Die Ager – perfekt gemanagt

 

© Roman Moser

In Österreich – auch in Bayern – ticken die Uhren in vielerlei Hinsicht anders als hier in NRW. Unter anderem auch was die Gewässerordnung und deren Regelung der Schonzeit betrifft. Während hier bei uns Mitte Oktober die Schranken an Salmonidengewässern runtergehen, erlauben unsere südlichen Nachbarn – zumindest an den größeren Flüssen – das Fliegenfischen noch immer. Zu Recht wie ich meine. Die am Laichgeschäft beteiligten Bachforellen suchen sich geeignetere Standorte aus, als dort wo wir an jenen Flüssen gerne im Wasser stehen. Die triploiden Regenbogenforellen die dann ab ca. Mitte Dezember auch in Bayern und Österreich der Schonzeit unterliegen, beteiligen sich überhaupt nicht am Laichgeschäft. Und für die Äschen sind die Monate vor dem Eintritt der besonders rauen, kalten Jahreszeit um Januar und Februar überhaupt von großer Bedeutung für die Nahrungsaufnahme. 

Vieles spricht also dafür mit Beginn der Schonzeit in mitteldeutschen und nördlicheren Regionen, seine Reisefühler Richtung Süden auszustrecken. Wenn es weiterhin Salmoniden sein sollen, denen bevorzugt nachgestellt werden soll. Aus beruflichen und familiären Gründen kam ich in diesem Jahr nur ganz wenig ans Wasser. Dass mein Vereinsgewässer – die Agger mit dem doppelten ‘gg’ – darüberhinaus so richtig den sprichwörtlichen Bach runter geht, trug das Seine dazu bei. Da blickt man schon etwas neidisch an die österreichische Ager. Als Außenstehender bekommt man den Eindruck vermittelt, als wäre der Wert der Gewässer für die Tourismusbranche zumindest erkannt. Ja, auch dort sind die Gewässerbetreiber und Vereine harten Auseinandersetzungen mit Kraftwerksbetreibern ausgesetzt, was meine Kollegen Veit und Heinze und ich am ersten Tag unseres Kurztrips auch zu spüren bekamen.

© Veit Dresmann

Dass aber durch exzessiven Schwellbetrieb wie z.B. in meinem Vereinsgewässer der komplette Salmonidenbestand dazu verdammt wird, sich weiter flußab geeignetere Lebensräume zu suchen, davon kann an der österreichischen Ager kein Lied zu singen sein. Auch wenn fairerweise betont werden muss, dass die reiche Fischdichte durch regelmäßigen Stützbesatz aufrecht erhalten wird. Andere Indikatoren lassen aber den Rückschluss auf ein gesundes Gewässer zu. Beide Male an denen ich dort war, wurde ich Zeuge eines guten Schlupfes unterschiedlicher Insektenarten. Zuletzt waren es vormittags massig Pale Wateries und nachmittags relativ dichte Schwärme an Köcherfliegen, vereinzelt Needle Flies und jede Menge an Chironomiden. Ich kann mich nicht erinnern, schon jemals an meinem Heimatgewässer ähnlich abwechslungsreiche Insekten-aufkommen zu Gesicht bekommen zu haben. Und am allerwichtigsten: eine Menge an Fischen die danach steigen. Irgendwie verständlich nun, dass so mancher Fliegenfischer es bevorzugt, nur mit der Trockenen zu fischen – wenn es geht, warum nicht?

© Veit Dresmann

Dass die Ager als Gewässer unter Fliegenfischern diesen einzigartigen Ruf genießt, ist auch an die Persönlichkeit Roman Moser geknüpft. Als Verfasser des Vorwortes von ‘Nymphenfischen: Geheimnisse entlarvt’ und vielfach in diesem Buch gewürdigt für seine Bereicherung des Fliegenfischens, ließ er es sich nicht nehmen, uns eine kleine Einführung in seine Ager zu geben. Jenem Abschnitt des Sportanglerbunds (SAB) Vöcklabruck für den er für die Instandhaltung und Bewirtschaftung verantwortlich ist. Mit Stolz – zurecht – führte er uns am Ufer der Ager entlang und schilderte uns die Renaturierungsmaßnahmen, die unter seiner Ägide am Fluß vorgenommen wurden. Zeigt auf die Störsteine, Buhnen und andere Hindernisse des Roman Moser Parcours. Erzählt von der „Whitlock Vibert“ Box – eine Art Brutkasten für Salmoniden – deren Konzept er von seinen häufigen Reisen aus den USA mit nach Hause gebracht hat. Oder davon, wie fangfähiger Besatz für zwei Wochen in einem Bachnebenarm gehaltert wird, um diesen an die vorherrschenden Strömungsbedingungen zu gewöhnen.

