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Forelle & Äsche | Fliegenfischen | Fliegenbinden

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Von Rur zu Mur – Fly Fishing is coming home

by Tankred Rinder Leave a Comment

Heimat – ein aufgeladener, deutungsschwangerer, gerne missbrauchter Begriff. Für die einen einfach eine Zuordnung regionaler oder emotionaler Verwurzelung. Für andere eine Bezeichnung die Grenzen zieht – die zwischen Eigengruppen und Fremdgruppen definiert. “Home is where the heart is”, sang aber schon Elvis. Aufgeschnappt hat er das vermutlich in der Zeit, als er als junger Bub im Süden der USA im Gospelchor sang. Von dort fand dieser Liedtitel seinen Weg in die von mir geliebte House Music. Heimat habe ich also an vielen Orten schon gefunden, an die mich mein bewegtes Leben geführt hat.  

Köln, London, Cumbria, Wien, Graz, die Steiermark – dort fühle ich mich verankert. Diese Orte haben mich geprägt und zu dem gemacht, was ich heute bin. Überall dort, von Wien bedauerlicherweise abgesehen, habe ich mit der Rute in der Hand Zeit verbracht. Nirgendwo ist diese Verwurzelung aber stärker als in der Steiermark und mit ihr an der Mur, dem wichtigsten und größten Fluss des Bundeslands. Dort, in Knittelfeld, einer industriell geprägten obersteirischen Kleinstadt, wurde ich geboren.

An den Ufern des Ingeringbachs verstauten wir die LKW-Reifenschläuche und ließen uns im Sommer bis an die Mündung mit der Mur treiben. Ständig die Warnung vor dem mächtigen Fluss in unseren Ohren. Jahre später wog mich ihr zügiges Gluckern in den Schlaf, als ich am Grazer Grieskai wohnte. Damals, bevor die Staustufe Puntigam, die einst von Steinen gebrochene, reißend durch die Stadt strömende Mur, in ein träge dahinfließendes Gewässer mit Freizeitangeboten abseits des Angelns verwandelte.

Und doch kam ich noch nie dazu, in ihr zu stehen. Bis der Steirer Andy Paschek, dem ich von meiner Herkunft erzählte, mich an die obersteirische Mur einlud. Wer regelmäßig in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, dem wird er als @mojo_flies ein Begriff sein. Andy ist ein hervorragender  Fliegenbinder, der seine einfallsreichen Kreationen an der nahegelegenen Mur auf ihre Effektivität testen kann, bevor die Muster, originell in Szene gesetzt, ihren Weg auf Zuckerbergs Plattformen finden.  

Andy Paschek aka @mojo_flies

Als ich mit ihm auf dem Weg von München im Auto saß, erschienen sie wieder, die Ortstafeln und Wegweiser meiner Kindheit: Zeltweg, Fohnsdorf, Lobming, Judenburg, Pöls, Murau, Oberwölz, Scheifling, Obdach, Stolzalpe, Zirbitzkogel. Die Fahrt war mehr als ein Wiedersehen mit einer guten Bekanntschaft auf dem Weg zur Freundschaft – es war eine Reise in meine Herkunft. Emotionen wallten in mir auf. Zugleich fühlte ich mich geerdet, ganz fest am Boden. Bisweilen vergaß ich mich aber, sah mich in Badehose der 70er neben einem riesigen Reifenschlauch am Ingeringbach stehen. Ehrfürchtig vor der Mur, in die mein Heimatbach mündet.

Die Mur ist kein alpiner Fluss, wie Ortsunkundige beim Gedanken an österreichische Gewässer vielleicht vermuten. Sie entspringt zwar auf einer Höhe von 2.050m im Nationalpark Hohe Tauern im salzburgischen Lungau. Danach zwängt sie sich durch ein enges Tal, bevor sie bei Judenburg in eine weite Ebene –  das Aichfeld – eintritt und zu dem wird, was wir Steirer unter der Mur verstehen. Sie ist ein typischer Fluss der Äschenregion, mit starker bis mäßiger Strömung, steinig-kiesigem bis sandigem Gewässergrund und dynamischen Flussverlauf. Lange Züge wechseln sich ab mit flotten Rieselstrecken, auslaufenden Kiesbänken und tiefen Gumpen – “Tumpf” auf gut steirisch. 

Tatsächlich ist die Äsche der dominante Fisch in der obersteirischen Mur, noch vor der Regenbogen- und Bachforelle. Das Letztere einen schweren Stand hat, mag daran liegen, dass die Mur seit Ewigkeiten schon zum Hochwasserschutz in ein von Steinpackungen gesäumtes Korsett gezwängt wird, wodurch der von Bachforellen bevorzugte Rückzugsraum – unterspülte Ufer – stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn an der Wasserqualität kann es nicht liegen. Das reiche Nahrungsangebot erstreckt sich von Steinfliegen, über Köcher- und Eintagsfliegen bis zu Zuckmücken (Chironomiden). 

Der Weg ans Wasser war kurz. Denn für Andy Paschek ist die Mur quasi die Verlängerung seines Gartens. Die zweihundertfünfzig Angeltage, die er auf die Anzeigetafel schafft, überraschen wenig. Es hat also durchaus Vorteile am Land zu leben. Denke ich an meinen Gang an die Eifeler Rur, der eine Autofahrt von gut einer Stunde benötigt, werde ich leicht neidisch. Andererseits dauert es keine zehn Minuten zu Fuß, um an den Rhein zu gelangen. Ich will also keineswegs klagen. Trotzdem finde ich es bedauerlich, dass in unmittelbarer Nähe Weißfische und Barschartige vorherrschen. Die möchte ich überhaupt nicht abwerten. Ich habe aber für mich erkannt: Ich bin Salmonidenangler! Alles andere ist zweitrangig. Auch wenn ich mich dazu überreden lasse, auf andere Fischarten mit der Fliege zu angeln. 

So genoss ich es, unter der Gartenlaube die Rute zusammenzubauen, über ein selbst gelegtes Steintreppchen ans Ufer zu gelangen und unmittelbar an einer Außenkurve zu stehen. In der tiefen Rinne, die sich ins Schiefergestein eingefräst hat, interessierten sich schnell einige Regenbogenforellen für die Nymphe. Das unbeständige Wetter und der kalte Nordwind hemmten aber die Insektenaktivität. Nach Ringen der ansonsten steigfreudigen Äschen an der Mur hielten wir an diesem Tag vergeblich Ausschau. Wir blieben bei der Nymyphe, die aufgrund der Strömungsgeschwindigkeit und der Wassertiefe auch schwerer ausfallen durfte. Mit Hüftstiefeln wie Andy sie trug, hätte ich mein Auslangen gefunden, da der Flussabschnitt von steil abfallenden Kanten, sowie tiefen Löchern und allgemein unregelmäßigen Gesteinsformationen gezeichnet war. Auch mit der Wathose wäre ich nicht viel weiter gekommen. 

Die ersten Äschen ließen aber nicht lange auf sich warten. Wunderbar gezeichnet sind die hier an der Mur. Mit tollen Flanken die von rosa über violett bis in olivgrün und goldgelb übergehen. Auffallend war deren Sprungverhalten. Es ist nicht außergewöhnlich, in den Medien Fotos von im Drill springenden Äschen zu sehen. An meinem Heimatgewässer tun sie es eben nicht häufig. Darum fiel mir auf, mit welcher Vehemenz Mur-Äschen zur Luftakrobatik ansetzten. Liegt es in ihrem Naturell? Liegt es am Druck der Strömung, die den flussab vom Angler geflüchteten Fisch gegen den Zug der Schnur ankämpfen lässt? Lag es an mir, da ich durch das Aufzeigen von Dominanz und Stärke versuche, Fische so rasch wie möglich an den Kescher zu bringen? Es könnte alles davon sein. Es spielt keine Rolle. Im Drill springende Fische sind immer spektakulär. Von der sanft anmutenden Äsche bin ich es nicht gewohnt.

So vergingen die Stunden schnell und die in südlicheren Gefilden früher einsetzende Dämmerung, ließ den Tag viel zu schnell zu Ende gehen. Abends saßen wir in Andys, vor kurzem mit der Hilfe von Philipp Sicher eingerichteten, Rutenbauwerkstatt. Mit seinem handwerklichen Geschick und seiner Hingabe an die Fliegenfischerei, wird auch dieses Unterfangen für Andy Paschek mit Sicherheit ein Erfolg werden. Davon bin ich überzeugt. 

Mit einem mulmigen Gefühl setzte ich mich an den Bindestock, als er vorschlug, für unseren Tagesausflug an die Gmundner Traun am übernächsten Tag einige Fliegen zu binden. Dass ich gerade fürs ‘Oarscherl’, einem grundsätzlich nicht besonders schwer zu bindenden aber mit Tücken bei der Ausführung des Körpers und die Proportion der Behechelung versehenem Muster, die Bestnote 1+ erhielt, beruhigte mein Gemüt. Die weniger gut ausfallenden Noten für Muster, die am Papier sogar noch leichter zu binden erscheinen, wurden zur Nebensache. Eine Bestnote im Beisein eines Meisters, der keinen Grund mehr hatte mir Honig ums Maul zu schmieren, machte mich ein wenig Stolz.

Am nächsten Morgen, den Kopf schwer von Rotwein, schlüpften wir später als erhofft in unsere Watbekleidung. Wen kratzt es, wenn der Weg ans Ufer eine Minute dauert? Das Wetter war freundlicher als am Vortag, worüber sich die Insekten genauso freuten wie wir. Die schwere Nymphe knipsten wir ab und tauschten sie gegen zarte North Country Spiders. Die fanden bei den Fischen ebenso Anklang, wie Trockenfliegen, leichte Nymphen und sogar der Streamer, an den Stellen die Muster der jeweiligen Art verlangten. Es macht schon sehr viel Spaß, an einem abwechslungsreichen Gewässer zu fischen, dass die Möglichkeit bietet – nahezu danach auffordert – unterschiedliche Techniken anzuwenden, möchte man erfolgreich sein.

Die Stunden verflogen im Nu, trotz eines Abflachen der Insektenaktivität am Nachmittag. Klar, es macht ein wenig unruhig, wenn der Angeltag sich zu Ende neigt und vorzeigbare Fänge sich auf die Mittagsstunden konzentrierten. In Momenten wie diesen heißt es positiv zu bleiben, konzentriert weiter zu fischen und öfter mal Änderungen an Vorfachlänge oder -stärke vorzunehmen. Die Auswirkung dieser feinen Korrekturen und der Effekt kleiner Anpassungen, wie der an der eigenen Position beim Wurf für eine bessere Drift, schaffen letztlich ein ebenso großes Glücksgefühl, wie z.B. die richtige Fliege identifiziert zu haben.

So schloss ich einen zwischenzeitlich zähen, taktisch herausfordernden Tag mit dem Fisch ab, den ich mir erhoffte. Selbst gestecktes Ziel: Eine Prachtäsche zum Abschied von der Mur. Obwohl die Tageszeit es noch hergegeben hätte, packte ich meine Sachen, denn ich hatte mein persönliches Vorhaben erreicht. Das wollte ich mir nicht nehmen lassen, mit dem Versuch dieses Glücksempfinden mit einem möglichen weiteren tollen Fang zu überbieten. Mir ist bewusst, dass sich übermäßig erfolgreiche Fliegenfischer genau in diesem Punkt unterscheiden. Nämlich darin, das persönliche Ziel immer weiter zu verschieben, im Bemühen sich immer und immer wieder selbst zu übertreffen. So ticke ich aber nicht. Yvon Chouinard, der Gründer von Patagonia, spricht dabei von der persönlichen Bedeutung des 80% Konzepts für ihn: 

Widme dich leidenschaftlich einer Aktivität oder Sport bis an dieses Level. Eine Vertiefung über diesen Grad an Kompetenz hinaus verlangt eine an Aufopferung grenzende Obsession, die oft mit ungesunden Entscheidungen mit Auswirkungen auf sich selbst und andere einhergeht.

Yvon Chouinard

Bereitwillig ließ ich mir also von Andy Paschek die bereits zweite Bambusrute an diesem Tag zum Testwerfen in die Hand drücken. Jetzt war ich viel aufgeschlossener dafür, mich einfach an diesem anderen Gefühl für Würfe zu erfreuen. Zuvor, am Beginn der Nachmittagsflaute ließ ich mir bereits eine Gespließte “aufdrängen”. Zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht bereit, die Effizienz moderner Ruten und deren fischereiliche Anwendung, gegen Entschleunigung einzutauschen.

Obwohl die Walter Brunner ‘Gebetsroither’ die ich testete, alles andere war, als ich an Meinungen über gespließte Ruten bisher aufschnappte. Keine Spur von Schwabbeligkeit. Die Rute war sehr kurz – ich schätze zwischen 1.80 bis 2.10 m – und für mein Empfinden sehr steif. Das war für mich nicht einfach zu werfen und beileibe nicht schön. Von der Distanz aber, die ich beim Wurf mit dieser Rute hinlegte, war ich trotz allem Unbehagen schwer beeindruckt.

Mit der Rute von Kurt Zumbrunn aber in der Hand, die sich gefühlt bereits beim Ansehen verbog, war ich sofort vertraut. Es war ein Vergnügen, diese Rute zu werfen, zu spüren wie sie sich auflädt, wie die gestreckte Schnur sanft an meinem Arm zog. Dafür konnte ich mich sofort begeistern. Als schließlich im verblassenden Licht noch eine gute Äsche auf das lapidar an einer unscheinbar wirkenden Stelle abgelegte ‘Oarscherl’ einstieg, und der Anhieb trotz der weichen Rute auf 15-20m ankam, war mir klar. Besser hätte eine Reise in meine Vergangenheit, auf Einladung eines zukünftigen Rutenbauers, nicht enden können. 

Auf eine Kirsche stieß ich dann doch noch auf meiner Home-Coming-Party. Oh boy – wünsche ich mir, ebenso lange wie die beiden Herren, Witz und Humor, Vitalität und Gesundheit und das Fliegenfischen in meinen Knochen und dem Herzen zu tragen. Es war mir ein Privileg – Rudi & Roli!


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