Erfolgreich Fliegenfischen – Fliegenwahl leicht gemacht?

Bauernfeind Reisinger Erfolgreich FliegenfischenErfolgreich Fliegenfischen – Taschenbuch der Fliegenwahl
Ernst Bauernfeind und Walter Reisinger haben es erneut getan. Noch ist es nicht die lang ersehnte Neuauflage von Entomologie für Fliegenfischer. Einem unschlagbaren Klassiker, der als einer der wenigen deutschsprachigen Spezialtitel zu Fliegenbinden, Fliegenfischen, Entomologie höchstes internationales Niveau erreicht. Voraussichtlich im Frühjahr 2015 wird dieser wieder im Handel erhältlich sein. Jeden einzelnen Cent ist dieses selbst zu regulären Handelspreisen nicht ganz günstige Buch wert. Keine leichte Aufgabe einen Nachfolger zu erstellen, der die von diesem Meisterwerk geweckten Hoffnungen erfüllt.

Das war auch offensichtlich nicht der Anspruch mit diesem handlichen, wenn auch nicht ganz brusttaschengroßen Titel, der beiden renommierten Wissenschaftler, Hobby-Entomologen, Fotografen und Fliegenfischer aus Österreich. Ernst Bauernfeind, seines Zeichens Wissenschaftler am Naturhistorischen Museum Wien mit Forschungsschwerpunkt Eintagsfliegen. Walter Reisinger, vielfach publizierter Autor in heimischer Fachpresse und Fotograf entomologischer Bestimmungsfotos. Woche für Woche erfreuen wir uns seit kurzem an Fotos von Mageninhalten, Exuvien und Imagines in sozialen Medien.

Somit auch viel verlangt, dieses umfangreiche Wissen in knapp mehr als neunzig Seiten zu packen. Und doch läuft das Büchlein rasch zu Höchstform auf und geht auf wenigen Seiten darauf ein, worauf sich der Fliegenfischer besser konzentriert, noch bevor er mit prüfenden Blick seine Augen über Reihen feinst geordneter Fliegenmuster schweifen lässt. Unterschreibe ich vorbehaltlos so und einen Teil der Freude am Lesen macht das Gefühl aus, mit Autoren übereinzustimmen, eigene Grundhaltungen bestätigt zu bekommen. Der insektenkundliche Teil wird verständlicherweise knapp gehalten, besticht aber wie bereits in ‚Entomologie für Fliegenfischer‘ mit herausragenden Fotos. Die anschliessende Grundtypen Musterzuordnung in Trocken und Nass ist für meinen Geschmack etwas zu grob gehalten.

Nymphen als eine Subkategorie von Nassfliegen zu verstehen ist aus meiner Sicht wenig spezifisch. Es ist natürlich zutreffend, dass Nymphen ’nass‘ im Sinne von – von Wasser umgeben – gefischt werden. Genauso gut könnte man aber behaupten, dass eine Fliege die schwimmt jedoch ohne Flügel auskommt, ganz streng betrachtet eine gefettete Nymphe ist. Nymphenfischen in all seinen Formen, in jeglichen Wassertiefen wird mittlerweile als eigenständige Disziplin verstanden und grenzt sich eindeutig vom Nassfliegenfischen ab. Jeder Besuch eines Fliegenshops bestätigt diese kategorische Trennung. Und dass Nassfliegen sich in der Praxis vielfach nahe am Spektrum von Reizfliegen bewegen, hätte man genauso betonen müssen, wie die Begründung auf den Verzicht ‚anderer Muster‘, die ohne Zweifel den begrenzten Rahmen dieses Buches gesprengt hätten.

Die Beschreibung der Gewässertypen und ihrer charakteristischen Eigenschaften ist sehr gelungen. Der Einsteiger als auch erfahrene Angler schöpft dabei voll aus den Erfahrungen der beiden Autoren. Verhaltenstechnische Hinweise, Ratschläge zur Positionierung, jahreszeitentypische Erscheinungen werden plausibel und auf den Punkt gebracht vermittelt. Schade finde ich einzig, dass sich die Autoren auch an der Stelle mehrfach einen Seitenhieb nicht verkneifen können. Das aus der Sicht eines Entomologen der fischereilich saloppe Umgang mit dem Begriff Nymphe manchmal schwer zu verdauen ist kann ich nachvollziehen. Es ist richtig, dass weder Larven oder Puppen Nymphen sind. Dass sowohl Imitationen von Bachflohkrebsen, als auch andere im Wasser lebende Nicht-Insekten im Alltagsgebrauch als Nymphen bezeichnet werden, ist natürlich wissenschaftlich inkorrekt. Dass aber die beschwerte Nymphe als Larvenimitat ‚dem Ansehen der Nymphenfischerei‘ schadet, finde ich etwas weit hergeholt. Da schliesse ich mich doch eher Oliver Edwards, Hans van Klinken, Roman Moser und wer weiß wie vielen anderen Experten an.

Inhaltlich bin ich voll und ganz auf der Seite der Autoren, dass man vielleicht zu oft versucht, sich das Fliegenfischen zu einfach zu machen. Der Einsteiger in das Fliegenfischen, an den sich dieses Buch wahrscheinlich vielfach richtet, ist auch sicherlich gut beraten, seine Fähigkeiten früher oder später auf die nächsten Schwierigkeitsgrade zu heben. Nur so wird die Fischerei als Hobby ein Leben lang Spaß machen können. Ob das für den einen das Erlernen des Pile Cast, für den anderen der Verzicht auf Bissanzeiger ist, bleibt nebensächlich. Ein Buch, eine Publikation, ein Blog sind natürlich Gelegenheiten, seinen Kummer über bestimmte Entwicklungen auszusprechen, seine eigene Haltung zu untermauern. Starre Grabenkämpfe führen jedoch zu keiner Annäherung unterschiedlicher Positionen. So schliesse ich diese Kaufempfehlung mit einem von mir gewählten Zitat von Oliver Kite, der in ‚Erfolgreich Fliegenfischen‘ ebenfalls zu Wort kommt.

Jeder Mensch hat Anspruch auf seine Vorlieben und Abneigungen und das Recht darauf, eigene Verhaltensregeln in die Tat umzusetzen, vorausgesetzt er unterlässt den Versuch, diese seinen Mitmenschen aufzudrängen.

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