Fünf Gründe die EWF zu besuchen

Paddy McDonnell

Paddy McDonnell

In diesem Jahr beschloss ich zum ersten Mal: auf nach Fürstenfeldbruck bei München zur ‘Erlebniswelt Fliegenfischen EWF’. Überschwenglich begeistert wurde mir vom ‘go-to’ Event der Fliegenfischergemeinde berichtet. Ich wollte mir ein Bild machen, ob die zweitägige Fachmesse dem Hype entspricht, der ihr in Fachzeitschriften, sozialen Medien und im Fachaustausch vorauseilt. So viel jetzt schon – es war ein kurzweiliges Wochenende.

Mittlerweile in ihrem zehnten Jahr, ist die EWF ein Fixplatz im Jahreskalender vieler Fliegenfischer aus dem In- und Ausland. Warum dem so ist, ist mir nach meinem Premierenbesuch klarer. Lest selbst, warum es sich lohnt selbst längere Anfahrten in Kauf zu nehmen.

Marc Petitjean

Marc Petitjean

1. Expertentipps einholen – unterrichten, unterhalten, beeindrucken

Die EWF verstand sich von Anfang an nie nur als Messe, die einzig Herstellern und Händlern eine Plattform bietet, den locker sitzenden Portmonnaies ihrer Besucher näher zu kommen. Ziel war es seit jeher ein Rahmenprogramm zu schaffen, dass den Besuch der Messe zum Ereignis werden lässt. Ein Programm musste her, dass den Einsteiger mitreisst und den erfahrenen Fliegenfischer stillhalten und überlegen lässt. Die gute Vernetzung der Veranstalter noch vor dem ersten Event zog nach sich, einen riesigen Pool an Protagonisten zur Verfügung zu haben, der sich aufgrund des Erfolgs der EWF von Jahr zu Jahr vergrößert – Topcaster, talentierte Fliegenbinder, engagierte Vortragende. Wer möchte, kann volle acht Stunden Wurfdemos, Bindevorführungen, Vorträge und Filme sehen, ohne nur einmal zur Kreditkarte zu greifen.

EWF Marian Schultz

Marian Schultz

Beeindruckend fand ich das Showtalent der Caster. Jeder einzelne schaffte es mühelos, den Unterhaltungswert der Vorführung ganz hoch zu halten. Den englischsprachigen Werfern steht ein höchst qualifizierter deutscher Casting Instruktor als Koordinator und Übersetzer zur Seite, um es jedem Zuseher zu erlauben, den Ausführungen zu folgen und wertvolle Hinweise zur Verbesserung der eigenen Technik mitzunehmen. Gut vorbereitete Messebesucher haben sich schon lange vorher zu einem Casting Clinic Termin eingetragen und sich für den moderaten Preis einer Eintrittskarte, eine halbstündige persönliche Betreuung von einem Experten am obersten der Ende der Rangtafel gesichert.

Roman Moser

Roman Moser

2. Gerätevergleich – anfassen, ausprobieren, kaufen

Auf insgesamt weiß was ich wie vielen Quadratmetern, untergebracht in zwei Gebäuden – eines davon auf zwei Etagen –findet sich alles, was einem vor dem Ausflug ans Wasser bereits ein erfolgversprechendes Gefühl verleiht. Und anders als beim Aktualisieren des Browserfensters und dem vergleichenden hin-und herspringen zwischen Händlerseiten, lässt sich das Grammgewicht der superleichten Rute nicht nur erahnen. Auf einer fußballfeldgroßen Wiese stehen dann jede Menge, bestens aufeinander abgestimmte Ruten/Rolle/Schnur – Systeme zum Probewurf bereit. Das nächste Gerät soll nicht nur gut aussehen, es soll gut in der Hand liegen.

EWF Wurfwiese

Und wenn das Geld für das verständlicherweise hauptsächlich aus dem High-End Bereich bereitgestellte Gerät nicht reicht, so finden sich doch verschiedenste Aussteller mit Gerätschaft unterschiedlichster Preisklassen unter einem Dach. Ein Privileg, dass man nicht oft in der Form vorfindet, da nicht selten Händler exclusive Vertriebsvereinbarungen mit Hersteller eingehen. Die örtliche Nähe zu einem bestimmten Händler, schliesst den potentiellen Käufer möglicherweise vom Angebot anderer Hersteller aus. Nicht hier auf der EWF jedoch. Alle namhaften Marken sind vertreten und dem überlegten Vergleich, steht nichts mehr im Weg.

