Paradies gefunden – Fliegenfischen in Nordengland

Eden Valley: Stille, Muße, Entspannung © Veit Dresmann

Mit Sicherheit bin ich nicht der einzige, der wenn er erst ein tolles Revier entdeckt hat, es am liebsten mit seinen Freunden teilt. Mit diesen echten Freunden auf die man zählen kann, denen man jeden noch so tollen Fang gönnt. Gelingt der gemeinsame Ausflug an die Haus- und Hofstrecke meist leicht, braucht es bei Auslandsreisen manchmal schon etwas mehr Überzeugung. Vor allem wenn das Ziel eines der best gehütesten Geheimnisse ist. Wenn nicht Hinz und Kunz darüber spricht und berichtet – wenn die einzige verlässliche Berichterstattungsquelle man selbst ist. Schließlich konnte ich Veit Dresmann, den Illustrator des Buches ‘Nymphenfischen – Geheimnisse entlarvt’ davon überzeugen, Nordengland und seinen vielfältigen Möglichkeiten einen Besuch zu erstatten. Schließlich wollte er sich davon überzeugen, wovon ich seit vielen Jahren schwärme. 

Fliegenfischen im River Eden – das Paradies gefunden
von Veit Dresmann

Das letzte Jahr meinte es nicht gut mit mir – freizeittechnisch wohlgemerkt. Chronisch unterfischt, freute ich mich also umsomehr auf eine Woche Fliegenfischen mit Tankred im September. Während uns die letzte gemeinsame Tour an die großen Seen der englischen Midlands führte, waren dieses Mal diverse Fließ- und Stillgewässer im Norden Englands bzw. kurz hinter der schottischen Grenze unser Ziel. Von Köln ging es mit dem Flieger nach Edinburgh, von dort mit dem Leihwagen in das etwa 2 Stunden entfernte Penrith in Cumbria. Dank Verspätungen und Verzögerungen erreichten wir unser Ferienhaus 3 Stunden später als geplant. Somit fiel das erste abendliche Fischen leider aus.

Eden Valley: Mit den Hühnern aufstehen © Veit Dresmann

Dank gutem englischen Essen – jaja, das gibt es wenn man sich auf Ortskundige verlassen kann – und Duty-free Rum haben wir den Abend aber ganz gut gerettet. Eben dieser Rum-Konsum führte allerdings dummerweise dazu, dass ich nachts auf der Suche nach der Toilette die Steinplatte vor dem Kamin übersehen habe – barfuß. Ein deutliches Knacken und noch deutlichere Schmerzen verhießen nichts Gutes.

Am nächsten Morgen waren dann drei Zehen sowie der vordere Teil des Fußes dick angeschwollen und lustig gefärbt. Am ersten Urlaubstag. Spitze. Also stand neben einem Besuch bei John Norris, wo wir noch den obligatorischen Kleinteile-Einkauf und aktuelle Informationen zu unseren Ziel-Gewässern besorgen wollten, auch noch die Apotheke auf dem Plan. Schmerzen schließlich dank Ibuprofen unterdrückt, ging es mit etwas Verspätung nun endlich an den berühmten River Eden, der in Sichtweite des Hauses liegt und somit nach kurzem Fußmarsch erreicht war.

Eden Valley: wenige Meter noch bis ans Wasser © Veit Dresmann

Cumbria empfing uns mit feinstem Sonnenschein, T-Shirt-Temperaturen und einem hervorragendem Wasserstand, aber ohne nennenswerten Schlupf. Wir befischten eine Strecke mit vielen großen Steinen im Flusslauf, die eine Menge an potentiellen Standplätzen versprachen. Trotz schwieriger Watbedingungen war sofort klar, dass wir hier mit der kurzen Leine angreifen wollten. Super Entscheidung, wir fingen in wenigen Stunden viele wunderschöne wilde Bachforellen in allen Größen. Gekrönt wurde mein erster Eden-Tag von einer 50-cm-Schönheit, die meiner kleinen dunkelbraunen Steinklammerer-Nymphe am Rand einer starken Strömung nicht widerstehen konnte.

