Fliege des Monats: Juni – Cinnamon Sedge – Limnephilus lunatus

Cinnamon Sedge 2 - Limnephilius lunatus

Cinnamon Sedge (Limnephilus lunatus) © flickr: nutmeg66

Der Sommer mit seinen langen, lauen Abenden kündigt sich endlich an. Der eine oder andere wird nach der Rückkehr aus der Arbeit, die letzten Stunden vor dem Sonnenuntergang vielleicht noch dazu nutzen können, mit leichter Ausrüstung bestückt sich zu einigen Würfen ans Wasser zu begeben. Zu verlockend ist der Abendsprung, der erst zu dieser Jahreszeit so richtig in die Gänge kommt.

Zu einem großen Teil verantwortlich für das laute Klatschen und die großen Ringe am Wasser, zeichnet sich der in den späten Nachmittagsstunden beginnende und bis spät nach der Dämmerung anhaltende Schlupf von Köcherfliegen der Familie Limniphildae. Einer weitreichenden Familie mit in Europa ungefähr 300 bekannten Arten.

Eine Untergruppe dieser umfangreichen Familie ist die Gattung Limnephilus, die seit Jahrhunderten in der Fliegenfischerliteratur unter dem Namen ‚Cinnamon Sedge‘ (Zimtbraune Köcherfliege) Erwähnung findet. Der Körper des geschlüpften Insekts, weist eine Länge von 14-16mm auf, ist zumeist grün und gleicht dem der Puppe. Doch dieser Gruppe gehören mehr als fünfzig verschiedene Arten an, die unter dem Begriff ‚Cinnamon Sedge‘ zusammen gefasst werden und deren Körperfarbe von grün, über hellbraun bis zu orange-grau reicht. Als Identifizierungsmerkmal dient dem Flugangler, der helle Halbmond an den zimtbraunen Flügeln.

Beginnt die Sonne sich langsam zu senken, steigen die Puppen an die Wasseroberfläche um sich zu häuten. Nach wenigen in der Sommerwärme ausreichenden Sekunden zum Trocknen der Flügel, macht sich die Cinnamon Sedge in schlitterenden Bewegungen über die Wasseroberfläche um das rettende Ufer zu erreichen. Die Vibration dieses Vorgangs wird von Forelle & Äsche über große Entfernung wahrgenommen und muss auch mit dementsprechender Vehemenz begegnet werden, um die rettende Flucht des Insekts ans Ufer zu vereiteln. Spektakuläre, klatschende Sprünge sind das Resultat.

Sedges sind wohl eine der wenigen Insektennachstellungen, für die der bei der Trockenfliegenfischerei gefürchtete Drag keine so große Rolle spielt. Im Gegenteil, durch leichtes Zupfen an der Schnur sowie dem Schlittern der Fliege entgegen die Strömung, signalisiert man Forelle & Äsche das mögliche Entkommen eines verlockenden, saftigen Happens.

Sven Ostermann – Limnephilus lunatus – Rehhaar Cinnamon Sedge

Sven nimmt sich in dieser Folge der Binderserie ‚Fliege des Monats‘, eine Trockenfliege zur Nachahmung dieses in Still- und Fliessgewässern häufig anzufindenden Insekts vor. Der Auftriebskraft der beiden – und zugleich einzigen – verwendeten Bindematerialen ist es zu danken, dass sich insbesondere der oben beschriebene Bewegungsablauf während des Fluchtvorgangs besonders gut nachahmen lässt.

FdM_Cinnamon-Sedge_01

Bindematerialien:
Haken:             Kamasan B405 #14 (#10-#18)
Bindefaden:    Dyneema
Körper:            verdrehte CDC-Feder (Farbe von grün, zu braun bis orange-grau)
Flügel:             Rehhaar Winterdecke (obenliegend für größere Muster), darunter liegend eine  Sommerdecke für Muster in kleineren Größen
Hechel:            CDC Fiebern in der Dubbingschlaufe, auf Länge gezupft

FdM_Cinnamon-Sedge_02

Je nach Hakengröße 1-2 lange CDC Federn verdrallen und die Hechelspitzen ungefähr 1/3 vor dem Hakenöhr einbinden. Anschliessend das Garn mit einer Grundwicklung zum Hakenbogen und wieder zurück an den Körperanfang führen.

FdM_Cinnamon-Sedge_03

Die CDC Hecheln abermals verdrallen, am Federkiel fassen und um den Haken in Richtung Öhr winden, um somit einen leicht konischen Körper zu formen. An der Einbindestelle der Hecheln fixieren und Bindereste entfernen.

FdM_Cinnamon-Sedge_04

Ein kleines Büschel Haar aus der Winterdecke eines Rehs abschneiden und die Spitzen in einem Haaraufstosser egalisieren. Eine relativ kleine Menge an Haar reicht hierzu, da die Winterdecke sich besonders zum Spreizen der Haarspitzen eignet. Durch den Zug des Garns nach unten, spreizt das Rehhaar und bildet eine fächerförmige Silhouette.