EWF Snowbee

Die nicht selten erlebte Enttäuschung beim Kauf von Bindematerial kann elegant umgangen werden und Bälge, Felle und andere Materialien in Farben, die nicht exakt den Vorstellungen entsprechen, kommen nicht in den Einkaufskorb. Nicht zuletzt erspart man sich die nicht selten überhöht ausfallenden Portokosten. Ganz clevere Käufer warten mit dem Zuschlag bis kurz vor Messeende am Sonntag. Aussteller wünschen sich immer mit sowenig als möglich Material wieder heimzukehren und das eine oder andere Schnäppchen ist kurz vor Messeschluss oft zu haben.

Funky Flytying

Funky Flytying

3. Netzwerken – Bekannte treffen, Freunde machen, Projekte beschliessen

Die Anzahl der Fliegenfischer im deutschsprachigen Raum ist relativ überschaubar – man spricht von 40.000. Auf rund ein Zehntel dieser Schar trifft man am Wochenende der EWF, plus einigen Hundert nicht deutschsprachigen Besuchern. Warum also nicht die Gelegenheit dazu nutzen, sich mit der Forenbekanntschaft in Fürstenfeldbruck zu treffen, der Freundschaft aus sozialen Netzen ein Gesicht zu verleihen. Es war erstaunlich wie viele virtuelle Kontakte sich von Angesicht zu Angesicht genau so sympathisch erwiesen, wie am online Stammtisch.

Marco Reisen / Hans van Klinken (re.)

Marco Reisen (Marios Fliegendose) / Hans van Klinken (re.)

Und genau wie im Verein, Club oder Wirtshaus verspürt man mehr Übereinstimmung, oder eine gute Basis mit den einen als den anderen. Und plötzlich läuft man sich im Innenhof des Messegeländes mehrfach über den Weg, findet sich an einem Tisch bei Kaffee, Bier oder Mittagessen und schon werden Pläne geschmiedet für den gemeinsamen Ausflug an ein Gewässer, dass man schon immer befischen wollte. Kein Vorhaben ist zu abwegig, um nicht mit Gleichgesinnten bei Weisswurst und einem Hellen, die Realisierung zu planen.

Jiri Klima (l.) Karel Krivanec

Jiri Klima (l.) Karel Krivanec

4. Inspirieren lassen – Reiseziele erkunden, Umwelt schützen,

Nicht wenige der von weit her angereisten Gäste nutzen die Gelegenheit, im Anschluss an den zweitägigen Event ,Flüsse und Seen des südlichen Teils der Republik, oder Österreich und Sütirol zu besuchen. Macht man die weite Anreise aus Hamburg, ist es dorthin auch nur mehr ein Katzensprung.

EWF Fliegenfischen Rumaenien

Fliegenfischen Rumänien

Ist dafür keine Zeit, so kann man zumindest neue Reiseziele in Europa in Erfahrung bringen. Reiseaussteller an vertraute – Slowenien, Dänemark, Irland – als auch weniger bekannte Ziele in Europa – Polen, Rumänien, Frankreich – verlocken mit attraktiven Angeboten. Warum vielleicht nicht einmal breitgetrampelte Pfade des Fliegenfischer Tourismus verlassen. Und die Sahnestücke des Angeltourismus erfahren in Form von Filmen Aufmerksamkeit, sodass man am liebsten auf der Stelle die Urlaubsplanung bei Familie und Arbeitgeber einreichen möchte.

International Flyfishers Club: Thies Reimers

International Flyfishers Club: Thies Reimers (li.)