River Eden: Erster Fisch für Veit Dresmann – © Tankred Rinder

Am zweiten Tag sollte es noch mal der Eden gehen. Wir hatten nur zwei Tage an diesem Fluss eingeplant und die Strecke ist vier Kilometer lang. Der River Eden zeigt sich in diesem Bereich sehr abwechselungsreich. Man findet lange Rauschen, tiefe Rinnen, Stromschnellen, große Pools und immer wieder riesige Felsen. Die Wahrscheinlichkeit, an diesen Ufern einem Fischer mit einer Zweihand-Lachsrute zu begegnen, ist weitaus höher als einen Forellenfischer zu sehen. Auch an diesem Tag fingen wir unsere Fische, die ausschließlich aus einem reproduzierenden Bestand stammen. Die meiste Zeit fischten wir mit einer Kombination aus Klinkhamer und leichter Nymphe. Die Bisse kamen auf sowohl die Trockenfliege als auch auf die Nymphe, die durchschnittliche Fischgröße blieb allerdings weit hinter der des Vortages zurück.

River Eden: Platz zum Werfen © Veit Dresmann

Aufgrund meiner Mobilitätseinschränkung und Ratschlägen der Profis von John Norris tauschten wir kurzfristig unser zweites Ziel Hayeswater Reservoir gegen das Haweswater Reservoir. Diesen hochgelegenen Bergsee konnten wir zwar bequem mit dem Auto ansteuern und ersparten uns die 45 minütige Wanderung. Allerdings sahen wir uns mit extrem schwierigen Bedingungen konfrontiert. Generell ist die Fischerei hier geprägt durch sehr selektive, relativ kleinwüchsige Wildfische. Dazu kam, dass der See die meiste Zeit vor uns lag wie ein Spiegel. So stiegen zwar die Fische, doch von unserem Angebot waren sie nicht überzeugt. Sehr frustrierend, Ring nach Ring anzuwerfen, ohne die Forellen so wirklich dafür interessieren zu können. Das hatte ich mir leichter vorgestellt. So kam es wie es kommen musste und wir trotz großer Anstrengungen leider Schneider geblieben sind. Aufgrund der großartigen Kulisse möchte ich diesen Tag trotzdem nicht missen.

Haweswater: Welche Kulisse – © Veit Dresmann

Als drittes Ziel hatte Tankred ein Gewässer im Süden Schottlands ausgesucht. Ich hatte schon viel über den Fluß Annan und seine Bachforellen und Äschen gelesen, die dafür bekannt sind, besonders gut auf die Trockenfliege anzusprechen. Wir fischten auch dort mit der „Klink n Dink“-Montage, Bisse auf Nymphe und auf die Trockene hielten sich wieder die Waage. Die Durchschnittsgröße der Fische war beachtlich und sucht im europäischen Raum sicherlich Seinesgleichen. Besonders auffällig waren die zahlreichen und großen Äschen. Bei meiner nächsten Reise in den Norden der Insel werde ich diesem Fluß und seinen Bewohnern auf jeden Fall mehrere Tage widmen.

River Annan: großartige Herbst- und Winterfischerei auf Äschen – © Veit Dresmann

Ein weiteres großartiges Gewässer zeigte Tankred mir an den beiden letzten Angeltagen des Trips: Malham Tarn. Ein großer Natursee, mit durchschnittlich 2-3 Metern Tiefe relativ flach, in Ufernähe oft stark verkrautet und extrem nahrungsreich. Ziel unserer Bemühungen sollten die wilden schnellwüchsigen Bachforellen bzw. Seeforellen sein, die sich auch hier selbst reproduzieren, so dass keinerlei Besatz getätigt wird. Neben den Bachforellen sind noch Barsche vertreten, die hier durchaus zu guten Exemplaren abwachsen. Andere Fischarten sind in diesem See gar nicht vorhanden.

