Macht euch vom Acker – Terrestrials

Rekordsommer 2018 – zum Aufregen.  Beinahe ausgetrocknete Flüsse setzen nicht nur Forelle & Äsche zu. Auch die Hauptnahrungsquelle unserer Leitfische wird durch üble Wasserstände stark in Mitleidenschaft gezogen. Während der Insektenbestand sich mit Sicherheit erholen wird, werden Salmoniden und andere Fischarten auf Nahrung zurückgreifen, die ihnen auch in weniger rekordverdächtigen Sommern und Herbsten verfügbar ist. Mal sehen, wie Matt Eastham mit diesem Umstand umgeht.

Gibt es wirklich eine Notwendigkeit für das obige Muster? Wahrscheinlich nicht. Aber wenn ich eine Stunde lang hinter einem Bindestock sitze, was bleibt denn noch zu binden, wenn meine Dosen bereits voll sind? Die mit den wichtigsten Olives, Sedges, CDCs, Spiders, Nymphen und so weiter aus den Nähten platzen! Die den Großteil meines Bedarfs der ganzen Saison abdecken! Terrestrials sind das Einzige, wo ich im Moment dünn aufgestellt bin. Und selbst dabei decken ein paar Muster wie Griffiths‘ Gnat, Klinkhamers und Paul Procters NDT alle Ecken des Spektrums an „kleinen und schwarzen Fliegen” ab (siehe Foto unten). Ich dachte, dass ich vielleicht ein paar Schmeißfliegen/Bremsen/Schwebfliegen Dingsda hinzufügen könnte…………..und so begannen die rostigen Räder der Entwicklung langsam zu mahlen. 

Ehrlich gesagt wünschte ich, ich hätte nie damit begonnen. In einer beunruhigenden Wendung der Ereignisse scheine ich, ganz aus heiterem Himmel, eine Allergie gegen meine Fliegenbindematerialien entwickelt zu haben. Vor zwei Wochen verwandelte mich ein Stück Rehhaar in ein weinerliches Wrack, und heute Nachmittag ließ mich selbst eine gutartig aussehende Hasenmaske im Handumdrehen nach dem Tempo greifen. Der Rebhuhnbalg schien mich an den Rand des Wahnsinns zu treiben und als ich mich ein paar Stunden später an den Schreibtisch setzte um zu schreiben, kam ich gerade erst über den Drang hinweg, mein Gesicht mit Sandpapier abzuschaben. Vielleicht habe ich einen Fall von Hausstaubmilben (meine Materialkiste meine ich, nicht ich persönlich) – wer weiß. 

Es scheint keine offensichtlichen Schäden an meinen wertvollen Bälgen und Fellen zu geben. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu verweichlicht geworden. Wie auch immer, ich war noch nie ein Mann der es übermäßig genoß zu binden – es ist ein Mittel zum Zweck für mich oder ein letzter Ausweg aus der Langeweile. Diese neueste Entwicklung hat das Binden von Fliegen noch tiefer an den Bodesatz meines Prioritätsbehälters verlagert.

Schade eigentlich: denn durch die Sonne die schräg durch das Esszimmerfenster schien und dem Versprechen, später in dieser Woche an den Fluss zu gehen, war ich ausnahmsweise einmal in der Stimmung einen Faden um den Haken zu wickeln. Ich dachte an den letzten Sommer und einen Bericht von Rob und Stu, die sich eines Tages als Glücksritter fühlten, nachdem ein lokaler Grundbesitzer beschlossen hatte, die Spitzen seiner weitläufigen Uferwiese zu stutzen. Als Bauer Palmer mit dem Traktor herummachte, änderte sich das Glück meiner Gefährten auf wundersame Weise, als der wohlwollende Südwind plötzlich alle möglichen Grasbewohner aufgriff und sie auf der Wasseroberfläche ablegte. Was folgte waren hektische Stunden und soweit ich mich an das Gespräch erinnere, war es eine schmutzfarbige Soldier Palmer die an diesem schönen Nachmittag der Glücksbringer war.

