In der Welt des traditionellen Fliegenrutenbaus gilt der chinesische Tonkin-Bambus als das Maß der Dinge. Seine feine Faserdichte, gleichmäßigen Knotenabstände und hervorragenden Biege-Eigenschaften haben ihn zum bevorzugten Material für Generationen von Rutenbauern gemacht. Warum sollte man diese Tradition bewusst verlassen? Antwort darauf gibt der deutsche Rutenbauer und Bambus-Importeur Peer Doering-Arjes von Springforelle.
Er geht nämlich neue Wege – mit einem Material, das bislang kaum Beachtung fand: vietnamesischem Lồ ô-Bambus. Statt dem gewohnten Tonkin setzt er auf ein Umdenken im Rutenbau. Warum Lồ ô? Was sind die Herausforderungen und Chancen dieser Alternative? Und wie reagiert die Szene auf diesen unkonventionellen Ansatz? Ein Gespräch über Mut zur Veränderung, die Suche nach dem perfekten Taper – und die Frage, ob der bislang wenig bekannte Bambus das Zeug zum zukünftigen Klassiker hat.
F&Ä: Wie kam Bambus bisher nach Europa?
Es mag überraschen, doch es war früher gar nicht so einfach an Tonkin, die Bambusart für Rutenbauer, ranzukommen. Es gab nur einen Importeur aus den USA, Andy Royer, der inzwischen verstorben ist. Also musste ich bei ihm bestellen, der wiederum den Bambus aus den USA nach Europa geschickt hat. Auf seiner letzten Fahrt nach China im Februar 2015 nahm er mich und andere Rutenbauer mit, vermutlich weil er wusste, dass er das Importgeschäft nicht mehr viel länger betreiben würde. Bereits ein Jahr vorher hatte ich begonnen, mich intensiver mit Bambus zu beschäftigen. Als Wissenschaftler reichte es mir irgendwann nicht mehr, verschiedene Meinungen über die Materialeigenschaften zu hören, sondern ich wollte es genauer wissen, belegbare Fakten haben und mehr über die Pflanze Bambus erfahren. Also begann ich damit, die Eigenschaften des Bambus genauer zu untersuchen.

F&Ä: Ein ambitioniertes Unterfangen. Wie gingst du dabei vor?
Ich bin studierter Biologe. Mein Leben lang habe ich zwar mit Fischen gearbeitet. Botanik war zwar ein Teil meines Studiums, aber über Bambus wusste ich fast gar nichts. Ich hatte das Glück, 2014 den deutschen Wissenschaftler und Bambuspionier Prof. Walter Liese kennenzulernen. Er war damals in seinen 90ern, also schon recht betagt. Er leitete lange das Institut für Holzwissenschaft an der Hamburger Uni. Über die Jahre hatten wir uns angefreundet und er hat mir sehr viel über Bambus beigebracht und u.a. Kontakte nach Vietnam und China vermittelt. Gerüstbau und Häuserbau und alle anderen Verwendungszwecke von Bambus waren ihm vertraut. Doch dass aus Bambus Angelruten gebaut werden, war ihm komplett neu.
Er kannte auf der ganzen Welt Menschen, die mit Bambus arbeiten und forschen. Der wächst nämlich nicht nur in Asien, sondern auf allen Kontinenten der Welt. Sogar im Süden der USA, in Südamerika und Afrika, nur nicht in Europa. Er vermittelte den Kontakt zu einer ehemaligen Doktorandin von ihm, die mich freundlicherweise in ganz Vietnam durch Fabriken und Bambusplantagen führte. Sie geleitete mich an einen entlegenen Ort an dem auch Tonkin wächst. Die meisten denken, der käme ausschließlich aus China. Er wächst aber auch in Vietnam. Allerdings wird er dort nicht kultiviert und wächst nur in wilder Form. Während der Reise stieß ich auf die Bambusart Lồ ô, der ebenfalls wild wächst, weshalb er vergleichsweise schwer zu ernten ist. So nahm ich mir vor, ihn detaillierter zu untersuchen und mit Tonkin und anderen Bambusarten zu vergleichen. Ich dachte, dass es sehr unwahrscheinlich ist, unter 1700 bekannten Bambusarten nicht auf eine zu treffen, die ähnliche, wenn nicht vielleicht sogar bessere Eigenschaften aufweist als Tonkin.
Mir ging es also darum, die mechanischen Qualitäten verschiedenen Bambusarten zu ermitteln. Anfangs mit der Unterstützung von Walter Liese und später mit anderen Mitarbeitern aus dem Institut die mir gezeigt haben, welche Standarduntersuchungsmethoden es gibt. Es gibt einige halbwissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit den mechanischen Eigenschaften von Bambus hinsichtlich des Rutenbaus beschäftigt haben. Wissenschaftliche Forschung, die reproduzierbare Ergebnisse liefert, fehlte aber.
Es gibt auch unter den Rutenbauern eine gewisse Aversion demgegenüber, indem sie sagen: Wir machen keine Wissenschaft, es ist ein Handwerk. Was auch richtig ist, allerdings gibt es den Rutenbau nicht als Lehrberuf und somit keine auf Wissenschaft basierende Anleitungen. Es gibt sehr viel Erfahrung, aber Fragen wie: Was ist denn die ideale Temperatur bei der Hitzebehandlung, sodass Bambus nicht spröde wird, aber eine höhere Biegefestigkeit erzeugt wird, als wenn er unbehandelt bleibt? Die blieben einfach unbeantwortet.
Dazu habe ich verschieden Testreihen gemacht: Mit verschiedenen Temperaturen, Behandlungsdauern, Bambusarten und danach diese Daten verglichen. Einfach um für mich belegen zu können, bei welchen Temperaturen man welchen Effekt erzielt, anhängig davon, ob der Bambus biegefester oder elastischer sein soll. Mir ging es darum, meine Behauptungen belegen zu können und um herauszufinden, ob vietnamesischer Lồ ô gut zum Rutenbau geeignet ist. Wie stabil ist er im Vergleich zu Tonkin?

F&Ä: Was war der Impuls zu sagen, du möchtest mehrere Arten von Bambus testen und vielleicht sogar importieren?
Als ich 2014 anfing mich mit Bambus zu beschäftigen, stand der Import nicht im Vordergrund. Da wusste ich nicht, dass ich auch Bambushändler werde. Aber je mehr ich mich darin vertiefte, um so öfter stellte ich mir die Frage: Gibt es noch eine Bambusart, die für Rutenbauer interessant sein könnte. Die Japaner verwenden z. B. noch 2-3 andere Arten für den Rutenbau.
Viele Rutenbauer sagen, Tonkin ist der beste Bambus, den du nehmen kannst. Woher weißt du das, fragte ich sie. Gibt es Vergleiche? Fragst du aber nach, woher diese Überzeugung stammt, stößt man auf Schweigen. Darum hat es mich gereizt, genauer nachzuforschen und andere Bambusarten anzusehen.
Also haben wir mit den gesamten Bambusproben, die ich hatte, an der Uni Hamburg Biegetests gemacht. Erst haben wir die definiert gehobelten Stäbchen identischer Größe für ein paar Wochen in eine Klimakammer gepackt, wo sie unter konstanter Luftfeuchtigkeit und Temperatur gehalten wurden. Denn erst wenn alle Proben den gleichen Wassergehalt haben, kannst du Tests durchführen, die miteinander vergleichbar sind. Der Wassergehalt ist nämlich der entscheidende Faktor für die Biegefestigkeit. Je mehr Wasser der Halm enthält, desto leichter bricht er. Im Laufe des Prozesses beim Rutenbau findet auch eine thermische Behandlung statt. Die meisten denken, das ist dazu da, um den Bambus zu trocknen. Das ist aber nur ein Nebeneffekt. Es finden chemische Veränderungen der Komponenten statt, die zu einer verminderten Wiederaufnahmefähigkeit von Wasser, zu höherer Biegefestigkeit und Steifigkeit führen, wenn die richtige Temperatur angewandt wird.
Dieselbe Rute, wenn du sie in die trockene Hochebene von Montana mitnimmst, bleibt trockener und dadurch etwas steifer und schneller, als wenn du diese Rute im feuchten Berlin hast. Selbst wenn sie lackiert sind, nehmen sie Wasser auf. Das hat Wolfram Schott mal getestet, es stellt sich nach gewisser Zeit immer eine Gleichgewichtsfeuchte ein. Denkt man nicht, aber selbst der Lack verhindert das nicht.

F&Ä: Triffst du mit der Forschung auf großes Interesse innerhalb der Community? Oder ist es schwer die Rutenbauer von neuem Material zu überzeugen?
Tonkin wird seit mehr als 140 Jahren genutzt und viele Rutenbauer sind durchaus ein wenig skeptisch. So ist es schwer, gegen die Tradition von Tonkin anzukommen. Es gibt aber viele, die sehr offen und begeistert sind, da Lồ ô dem Tonkin sehr nahekommt und einige andere Vorteile bietet, die Tonkin nicht hat. Hervorzuheben ist die viel größere Internodienlänge, der Abstand zwischen zwei Knoten. Mein interessantester Kunde kommt aus den USA, ist 97 Jahre alt, hat schon immer knotenlos gebaut und sich die Mühe gemacht, beim Tonkin die Knoten rauszusägen. So hatte er nur relativ kurze Stücke gehabt, die er zusammengeklebte, um knotenlose Ruten zu erhalten. Jetzt ist er begeistert, dass er keine Arbeit mit den Knoten mehr hat.
F&Ä: Was fiel im Test auf?
Es stellte sich heraus, dass es durchaus andere Bambusarten gibt, die in ihren mechanischen Eigenschaften unheimlich dicht an Tonkin rankommen, darüber hinaus aber Vorteile besitzen. Ich konnte zwar keine Arten finden, bei denen die Biegefestigkeit / Bruchfestigkeit größer ist als bei Tonkin, aber besonders beim vietnamesischen Lồ ô konnte ich entscheidende Vorteile für Rutenbauer erkennen. Allem voran die großen Knotenabstände.
Tonkin hat mittlere Knotenabstände von 40 cm, d.h. bei jeder Rute, die du baust, musst du die Knoten bearbeiten. Du musst sie richten, schmirgeln, glätten. Das macht eine Menge Arbeit. Beim Lồ ô hingegen hast du maximale Knotenabstände von 120 cm. Im Schnitt haben die Internodien eine Länge von 70 cm. Aus diesen Internodien kannst du mehrteilige Ruten oder, wenn du die 120 cm Teile verwendest, sogar kleine 2-teilige knotenlos bauen. Die Arbeit, die Bambusabschnitte und die Knoten zu richten, fällt weitestgehend weg beim Lồ ô.
Zudem ist die spezifische Dichte geringer als bei Tonkin. Angenommen, du versuchst eine nahezu identische Rute aus beiden Materialien zu bauen – was schwierig ist, da jeder Halm ein bisschen anders ist – dann ist die aus Lồ ô mindestens 10 % leichter als die aus Tonkin. Schon bei einer 8ft Rute merkt man es.

F&Ä: Durch welche Eigenschaften zeichnet sich Lồ ô beim Rutenbau aus?
Außer den bereits genannten Vorteilen, bestätigen viele Rückmeldungen, dass sich Lồ ô leichter als Tonkin spalten lässt. Gerade für Anfänger im Rutenbau ist es eine große Herausforderung, gleich breite Streifen zu spalten. Hat man darin keine Übung, verläuft der Spleiß leicht. Oben ist der Spleiß dick und unten dünn – den kannst du dann wegwerfen. Einer meiner Kunden hat geschrieben, er hat sogar versucht, ihn verlaufen zu lassen und hat es nicht geschafft. Er holt ohne Probleme gleichmäßig breite Spleiße raus. Gerade für Anfänger ein großer Vorteil.
Zudem ist das Material um einiges leichter. Das ist bei längeren Einhandruten und bei Zweihandruten ein großer Vorteil. Die Biegefestigkeit ist zwar etwas geringer, darum muss man die Lồ ô Rute also zwischen 3-5 % dicker als beim Tonkin bauen, will man den Tonkin-Taper replizieren. Das sieht man mit freiem Auge aber nicht. Doch selbst wenn du sie dicker baust, ist die Rute noch immer leichter als eine Tonkin-Rute.
Einige Bauer versuchen eine identische Rute wie aus Tonkin zu bauen. Ich sage ihnen: denk einfach mal nicht an den Tonkin. Nimm einen Taper (das Verjüngungsmaß von Ruten), wovon es hunderte, wenn nicht tausende gibt, die man sich aus Datenbanken runterladen kann, bau die Rute basierend darauf einfach mal nach. Gefällt die Rute nicht ganz, verändert man den Taper nach Belieben. Das macht ja gerade den Reiz am Bau aus, dass man versucht, den Taper zu verbessern und nach einer Woche hast du eine neue Rute. Der entscheidende Test ist natürlich: Wie wirft sich die Rute, wie fischt die Rute?

F&Ä: Du kommst nicht unbedarft zum Bambuskauf, sondern bist schon lange selbst als Rutenbauer aktiv. Wie gehst du beim Einkauf vor?
Angefangen hatte ich mit dem Import von Tonkin. Es gab bis auf Andy Royer keinen einzigen, der auch in die EU für Rutenbauer importierte. Für getrocknete Halme anderer Bambusarten und für den Gartenbau dafür gibt es einige. Nach dem Tod von Andy Royer hat David Serafin das Business mit der chinesischen Familie mit der Andy zusammengearbeitet hatte, weitergeführt. Die wussten, was die Rutenbauer haben wollten: Gerade Halme mit hoher Faserdichte, die nicht zerkratzt sind und die keine Schädigung von Insekten aufweisen. Es waren sehr selektierte, hochwertige Bambushalme. In Zusammenarbeit mit David Serafin habe ich dann 20-Fuß-Container nach Berlin importiert.
In China habe ich mir ganze Bambushalme in den Plantagen angesehen und vermessen. Dabei habe ich festgestellt, dass die längsten Internodien einige Meter über dem Boden wachsen. Traditionell werden für den Rutenbau 12 Fuß aus dem unteren Teil des insgesamt etwa 12 Meter langen Halms geschnitten. Allerdings befindet sich ein Großteil der längsten Internodien oberhalb dieser Schnittgrenze. Würde man den geernteten Bereich um zwei Meter nach oben verschieben, wären die langen Internodien dabei, deren Faserdichte und Wandstärke für den Rutenbaus ausreichend ist. Das würde die Arbeit erleichtern. Versuchshalber importierte ich daher neben den 12-Fuß- auch die nachfolgenden 6-Fuß-Abschnitte, die sehr gerne gekauft wurden.
Viele Rutenbauer glauben immer noch, je dicker der Halm, umso besser die Qualität. Wobei die Dicke des Halmes, aber nichts über die Faserdichte aussagt. Denn anders als ein Baum hat Bambus kein sekundäres Dickenwachstum, er wächst nur im Inneren. Tonkin wächst innerhalb weniger Wochen auf 12-13 m Höhe. Andere Bambusarten sogar auf 30 m innerhalb von 2 bis 3 Monaten. Dies schnelle Wachstum ist möglich, weil die wenige Millimeter langen Elementarfasern zuerst innen hohl sind. Erst danach bilden sich in der Faser weitere Schichten, die sich schräg überlagern. Nach 3 bis 4 Jahren sind sie innen voll und haben die maximale Biegefestigkeit erreicht.
Der Lồ ô hat einen größeren Halmdurchmesser als der Tonkin und man erhält im Schnitt 1,6-mal mehr Spleiße. Aus einem Tonkinhalm sind es vielleicht 10 Spleiße und bei Lồ ô 16. Lồ ô habe ich für meinen Import anders als Tonkin nicht nach Länge schneiden lassen, sondern nach Internodien, also Stücke mit 2 oder 6 Internodien. Aus dem Inhalt eines ganzen Containers könnte man mehrere tausend Ruten bauen.

F&Ä: Ist dein Netzwerk groß genug, um für Absatz zu sorgen?
Über den Tonkinhandel hatte ich mir bereits ein gutes Netzwerk aufgebaut zumindest in Europa. Die USA hatte ja ihren eigenen Importeur. Mit Lồ ô beliefere ich nun auch die USA, da ich zur Zeit der einzige Importeur dafür bin. Mittlerweile bestellen mehr als 140 Rutenbauer weltweit Lồ ô. Die kommen aus Japan, Australien, und von überall her. Das ist aber noch immer eine kleine Menge, wenn man bedenkt wie viele Rutenbauer es gibt. Nichtsdestotrotz ist Lồ ô eine hervorragende Alternative zu Tonkin. Das haben schon viele Bauer bescheinigt.
F&Ä: In welchen Maßen werden die verschickt?
Anfangs dachte ich, ganze Bündel weiterversenden zu können. Also 10 Stück mit jeweils 2 Internodien und 5 Stück mit 6 Internodien. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Leute erst mal das Ganze ausprobieren und einzelne Internodien kaufen möchten. Ich versende hauptsächlich DHL-Pakete mit 2 bis maximal 15 Internodien, woraus du bis zu 15 Einhandruten bauen kannst. Werden ganze Bündel bestellt, versende ich die mit DB Schenker.
F&Ä: Worin liegt die Faszination beim Rutenbau?
Das Tollste am Rutenbau ist, sich eine Rute nach eigenen Vorstellungen herzustellen. Du kannst dir deine individuelle Länge und deinen eigenen Taper ausdenken, also wie schnell oder wie langsam die Ruten sein sollen. Das wirklich Schöne daran ist, aus einem groben Halm etwas Zierliches zu bauen. Du musst auf den Zehntelmillimeter genau hobeln. In der Spitze – je nach Taper – haben Einhandruten einen Durchmesser von nicht einmal 2 mm, die wie der Rest der Rute auch aus sechs Spleißen bestehen.
F&Ä: Setzt sich dieser Sinn für Ästhetik im Rest deiner Ausrüstung fort?
Nein, das nicht. Ich finde es ganz schön, mit alten Rollen und vielleicht mit Seidenschnüren zu fischen. Die Taper, die ich beim Bau verwende, sind modern. Ich mag keine Schlangenringe, wie sie traditionell benutzt werden und bevorzuge Einstegringe für eine größere Flexibilität der Rute. Durch Schlangenringe hat man auf 2-3cm eine gewisse Versteifung und das bei insgesamt vielleicht 10 Ringen. Die Rute wirft sich dadurch anders. Leute, die von Kohlefaserruten kommen, finden natürlich anfangs, je steifer die Rute, desto besser. Das ist aber Geschmacksfrage. Meine Gesamterscheinung entspricht also durchaus dem modernen Angler mit Wathosen und allem, was dazu gehört.
F&Ä: Was wäre für Fliegenfischer, die einfach angeln möchten, ein Grund auf Bambus umzusteigen?
Den Fisch interessiert es natürlich nicht. Es ist aber einfach schöner mit Bambus zu angeln. Ich würde jedem empfehlen, es auszuprobieren. Vermutlich kennt jeder irgendjemanden der eine Bambusrute hat. Die sind längst nicht so empfindlich wie man es ihnen nachsagt. Man mag es nicht glauben, aber die bekommt man weniger leicht kaputt als Kohlefaserruten.

F&Ä: Man sagt Bambusruten ebenfalls nach schwabbelig zu sein? Ist da etwas dran?
Nicht unbedingt. Das war bei antiken Ruten oft der Fall. Man kann sehr steife Ruten mit Bambus bauen. Davon habe ich auch welche. Zum Testen gebe ich gerne eine alte Pezon & Michel aus und danach eine hypermoderne steife Rute. Die Leute sind baff, wie schnell eine Rute der Art sein kann.
Bjarne Fries, der in Dänemark lebende aus Deutschland stammende Rutenbauer, der leider mit dem Rutenbau aufgehört hat, war bekannt für seine ‘Nudel’. Eine extrem weiche Rute, mit der man sich lange beschäftigen musste, um sie effektiv zu werfen. Manche Bauer z.B. Ulf Löfdal in Schweden der nahezu 1000 Ruten gebaut und verkauft hat, baut fast ausschließlich schnelle Ruten.
F&Ä: Wie viele Ruten hast du für dich gebaut?
Mein Rutenwald ist nicht so groß, wie ich ihn gerne hätte. Weil ich noch viele Ideen habe, was ich entwickeln möchte. Es kostet doch einige Zeit, bis man eine Rute fertig hat, mindestens 50 Arbeitsstunden. Ich habe einige Zweihandruten, mit denen ich gerne auf Meerforellen fische. Das finde ich entspannter, als den ganzen Tag mit einem Arm zu werfen.
F&Ä: Bietest du Anleitungen an, wie aus Bambus Ruten gebaut werden können?
Kurse gebe ich keine. Ich gebe Tipps in meinen Publikationen und bald auch auf meiner Website für Ruten, die bald erscheinen wird. Ich biete aber zwei Sachen an. Zum einen das Rohmaterial und ich stelle Ruten zum Verkauf her. Für Kurse fehlen mir die Räumlichkeiten und die Menge an Handwerkszeug, um die Teilnehmer ausstatten zu können. Das braucht außerdem sehr viel Vorbereitung.
Ich organisiere aber alle zwei Jahre ein Rutenbauertreffen. Das nächste findet dieses Jahr vom 7.- 9. November in Milow an der Havel in Brandenburg statt. Das Treffen richtet sich an alle Interessierten – vom Anfänger bis zu Fortgeschrittenen. Dort kann man nicht nur Spannendes über Lồ ô und dessen Verarbeitung erfahren. Viele mit Lồ ô gebaute Ruten, die die Teilnehmer mitbringen, können testgeworfen werden.
Das Interesse ist sehr groß. Das Treffen ist inzwischen ausgebucht. Aber es besteht die Möglichkeit, am Samstag, den 8. November bei einer Online-Session dabei zu sein. Dazu kann man sich bei mir per E-Mail info@springforelle.de oder telefonisch unter +49 (0) 174 787 05 86 anmelden.
Fazit: Das Gespräch mit Peer Doering-Arjes hat gezeigt: Wer sich ernsthaft mit dem Bau von Fliegenruten aus Bambus beschäftigt, findet in Lồ ô-Bambus nicht nur eine Alternative, sondern ein eigenständiges Material mit Charakter, das Tonkin in vielen Punkten annähernd gleicht, in anderen sogar übertrifft.
Ob Lồ ô den Tonkin-Bambus jemals vom Thron stoßen wird, bleibt offen. Klar ist aber: Lồ ô ist eine echte Alternative – mit Eigenschaften, die es verdienen, ernst genommen zu werden.

Discover more from Forelle & Äsche | Fliegenfischen | Fliegenbinden
Subscribe to get the latest posts sent to your email.

Leave a Reply