Fliege des Monats: Oktober – Baetis Fuscatus- Pale Watery

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© Sven Ostermann

Blass mag ihr Erscheinungsbild sein, doch in der späten Jahreszeit sind diese Eintagsfliegen für Forelle & Äsche alles andere als. Wie oft die dünnsten Menschen die zähesten Überlebenseigenschaften mitbringen, so besticht diese kleine Fliege durch Härte und Widerstandsfähigkeit. Denn erst in Zeiten wenn Außen- und Wassertemperaturen bemerkbar abkühlen, schweben Pale Waleries geisterhaft über den Flüssen. Hebt sich der bleiche Körper vor den farbenfrohen Blätter der Herbstwälder ab.

Forellen werden vielleicht schon Fortpflanzungsgedanken im Kopf habe, aber Äschen sind verrückt nach der Pale Watery. Egal ob als kleine Äschennymphe, Emerger oder Dun. Nur wenige Muster bieten auch dem eingefleischten Trockenfliegenfischer selbst während der letzten Tage der Saison verlässlichen, wenn auch kurzen Oberflächensport. Dort wo man es darf, kann man ruhig bis in den November/Dezember einen Emerger oder Dun ans Vorfach knüpfen. Bei idealen Bedingungen – trockene Luft und wärmende Herbstsonne – finden sich selbst dann noch Nachzügler an der Oberfläche ein.

An Schönheit ist diese Eintagsfliegenart kaum zu überbieten. Durch den transparenten Mittelkörper, der am Schwanzende und im Brustbereich rostbraun gefärbt ist, lässt sich die Pale Watery leicht identifizieren. Die großen gelben Turbanaugen – erkennbar unter dem Mikroskop oder vor der Linse eines geübten Makrofotografen wie Sven Ostermann – verleihen der Pale Watery ein bestechendes Äußeres. Für mich und die Äschen ist diese Fliege alles andere als blass.

Sven Ostermann – Pale Watery Emerger

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Es ist nicht ungewöhnlich, dass Fische den Emergers größere Aufmerksamkeit schenken, als dem adulten geschlüpften Insekt (Dun). Können erstere doch nicht in letzter Sekunde von der Wasseroberfläche abheben und sich endlich aus der ‚Gefahrenzone Fisch‘ bringen. Die feinen Ringe der Äschen an der Oberfläche, oder der Schwall einer abdrehenden Forelle der das Wasser umrührt, sind nicht selten dem Abfangen eines aufsteigenden, oder sich im Begriff des Schlupfs befindlichen Insekt, knapp unter der Wasseroberfläche geschuldet. Eine Erfahrung die bereits G.E.M. Skues machte und dessen ‘Nymphenmuster’ vergleichbar waren mit heutzutage gebräuchlichen Emergern. Pale Waleries zählten nicht zufällig auch zu seinen meist gebrauchten Nymphen. Also wenn im Zweifel – die Steigform beobachten und einen Emerger zuallererst zum Einsatz bringen.

 

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Bindematerial
Haken:                         Hayabusa 375  #14
Faden:                         Dyneema
Schwänzchen:             hell-cremefarbene Hahnehechel
Hinterleib:                     helles Hasenohrdubbing
Thorax:                         dunkleres Hasenohrdubbing
Hechel:                         hell-cremefarbene Hahnenhechel weich
Köpfchen:                     mit gelbem Permanentmarker eingefärbt

Sven_Ostermann_Pale_Watery_Emerger1Den Haken einspannen, eine Grundwicklung legen und ein Büschel Hahnenhechelfibern als Schwänzchen einbinden.

Sven_Ostermann_Pale_Watery_Emerger3Das helle Hasenohrfell konisch zulaufend bis zur Hakenmitte andubben.

Sven_Ostermann_Pale_Watery_Emerger4Danach mit dem dunklen Hasenohrfell den Thorax bilden.

Sven_Ostermann_Pale_Watery_Emerger5Eine weiche Hahnenhechel – die weichen Fibern finden sich am unteren Ende der Hechel, wohingegen die Spitzen steifer sind – einbinden. Diese nimmt Wasser auf und sinkt somit etwas unter die Wasseroberfläche. Genau dort wo Nymphen ihre letzte Häutung zum Sub-Imago vornehmen.

Sven_Ostermann_Pale_Watery_Emerger6Vier bis fünf Windungen vornehmen, niederbinden und die Hechelreste entfernen. Das Dyneema mit wasserfestem Stift gelb färben und mit einem Kopfknoten abschliessen. Voilà, die fertige Fliege.

Pale Watery Nymphe

Tankred_Pale_Watery_Nymph7Wird ein Schlupf von äußeren Umständen wie Temperatur und Wetter behindert, sind die Nymphen der Pale Watery dennoch umtriebig und warten aufgeregt bessere Umstände ab. In diesem Zustand der erwartungsvollen Anspannung geraten die Nymphen leicht in die Drift des Gewässer und werden zur leichten Beute. Äschen – wie alle anderen Fische – haben eine erstaunliche Fähigkeit winzige Organismen zwischen all dem herbstlichen Treibmaterial auszumachen. Das kleine unterständige Maul ist wie geschaffen mimimalste Nymphen aufzunehmen und das vorgestellte Muster darf ruhig noch kleiner sein.

Tankred_Pale_Watery_Nymph

Bindematerial
Haken:                         Kamasan B405 #18
Faden:                         Light Cahill
Schwänzchen:             Coq-de-Leon
Hinterleib:                     Turkey Biot Light Cahill
Thorax:                         dunkleres Hasenohrdubbing
Köpfchen:                     Tungsten Kupfer 2mm

Tankred_Pale_Watery_Nymph1Die Tungsten Perle aufziehen, den Haken einspannen und eine Grundwicklung legen.

Tankred_Pale_Watery_Nymph2Fünf bis sieben Fibern einbinden – persönlich bin ich der Meinung, dass wenige Fibern als Schwänzchen reichen. Buschige Schwänzchen sind aus meiner Sicht weniger beweglich – den Äschen ist es wahrscheinlich egal.

Tankred_Pale_Watery_Nymph3Einen Turkey Biot an der Spitze einbinden.

Tankred_Pale_Watery_Nymph4Bis einige Millimeter vor die Kopfperle winden und abbinden.

Tankred_Pale_Watery_Nymph5Dunkles Hasenohrfell als Thorax am Faden anlegen. Seit Dennis Shaws Tutorial zum Dubben ohne Wachs, kann ich die Vorteile des Verzichts auf Wachs nur unterstreichen. Natürliches Dubbing greift gut am Bindefaden und lässt sich mühelos aufundab in die gewünschte Position schieben.

Tankred_Pale_Watery_Nymph6Zur Sicherung der Fliege bringen wir vor dem abschließenden Bindeschritt Lack am Bindefaden an, um den Kopfknoten zu sichern.

Tankred_Pale_Watery_Nymph7Voilà, die fertige Nymphe. Einfach zu binden, in der kalten Jahreszeit ein absoluter Renner.

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Comments

  1. Jürgen Wegscheid says:

    Einfach wieder Klasse deine Seite (;-)))

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