Die Verwaltung des Sees bietet die Möglichkeit, eines von 4 Ruderbooten zu mieten, die in zwei unglaublich urigen Bootshäusern auf uns warteten. Durch ein Verbot der Uferangelei wird der Angeldruck extrem niedrig gehalten. Viele, viele Driften am ersten Tag brachten uns bei schlechten Wetterbedingungen allerdings nur zahlreiche Barsche und eine winzige Bachforelle, die auf unsere Nymphen und Nassfliegen hereinfielen. Aber wir hatten noch ein As im Ärmel. Tankred hatte für den zweiten Tag ein gemeinsames Fischen mit den bekannten englischen Fliegenfischern Matt Eastham und Rob Denson organisiert.

Malham Tarn: Wenn schon keine große Forelle – © Veit Dresmann

Beide befischen den See regelmäßig und kennen ihn und seine Fische wie ihre Westentasche. Mehr Wind, mehr Wolken und weniger Sonne deuteten zudem auf bessere Voraussetzungen hin. Ausgestattet mit nun zwei Booten und, ganz wichtig, Elektromotoren, sollte der zweite Tag auf  Malham Tarn für einen von uns erfolgreicher verlaufen. Viele gute Fische landeten im Kescher, keiner hatte weniger als drei Pfund. Leider Gottes hat Petrus mich an diesem Tag ein wenig im Stich gelassen und mir außer Barschen keine weiteren Fische gegönnt. Trotzdem hatte ich eine gute Zeit auf dem Wasser. Matt und Rob sind zwei absolute Profis, sehr symphatisch und unterhaltsam, so dass ich wieder mal eine Menge Neues über die Stillwasser-Fischerei gelernt habe. Wissen, das sich bei meinem nächsten Besuch am Malham oder den Midland Reservoirs sicherlich in den ein oder anderen Fisch umsetzen lässt. Hier noch einmal besten Dank an die beiden!

Malham Tarn: Tief durchatmen © Veit Dresmann

Fazit des Urlaubs:

Wir hatten eine wunderbare, abwechslungsreiche Fischerei an sehr unterschiedlichen Gewässern mit einer Menge wilder Fische. Die Gewässerdichte und -qualität in Cumbria ist für einen im Rheinland wohnenden Fliegenfischer der absolute Wahnsinn und immer eine Reise wert. Für mich steht sowieso fest, dass ich wiederkomme. Schließlich habe ich noch eine Rechnung mit den Malham-Browns offen. Abgerundet wurde unser Trip durch die Unterbringung in einem kleinen, gut ausgestatteten englischen Landhaus, freistehend und umgeben von Wiesen und Wäldern mit Blick auf den Eden. Abends flitzten Hermelinchen durch den Garten und morgens saßen die Fasane auf den Grundstücksmauern. Fliegenfischerherz – was willst du mehr?

River Eden: Forellen & Äschen in allen Größen © Veit Dresmann

River Eden: Genau hinsehen lohnt sich © Veit Dresmann

Hat sichtlich Spaß gemacht – bis bald wieder!

Forelle & Äsche lädt Euch ebenfalls dazu ein, weniger getrampelte Pfade zu begehen und eines meiner oft besuchten Ziele zu erkunden – egal ob alleine, mit Freunden oder der Familie. Ab nun bietet Forelle & Äsche, Reisen zu mehreren Top Destinationen im UK an – River Eden, River Annan, Orkney Inseln, Rutland Water, Eyebrook Reservoir, Malham Tarn. Weitere Reiseziele kommen demnächst hinzu.

Vermerkt Euer Interesse an einem Fliegenfischen Urlaub in England oder Schottland durch Ausfüllen dieses Formulars und gerne erstelle ich ein Angebot. Gute Reise und tight lines!

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Comments

  1. Sehr schön…..scheint ein lohnendes Ziel zu sein! Ob das noch lange bequem machbar ist (Stichwort: Brexit)?

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