Mitten im trostlosen Winter – Rückblick auf 2015

Rutland_Water_Fliegenfischen2

Wer mich kennt wird bestätigen, dass ich nicht besonders religiös bin. Mein frühester demokratischer Akt noch vor dem erstem Urnengang, war der Austritt aus der katholischen Kirche. Als bekennender Agnostiker scheue ich jedoch nicht davor zurück, meinen Fuss zur Weihnachtszeit  in eine Kirche zu setzten. Das akustische Erlebnis einer Bach Fuge ist umwerfend, wenn während eines infernalem Orgelgetöses die Domkuppel einzustürzen droht. Und als passionierter Musikliebhaber stelle ich mich mit Freuden einem beherzten Weihnachtslied sing-along, auch wenn ich Minuten brauche um meine Stimmlage zu finden. Und bei so manchen Liedern – egal welches Genres – stellen sich meine Nackenhaare schaurig schön auf. So auch bei ‘In The Bleak Midwinter’: der musikalischen Verarbeitung eines Gedichts der Engländerin Christina Rossetti durch den Komponisten Gustav Holst.

In the bleak mid-winter
Frosty wind made moan,
Earth stood hard as iron,
Water like a stone;
Snow had fallen, snow on snow,
Snow on snow,
In the bleak mid-winter
Long ago.

Wirklich lange scheint es her, als zuletzt Schnee auf Schnee fiel. Und trotzdem waren die letzten Wochen dieses Jahres wahrlich trostlos. Wenn auch nicht für mich persönlich, so doch für viele Menschen. Von den Gastronomen in Winterskiorten bis zu den tausenden Familien in Nordengland. Die während des ganzen Dezembers, ihre Heime in ungeahnten Wassermengen herbeigeführt durch Tiefdruckgebiete Desmond und Frank versinken sahen. Ein persönliches Leid, dass mich als Anbieter von Fliegenfischerreisen nach Nordengland etwas streifte. Während man dort mit Bangen auf eine Wetterstabilisierung in den nächsten Wochen wartet, um mit den zeitfressenden und teuren Aufräum- und Renovierungsarbeiten zu beginnen, mache ich mir Sorgen ob des nächsten trockenen, niederschlagsarmen Winters wie schon im letzten Jahr. Der dazu führte, dass die Bäche und Flüsse des Mittelgebirges um die Jahresmitte 2015 so wenig Wasser führten, dass viele fliegenfischende KollegInnen den Druck auf Forelle und Äsche durch ihr Zutun nicht noch weiter erhöhen wollten. Rückblickend war es somit ein Segen, dass ich im Juni den Vertrag für ein neues Zuhause unterzeichnete und die kommenden drei Monate mit Umzug beschäftigt war.

River Annan Trout3

Dabei begann alles so gut: die Frühjahrsfischerei war gut wie in keiner Saison davor. Zu Freundschaften der vergangenen Jahre konnte ich den Kontakt intensivieren und viele schöne gemeinsame Stunden am Wasser verbringen. Auf der EWF machte ich viele tolle Bekanntschaften, die mich an ihre Gewässer entführten. Und auf meinen Reisen traf ich auf legendäre Fliegenfischer, die mit mir den Schlüssel ihres Erfolgs teilten. Neue Destinationen für mein Reiseangebot erschlossen sich dabei und zugleich kehrten die ersten zufriedenen Gäste von ihren Ausflügen zurück. Zu all dem vertiefte sich meine journalistische Tätigkeit durch das Angebot einer redaktionellen Aufgabe für die innovativste und ästhetischste Angelpublikation: SCALE-Magazine. Die erste Jahreshälfte 2015 war also begleitet von einem Geist des Aufbruchs. Ein Neustart zieht jedoch nicht selten einen Abschied nach sich und an der einen oder anderen Stelle wurde ein respektvolles ‘Leb wohl’ ausgesprochen. Bei Hans Hilgers und Walter Reisinger möchte ich mich hier an der Stelle herzlich für ihren Beitrag bedanken, um Forelle & Äsche zu dem zu machen was es heute ist.

Dort wo sich eine Tür schließt öffnet sich bekanntlich eine neue. Mit viel Freude konnte ich also um die Jahresmitte die Zusammenarbeit mit dem begnadeten Fliegenbinder und Fotograf Marco Reisen von Marios Fliegendose bekannt geben. Im Gespann mit dem in beiden Themenfeldern nicht minder begabten Sven Ostermann, wird sich die beliebte Artikelserie ‘Fliege des Monats’ auch im nächsten Jahr auf sehr hohem Niveau fortsetzen. Der Dank gilt aber nicht nur diesen beiden engagierten Beitragenden, sondern auch meinen Freunden Veit Dresmann, Tobias vor der Brüggen, Alex Keus, Michael Wenzel, Marc Goettgens, Fabian Gier, Markus Rademacher und Eyk Boenig. In deren Gesellschaft ich nicht nur tolle Zeit am Wasser verbringen konnte, sondern Anstoß für spannende Artikel im letzten Jahr fand. Dringend benötigte Inspiration in einem Jahr, in dem nicht nur die Fischerei ab der zweiten Jahreshälfte litt, sondern auch die Kreativität für diese Seite. Erfreulich jedoch, dass es in den letzten Wochen einige Entwicklungen gab – neuer Job, neue Allianzen und Zusammenarbeiten – die für das kommende Jahr einiges Versprechen.

Anton Hausberger Robert Haemmerle Eyebrook Reservoir

Eyebrook Fishery – Jahresrekord verdächtige Forelle eines zufriedenen Forelle & Äsche Gastes

Eine große Freude in diesem Jahr war das erfolgreiche Anlaufen des Reiseangebots von Forelle & Äsche. Bei allen Reisenden möchte ich mich noch einmal für das Vertrauen bedanken und hoffe das der eine oder andere LeserIn dieses Beitrags sich ebenfalls mit der Idee anfreundet, einen Angelausflug nach England oder Schottland zu planen. Bedanken möchte ich mich aber nicht nur bei den reisefreudigen  LeserInnen, sondern bei allen Besuchern von Forelle & Äsche. Die Beliebheit der Seite wäre ohne Euer regelmäßiges Erscheinen, ohne Eure Kommentare und Rückmeldungen, ohne Eure Likes und Shares nicht möglich. Danke dass Ihr so zahlreich auf diese Seite gekommen seid!

Alles in allem somit ein sehr gutes, wenn auch zeitweise zähes Jahr, in dem sich jeder Schritt anfühlte wie das Waten durch tiefen Schlamm. Die fischereilichen Erfolge blieben nicht vollends aus, noch kurz vor Saisonabschluss wechselte ich den Angelverein und die intensive Einarbeitungsphase bei meinem neuen Arbeitgeber mit Unternehmenszentrale in München ist nun zu Ende.

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Nun sitze ich also hier gedankenversunken in Köln – Mettbrötchen und Glas Crémant in der Hand – während ich die Fotos des letzten Ausflugs 2015 vor drei Tagen an Rutland Water durchsehe. An einem scheinbar trostlosen Dezembertag, an dem die Stürme der letzten Wochen für einen einzigen Tag Einhalt geboten. An dem bei milden Wintertemperaturen die Forellen schon von Weitem zu sehen waren, als sie buckelnd am Seeufer hochzogen. Ein Silberstreif am Horizont – die Freude auf ein weiteres, fischreiches Jahr.

Ich wünsche Euch allen da draußen ein in jeder Hinsicht erfolgreiches 2016

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Comments

  1. Dr. Oelfken says:

    Hallo Tankred
    Herzlichen Dank für deine tollen Berichte und Essays in 2015. Ich habe sie sehr genossen.
    Mach weiter so. Eines Tages werde ich sicher eine Reise nach England Unternehmen. Ganz sicher bei dir.
    Guts Neues wünscht Kläuschen vom FFF

    • Hallo Kläuschen,
      ich bedanke mich für die freundlichen Neujahrsgrüße. Schön, dass Dir meine Beiträge im letzten Jahr gefallen haben. Gebe mir Mühe Dich und alle anderen Leser dieser Seite weiterhin zu unterhalten. Wenn Dich die Reiselust packt, kontaktiere mich bitte und ich erstelle Dir ein umfangreiches Paket.
      Herzliche Grüße und ein gutes Neues Jahr an Dich und das gesamte FFF Team – eine sprudelnde Quelle an Information und Wissen.
      Tight lines, Tankred

  2. Sven Ostermann says:

    Guten Rutsch und viel Erfolg im neuen Fliegenfischerjahr.

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