FdM_Cinnamon-Sedge_05

Das Bindegarn um den linken Zeigefinger legen und mit einigen Wicklungen um den Hakenschenkel eine Dubbingschlaufe (Dubbing-Loop) bilden.

FdM_Cinnamon-Sedge_06

Zwei bis drei CDC Federn aneinander reihen, mit einer Materialklemme aufgreifen. Die Federn an der Garnschlaufe anbringen. Anleitung zu diesem Bindeschritt findet Ihr in der Serie Fliege des Monats – Große Eintagsfliege unter Hans Hilgers – Ephemera Danica – Maifliege Dun.

FdM_Cinnamon-Sedge_07

Mit der Verwendung einer Dubbingschlaufe wird eigentlich eine kompaktere Wicklung erzeugt, als mit einer gewöhnlichen Zeigefinger/ Daumen Verdrallung. Somit findet diese Technik in erster Linie zum Formen von Körpern kleinerer Muster ihren Einsatz. CDC Hecheln sind sehr fein mit einem relativ dicken Stamm. Somit lässt sich CDC nicht wie anderen Hecheln zu einem Kranz formen. Um diesen Effekt zu erzielen, muss CDC ebenfalls mittels einer Dubbingschlaufe am Haken angebracht werden. Wurde die CDC Schlaufe komplett um den Haken gewunden, bringen wir einen Kopfknoten an.

FdM_Cinnamon-Sedge_08

Zuletzt das CDC auf die gewünschte Länge stutzen. Dazu verwenden wir keine Schere, sondern zupfen die Hechelspitzen ab, bis das gewünschte Maß erreicht ist. Fertig ist die Rehhaar Cinnamon Sedge. Viel Spass beim Binden!

Hans Hilgers – Limnephilus lunatus – Cinnamon Sedge

Auftriebskraft und Flügelsilhouette sind zwei der wichtigsten Faktoren beim Binden naturgetreuer Sedge (Caddis) Muster. Hans Hilgers wirkt der langen Vorbereitungszeit und dem manchmal umständlichen hantieren mit Flügelbrennern entgegen, indem er wie im Vormonat dieser Serie die Länge der Fibern einer Stockentenfeder dazu nutzt, Körper oder Flügel zu formen.

FdM_Cinnamon-Sedge_02

Bindematerialien:
Haken:             Maruto d21 (#10-#14)
Bindefaden:    Dunkles Olive
Körper:            Zimtbraunes Seals Fur Dubbing, Grizzly Hechel
Flügel:             Bronze Mallard (Stock Ente)
Hechel:            Braun (red game)

FdM_Cinnamon-Sedge_01

Die breiten Fibern werden zum Stamm gebogen. Dann etwas Kleber auf die Fibern und langsam zum Stamm ziehen. Werden die Fibern 2-3 zum Stamm gestrichen, bleiben diese in dieser Stellung. Nochmal mit etwas Kleber/Lack versehen, trocknen lassen.

FdM_Cinnamon-Sedge_03

Während die Flügel trocknen, den Haken im Bindestock fixieren. Mit einer Grundwicklung das Garn an den Hakenbogen führen und eine Grizzlyhechel einbinden. Etwas Dubbing bis ungefähr zur Hälfte des Hakens anbringen.

FdM_Cinnamon-Sedge_04

Im Palmer Stil die Hechel in gleichmäßigen, offenen Windungen über den Dubbingkörper führen.

FdM_Cinnamon-Sedge_05

Die in der Zwischenzeit getrocknete Stockentenfeder (mallard) wird nun am Stamm, am Öhrende des Hakens eingebunden. Mit gleichmäßigen Windungen eine Grundierung für die Hechel bilden.

FdM_Cinnamon-Sedge_07

Die Hechel nun am Körperende einbinden, in vier bis fünf engen Windungen an das Hakenöhr führen und schliesslich mit einem Kopfknoten abbinden. Voilà – fertig ist die Cinnamon Sedge. Viel Spass beim Binden!

FdM_Cinnamon-Sedge_08

Advertisements

Comments

  1. Häfele, Jürgen says:

    Hallo Tankred, sehr interessant und verständnisvoll geschrieben…
    Ich war auch gleich bei mir am Bach schauen und sie waren
    gegen Abend tatsächlich da… Top Bindeanleitungen…

    Danke Jürgen

    • Hallo Jürgen,

      eine schönere Bestätigung für die Wahl des Insekts/Fliege des Monats, als das Urteil eines Lesers könnten wir uns nicht wünschen.
      Petri Heil und lass uns von Deinen Fangerfolgen mit den Nachgebundenen hören!

      Beste Grüße
      Tankred

Kommentar verfassen