Ein beschaulicher Tag an der Urft

Einige Leser haben vermutlich von den nächsten geplanten Veröffentlichungen von mir im F&Ä Verlag mitbekommen. An der Stelle spreche ich ein herzliches Dankeschön aus an die bisherigen Unterstützer des Projekts. Dank Eurer Vorbestellungen sind 35% der ausgerufenen Fundingsumme erreicht. Bis zum Erreichen des Ziels ist es aber noch ein weiter Weg. Was käme gelegener als Fliegenfischen zu gehen, um den Druck ob der Richtigkeit meiner Entscheidung die deutschsprachige Fliegenfischergemeinde mit Angelprosa zu beglücken, ein wenig Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn es stimmt mit Sicherheit: Bücher kaufen ist nicht günstig – Bücher machen noch viel weniger. 

Meinen Gedanken der Arbeitswoche wollte ich am Tag der deutschen Einheit aber keinen Platz einräumen. Und am Besten blende ich Sorge, Nöte und Ängste am Wasser aus. Nicht unbedingt wie viele Nichtangler vermuten aufgrund der vorherrschenden Stille und Ruhe dort. Nein, nein. für mich ist es die absolute Konzentration auf eine Sache – gelingt die Drift so wie ich sie möchte, platziere ich meine Fliege dort wo ich sie haben will, wähle ich das richtige Muster usw. – die sämtlichen Alltagsgedanken null Raum lassen. Und dadurch in dieser perfekten Mischung aus Fokus, Natur und Wunsch einen schönen Fisch zu fangen, für tiefe Entspannung sorgen. 

Von Zeit zu Zeit doch, in den Pausen und den Phasen der Unentschlossenheit, zeigen Zweifel ihre gräßliche Fratze und versuchen giftige Pfeile sich in das Selbstbewusstsein zu bohren. Das Treiben der Natur und das eigene Handeln am Wasser schaffen aber ausreichend Distanz zu den Störenfrieden. Treffender als John Gierach kann man es nicht bezeichnen.

Mit Veit Dresmann, der Dir als Leser vielleicht als Gestalter und Illustrator meiner Bücher bekannt ist, mache ich mich zeitig auf den Weg. Der Wetterbericht versprach traumhafte Aussichten, auch wenn der Wasserstand trotz des Regens der vergangenen Tage noch immer als weit entfernt vom Ideal einzustufen war. Dennoch rechneten wir mit etwas Andrang an diesem herrlichen Herbstag, am von uns befischten 4,5km langen  Abschnitt der Urft um das Eifelstädtchen Gemünd.

Tatsächlich gelangten wir scheinbar als Erste an den Fluss. Denn während der kurzen Besichtigung der favorisierten Plätze begegneten wir nur einem einzigen Mitangler: dem Graureiher. Also nichts wie hin an den von allen Fliegenfischern heiß begehrten Wehrpool. Ein HotSpot der bei guten Wasserständen zwei Anglern Platz bietet. In den letzten Monaten schrumpfte jedoch das noch immer tiefe Loch auf eine Größe gerade mal ausreichend für einen Fliegenfischer. 

Das Glückslos des Vortritts gezogen, machte ich mich an die Sache. Schon die zweite Drift bewegte mein Vorfach leicht zur Seite und nach dem Anhieb schraubte sich eine Regenbogenforelle entschlossen aus dem Wasser. Die bemerkenswerte Geschwindigkeit der Pirouetten löste zugleich die widerhakenlose Fliege. Wenn der Tag schon so beginnt, kann man sich auch über einen verlorenen Fisch freuen. Besonders dann wenn dieser wieder bestätigt, warum man bei all den verständlichen Diskussionen über habitatfremde Besatzfische, Regenbogenforellen einfach lieben muss. 

Es stimmt, dass Bachforellen – vor allem die Großen – schwieriger zu fangen sind und ihren Fängern dadurch ein besonderes Gefühl von Gerissenheit und Können vermitteln. Die Sorge eine große Regenbogenforelle überhaupt landen zu können, steht dieser Empfindung aber wenig nach. Man muss ‘Rainis’ für ihren Kampfgeist einfach hoch schätzen. Guter Laune verließen Veit und ich also diesen Pool mit jeweils zwei Fängen auf der Habenseite. Von schönen Regenbognern zu halbstarken Bachforellen.