Eigentlich geriet ich nur durch Zufall an die Ager. Als nämlich ihre große Schwester die Gmundner Traun während beider Besuchen sich von ihrer unschönen, nicht befischbaren Seite zeigte. Das die kleine Schwester die aus dem Attersee entspringt und dadurch etwas wärmer ist, deshalb einfach zu befischen sei, ist aber weit gefehlt. Besonders mein erster Besuch der Ager verlief alles andere als erfolgreich. Da mein Freund Veit und ich aber noch immer eine Tageskarte aus dem 3er Block des Frühjahrs übrig hatten, beschlossen wir im Herbst erneut nach Oberösterreich zu fahren. Die Hoffnung auf die Gmundner Traun wurde schon bei unserer Ankunft zu Nichte gemacht. Die Ager aber floß trotz Starkregens relativ klar und zwei weitere, aus Westdeutscher Sicht nicht ganz billige Tageskarten um 80€ wurden gelöst. Das diese Preise für österreichische Verhältnisse moderat sind, muss fairerweise an der Stelle betont werden. Und wie sagte mir einst ein österreichischer Tackleshop-Inhaber als Reaktion auf meine Bemerkung die Kartenpreise betreffend:”…dafür bekommt man auch etwas geboten!” Eine Aussage die ich mittlerweile voll und ganz unterstreichen kann. 

© Veit Dresmann

Anders als beim ersten Besuch, wollte ich mich nicht ablenken lassen. Wollte bewusst fischen, mich auf die großartigste Sache der Welt konzentrieren und alles aufsaugen, was ich durch die fantastische Begleitung während der drei Tage mitnehmen konnte. Denn wenn mir schon das Privileg zufällt, in Begleitung höchst erfahrener Fliegenfischer ein Revier zu befischen, soll ich von diesem Glück Gebrauch machen und soviel dabei verinnerlichen wie nur geht. Von den bekannten, aber wenig genutztenTechniken – hier an der Ager wird viel und höchst effizient mit der Trockenfliege flußab gefischt – bis zur Erkenntnis, wurftechnisch einen riesigen Aufholbedarf zu haben. Schließlich befindet man sich im Hans Gebetsroither und Hans Aigner Land. Ich rate jedem Agerbesucher neben Roman Moser den Kontakt zu Hannes Höbarth zu suchen. Das Zusehen alleine erdet das Verständnis von den eigenen Fähigkeiten und rückt das manchmal vergessene Wissen ins Lot, dass Fliegenfischen noch immer mehr bedeutet, als nur Fische zu fangen.

“My father was very sure about certain matters pertaining to the universe. To him all good things – trout as well as eternal salvation – come by grace and grace comes by art and art does not come easy.” Norman Maclean, A River Runs Through It and Other Stories

© Albert Pesendorfer

Aber über all dem war ich reif für einige Tage ungestörten Fischens mit mir alleine, frei vom Druck zu überzeugen und zu performen. Diesen Belastung spürte ich schon ausreichend in anderen Lebensbereichen. Meine Crowdfunding Kampagne war im vollen Gange – und der Ausgang zu dem Zeitpunkt mehr als ungewiss. Bewusst fuhr ich also an die Ager und ließ die Arbeit einfach Arbeit sein. Machte mir weder schon im Vorfeld Gedanken, wie ich einen Beitrag über diesen Trip schreiben könnte, noch welche Fotos ich wie und wo schießen werde können. Ich wollte einfach tun wofür ich mich lange begeisterte, bevor ich damit anfing zu bloggen, Reisen zu veranstalten, Bücher zu veröffentlichen – einfach in der Natur zu sein, im Wasser zu stehen, im Wald zu sitzen, von früh bis spät mit der Fliege zu fischen!

Was soll ich sagen, es hat mir gut getan! Mit Freunden und solchen die es hoffentlich werden, konnte ich eine tolle Zeit verbringen, viel lernen und dabei trotzdem lachen. Eine ganze Reihe toller Fische konnte ich auch fangen. Dass bei den besten davon weit und breit keine Kamera in der Nähe war, tangierte mich weder in dem Moment noch jetzt. In meine Erinnerung haben sich die Bisse, der Drill und die Landung eingeprägt.