Möglicherweise stehen kleine braune Dinger nicht ganz oben auf der Dringlichkeitsliste eines Fliegenfischers. Aber was schadet es, etwas zur Verfügung zu haben, um eine Situation abzudecken, sollte sie jemals entstehen? Besonders zu dieser Jahreszeit, wenn Hundstage-Forellen mangels bedeutender Insektenschlüpfe oft mit einem Sammelsurium von an Land geborenen Kreaturen gefangen werden, wie Obduktionen in der Vergangenheit gelegentlich gezeigt haben.

So kam ich schließlich zu der oben genannten zottigen Anstrengung. Nachdem ich versucht hatte, die Kriterien 

a) tiefsitzend und genässt 

b) unscheinbar und impressionistisch  

c) für mich als kurzsichtigen Fischer leicht am Wasser zu erkennen

in das Muster zu integrieren.

Ob es dadurch irgendeinen Vorteil gegenüber einem DHE, Adams, einer trockenen Hares Ear usw. gibt, ist ein strittiger Punkt. Aber hey – es hielt mich für einige Stunden beschäftigt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich heutzutage jedes Mal wenn ich mich hinsetze in der Absicht ein bestimmtes Insekt oder Insektengruppe zu binden, die Gültigkeit der Übung in Frage stelle. Denn die meisten der Muster die ich jetzt verwende, sollen einen generischen Charakter haben, der viele Möglichkeiten abdeckt. Die GISS (General Impression, Size, Shape)-Theorie ist ein Ansatz dem ich viel abgewinne; zudem richtet er nicht halb so viel Chaos an wie der Anspruch, seiner Kreativität beim Fliegenbinden freien Lauf zu lassen!

So, was hat es letztlich also mit dieser Imitation eines kleinen Landinsekts auf sich? Ein nützliches Muster in der Entwicklung oder ein Blindgänger, der bald in der ‘ausgemustert’ Ecke der Fliegenbox enden wird? Wer weiß, wenn ich in der Zukunft auf meine eher halbherzige und heruntergekommene Herangehensweise von heute Nachmittag zurückblicke, muss ich vielleicht eingestehen, einen Gewinner hervorgebracht zu haben…………. ich denke, es sind diese vagen Möglichkeiten, die sogar abgeneigte und gottverdammt allergische Typen wie mich dazu bringen,von Zeit zu Zeit an den Bindestock zurückzukehren.

Nebenbei bemerkt, die Liste der Materialien ist hier für die Nachwelt aufgeführt:

Haken: Varivas 2100 Standard trocken #18

Faden:14/0 tan

Rippung: UTC dünner Golddraht

Dubbing: Hasenohr

Flügel: einlagig aus weißem TMC Aero Dry Wing, nach vorne gezogen und hinter dem Öhr niedergebunden, sobald die Hecheln gewickelt wurden (a la Headleys Crippled Midge).

Hechel: Grizzle Hahn und eine Feder vom Hals des Rebhuhns, zusammen eingebunden.

Terrestrials – das übliche schwarze Zeug: Griffiths Gnat und Procters ‚NDT‘. Ich mag es, die Unterseite der Hecheln bei MIdges abzuschneiden. Das Procter-Muster ist sehr nützlich, wie man es von einem so erfahrenen Angler wie ihm erwarten kann. Ich habe es, an im flachen Wasser futternden und misstrauischen Fischen, ausprobiert. Es hat mich nicht enttäuscht. Die einzigen anderen Muster an Landinsekten, die ich im Fluss verwende sind:  Hawthorns, schwarze Klinks und Käfer. Du wirst mich sicherlich nie dabei erwischen, wie ich versuche, das Profil einer Baumwanze nachzubilden – das wäre für mich sicherlich ein Niesen zu viel.

 

Herzlichen Dank für diesen Beitrag an Matt Eastham – einem fanatischen Fliegenfischer, der seine Besessenheit fürs Fischen, Fliegenbinden und Fotografie, früher in seinem mittlerweile aus dem Netz genommenen Blog North Country Angler festhielt. Als geschätzter Schreiber und Fotograf liefert er regelmäßig Beiträge für Publikationen wie Trout & Salmon und Eat, Sleep, Fish.

 

Comments

  1. Hallo, wie immer sehr interessant, wollte gerne fragen Wie heisst der fliege der am ersten abgebildet ist (Cover Bild) ? schaut ja sehr schön aus, oder gibt da ein Bindeanleitung ?
    Vielen dank und wünsche alle ein schöne Tag
    Milo

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