John Goddard – Nachruf auf einen Meister

John Goddard (Autor: Trout Flies of Still Water) - stets auf Suche nach neuen Herausforderungen © Neil Patterson

John Goddard (Autor: Trout Flies of Still Water) – stets auf Suche nach neuen Herausforderungen © Neil Patterson

Donnerstag 17. Januar 2013 um 14:15 Uhr. Eilig zieht der IC in dem ich sitze von Bremen nach Uelzen. Auf dem Weg dorthin passiere ich den Fluss Ilmenau, der malerisch die Hansestadt Lüneburg durchfliesst. Und als ich so den Hals recke, um einen weiteren Blick, des sich durch die gleichnamige Heide mäandernden Flusses zu erhaschen, erinnere ich mich an einen Artikel aus Die Zeit. Schwieriges fischen auf in geringer Dichte vorhandene Forelle & Äsche. Just in diesem Moment wird im etwa 900km entfernten London, der Leichnam des am 26.12.2012 im Alter von 89 Jahren verstorbenen John Goddard zu Grabe getragen. Jenes Mannes, in dessen Wortschatz und Gedankenausrichtung, Konzepte wie ‚zu schwer, geht nicht, unmöglich‚ nicht zu existieren schienen.

John Goddard wurde am 27. August 1923 in Brixton (London) geboren und wuchs in Carshalton (Surrey) auf. Dort fing er im Alter von fünf Jahren seine ersten Fische am River Wandle. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs trat er der Gartenmöbelerzeugung seines Vaters bei und überzeugte diesen davon, die Produktkette um Fishing Tackle zu erweitern. Die daraus resultierende Marke Efgeeco wurde zum Verkaufsschlager und John Goddard wurde im Laufe der Jahre zum Langzeit Vizepräsidenten des Angelgeräte Handelsverband (Tackle Trades Association) und der erste Vorsitzende der Angling Foundation.

Das größte Erbe an die Fischergemeinschaft hinterließ aber Goddards bedeutende entomologische Forschung, die Fliegenfischer von der Bedeutung einer naturgetreuen Imitation der lebendigen Vorbilder, für den Fang von Forelle & Äsche zu überzeugen versucht. Als Goddard seine Aufmerksamkeit von Weiss- und Raubfischen auf Salmoniden richtete, widmete er sich bevorzugt der Kreideflussfischerei in Abbotts Barton am River Itchen. Demselben Revier, an dem Jahrzehnte vor ihm G.E.M. Skues, seine Beobachtungen zum Nymphenfischen notierte, um diese einer kritischen Gemeinde vorzustellen.

Die Bekanntschaft mit dem Stillwasserfliegenfischer Cliff Henry Mitte der 50er Jahre, sollte Goddards Werdegang maßgeblich beeinflussen. Beeindruckt von der Herausforderung, Salmoniden im glasklaren Wasser des River Itchen zu fangen, machten sich beide daran, aquatische Insekten in allen Lebensstadien zu sammeln und dokumentieren. Es zeugt sicherlich von Goddards Akribie, Besessenheit und Perfektionsdrang, dass dieser sich autodidaktisch Makrophotografie beibrachte und achtzehn Monate und eintausend Aufnahmen später, das erste zufriedenstellende Foto einer Large Dark Olive entwickelte. Nach einer vierjährigen Feldphase der beiden zwischen 1961 – 1965 wurde das Erstlingswerk ‚Trout Fly Recognition‚ 1966 veröffentlicht, gefolgt 1969 von ‚Trout Flies of Stillwater‚.

Die Wissbegierde an Entomologie führte letztlich zu Goddards Aufnahme als Mitglied der Gelehrtengesellschaft an der Royal Entomology Society. Doch Goddards akademisches Interesse an aquatischen Insekten diente in erster Linie der Erfüllung des Wunsches, natürliche Vorbilder so präzise als möglich an den Haken zu binden. In seiner 35-40 jährigen Zeit die er dem Fliegenbinden widmete, bescherte uns Goddard mit zeitlosen Kreationen wie der Goddard Caddis (die G&H Sedge entwickelt mit Cliff Henry), Suspender Nymphe und Buzzers (auffällig durch das Einbinden von auftriebsstarken Plastazote Bällchen), Poly May Dun und Spinner, Super Grizzly Emerger und PVC Nymph.

Zeitgleich entdeckte Goddard seine Neugierde an der Meeresfischerei. Seine Abenteuer – erster mit der Fliege gefangener Segelfisch vor Kenia – Rekordfänge bei der Sandbankfischerei auf den Bahamas, Kuba, Mexiko, Belize (Bonefish, Permit, Trevally), sowie die Großfischangelei (Marlin, Thunfisch, Hai) vor den Azoren, kulminierten in Goddards mehrjähriger Kapitänschaft des englischen A-Teams während Großfischangelei Meisterschaften in den siebziger Jahren.

Neil Patterson, John Goddard, Brian Clarke, Dr Tony Hayter © Peter Lapsley

Neil Patterson, John Goddard, Brian Clarke, Dr Tony Hayter © Peter Lapsley

Seine Liebe zur Forellenfischerei litt darunter in keiner Weise. Die zur selben Zeit begonnene und folglich ein Leben lang währende Freundschaft mit Brian Clarke, führte 1980 zur Veröffentlichung des im deutschsprachigen Raum sicherlich bekanntesten Goddard Buches: ‚Die Forelle und die Fliege‚. Ins Flussbett getauchte Kameras dokumentierten die physikalischen Eigenschaften aus dem Zusammentreffen von Licht und Wasser und trugen maßgeblich zum Verständnis bei, bezüglich der Sichtverhältnisse für Salmoniden und deren Wahrnehmung von Fischern und Kunstfliegen. Die Einzigartigkeit dieses Buches veranlasste die Sunday Times zu einem siebenseitigen farbigen Magazinbeitrag; ein fünfzigminütiger Film zum Forschungsverfahren der beiden Freunde wurde noch in der selben Woche auf BBC ausgestrahlt; und die New York Times listete ‚The Trout and the Fly‚ als eines der Bücher des Jahres; der US President Carter überreichte eine handgeschriebene Dankesnachricht an Goddard und Clarke.

Nach den Charaktereigenschaften Goddards gefragt, werden Freunde des nach Außen schweigsam anmutenden John Goddard nicht müde, seinen Enthusiasmus für die Fischerei zu betonen. Seine unermüdliche Energie und Tatendrang erfüllten ihn mit dem unerschütterlichem Optimismus, selbst unter schwierigsten Umständen und Vorraussetzungen Forelle & Äsche und unzählige andere Fischarten, aus den unzugänglichsten Ecken und Winkeln an seine Fliege zu führen. John Goddards Beitrag zum modernen Fliegenfischen ist unermesslich und sein Ableben hinterlässt Fussstapfen die nicht leicht zu füllen sein werden. John Goddard hinterlässt seine Frau Eileen aus 62-jähriger Ehe und seine Tochter Susan.

Mein ganz besonderer Dank richtet sich an The Wandle Piscators Theo Pike, Peter Lapsley und Neil Patterson deren Einsichten in das Leben und Schaffen von John Goddard, sowie die Bereitstellung der eingefügten Photographien, diesen Nachruf erst ermöglichten.

Bibliographie:

The Passionate Angler (Medlar Press, 2008)
Trout Fly Recognition (A&C Black, 1966)
Trout Flies of Stillwater (A&C Black, 1969)
Big Fish from Saltwater (Ernest Benn, 1977)
The Super Flies of Stillwater (Ernest Benn, 1977)
The Trout & The Fly, with Brian Clarke (Ernest Benn, 1982)
John Goddard’s Waterside Guide (Unwin Hyman, 1988)
Trout Flies of Britain & Europe (A&C Black, 1991)
John Goddard’s Trout Fishing Techniques (A&C Black, 1996)
Reflections of a Game Fisher (Robert Hale)
The Trout Fly Patterns of John Goddard (Merlin Unwin)

Advertisements

Comments

  1. Anonymous says:

    Tankred, thanks for sharing this excellent article. John Goddard really was a master of the discipline many just call fishing !
    CJ

    • Hi CJ,

      I never got the chance to meet the man. However, it is rather rare that one person is admired so unequivocally by flyfisher men/women of all ilk and origin. While researching the article I was totally taken unawares of his achievements in sea fishing. Being commissioned by tourism boards in the Azores and other exotic places to popularise the destinations due to one’s angling skills is no mean feat.

      Best regards
      Tankred

Trackbacks

  1. […] Further appreciations of his life have now appeared in the Telegraph, as well as on Gary Borger’s blog and Forelle und Aesche. […]

Kommentar verfassen