeit ist ein absolutes Muss jeder gewerblichen Tätigkeit. Auch wenn Guiding ausserhalb des klassischen nine-to-five stattfindet, werden vereinbarte Treffpunkte eingehalten. Vorbereitet ist der Guide mit ausreichend fängigen Mustern und anderem Material (Vorfächer, Braided Loops etc.) um selbst dem blindesten Anfänger die Chance auf einen Fang zu gewähren. Der oft nicht geringe Tagessatz für Guiding muss ein gutes Dutzend oder mehr Fliegen beinhalten. Kostenloser Lunch ist immer willkommen!

Zurückhaltung: die wichtigste Person beim Guiding ist der/die KundIn. Somit ist es selbstverständlich, dass Guides an diesen Tag die eigene Rute zwar in der Hand halten können, das Fischen aber den zahlenden Kunden überlassen. Zu häufig hört man von bezahlten Tagen am Wasser, an denen sich Kunden über längere Zeiten alleine gelassen fühlten. Selbstredend, dass so mancher Guide beste Stellen und Momente dazu nutzte das eigene Bedürfnis nach einem Fisch an der Leine zu befriedigen. Unverzeihlich und unprofessionell sind die mildesten Bezeichnung, die mir für dieses Verhalten einfallen.

Respekt & Rücksicht: es ist bedauernswert, diesen Punkt als Anforderung an die fachliche Kompetenz anführen zu müssen. Doch oft sieht man Videos von selbsternannten Profis, die Fische mit trockenen Händen aufgreifen, Bissanzeiger selbst an kleinen Bächen einsetzen usw. Die Chancen im Duell Mensch vs.Fisch sind nun mal nicht ausgeglichen und nicht jeder vorhandene Fisch muss von uns Fischern gefangen werden. Gefangene Fische, egal welcher Größe, sind selbstverständlich schonend zu behandeln.

Fachwissen: zu guter Letzt – da wahrscheinlich, das für einen Guide am einfachsten zu erfüllende Kriterium – die Fähigkeit, Fehler beim Casting oder bei der Ausführung einer Technik zu erkennen und die Korrektur dieser so weit wie möglich zu unterstützen. Und selbstverständlich den Ehrgeiz, sich als Guide erst dann zufrieden zu geben wenn Fische an der Fliege der Kunden hängen.

Fliegenfischen Barry White Bob Clouser

Guides dürfen ruhig jünger, als die beiden abgebildeten Barry White & Bob Clouser sein. So viel Spass an der Freude muss aber sein!

Den Einstieg in ein neues Hobby zu finden kann ein durchaus holpriger Weg sein, den es geschickt zu manövrieren gilt. Freundschaftlicher Rat und Hinweise sind sicherlich ein guter Start um mit den zahlreichen Facetten des Fliegenfischens in Erstkontakt zu treten. Ohne Zweifel muss weiterführendes Wissen häufig auch selbst erarbeitet werden. Es gibt aber durchaus Momente – ich denke dabei an Ausflüge und Reisen, oder den Wunsch durch den Austausch mit einem Guide oder Kursanbieter rascher ein Fundament an Basiswissen zu erlangen – in denen man sich gerne in die erfahrenen Hände eines mit lokalem Wissen ausgestatteten Experten begibt.

Guides oder Instrukteure dienen somit den wesentlichen Bedarf, sich rasch mit Grundkenntnissen auszustatten. Zumeist werden sie diesem Anspruch auch gerecht. Diejenigen Kursanbieter, die den durchaus berechtigten Wunsch nach Kommerzialisierung der eigenen Fähigkeiten nur mangelhaft nach kommen, werden wahrscheinlich auf Dauer die Lust auf den Austausch mit Neulingen verlieren und die Zeichen zum Rückzug hoffentlich nicht ewig ignorieren.

Ein Neuling in der Reihe an Fliegenfischern die ihr Können wissbegierigen Interessenten ab der Saison 2013 zur Verfügung stellen werden ist Alexander Keus, der einigen unter euch als Betreiber des Blogs Flybei sicherlich bekannt sein wird. Ohne Alex und seine Expertise über das anderer stellen zu wollen, so kann ich doch behaupten Alex Keus als denkenden und gewissenhaften Menschen kennen gelernt zu haben, der meine persönlich definierten Ansprüche an einen Guide maximal erfüllt. Viel Spass und Erfolg!

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