Fliegenfischen zwischen Himmel und Hölle – das war 2016

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Das nun beinahe vergangene Jahr, wird vielen von uns in Erinnerung bleiben als eines, an dem wir uns von vielen entfernten und doch so nahen Begleitern verabschieden mussten. Die Liste an Musikern, Künstlern, Schauspielern und Politikern, die über Jahrzehnte eine Konstante in unseren Leben bildeten und sich von uns in diesem Jahr lossagten, scheint endlos lang. Thematisch näher an unserer Leidenschaft, verließ uns gegen Ende dieses Jahr mit Bruce Sandison der Mann, der mit seinem jahrzehntelangen Windmühlenkampf gegen Schottlands Aquakultur, sich eigenhändig dafür verantwortlich zeigte, meinen Lachskonsum gegen Null zu schrauben. 

Wer in diese Fußstapfen treten soll, erschließt sich mir noch nicht. Zu groß scheint der Schatten zu sein, den der Autor von unter anderem ‘River & Lochs of Scotland’ wirft. Dem Sammelwerk zu den Gewässern Schottlands schlechthin, egal ob klein oder groß. So begann 2016 mit dem überraschenden Ableben eines Jugendhelden – David Bowie – und man möchte sagen, endete mit dem Tod eines virtuellen Freundes.

© Mark Bowler - Fly Fishing & Fly Tying

© Mark Bowler – Fly Fishing & Fly Tying

Zugleich birgt jeder Abschied und jedes Ende, auch die Chance für einen Neubeginn. Denn Lücken die durch einen Abgang entstehen, warten darauf besetzt zu werden. Wie der Standplatz einer kapitalen Forelle, die durch Altersschwäche oder äußere Umstände gezwungen wurde, diesen einstigen Ort der Sicherheit aufzugeben. Ich darf sicherlich von Glück sprechen, wenn sich die persönlichen Verluste und Abschiede darauf beschränken, Lebewohl zu langen Wegbegleitern zu sagen.

Abgesehen von den ständig wiederkehrenden Entsetzensmitteilungen, wollte in diesem Jahr – mir zumindest – wenig einfach so zufallen. Jeder Gewinn, jede Freude schien hart erarbeitet. Blickt man jedoch auf einige Jahre Lebenserfahrung zurück, so muss man sich eingestehen, Jahre wie diese schon mehrmals erlebt zu haben – und am Ende wird alles gut. Und die Begeisterung und das Gefühl der Zufriedenheit über den hart erarbeitenden Gewinn, prägt sich stärker in der Erinnerung ein. Wie auch die fischereilichen Erfolge die ich 2016 verbuchen konnte. Wenn ich schon nicht mit derselben Menge – Tage am Wasser, Anzahl der gefangen Fische – verwöhnt wurde, so muss ich rückblickend dennoch festhalten, eine astreine Saison hinter mir zu haben.

Fliegenfischen mit dem Streamer

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Mein Vorhaben zu Beginn der Saison, die Nymphe durch den Streamer zu ersetzten, sollte schon nach wenigen Besuchen am Wasser Dividende abwerfen. Lange hatte ich es mir vorgenommen, mich mit dieser Technik im Fluß eingehender auseinander zu setzen. Zu viele Aspekte sprachen dafür, Streamerfischen am Fluss endlich dieselbe Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie dem Lure-Fischen in Seen. Wie bei jeder anderen Technik, steckt auch hinter der gekonnten Anwendung der Streamerführung in Flüssen und Bächen, weit mehr gedankliche Hingabe und Können als es oberflächlich betrachtet erscheint. Ich freue mich auf jeden Fall schon wieder darauf, den hungrigen Räubern im zeitigen Frühjahr, mit einer Fischimitation oder einer größeren Attractor-Fliege nachzustellen. Daran habe ich Gefallen gewonnen, an dieser Technik möchte ich feilen.