Frühe Fänge an einem Angeltag verleihen eine gewisse Leichtigkeit. Gerne probiere ich dann unterschiedliche Muster und variiere Techniken. Wann wenn nicht dann bietet sich die Zeit, frei von Druck Neues auszuprobieren. Seien es die eigenen Überlegungen und Ideen, oder die Techniken und Ansätze begleitender Angler.

Ich bin gerne alleine am Wasser. Doch die Zeit gemeinsam mit guten Freunden, mit denen man sich neidlos über die tollsten Fänge freut, ist ein bindendes Erlebnis bei dem Rücksicht, Vortritt und Unterstützung gelebt wird. So fischten Veit und ich vor uns hin und teilten uns die wenigen sinnvoll zu befischenden Stellen.

Auf zwei weitere Freunde stießen wir im Laufe des Vormittags. Simon, von dem das hochwertige Video für meine Crowdfunding Kampagne stammt, und seinen Angelpartner Björn. Zwischen uns vier fand scheinbar schon längst eine geistige Verbrüderung statt. Im Sinne der besten Chancen für uns alle wurden wir schnell darüber einig, wer wo wann an einem doch in Länge überschaubaren Stück Wasser fischen würde, um uns allen einen prächtigen Herbsttag zu garantieren.

Von kurzweiliger Fischerei wird dieser Tag letztlich geprägt sein. Wo auch immer wir es versuchten, einer von uns beiden konnte einen fitten Fisch aus meist sehr dünnem Wasser hervorkitzeln. Seine ganze Pracht wird dieser Tag dann am späten Nachmittag ausspielen, als ich beschloß, ein letztes Mal heute ans Wehr zu gehen, um einen Fisch fürs Abendessen zu fangen. Als die fischreichste Stelle des Stücks musste der Wehrpool mit Sicherheit einiges mitmachen an diesem Tag. Ohne Zweifel versuchte jeder einzelne der sieben Fliegenfischer die wir zählten sein Glück dort. Veit hatte genug für heute und konzentrierte sich weiter flussab auf das Einsammeln von Signalkrebsen für ein Mahl. 

Ich hatte aber so viel Spaß an allem das ich tat, dass ich nicht aufhören konnte. Ich erfreute mich an jeder Drift die gefühlt punktgenau dort abtrieb, wo ich meine Nymphe haben wollte. Jeder Wurf gelang an die Stelle, die ich beabsichtigte zu treffen. Im richtigen Tempo meinte ich meinem Arm die abtreibende Nymphe zu begleiten. So verloren kann man manchmal in seinem Tun sein. Ich hatte keinen Wunsch nach einer Menge Fotos den ganzen Tag. Wollte einfach die Atmosphäre für mich und mich allein einsaugen, das Gefühl mit meiner Umwelt zu verschmelzen bis auf die letzten Zentimeter auskosten.

Ewigkeiten hätte ich noch so zubringen können. Wenn nicht ein spitzes Klopfen dreimal in der Schnur, ein Interesse eines Fisches an meinem Angebot signalisierte. Ein Fisch der trotz der vielen Nymphen die an ihm im Laufe des Tages vorbei trieben, sich von meinem rostbraunen Bachflohkrebs ausreichend angestachelt fühlte, umzudrehen und meiner Fliege nachzuschwimmen. Wenig lässt mein Herz höher schlagen, als die Sicherheit die mich überkommt, nach dem Anschlag zu wissen es mit einem besseren Fisch zu tun zu haben. Kein Riese zwar, aber ein wehrhaftes Wesen.

Während des Drills hörte ich eine französisch sprechende Familie sich über mir am Wegrand sammeln. Leise wurden vom Vater die Fragen seiner zwei Töchter beantwortet, die ich nicht verstand. Als die Bachforelle guter Größe vor mir im Kescher lag, die purpurfarbenen Punkte, die mich vorher von unter Wasser anstrahlten, in all ihrem Glanz schienen, wusste ich: abgeschlagen, wäre dieses prächtige Tier nur ein Stück Fleisch. In ihrem Element wird diese Forelle aber, in nur wenigen Wochen mit ihren leuchtend hellen Punkten ein oder wahrscheinlich mehrere Männchen anziehen, um ihr wertvolles Genmaterial weiterzugeben. 

Als die Forelle langsam wegschwamm rief der Vater mir zu: ‘Superdas ist wahrer Sport’.

 

Comments

  1. Hallo Tankred,
    schöner Bericht. Iich war Anfang Juli an der Urft, leider nicht so erfolgreich.
    Gruß
    Darius

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: