Fliegenfischer Literatur – ein Nischendasein?

 

Als ich im Freundeskreis verkündete, neben dem Sachbuch auch der Anglerprosa im Forelle & Äsche Verlag einen Platz einräumen zu wollen, sah ich in teils verwunderte, teils besorgte Gesichter. Dass ich der beruflichen Laufbahn eine Neuausrichtung verordnete, wurde bereits mit Skepsis betrachtet. Für das Veröffentlichen von Sachbüchern wurde trotz aller Zweifel zumindest noch Verständnis aufgebracht – schließlich boomt der publizistische “Ratgeber” Markt. Aber Fliegenfischer Literatur? Wie käme ich darauf, wurde ich gefragt.

Ganz einfach: Fliegenfischen, Kunst und Literatur befruchten sich seit Jahrhunderten. Wo sonst lässt man sich ähnlich leicht von der Muße der Schöngeistigkeit küssen als am rauschenden Fluss, dem ruhenden See, dem tosenden Meer. Ja stimmt, beim Wandern und am Berg ist es ähnlich. Die Natur besitzt diese unsichtbare Kraft, in uns Menschen Impulse auszulösen, die uns dabei unterstützen unser Tun und Handeln darin zu hinterfragen. Sich als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen, wird durch unsere Leidenschaft für das Wasser gefördert.

Geschichten über den Fischfang begeistern die Menschheit sogar noch länger. Prähistorische Malereien weisen darauf hin, dass Erzählungen über den Fischfang seit Jahrtausenden Gehör geschenkt wird. Während der eine mit Sicherheit schon immer am meisten daran interessiert war, mit welchen Mitteln und Methoden der Fang am besten gelingt – schließlich galt es den Stamm zu erhalten – stand für andere das Abenteuer, die Erlebnisse und Begegnungen bei der Nahrungsbeschaffung im Mittelpunkt. Schließlich sind wir Menschen Gesellschaftstiere, für die Unterhaltung ebenso wichtig ist wie Wissens. Gerät dieses sensible Gefüge aus dem Gleichgewicht, leiden still alle Beteiligten darunter.

Dass wir in einer Zeit leben, in der die Gefahr real ist, dass dieses Gefüge aus der Balance fällt ist unbestritten. Dem ‘Wie’ des Fischfangs wird sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dem Wertegerüst beim Gang ans Wasser aber, einem übergeordneten ‘Wie’ für Angler und Fliegenfischer, um sich der eigenen Rolle in der Natur und im Umgang mit Gesellschaft z.B. anderen Anglern stärker bewusst zu werden, mangelt es manchmal an Sichtbarkeit.

Wenn Stephan Dombaj, ein höchst talentierter junger Fliegenfischer und geschulter Medienmensch modernen Formats in meinem Crowdfunding Video davon spricht, dass es an der Zeit ist tiefere Werten beim Angelsport zu erkennen, als über das Display zu wischen und Fischfotos zu liken, trifft er die Wurzel der gegenwärtigen Herausforderung: Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit. Die komplette Antithese zu allem, was den Erlebniswert beim Fliegenfischen und andere Naturaktivitäten ausmacht: intensives und sinnstiftendes Eintauchen, tief in ein uns fremdes Element, in eine andere Welt.

Vor mehr als zehn Jahren trat Fliegenfischen mit einer Vehemenz in mein Leben, sodass ich jeden Aspekt meines Lebens der Beschäftigung damit unterordnete. Die Freizeit abseits vom Wasser drehte sich fortan um Fische und Fischfang. Vom Erlernen neuer Fähigkeiten, der Urlaubsplanung bis hin zur Lektüre.

Mensch… gab es da eine Welt zu entdecken! Auch abseits der Sachbuchsparte. Echte zeitgenössische Literatur also, von Männern – und manchmal Frauen – die Schriftsteller oder Journalisten sind, deren große Leidenschaft das Fliegenfischen ist.

In dieser Lektüre finde ich nicht nur Unterhaltung und Lust auf Abenteuer in fremden Ländern. Es verbergen sich darin auch Beobachtungen über die Natur und Menschen und ihre Einstellungen zu beidem. Ein Kompass wenn man so möchte, für die fischereiliche als auch persönliche Entwicklung. Die beide ja bekanntlich niemals ruhen sollen. Hätte man mir damals prophezeit, ich würde selbst einmal Bücher zum Fliegenfischen publizieren, hätte ich es als süße Phantasterei abgetan. Kraft der Faszination kann ich jetzt nur dazu sagen.

Warum aus Deutschland vergleichsweise wenig Literatur – also echte Prosa – zu dem Thema je veröffentlicht wurde, ist mir nicht ganz erklärlich. Mit einem befreundeten Kletterer habe ich mich lange zu dem Thema unterhalten. Scheinbar ist es in seiner Sportwelt nicht viel anders. Das Bezwingen eines Berges wird laut seiner Beschreibung, in der deutschen Buchlandschaft anders behandelt als in englischsprachiger Literatur. Wir waren uns einig.

Hierzulande  steht häufig der mechanische, technische Aspekt unserer Leidenschaft im Vordergrund. Die anglo-amerikanische Literatur hingegen unterstreicht das Bewusstsein und die Gedanken seiner Akteure. Wenn diese über sich hinauswachsen bei fischereilichen und sportlichen Herausforderungen. Das Nachdenken über die Spuren und Veränderungen die das Tun und Handeln an ihnen hinterlassen. Das mentale und ethische Rüstzeug das es für die Ausübung der Leidenschaft benötigt – um in den Worten von Izaak Walton ein ‚vollkommener Angler‘ zu werden.

Im deutschsprachigen Raum gibt es eine bis zwei Handvoll Autoren und Autorinnen die sich mit schönen Büchern dem Angelsport, oder eben dem Fliegenfischen widmen. Als richtig unterhaltsame, sehr authentische Literatur für Angler und Fliegenfischer gefallen mir die Bücher von Christoph Schwennicke, Max Scharnigg, Sven Goergens richtig gut. An den Werken von Joachim Eilts und Peter Bartelt habe ich großes Interesse.

Woran es sich für mich einzig ein wenig reibt an dieser Literatur ist mein Gefühl beim Lesen, die Autoren versuchen aus ihrer Anglerperspektive, Nichtanglern zu erklären, worum es bei unserer Leidenschaft geht. Da fühle ich mich nicht 100% angesprochen. Ob das Schreiben aus der Sichtweise der Rechtfertigung von den deutschsprachigen Autoren selbstgewählt ist, oder ob es sich vielleicht um eine Art Vorgabe der Verlage handelt um die Käufergruppe zu vergrößern, weiß ich nicht und mag ich nicht beurteilen.

Aus meiner Sicht unterscheidet sich aber die Literatur im anglo-amerikanischen Raum exakt an diesem Punkt am stärksten. Dort steht die Tatsache, dass der Autor Fliegenfischer oder Angler ist, nicht zur Disposition. Angeln und Fischen sind dort kulturell so tief verankert, dass diese Bücher für den fischenden Leser geschrieben werden. Darum fühle ich mich mit dieser Lektüre besser abgeholt.

Mit dieser Wahrnehmung scheine ich nicht alleine zu sein. Denn unter Fliegenfischern gilt die Einschätzung, dass die beste Literatur und die bewegendsten Geschichten zu dem Thema aus Amerika und England kommen. Zugleich wird bedauert, dass manchmal die eigenen Fremdsprachenkenntnisse nicht ausreichen, um die sprachlichen Feinheiten und die Inhalte komplett zu verstehen. Diesen Umstand möchte ich mit dem Forelle & Äsche Verlag adressieren.

Als ich schreibenden und verlegende Kollegen von meinem Vorhaben erzählte, haben sie mich gewarnt. Hierzulande muss ein ‘Angelbuch’ folgenden Mehrwert erfüllen:

  • der Leser möchte lernen
  • sich verbessern
  • genau so häufig große Fische fangen wie sein Autor.

Ich bin ein heimischer Fliegenfischer. Und doch erfreue ich mich an Büchern, die mir per se nichts bringen, außer mich in meiner Phantasie ans Wasser zu entführen. Die mir Ablenkung und Entschleunigung bringen, wenn mich Verpflichtungen und Schnelllebigkeit des Alltags unter Druck setzen. Mit dieser Art von Büchern möchte ich die deutschsprachige Fliegenfischer Gemeinde vertraut machen.

Darum soll es die aus meiner Sicht beste zeitgenössische Literatur übers Fliegenfischen auch auf Deutsch geben. Genau deshalb wird es eine übersetzte Version von Charles Rangeley-Wilson „Somewhere Else“ im November 2018 geben. Gefolgt von Thomas McGuane „The Longest Silence“ im Frühjahr 2019.

Ob sich mein Wunsch umsetzen lässt, auch in Zukunft Geschichten und Erzählungen von Fliegenfischern für Fliegenfischer zu veröffentlichen, wird der Ausgang der von mir initiierten Crowdfunding Kampagne zeigen.

Wenn Du also möchtest dass ich mit dem Forelle & Äsche Verlag weiterhin packende, unterhaltsame und zugleich nachdenkliche Prosa veröffentliche, bitte ich Dich, diesem Wunsch Ausdruck zu verleihen.

Wie? Indem Du mit einer Vorbestellung eines oder beider Bücher, mein Verlagsvorhaben unterstützt. Und mir damit signalisierst: ja – auch im deutschsprachigen Raum sehnt man sich nach Büchern, die den Leser von Fängen, Reisen und Abenteuer träumen zu lassen. Bücher die unterhalten, zum Schmunzeln bringen und Einsicht erlauben in die Gedankenwelt von Autoren, die beim Fliegenfischen schon einiges erlebt haben.

Ich hoffe mit meiner Auswahl an Veröffentlichungen Deinen Geschmack genauso zu treffen, wie den der bisherigen Förderer meines Projekts. Es würde mich sehr freuen, wenn Du mein Vorhaben ebenfalls als unterstützungswürdig erachtest.

Tight lines,
Tankred Rinder

Comments

  1. Heribert Hahne says:

    Ich wünsche dir viel Erfolg.

    Muss mich aber Vorbehalten, so, wie einige deiner Freunde ebenso, mit Skepsis gegenüber deinen sicherlich ehrenwerten Vorhaben anschließen. Ich bin lange genug mit dieser ‚Brange‘ – dem Angeln mit der Fliege – in Deutschland, Europa und anderen Kontinenten sowie mit den unterschiedlichsten Menschen und den verschiedensten Angelmethoden vertraut, um sagen zu können: Deutschland ist einfach (noch) nicht das Land, in dem der Fliegenfischer und das Fliegenfischen als selbstverständlich, ja, als die bevorzugte Angelmethode verstanden wird.

    In dem Deutschen steckt noch immer der Drang nach ‚Fleisch machen‘. Und das lässt sich einfach nicht mit dem Fliegenfischen vereinbaren. Hinzu kommt, dass in Deutschland das Fliegenfischen a) als elitär, b) zu teuer, c) nur an den wenigsten Flüssen durchführbar in den meisten Anglerköpfen verankert ist. Und das zum größten Teil zu Recht! Immer verglichen mit einigen anderen Ländern – England, Schottland, Neu Seeland, Nordamerika etc. Und genau von dort kommt die meiste Angelliteratur – und genau da liegt der Ca­sus knack­sus. Einerseits willst du das Übersetzt an „den Angler“ bringen, andererseits ist der durchschnittliche Angler (noch) nicht an schöngeistiger Angelliteratur interessiert. Ergo (Zitat):

    ☻der Leser möchte lernen
    ☻sich verbessern
    ☻genau so häufig große Fische fangen wie sein Autor.

    Aber wenn du dich nicht scheust (und das Geld dazu hast) so etwas wie der einsame Rufer in der Wüste zu sein, Mach hin! kann ich nur sagen. Mir soll’s Recht sein.

    Heribert Hahne

    • Vielen Dank für Deine Glückwünsche Heribert,

      in Deinem Kommentar vermischt Du zwei Dinge.

      a. den Entwicklungsstand des Fliegenfischens in Deutschland
      b. die Lesefreude des durchschnittlichen Anglers

      Wenn es mir gelingt einen kleinen zweistelligen % Satz der deutschsprachigen Fliegenfischer für meine Buchveröffentlichungen zu begeistern, schaffe ich bereits ein gutes Fundament für den weiteren Werdegang des F&Ä Verlag.

      Wenn ich es darüber hinaus erreiche, den von Dir als ‚(noch) nicht an schöngeistiger Angelliteratur interessierten Durchschnittsangler‘ neugierig zu machen, sehe ich meine Mission auf gutem Weg.

      Ich stimme Dir zu, dass ich mit Sicherheit idealistisch getrieben bin in meiner Absicht, einen positiven Beitrag zur ‚Kultur‘ des Fliegenfischens leisten zu wollen. Literatur – als ein Teil davon – ist aus meiner Sicht untrennbar damit verbunden.

      Jede Unternehmungsgründung ist schwierig. Und noch bin ich der Überzeugung, zur Verbesserung des von Dir möglicherweise richtig dargestellten Status Quo, einen Beitrag leisten zu können. Ich glaube an die Veränderbarkeit der Dinge!

      Wenn jeder Fliegenfischer der mir zu meinem Mut gratuliert, ein oder mehrere meiner Bücher kaufen würde, würde ich auch ruhiger schlafen.

      Viele Grüße
      Tankred

  2. Ich finde es echt toll, dass du das machst. Bernhard

    • Vielen Dank Bernhard,
      bleibt zu hoffen, dass viele weitere FliegenfischerInnen das genauso sehen, sich auf die Lektüre freuen, mich durch einen Kauf/Vorbestellung unterstützen und sich letztlich selbst damit belohnen. Es sind zwei unglaublich gute Bücher.
      Grüße nach Linz
      Tankred

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