Zweihandruten Fliegenfischen

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© Veit Dresmann

Egal wie lange man sich der Leidenschaft Fliegenfischen verschrieben hat. Neues zu lernen gibt es immer wieder – dieser Meinung sind interessanterweise besonders auch die Besten unserer Passion. Liest man aufmerksam Interviews, werden diese Leute nie müde zu betonen, wie jeder einzelne Tag am Wasser, eine weitere Lage Erkenntnis und Erfahrung aufschichtet. Erst der Hunger, immer wieder Neues zu probieren, vorgefasste Meinungen zu überdenken und revidieren, hat diese Leute wahrscheinlich dorthin gebracht. Nachdem ich im Winter 2015 die Gelegenheit hatte, die tollen Jungs von AlpineSpey kennen zu lernen und zum Zweihandrutenfischen auf Huchen eingeladen wurde, war es um mich geschehen. Dank des Wurf- und Bindeexperten Marian Schultz, kann ich mich seit diesem Frühjahr, den stolzen Besitzer eines gut balancierten Zweihand-Skagit Sets nennen. Und auch wenn der Schußkopf bislang nur im Rhein trieb, für die nächste Einladung zum Huchen- oder Lachsfischen möchte ich gerüstet sein.

Fliegenfischen auf Barben

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Wie bereits in den letzten Jahren, konzentrierte ich mich auch 2016, auf die von mir hoch geschätzten Barben. So mancher Fliegenfischer rümpft noch immer die Nase, bei der Erwähnung von Cypriniden als bewussten Zielfischen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass Fliegenfischen sich an einer Schwelle befindet, an der mehr Menschen sich für diese Form der Angelei interessieren, selbst wenn sie keine klassischen Salmonidengewässer vor der Haustüre haben. Was spricht dagegen, traditionelle und überlieferte Techniken für neue Anwendungsbereiche zu adaptieren. Egal ob für Fried- oder Raubfische, im Süß- oder Salzwasser. Erweiterte Bereiche für die Ausübung des Fliegenfischens werden erschlossen und wir befinden uns mitten in der Pionierphase.

Fliegenfischen auf Äschen

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© Tobias vor der Brüggen

Überrascht war ich von der Qualität der Äschen, die in diesem Jahr in meinem Kescher landen sollten. Mehrere ausgezeichnete Vertreter sollten mir Tage versüßen, an denen ich schon glücklich war überhaupt am Wasser zu sein. An Tagen, an denen die Besuche in der Natur, im kühlen Nass stehend, den Duft frisch gemähter Wiesen in der Nase ausgereicht hätten, die dunklen Sorgenwolken in meinem Bewusstsein zu vertreiben. Es schien als hätten diese Fische es darauf abgesehen mich daran zu erinnern, dass in Zeiten lähmender Beklemmung, die Stunden am Wasser den reinigenden Zweck erfüllen, Furcht und Sorge ihre erdrückende Macht zu nehmen.

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© Veit Dresmann

So richtig befreiend war schließlich die alljährliche Woche diesen September in meinem spirituellen Zuhause – Nordengland. In Cumbria am River Eden, untergebracht keine zwei Minuten vom Wasser. Abends das Getöse des Flusses in den Ohren, die nächstgelegene Strasse mehrere Hundert Meter entfernt, den Blick über das paradiesische ‘Eden’ Valley gerichtet, hatte ich erstmals in diesem Jahr das Gefühl, das schlimmste hinter mir zu haben – zugleich großartiges vor mir.

Fliegenfischen mit Freunden

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(v.l.n.r.) meine Wenigkeit, Veit Dresmann, Rob Denson, Matt Eastham

Wie hätte ich mich auch anders fühlen sollen, bei der Gesellschaft die ich pflegte, bei den neuen Bekanntschaften die schloss, bei den Freundschaften die ich vertiefte. Denn weit weniger als in den Jahren zuvor zog ich alleine ans Wasser, sondern genoss die Zeit im Kreise Gleichgesinnter. Menschen die nicht nur meine Liebe für Wasser und Fische teilen. Menschen mit denen mich gespürt mehr verbindet, als die bloß Leidenschaft fürs Fliegenfischen. Menschen mit denen ich scheinbar, durch dieses unsichtbare Band verknüpft bin, dass man Freundschaft nennt. Ihr alle namentlich nicht erwähnten, ihr wisst schon, dass ihr auch damit gemeint seid.

Somit endet ein Jahr für mich, dass rückblickend vielleicht als eine Phase der Neufindung und Umorientierung betrachtet werden kann. Und auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle, von jenem oder diesem Abschied nehmen musste, so bleibt doch das Gefühl, eine Zwischenetappe genommen zu haben. Und der Blick gegen den Horizont ist aussichtsreich – mit Höhen und Tiefen, neuen Aufgaben und Zielen, mit Gipfeln die es zu erklimmen gilt.

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Comments

  1. Gratulation zum gelungenen 2016! Möge 2017 nicht zurückstehen.

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