Wo ich zu Hause bin in NRW, liegt kein Schnee mehr. Doch kurz vor Beginn der Forellensaison erinnere ich mich immer an einen Spaziergang entlang des Flusses vor einigen Jahren. In der schattigsten Ecke des Ufers saß sie auf einem kleinen Schneefeld. Nicht besonders groß war sie, vielleicht einen Zentimeter lang. Ich hielt die kleine Steinfliege für ein Frühchen, dem Tod geweiht. Bis ich beim Durchblättern eines Entomologie-Buches, vermutlich von Walter Reisinger, vielleicht auch von John Goddard, oder von Malcolm Greenhalgh, auf die Bezeichnung “February Red” stieß. Das machte mich neugierig. (Foto: Dr. Wolfram Graf)
Eine winterliche Entdeckung am Fluss
Aus Gewohnheit, in der Zeit von Mitte Oktober bis Mitte März nicht ans Wasser zu dürfen, hatte ich mich lange wenig mit der Insektenwelt während dieses Fensters beschäftigt. Erst mit meiner Mitgliedschaft in einer Pächtergenossenschaft die nach anderen Regeln verfährt – Artenschonzeit JA / Gewässerschonzeit NEIN – steht es mir offen, während fast des ganzen Jahres mit der Fliege zu fischen. Doch ich mache nicht oft davon Gebrauch – speziell im Januar/Februar. Gelegentlich zieht es mich aber selbst dann ans Wasser. So stieß ich auch auf dieses Insekt, von dem ich längst eine Imitation in meiner Fliegenbox habe, wie meine Recherche ergab und dass ich sehr gerne während des gesamten Frühjahrs nutze.
Lebensweise der „February Red“
Laut Walter Reisinger, der mir einiges zu diesem Muster mitteilte, haben die beiden Vertreter Brachyptera risi und Taeniopteryx nebulosa in Mitteleuropa eine Flugzeit von Februar bis Juli. Sie zählen somit zu den ersten schlüpfenden Insekten des Jahres. Da sie aber wie alle Steinfliegen an Land kriechen und nicht an der Oberfläche schlüpfen, nehmen wir Fliegenfischer sie weniger wahr als andere aquatische Insekten. Anders als für Steinfliegen üblich, fühlt sich die February Red an ruhiger fließenden Gewässerabschnitten mit kiesig-sandigem Boden wohl und meidet sogar das für die Ordnung namensgebende Substrat.
Taktik zum Saisonstart: Nymphe oder Spider?
Mit Beginn der Forellensaison rückt zwar ihre Bedeutung etwas mehr in den Hintergrund, wenn die bedeutenden Schlüpfe der ersten Eintagsfliegen beginnen. Doch einige Imitationen wie Partridge & Orange und Winter Brown haben während mehreren hundert Jahren nichts an ihrem Stellenwert und ihrer Fängigkeit verloren, sodass ich mich bei geeigneten Umständen (milde Temperatur, Sonnenschein) dazu hinreißen lasse, die beschwerte Nymphe durch einen leichten Spider zu ersetzen. Für dieses Muster – einem absoluten Klassiker – entschied sich auch Andy Paschek.

Partridge & Orange
Haken Nassfliegen/ Spider Haken (z.B. TMC 3761BL oder Kamasan B405)
Bindefaden Pearsall’s Gossamer silk (#6A orange) / Pearsall wird leider nicht mehr produziert/ einschlägige Foren empfehlen zahlreiche Alternativen
Thorax Pfauengras
Hechel Rebhuhn

Haken einspannen, die Bindeseide vor dem Öhr einbinden, einmal nach hinten und wieder nach vor wickeln. Fertig ist der Körper!

Der Hechel-Stamm von Wildvögeln ist relativ dick und eignet sich nicht zum Einbinden. Darum fasst man die Spitze der Hechel zwischen Daumen und Zeigefinger und streicht restlichen Fibern nach hinten, entgegen der natürlichen Ausrichtung. An der Spitze wird die Hechel dann eingebunden und der überstehende Rest abgeschnitten.

An derselben Stelle binden wir einen Pfauengrasstrang ein.

Drei Windungen reichen aus für den Thorax.

Mehr als zwei-drei Windungen braucht auch der Kranz nicht.

Ebenso wenige Umwicklungen mit der Rebhuhn-Hechel reichen aus für den Kranz. North Country Spiders sind zarte Gebilde, die Hecheln von Wildvögeln sind weich und beweglich und spielen aufreizend unter dem geringsten Strömungseinfluss.

Andy Paschek lebt mit seiner fliegenfischenden Frau direkt an der großartigen, obersteirischen Mur. Zum Fliegenbinden kam er unmittelbar zu Beginn seiner fliegenfischenden Existenz während seines Studiums in Graz. So vielfältig wie er fischt – mit Bambus, mit Nymphengerätschaft, Zweihand oder Tenkara, vornehmlich auf Äschen und Forellen, im Winter auch auf Huchen – so variabel sind die Fliegen die er bindet. Fliegenfischen ist für ihn die schönste Art, die Natur zu genießen, und Fliegenbinden die angenehmste Form der Meditation.
Walter Reisinger konnte bei Magenuntersuchungen von ausgenommenen Fischen ab April die February Red gemeinsam mit anderen Needle Flies vorfinden. Das Muster das er hier vorstellt, hat sich um diese Zeit für ihn bewährt.

CDC Delta-Wing Needle Fly
Haken TMC 100, Größe 12/14
Bindefaden braun oder weinrot, 8/0
Hinterleib Bindefaden weinrot, gewachst
Hechel dunkelbraun (ideal ist eine grizzly Hechel, dunkelbraun gefärbt)
Flügel CDC-Feder natur in Split-Wing-Technik

Den Bindefaden gut waxen – einerseits verleiht das dem Faden einen kräftigen dunkelrot bis braunen Ton. Andererseits hindert das Wachs die Aufnahme von Wasser und hält die Fliege oberflächennah.

Eine CDC Feder mit zwei losen Windungen am Haken anbringen.

Die Feder vorsichtig nach hinten ziehen, bis ungefähr eineinhalb Hakenlängen CDC überstehen und jetzt mit kräftigen Windungen fixieren.

Die braun-gefärbte Grizzly Hechel hinter dem CDC einbinden.

Zwei bis drei Windungen bis vor das CDC anbringen.

Den nach hinten abstehenden Teil der CDC Hechel mittig nach vorne legen und so die Grizzly Hechel und die CDC Feder spreizen. Die links und rechts abstehenden Fibern in Form bringen und die CDC Feder abbinden und mit einem Kopfknoten versehen.

Voilà – die fertige Fliege.

Aufgewachsen im oberösterreichischen Linz, kam Walter Reisinger vor fünfzig Jahren mit der Fliegenfischerei in Berührung. Autodidaktisch entwickelte er sich zum versierten Hobby-Entomologen, der die Stadien und den Lebenszyklus europäischer Vertreter von Eintags- Köcher- und Steinfliegen dokumentierte und photografisch festhielt. Gemeinsam mit Dr. Ernst Bauernfeind und Erhard Loidl erschuf er 2002 ‘Entomologie für Fliegenfischer‘ – die erste umfassende deutschsprachige Enzyklopädie für insekten- und bindeinteressierte Fliegenfischer. Es gilt mittlerweile als Standardwerk .

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