Hannes Höbart (l), Veit Dresmann, Roman Moser (r)

Von einem Kurzbesuch einen verlässlichen Eindruck über die Gewässerbegebenheiten zu vermitteln, ist unter den bestem Umständen schwierig. Somit verweise ich am besten auf weitere Beiträge über diesen aus meiner Sicht großartigen Fluß, der im Herzen einer für das Fliegenfischen im deutschsprachigen Raum bedeutenden Region liegt.

Ein Ager Bericht von Roman Moser auf der Seite Sportanglerbund Vöcklabruck mit allen wichtigen Informationen zu Gewässerkarten, Lizenzpreisen, Insektenvorkommen, Fliegen und was es so alles für eine erfolgreiche Zeit braucht. Und einen weiteren Beitrag des Oberösterreichers Hans Peherstorfers für dessen Seite www.soulfishing.eu ich mich in den vergangenen Monaten sehr zu begeistern begann. 

Ich konnte auf jeden Fall während der Tage alles vorfinden worauf ich gehofft hatte und dabei ausreichend Kraft schöpfen für das, worauf ich in den letzten Wochen hinarbeitete. Das nächste Buch im Forelle & Äsche Verlag: ‘Ferne Welt’ Charles Rangeley-Wilson 

Wer in Köln und im näheren Umland lebt, ist herzlich eingeladen zur Buchpräsentation und Lesung am 7.12.2018 um 19:00 bei FFN Pro Shop (Auf dem Berlich 30, 50667 Köln). Der Autor wird aus England kommend anwesend sein, sich meinen Fragen zu den Geschichten stellen und Bücher signieren. 

Wem das zu weit ist, der kann der Lesung auf Facebook folgen www.facebook.com/ForelleundAesche/

Im Handel erhältlich wird das Buch ab 8.12.2018 im neu eingerichteten Forelle & Äsche Verlag Shop sein unter www.fundae.de

© Albert Pesendorfer

Comments

  1. Jürgen Wegscheid says:

    Hallo Tankred……

    …..wiedermal ein schön geschriebener Bericht, der mir an vielen Stellen so aus dem Herzen spricht……

    ……und ja…. ich hoffe auch das es in 2019 an unserer AGGER hier in NRW etwas besser gehen wird und sie sich wieder etwas erholen wird….?!?!

    • Hallo Jürgen,
      vielen Dank, freut mich sehr, dass Du dich im Beitrag wiederfindest. Deiner Hoffnung hänge ich mich an – die gegenwärtige Situation ist zum Haare raufen. Wünsche Dir jetzt schon Frohe Weihnachten.
      Grüße, Tankred

  2. THEO mientjes says:

    herzliche dank fur die informatione uber die Ager. Mochte gerne nachstes jahr eine woche in die Ager fliegenfischen. Haben Sie vielleicht infromation wo mann am besten kann anglen. gr. Theo MIENTJES. kERKZICHT 1. 1705 GD hjeerhugowaard. Holland.

    • Hallo Theo,
      gern geschehen. Der Ager Abschnitt über den ich hier berichte, gehört und wird von Roman Mosert bewirtschaftet bzw. gemanagt. Hinter diesem Link findest Du Unterkünfte und Hotspots. Wenn Du es mir mit einer kurzen Nachricht erlaubst, dass ich Deine Email Adresse weitergebe, leite ich Deine Kontaktdaten an Hannes Höbarth weiter. Er unterstützt Roman Moser an der Ager u.a. dabei, Gästen den Fluss näher zu bringen. Auch Roman Moser wird sich freuen, wenn Du ihm per Email Fragen zur Fischerei an der Ager stellst office@romanmoser.com
      Ich hoffe Dir geholfen zu haben und wünsche Dir viel Erfolg im kommenden Jahr an der Ager.
      Viele Grüße, Tankred

      • Sab Vöcklabruck says:

        Hallo Theo
        Eine kleine Korrektur zu meinem Vorschreiber muss ich hier anfügen. Roman Moser gehört dieser Abschnitt natürlich nicht. Roman Moser ist der Rivermanager für den Sportanglerbund Vöcklabruck und bewirtschaftet mit großem Erfolg für diesen Fischereiverein die Ager Fliegenstrecke.
        Mit den besten Fischersgrüßen
        Rudi Mikstetter

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: