Die besten Fliegenfischen Gewässer finden sich im ländlichen Bereich. Die progressivsten Vereine aber doch manchmal in Metropolen dieser Welt. Das gilt für London, New York, Paris oder Berlin. Von London ist es nicht weit nach Hampshire, von New York in die Catskills und von Paris in die Normandie – allesamt Regionen von überlieferter Bedeutung für das Fliegenfischen. Berlin hingegen wird von Brandenburg umringt. Einem Bundesland das man nicht zwingend mit Salmonidengewässern in Verbindung bringt.
Fragt man aber den Berliner Fliegenfischer Verein Fario e.V., einem Zusammenschluss an 160 Enthusiasten, nach dem Grund der Namensgebung, wird wie selbstverständlich die Liebe für das Fliegenfischen und Salmoniden genannt. Aber nicht nur für jene die sich vor der nicht zu weit entfernten Ostseeküste aufhalten, oder diejenigen welche gelegentlich in alpinen Regionen besucht werden. Nein, explizit gilt diese Passion den Salmoniden, die in der brandenburgischen Dosse und Stepenitz zu Hause sind.
Noch heute weisen diese Nebenflüsse von Havel und Elbe gute Bachforellenbestände auf und einst waren sie bedeutende Laichgründe für Lachs und Meerforelle. Die Stepenitz, die als einer der saubersten Flüsse Deutschlands gilt, ist ein zentrales Gewässer im ‘Elblachs 2000’ Projekt und die Dosse führt schon in ihrem Namen die indogermanische Wortwurzel ‘wirbeln’. Ohne Lug und Trug also beste Voraussetzungen für ein Aufkommen von Bachforellen und vermehrt ein Wiedererstarken von Meerforelle und Lachs. Begünstigt wird das in großen Teilen durch die Unterstützung des Berliner Fliegenfischervereins Fario e.V.
Im Juni dieses Jahres fand ich mich anlässlich seines 30-jährigen Bestehens in Silmersdorf im Landkreis Prignitz etwa 150km entfernt von Berlin ein. Nicht unbedingt vor der Haustür für einen Angelverein werden manche denken. Dieses Schicksal teilen aber alle urbanen Fliegenfischer, die nicht in direkt von Bergen umgebenen Großstädten wohnen. Es spricht Bände für das Fliegenfischen auf Forellen, dass von Enthusiasten selbst längere Strecken in Kauf genommen werden, um dieser Passion nachgehen zu können. In Silmersdorf befindet sich auch das modern ausgestattete Bruthaus am Grundstück des Fario e.V. Mitglieds Mirko Beutling, der ehrenamtlich 600-700 Arbeitsstunden pro Jahr aufbringt, um 150.000 Meerforellen und Lachse und vermehrt auch Bachforellen für den Stützbesatz zu erbrüten.

Auch wenn nicht alle Mitglieder des Vereins, die zum Teil über ganz Deutschland verteilt sind, sich zum Jubiläum einfanden, so erhielt ich doch einen guten Überblick über die gesellschaftliche Zusammensetzung vom Fario e.V.. Vom Rohrleger bis zum Landespolitiker, sowie erfreulich viele Frauen und jüngere Mitglieder die eine Leidenschaft eint, trafen sich ein. Wir maßen uns beim Fliegenwerfen (Distanz, Ziel) und beim Bindewettbewerb. Wir verfolgten Vorträge über die Geschichte und die Zukunft des Vereins. Die Löcher im Bauch füllten wir mit gegrillter Wildschweinschulter, Beilagen, Salat und Kuchen. Auch ohne die kistenweise herangeschleppten Getränke hätten wir vermutlich bis in den späten Abend darauf los geklönt. Es war ein ausgelassenes Ereignis – schließlich gab es etwas zu feiern.
Bereits auf der Fahrt zur Veranstaltung unterhielt ich mich mit Finn Lückoff, dem Pressewart des Fario e.V., um mehr über den Verein zu erfahren. Aus der Taufe gehoben wurde der im Jahre 1995. Die Gründungsmitglieder, die sich einst in einer Berliner Kneipe zur Schaffung des Vereins entschlossen, leiteten den noch bis vor vier Jahren. Danach hat sich der Vorstand etwas verjüngt, auch wenn nicht alle davon ganz jung sind. Finn Lückoff ist der Jüngste mit 34 Jahren.

Ähnlich heterogen ist die Zusammensetzung der Vereinsmitglieder, die einen Querschnitt aus allen gesellschaftlichen Schichten abbildet. Diese Unterschiede verschwinden aber, wenn sich die Mitglieder am Stammtisch treffen. Einmal im Monat kommen die zusammen und reden über das Fliegenfischen. Woher du kommst und was du machst spielt keine Rolle, solange du ein entspannter, netter Kerl oder Frau bist. Jedem Anfänger wird auch schnell geholfen und jedes Mitglied soll bald ein Teil der Gemeinschaft werden. Das erleichtert die Erledigung der anfallenden Aufgaben und macht es den Treibern des Vereins leicht, sich für die Gemeinschaft zu engagieren und andere zur Mitarbeit zu motivieren. Nach bestem Wissen ist der Fario e.V. der einzige reine Fliegenfischerverein in Berlin-Brandenburg und somit der Melting Pot für die Region. Vermutlich jeder von hier der mehr möchte, als maximal ein Mal im Jahr im Urlaub die Rute zu schwingen, wird früher oder später auf den Verein stoßen, um zu erkunden, ob das Fliegenfischen etwas für sie oder ihn wäre und ob es lohnt, sich im Verein zu engagieren.
F&Ä: Wie viele Gewässer bewirtschaftet der Fario e.V.?
Fario e.V.: In diesem Sinne keines, weil in Ostdeutschland nach der Wende die Gewässer zum Großteil in Landesanglerverbände überführt wurden. Wer als Angler einem Verein beitritt der wiederum in einem Landesanglerverband organisiert ist, der kann für wenig Geld für alle Angelgewässer in Brandenburg eine Jahreskarte bekommen. Die kostet ungefähr 50€. Wenn man darüberhinaus an allen Salmonidengewässern angeln möchte, zahlt man noch einmal 50€ im Jahr und erhält Zugang zu weit über 100km Strecke. Jeder, egal welchem Verein er angehört, hat diese Möglichkeit. Es kann auch jeder, der einen Fischereischein besitzt, eine Tageskarte holen.
Einen Flickenteppich wie in Westdeutschland, dass ein Verein einige Kilometer pachtet, der nächste Verein die darauffolgenden und danach befindet sich eine weitere Strecke im Privatbesitz, den gibt es hier nicht. Dieses System stammt quasi noch aus der Kaiserzeit.
Wir vom Fario e.V. haben für einen Fluss – die Dosse – einen Fürsorgevertrag, wenn man so möchte. Wir kümmern uns zwar um das Gewässer, sind aber nicht die Pächter. Darüberhinaus sind wir an der Stepenitz unterwegs. Das ist ein rechter Nebenfluss der Elbe, der in unserem Bereich so zwei- bis dreihundert Kilometer von der Mündung in Hamburg entfernt liegt. Dieser Fluss beheimatet u.a. Lachse und Meerforellen und wir sind Teil eines Wiederansiedelungsprojekts. Wir engagieren uns an dem Gewässer, wenn es darum geht, im Herbst/Winter per Elektrofischerei Laichfische zu entnehmen, um sie dann in unser Bruthaus zu bringen, welches wir als Verein ehrenamtlich betreiben. Das ist eines unserer großen Betätigungsfelder. Das Bruthaus existiert nur deshalb, weil es dieses Wiederansiedelungsprojekt gibt. Es existiert nämlich von öffentlicher Seite das Bestreben, mit Regierungsgeldern aus Berlin und Brüssel den Lachs wieder anzusiedeln.

F&Ä: Lassen sich Erfolge vorweisen?
