Barry Ord Clarke: Fliegenbinden für Anfänger #2 Bindegarn und Kopfknoten

Dem Fliegenbinder der heutigen Zeit, stehen Garne unterschiedlichster Eigenschaften im Fachhandel zur Auswahl. Der Binder wählt den für den Zweck geeignetsten Garn in Bezug auf Stärke, Dehnbarkeit, gewachst oder ungewachst,  und ob das Garn ein flaches oder rundes Profil am Haken zeigt. Zahlreiche Farben runden dieses Angebot ab.
Größe/ Stärke:

Dickere Garne haben eine niedrigere Nummer z.B. 3/0 und dünnere Garne die höhere Nummer z.B. 16/0. Die stärksten Garne wie Kevlar und Dyneema sind ähnlich reissfest wie Kohlefaser. Seiden- und Kunstseidegarne (Floss) sind nach wie vor erhältlich, doch die meisten modernen Garne sind aus synthetischem Material wie Rayon, Dacron, Nylon und Polyester hergestellt. Dehnbare Seiden sind üblicherweise aus Lycra erzeugt. Neuartige Garne erfreuen den Puristen vielleicht weniger, jedoch spielen sie im innovativen Fliegenbinden eine wichtige Rolle. Rayon und Acetat Garne sind sehr glänzend und ich verwende diese einzig für Tags. Werden diese für Garnkörper benutzt, fransen sie leicht aus.

Denier (Fadenstärke):

Die folgenden Verhältnisse gelten für unvermischtes, einheitliches Garn:

Die Deniermaßeinheit wird an zwei- und einfadigen Fasern angewandt. Gemeingültige Berechnungen wären:

1 Denier = 1 Gramm pro 9.000 Meter
= 0,05 Gramm per 450 Meter (1⁄20 von oben)
= 0,111 Milligramm pro Meter

9.000 Meter zu wiegen ist sowohl unpraktisch als auch zeitraubend; in der Regel wird somit ein Muster von 900 Metern gewogen und das Ergebnis mit zehn multipliziert um das Deniermaß zu berechnen.

Ihr werdet im Laufe dieser Serie feststellen, dass ich für die meisten Muster Dyneema verwende.

Diese Faser bietet beim Binden viele Vorteile. Dyneema ist eine äußerst kräftige mehrfadige Faser maximaler Stärke mit minimalem Gewicht. Im direkten Gewichtsvergleich ist es fünfzehn Mal stärker als hochgradiger Qualitätsstahl. Dyneema treibt am Wasser und ist höchst langlebig und widerstandsfähig in Bezug auf Feuchtigkeit, Salzwasser, UV Licht und Chemikalien. Als mehrfadige Faser kann Dyneema gegen den Uhrzeigersinn entdrallt werden, wobei sich die Fasern öffnen und verflachen. Somit eignet sie sich hervorragend für selbst größte Fliegen, für das Splitten, für das Drallen von Dubbing Loops und das Binden mit Rehhaaren. Wird Dyneema im Uhrzeigersinn verdrallt, verbinden sich die Fasern und werden zu einem besonders kräftigem Micro Bindegarn der Stärke 16/0, der sich für allerkleinste Fliegen eignet. Ein weiterer Vorteil liegt darin, nur eine Bindefarbe zu benötigen, da sich Dyneema vorzüglich mit wasserfesten Farbstiften bearbeiten lässt. Die Anwendungsbereiche sind schier unbegrenzt. Dyneemas einzig nachweisbarer Nachteil ist die Glätte der Faser. Zum Anbinden einiger Materialien, muss Dyneema gewachst werden muss.

Ich werde ein anderes Mal auf Dyneema zurück kommen und der Faser ein eigenes Kapitel widmen.

Das Garn am Haken anbringen:

Wenn das Garn am Haken angebracht wird, dient es nicht einzig dem Zweck anderes Material am Haken zu befestigen. Mit dem Garn wird die Grundlage gelegt, Bindematerial rutschfest am glatten Haken anzubringen.

Bindegarn

© Barry Ord Clarke

1.
Das Ende des Garns in der linken Hand und den Bobbin in der rechten, wird das Garn hinter dem Hakenschenkel platziert.

Bindegarn1

© Barry Ord Clarke

2.
Mit der linken Hand halten wir das Garn unter Spannung, rotieren den Bobbin von unten um den Haken und kreuzen dabei das Garn wie abgebildet.

Bindegarn2

© Barry Ord Clarke

3.
Nun wird ein weitere Umdrehung eng an der ersten Windung angebracht.

Bindegarn3

© Barry Ord Clarke

4.
Mit der linken Hand wird das Garn weiter unter Spannung gehalten und sechs bis sieben weitere enge Umwindungen vorgenommen. Wenn ein Tinsel oder Flosskörper geformt wird, der eine ausgeglichene Grundierung erfordert, ist es von Wichtigkeit saubere und ordentliche Umwindungen vorzunehmen. Wenn jedoch Körper mit Dubbing gebunden werden, ist diese Genauigkeit nicht unbedingt nötig. Doch auch hier gilt: lernt man jedes Muster ordentlich zu binden, wird man später bessere und sauberere Fliegen binden können.

Bindegarn4

© Barry Ord Clarke

5.
Nun kann das eine Ende des Garns abgetrennt werden.

Bindegarn5

© Barry Ord Clarke

6.
Das Garn in engen Umwindungen befestigt, kann der vorige Prozess fortgesetzt werden um soviel des Hakenschenkels mit Bindegarn abzudecken, als benötigt.

Der Kopfknoten (Whip Finish):

So wird der Knoten genannt, den man zum Abbinden einer Fliege einsetzt. Weiters wird der Kopfknoten dazu benutzt, Material vor der Fertigstellung der kompletten Fliege fest sitzend abzubinden, um einen weiteren Bindeschritt einzuleiten. Viele Neulinge finden diese Knotentechnik schwierig zu meistern. Hat man diese Technik aber erst Mal im Griff, wird man sie nie mehr vergessen. Nehmt Euch die Zeit, diesen Knoten an einem blanken Haken zu üben.

Kopfknoten

© Barry Ord Clarke

1.
Den Bobbin in der linken Hand, legen wir das Garn wie abgebildet über den Haken des Kopfknotenbinders (Whip Finish Tool), sowie über die Beugung dieses Werkzeugs.

Kopfknoten2

© Barry Ord Clarke

2.
Die Spannung am Bobbin wird mit der linken Hand aufrecht erhalten und der Kopfknotenbinder wird um eine halbe Drehung im Uhrzeigersinn rotiert. Somit bildet das Bindegarn ein Dreieck und das Bobbin seitige Garn liegt parallel zum Hakenschenkel.

Kopfknoten3

© Barry Ord Clarke

3.
Die Spannung am Bobbin wird weiter beibehalten, und der Kopfknotenbinder im Uhrzeigersinn zwei bis drei Mal um den Hakenschenkel gewunden.

Kopfknoten4

© Barry Ord Clarke

4.
Sobald zwei bis drei Umwindungen um den Hakenschenkel gemacht wurden, wird die Hand am Bobbin etwas nach links gezogen. Der Kopfknotenbinder wird leicht nach oben geneigt und das Garn lassen wir dabei über die Beugung des Kopfknotenbinders gleiten. Nicht über den Haken des Werkzeugs, wohlgemerkt!

Kopfknoten5

© Barry Ord Clarke

5.
Sobald das Garn über die Beugung des Werkzeugs rutschen konnte, wird mit der Hand am Bobbin weiter gezogen, die Spannung an beiden Händen aufrecht erhalten, und der Haken des Kopfknotenbinders an den Angelhaken gezogen.

Kopfknoten6

© Barry Ord Clarke

6.
Wenn der Haken des Kopfknotenbinders am Angelhaken anliegt, wird jener Haken aus der Schlaufe gezogen um den Knoten abzuschliessen. Das Garnende nun stutzen um die Fliege abzuschliessen. Für gewöhnlich beende ich Trockenfliegen und Nymphen, deren Köpfe klein und ordentlich abgeschlossen werden sollen, mit zumindest zwei Umwindungen. An größeren Fliegen und Salzwassermustern, bringe ich mindestens drei oder vier Umwindungen an.

Denkt daran, bei Fragen steht Euch Barry gerne zur Verfügung. Postet einfach eure Frage in den Kommentarteil seines Original Beitrags.

Wer gerne über das nächste Kapitel in der Reihe ‚Fliegenbinden für Einsteiger‘ informiert werden möchte, kann auf The Featherbender seine/ihre Emailadresse hinterlassen. Besten Dank für das Interesse!

Der besonders herzliche Dank von Forelle & Äsche richtet sich an Barry Ord Clarke’s The Featherbender, dessen freundliche Unterstützung diese Übertragung aus dem Englischen ermöglichte.

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