Die Veranstalter der Messe verstehen sich neben ihrer Tätigkeit als Ausrichter, Händler und Hersteller, ebenfalls als Teil einer fragilen und schutzbedürftigen Umwelt. Wofür Gerät und Ausrüstung herstellen und verkaufen, wenn die Möglichkeiten zum Einsatz im unmittelbaren Umfeld immer mehr eingeschränkt werden. Immer wieder sanft zu betonen, dass jedem Fliegenfischer eine tragende Rolle bei der Instandhaltung eines ökologischen Gleichgewichts zukommt, darf somit nicht vernachlässigt werden. Infostände und Vorträge zum Schutz von Fischarten und Ökosystemen können der Anlass sein Fördermitgliedschaften einzugehen. Vielleicht geben diese sogar den Impuls selbst Initiativen ins Leben zu rufen, deren Wirksamkeit vielleicht erst in vielen Jahren zum Tragen kommt. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Orri Vigfusson North Atlantic Salmon Fund (NASF)

Orri Vigfusson North Atlantic Salmon Fund (NASF)

5. Ambiente – familiär, historisch, international

Nicht zuletzt punktet die EWF mit einer Örtlichkeit und einem Umfeld, womit ein herkömmliches Messegelände nicht mithalten kann. Egal wo, ob an den zwei Castingpools im Schatten der Klosterkirche Fürstenfeldbruck, oder den Messeständen und Seminarräumen im ehemaligen Ökonomietrakt des Klosters: Besuchern und Akteuren liest man die Freude am Dabeisein an den Gesichtern ab. Ausnahmlos offen zeigten sich Letztere und ein kurzes Hallo! oder Hi! reichte, um mit Legenden des Sports aus Übersee oder Zuhause ins Gespräch zu kommen und sich abbilden zu lassen.

EWF Ed Berg Gary Borger

Ed Berg (li.) / Gary Borger

Den beiden Damen des vierköpfigen Veranstalterteams ist es wahrscheinlich zu einem gehörigen Teil zu verdanken, dass sich die EWF seit Jahren dafür einsetzt, mehr Frauen für das Fliegenfischen zu interessieren. Lehrprogramme und Workshops von Frauen für Frauen stehen somit selbsverständlich auf dem Programm.

EWF Glenda Powell

Glenda Powell

Wie auch das Wecken der Leidenschaft für das Hobby unter Kindern. Wurfkurs und Bindeecken bemannt und befraut von namhaften Experten, sorgen für das Fortbestehen des Interesses am Fliegenfischen durch eine Generation, dessen Teilnahme an Frischluftaktivitäten nicht mehr als Selbstverständlichkeit angesehen werden darf.

EWF Kinder Casting

Trotz der relativen Größe scheint es der EWF zu gelingen, unter allen Beteiligten ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vermitteln und sich vordergründig als Teil eines einzigen familiären Umfeld zu verstehen. Während der zwei Tage hatte ich viele Menschen kennen gelernt, hatte viel geschnackt und gelacht, und rundum in eine Menge frohe Gesichter gesehen. Mein Jahreskalender wird nun auch um eine fixe Anlaufstelle erweitert.

Mathias Kenza (SCALE-Magazine), Henrik Mortensen (re.)

Mathias Kensa (SCALE-Magazine), Henrik Mortensen (re.)

Herzlichen Dank an SCALE-Magazine für die Nutzung der Fotos.

 

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Comments

  1. Fritz Raddatz says:

    Kann mir die Rumreiserei nicht leisten, wegen zu schmaler Rente, geh lieber Fischen auf Platfisch und Co. Gemeint ist die schwierige Meerforelle, schwimmt quasi vor meiner Haustür(Howachter Bucht) rum.

    • Hallo Fritz,
      keine Frage, Fischen ist immer erfüllender, als das Portemonnaie zu öffnen. Andererseits kann man auch ohne das Konto zu strapazieren an einer Messe teilnehmen. Vorträge, Wurf- und Bindevorführungen, Freunde treffen – das hat auch seinen Wert. Versuchs einmal in Dänemark, Kolding – vielleicht gefällt’s ja doch. Schönen Sonntag noch
      VG Tankred

    • Jürgen Schmidt says:

      Hallo Fritz,
      Wo genau bei der Hohwacher Bucht wohnen Sie?
      Das letzte Mal als ich dort im Urlaub war, habe ich keine Meerforelle fangen können.
      Haben Sie irgendwelche Tipps für mich?
      Danke im Vorraus.
      LG Jürgen

  2. Peter Kunz says:

    grüezi aus der Schweiz – Ich war einer der Akteure (Fliegenbinden auf der Bühne im Stadtsaal) und kann nur sagen; Ihr habt mit Eurem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen; genauso empfinde ich die EWF seit Jahren – eine grosse Familie – und kann allen einen Besuch nur empfehlen
    Peter

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