Fario e.V.: Die Meerforelle hat sich in den letzten Jahrzehnten schon wieder gut etabliert. Da darf der Angler in Brandenburg mittlerweile sogar im Jahr einen Fisch ernten, der mindest 60cm groß sein muss. Die Lachse tun sich noch deutlich schwerer bei der Ausbreitung. Sie sind etwas anspruchsvoller, was die Gewässergegebenheiten betrifft und auch die Laichgründe sind noch nicht wieder so vorhanden, wie sie es einmal waren bzw. für ein erfolgreiches Laichgeschäft sein müssten.
Die Stepenitz hat sehr stark mit Feinsedimenteintrag zu kämpfen. Sie ist im Endeffekt ein Niederungsbach mit wenig Gefälle. Zudem hat sich in der Zwischenzeit wieder ein guter Biberbestand angesiedelt. Auf der einen Seite ist das sehr schön, weil wir als Verein ganzheitlich denken und uns über die Erholung aller Bestände an Flussbewohnern freuen. Für die Fische hat das aber den Nachteil, dass der Biber fast alle kleinen Nebenflüsse und -bäche zugemacht hat. Dadurch geht weiteres Laichhabitat verloren.
Der Lachs ist zur Zeit hauptsächlich im Hauptfluss unterwegs, wo man durch die landwirtschaftliche Nutzung sehr viel Sedimenteintrag hat. Die Kiesbereiche an denen der Lachs laichen könnte, sind zu stark von den Einträgen aus den Feldern bedeckt. Wir sind darauf angewiesen, jetzt wo das Bruthaus in einem Zustand ist, an dem unsere ehrenamtliche Arbeit nicht hauptsächlich in dessen Errichtung und Renovierung gesteckt wird, vermehrt in die Gewässerverbesserung zu investieren. Mit unserem Netzwerk, bestehend aus Naturschutzverbänden und Wasser- und Bodenverbänden, versuchen wir uns gut zu stellen, um das Habitat wieder aufzuwerten.
Die Lachse brauchen nämlich ziemlich große Kiesbereiche im Hauptlauf, damit sie eine Chance haben sich natürlich zu reproduzieren. Den Besatz möchten wir nämlich so schnell wie möglich wieder abstellen. Es kommen schon jedes Jahr Lachse zurück, doch wir sind noch in keinem Bereich, um das fischereilich nutzen zu können. Davon sind wir weit entfernt, obwohl es schon irgendwann das Ziel wäre. Das ist unsere Vision – irgendwann eine Fly Fishing Lodge an der Elbe. Wenn es das einmal gibt, wird der Fario e.V. einen Anteil daran gehabt haben. Denn die Elbe wäre ein wirklich schöner Lachsfluss. Das ist Zukunftsmusik aber zugleich eine schöne Motivation, an die man sich hier und da mal klammern kann. Auf Meerforelle kann man jetzt in der Stepenitz schon angeln. Es ist zwar herausfordernd, aber es geht.

F&Ä: Abgesehen von diesen Flaggschiffprogrammen und deren Zielfischen, wie würdest du die Bachforellen und Äschenbestände einschätzen?
Fario e.V.: Für mich ist das schwer zu vergleichen, da ich fischereilich hier in Brandenburg aufgewachsen bin. Das ist mein Benchmark. Ich finde es toll. Es ist eine herausfordernde Fischerei und es ist nicht die Fliegenfischerei im klassischen Sinne. Die Flüsse haben wenig Gefälle und langsame Strömungsgeschwindigkeiten. Hier und da gibt es ein paar Rauschen, die durch den Abbau der Wehre mit Hilfe der Angler entstanden sind. Es hat aber durchaus gute Bachforellenbestände. Die werden auch groß, denn die haben durch ein sehr gutes Nahrungsangebot viel zu fressen. Die Fischerei ändert sich also von Woche zu Woche.
Jeder Monat hat eine neue Herausforderung was den Bewuchs der Gewässer betrifft und das Insektenaufkommen betrifft. Dadurch ändert sich das Gesamtbild des Flusses schnell. Man kann schon jeden Tag seinen Fisch fangen – aber nicht unbedingt jeden Tag zehn Fische. Das ist eher unwahrscheinlich. Äschen sind eigentlich kaum bis nicht mehr vorhanden. Ganz vereinzelt treten sie noch in wenigen Flusssystemen auf. Das ist aber sehr stark lokal beschränkt. Natürlich ist das schade, denn die Stepenitz war einst ein gutes Äschengewässer. In der Dosse gibt es noch welche hier und da. Zum traurigen Bestand trägt vermutlich bei, dass die Äsche in Brandenburg nicht geschont ist. Sie hat ein Schonmaß wie die Bachforelle von 30cm und darf bedenkenlos entnommen werden. Das ist der falsche Ansatz meiner Meinung nach. Äschen zu besetzen und anzusiedeln ist auch ziemlich schwierig und kostenintensiv. Wenn man die Bestände noch hat, sollte man gerade auch im Zuge der steigenden Wassertemperatur und der Erwärmung der Erde, alles daran setzen, diesen Fisch zu schützen. Ich kann mir aber vorstellen, dass dieser Ansatz schon bald entscheidender werden wird.
Bei uns und unseren Mitgliedern kam das längst an. Die Aufgabe die wir als Verein sehen, alles dafür tun zu müssen, damit unsere Gewässer klimawandelresistent werden, die wird immer wichtiger werden. Je früher man damit beginnt umso besser. Eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten ist es, Bäume zu pflanzen und für Beschattung zu schaffen. So wird die Wassertemperatur niedrig gehalten. Haben die Gewässer erst regelmäßig 20°, ist es schon zu spät und die Angelei auf Salmoniden nicht mehr verantwortungsvoll. Die Fische würden diese Konditionen vielleicht überleben. Aber es wird auf jeden Fall Auswirkungen auf die Bestände haben.

F&Ä: Wurde das Bruthaus explizit für die Lachsaufzucht gebaut?
Fario e.V.: Genau dafür wurde es gebaut. Es ist Teil des Elbe-Lachs 2000 Projekt und wird vom Institut für Binnenfischerei wissenschaftlich begleitet. Der Landesanglerverband Brandenburg ist darin auch engagiert und wir sind sozusagen mit dem Bruthaus beteiligt und helfen bei der Bewirtschaftung. Es wurde gezielt für die Lachs- und Meerforellenaufzucht gebaut. Wenn es die Kapazitäten hergeben, werden dort auch Bachforellen aufgezogen. Der Ansatz ist, es so naturnah wie möglich zu machen. Wir möchten auch nicht ewig dieses Bruthaus betreiben und die Vision ist es, so schnell wie möglich die Natur und die Flusslandschaft in die Lage zu versetzen, sich selbst in Einklang zu bringen.
F&Ä: Betreibt ihr Bachforellenbesatz?
Fario e.V.: Stützbesatz wird nur mit Brütlingen gemacht oder mit maximal halbjährigen Fischen. Die Fische die wir besetzen, kommen auch wirklich aus dem Fluss. Da wird nichts von extern oder weit her zugekauft. Die Elterntiere kommen aus dem Ökosystem, werden von uns abgestreift und befruchtet. Uns ist es wichtig, die Fische so kurz wie möglich und sinnvoll im Bruthaus zu halten. Sie sollen sich schnell in der Natur zurecht finden und nicht daran gewöhnt werden, vom Futterautomaten ernährt zu werden. Schon wenn sie ausgesetzt werden, müssen sie begreifen, im Gewässer selber zu fressen. Wenn sie so klein sind, ist das ein Balanceakt. Ein fangfähiger Fisch muss sich zwar auch erst umgucken und lernen, sich vom natürlichen Futteraufkommen zu ernähren. Der hat aber ganz andere Reserven für die Zeit der Umstellung. Wenn man sie so früh wie möglich aussetzt, ist aber der Schaden auf das Wildverhalten der Fische noch relativ gering.
F&Ä: Wie viele Personenstunden bringt ihr dafür auf?
Fario e.V.: Viele! Dieses Projekt steht und fällt mit unserem Bruthauswart Mirko Beutling. Das steht bei ihm am Hof. Wenn es eine Havarie gibt, ist er der erste, der unmittelbar dafür sorgen kann, dass wieder alles läuft. In den letzten 2-3 Jahren als der Umbau lief, hat er alleine 600-700 Stunden ehrenamtlich geliefert. Ohne diese Möglichkeit würde es dieses Konzept nicht geben. Eine Botschaft an andere, die versuchen, vielleicht etwas ähnliches zu machen: Es braucht eine Handvoll an Leuten, die sich verpflichten, sich diesen Mehraufwand als Überzeugung ans Bein zu binden. Es gibt zwar in der Regel Aufwandsentschädigungen, am Ende des Tages bleibt es ein 1€ Job.
Das Bruthaus hat mittlerweile schon 5 Fördermittelprojekte gesehen, die vom Land oder der Fischereiabgabe kommen. Wir als Verein machen die Planung und stellen Anträge. Danach sind wir aber verantwortlich, Unternehmen zu beauftragen die uns z.B. die Einfahrt pflastern, um mit den Hälterungsbecken vernünftig an die Besatzstellen kommen. Oder den Dachdecker für das Bruthaus zu finden. Also für alle Tätigkeiten die wir nicht ganz alleine stemmen können. Es ist dem privaten Hausbau nicht unähnlich. Der Fario e.V. agiert hier als die Familie, die hier mal spachtelt, die mal Beton gießt und die schwierigen Sachen von Experten machen lässt. Wir vom Verein machen die Kleinarbeiten und arbeiten den Fachleuten zu. So leisten wir schon insgesamt mehrere Tausend Arbeitsstunden als Verein.

F&Ä: Gibt es ausreichend Fördermittel zur Umsetzung eurer Ziele?
Fario e.V.: Wir sind gesegnet damit, dass die Naturschutzverbände wie NABU, Naturschutzfonds Brandenburg etc. Mittel für Ausgleichsmaßnahmen in einer Stiftung konzentrieren. Die Stiftung versucht dann aus den zur Verfügung stehenden Mitteln, durch Projekte in der Natur einen Ausgleich zu schaffen. Aus dem Naturschutzfonds und auch dem NABU, oder auch vom DAFV haben wir Mitglieder im Verein, die unsere Arbeit cool finden. Die mögen auch unsere Gemeinschaft und finden den Fario e.V. unterstützenswert. Klar muss man manchmal auch in Vorleistung gehen.
Unser Engagement im Wiederansiedelungsprojekt war der entscheidende Schritt den der Verein getroffen hat. Daraus hat sich schrittweise ein sehr gutes Netzwerk bestehend aus Naturschutzvereinigungen und Umweltschutzverbänden ergeben. Dieser Zusammenschluss ist für manche Angelvereine nicht so naheliegend. Aber dadurch haben wir z.B durch die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg die Beteiligung an einem großen Naturschutzprojekt erhalten, das weit über 10 Jahre läuft. Primär geht es dabei um die Wiederansiedelung der Bachmuschel. Glücklicherweise sind die beiden Flüssen (Dosse, Stepenitz), an denen wir unsere ehrenamtliche Arbeit verrichten, die Gewässer mit den besten Möglichkeiten diese wieder anzusiedeln. Dafür werden Millionen an EU-Förderungen freigesetzt.
Das Programm kommt natürlich auch uns Fliegenfischern zugute, denn die Bachmuschel braucht ebenfalls kiesige Bereiche, oder ist auf Wirtsfische wie Elritze und Groppe angewiesen. Letzendlich profitieren davon die Salmoniden. Wenn man die Möglichkeit hat über solche Projekte seine Erfahrung und Expertise einzubringen, oder Lobby zu ergreifen für Fischarten, die einem als Fliegenfischerverein am Herzen liegen, kann man durch die Vernetzung mit Vereinen und Verbänden einiges erreichen. Dank Gewässerkunde oder anderer nützlichen Kenntnisse die man hat, kann man sich aktiv einbringen und wirklich viel bewirken. Als kleiner gemeinnütziger Verein – wir sind zwar auch mittlerweile 160 Mitglieder – muss man schon genau darauf achten, was man beitragen und leisten kann. Einfach so hingehen und wahllos Kies an Stellen zu kippen, wo wir denken, das wäre für die Fische gut, würde uns leicht in Schwierigkeiten bringen.
Um Maßnahmen dieser Art zu ergreifen, benötigt es viel Überzeugungsarbeit. Durch unsere Partner wie dem Naturschutzfonds Brandenburg oder auch dem NABU, wird uns dieser Teil der Arbeit abgenommen. Synergien aus naturschutztechnischer oder ökologischer Sicht müssen deshalb genutzt werden, denn es bringt viel. Ehrenamtliche Tätigkeit ist in der Regel zeitlich sehr begrenzt und man muss genau hinsehen, was in der geringen Zeit sinnvoll zu erledigen ist, ohne sich dabei im Klein-Klein zu verlieren. Andere Organisationen miteinzubinden, die grundsätzlich ähnliche Interessen verfolgen und die bestimmte Tätigkeiten hauptamtlich oder in Vollzeit machen, bündelt Kräfte zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels – der Erhaltung und Verbesserung von Lebensräumen, die letztlich uns Fliegenfischern zugutekommen.
Über viel zu lange Zeit wurden Kräfte nicht gebündelt, sondern eher Gräben zwischen Verbänden, Vereinen, sowie dem Umweltschutz und der Anglerschaft gezogen. Das hat in keiner Weise dazu geführt, dass unsere Gewässer, wie sie von EU-Verordnungen oder im Zuge der Wasserrahmenrichtlinien vorgeschrieben werden, in einem guten ökologischen Zustand sind. Diesen Vorgaben hinken wir in Deutschland noch deutlich hinterher. Dieser Rückstand hängt eindeutig damit zusammen, dass wir alle nicht nach Gemeinsamkeiten gesucht haben, sondern unser eigenes Süppchen zu kochen. Ohne den Schulterschluss mit Interessenvertretern ähnlich gelagerter Themen wird es vermutlich nicht gelingen, uns den Herausforderung zu stellen, die sich seit einiger Zeit durch unterschiedlichste Einflüsse auf unsere Gewässer abzeichnen.
F&Ä: Womit verbringst du mehr deiner Zeit, der Angelei oder dem Umweltschutz?
Fario e.V.: Meine Erkenntnis der letzten Jahre ist: Ich brauche das Fliegenfischen, um die Motivation für den Umweltschutz hochhalten zu können. Wenn ich mich angelnd am Wasser bewege, erkenne ich, was es zu bewahren gibt, oder was noch verbessert werden müsste. Fange ich dann noch einen schönen Fisch im Sonnenuntergang, ist mein Herz wieder so erweicht, dass mir klar wird, warum ich viele Abende damit verbringe, Positionspapiere oder Förderanträge zu schreiben. Andere Vereinsmitglieder wiederum, wie Mirko Beutling unser Bruthauswart, ist in seine Arbeit so stark eingebunden, dass er im Jahr gerade zwei Wochen zum Angeln kommt. Nämlich dann wenn wir als Verein, mit allen Mitgliedern die sich uns anschließen wollen, zwei Wochen gemeinsam nach Norwegen zum Fliegenfischen fahren.
F&Ä: Beruflich bin ich mittlerweile so oft in Berlin, dass es sich schon lohnt, dem Fario e.V. ebenfalls beizutreten. Die Brandenburger Heide, die ich bislang nur vom Durchfahren und aus Verfilmungen von Juli Zeh Romanen kannte, entfaltete sich als bestechend schöne Landschaft, die mich bei der Flußbegehung der Stepenitz betörte. Von der Dosse, die gemächlich durch diesen Landstrich mäandert, bekam ich Fänge zur Maifliegenzeit zu Gesicht, die weit bekannteren Maifliegenflüssen zumindest qualitativ um nichts nachstehen müssen. Und das zu einem Jahrespreis für den ich in Österreich gerade mal eine Tageskarte kaufe. Aktivitäten wie die des Fario e.V. sind absolut unterstützenswert – mich haben eure Arbeit und eure Flüsse überzeugt. Danke dafür und für die Einladung. Es war mir ein Fest!




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