Barry Ord Clarke: Fliegenbinden für Anfänger #6 Traditionelle Trockenfliegen und Hechelvorbereitung

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Der heutige Artikel befasst sich mit der korrekten Weise, Hecheln für Trockenfliegen vorzubereiten und diese am Haken anzubringen.

Denkt daran, bei Fragen steht Euch Barry gerne zur Verfügung. Postet einfach eure Frage in den Kommentarteil seines Original Beitrags – Hechelvorbereitung.

Wenn Ihr eine Nachricht erhalten möchtet, wann die nächste Lektion im Fliegenbindekurs für Anfänger veröffentlicht wird, hinterlasst bitte Eure Email Adresse auf der Homepage von The Featherbender. Danke!

Im Großen und Ganzen gilt, je mehr man bereit ist auszugeben umso besser fallen die Hechel aus. Hütet Euch jedoch davor eine Hypothek für den Kauf von Hecheln aufzunehmen. Hochwertige Hecheln sind auch ohne Höchstpreise dafür zu bezahlen erhältlich. Die erste wichtige Überlegung vor dem Kauf wird sein, um welche Hakengröße ihr die Trockenfliegen Hecheln winden wollt. Die Qualität einer Hechel lässt sich nach ein wenig Übung am Bindetisch besser einschätzen. Die Hechel sollte gerade, lang und schlank sein und strahlend glänzen. Die Hechelfahne sollte über wenige Nebenfibern (webb) verfügen, und dabei schlank, steif und von gleicher Länge entlang des ’sweet spots‘ sein – dem brauchbaren Teil einer Hechel.

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Dieser ’sweet spot‘ lässt sich prüfen, in dem die Hechel an der Spitze gefasst wird und die andere Hand, die Fibern einige Male entlang des Stamms nach unten streicht. Der ’sweet spot‘ befindet sich dort, wo die Fiberspitzen von gleicher Länge sind.

Der nächste wichtige zu berücksichtigende Aspekt an Hecheln sind deren Farben. Selbst Hecheln der angesehensten Züchter weisen Farbvariationen auf. Da Hecheln ein Naturmaterial sind, steht die Qualität im Zusammenhang mit der Gesundheit des Geflügels. Keine zwei Hecheln oder Bälge sind gleich! Wer somit z.B. einen Grizzle Balg kauft, möge sich alle im Geschäft angebotenen Grizzle Bälge ansehen. Fragt den Händler ob ihr den Balg auspacken dürft, biegt ihn behutsam, um die Größe und Qualität der Hecheln zu überprüfen. Haltet Ausschau nach der Farbe, die am besten dem Nutzen der zu bindenden Fliegen gerecht wird. Die Balkenmarkierung von Grizzle kann sich gehörig von Vogel zu Vogel unterscheiden. Entscheidend bei der Auswahl ist somit, sich Zeit zu nehmen und überlegt zu entscheiden.

Hier ist ein Link zu Whiting Farms Qualitätseinstufung seiner Bälge.

Nun zum nächsten Teil, dem Befestigen einer Hechel am Haken.

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Den Haken im Bindestock befestigen und darauf achten, dass der Haken horizontal eingespannt wird.

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Das Bindegarn um den Hakenschenkel winden und mit dem Garn eine Unterlage formen, um das Abrutschen der Hechel zu vermeiden.

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Die flaumigen Nebenfidern vom Federkiel entfernen und die Hechel am Fuss angewinkelt positionieren.

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Als nächstes wird die Hechel wie abgebildet, einmal diagonal umwickelt.

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Nun wird der Hechelstamm ein weiteres Mal in die entgegengesetzte Richtung umwunden und mit dem Bindegarn dabei ein X gebildet.

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Sobald das X gebildet wurde, wird das Garn an der Hinterseite des Hakens abgelegt.

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Nun wird der Rest des Stamms entlang des Schenkel, bis an das Öhr mit Garn umwunden.

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Als nächstes wird die Hechel mit der Hechelklammer erfasst.

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Hechelklammern haben die Tendenz, während des Umwindens ihren Griff zu verlieren. Um das zu verhindern, bringe ich mit Klebstoff zwei kleine Flecken extra feines Schmirgelpapier an der Innenseite der Backen an. Sind diese abgenutzt, ersetze ich sie mit neuen.

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Bindet nun die Hechel um den Haken. Stellt sicher, die Hechel eng an die voran gegangene Umwindung zu binden, ohne diese zu überlappen. Die Hechel soll im 90° Winkel vom Haken abstehen. Des weiteren achtet darauf, dass die Hechel sich nicht verdreht. Sollte das passieren muss man die Umwindung korrigieren.

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Wurde die Hechel bis an das Hakenöhr gewunden, wird sie dort abgebunden und der Rest abgeklemmt. Schlussendlich mit einem Kopfknoten versehen und das Garn durchtrennen.

Das folgende Muster ist eine Universalfliege die einen Standardabdruck einer Eintagsfliege an der Wasseroberfläche hinterlässt – Schwänzchen, Körper, Flügel, Beine. Folgt man dieser Bindeanleitung und verändert einzig die Hakengröße, Farbe und Bindematerial proportional, besitzt man eine gutes adultes (Dun) Eintagsfliegenmuster für die meisten Schlupfsituationen.

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Fixiert den Haken im Bindestock und bedeckt den kompletten Hakenschenkel mit dem Bindegarn. Am Körperende bringen wir mit zwei Extrawindungen einen kleinen Höcker an, der das Schwänzchen etwas besser an dieser Stelle befestigt.

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Wir schneiden ein kleines Büschel Rehhaar von der Decke ab und mit Hilfe eines Haaraufstoßers verteilen wir das Rehhaar gleichmäßig. Das Schwänzchen soll ungefähr 2/3 der Körperlänge ausmachen. Mit dem Garn formen wir einen leicht konisch zu- und ablaufenden Körper, der ebenfalls ungefähr 2/3 des Hakenschenkels beträgt.

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Schneidet ein ungefähr 10cm langes Stück Polypropylengarn ab und und bringt das Bindegarn um die Mitte des gefalteten Polypropylenstreifens. Beide Enden des Polypropylens zwischen den Finger, heben wir dieses an.

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Nun entlassen wir das PolyPropgarn aus unserem Griff. Das Gewicht des Spulenhalters (Bobbin) wird das PolyPropGarn an der Oberseite des Hakens stabilisieren. Mit einer 8er-Windung des Bindegarns zwischen dem PolyProp werden die Flügel gebunden.

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Nun die Hechel wie vorhin gezeigt, vorbereiten und einbinden.

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Die Hechel wird nun einige Mal hinter den Flügeln und danach einige Male vor den Flügeln eingebunden. Zuletzt die Hechel abbinden, die Bindereste entfernen und mit einem Kopfknoten abbinden. Danach PolyProp Garn stutzen und fertig ist die trockene Universalimitation einer Eintagsfliege.

Der besonders herzliche Dank von Forelle & Äsche richtet sich an Barry Ord Clarke’s The Featherbender, dessen freundliche Unterstützung diese Übertragung aus dem Englischen ermöglichte.

Viel Spass beim Binden!

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Comments

  1. Hi Hans,
    freut mich, dass du die Ansicht des Artikels teilst.
    BG Tankred

  2. … sehr gute Info, Klasse!

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