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Forelle & Äsche | Fliegenfischen | Fliegenbinden

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Wurftraining mit Juergen Friesenhahn: Die Faszination des Fliegenwerfens

by Tankred Rinder Leave a Comment

Für Fliegenfischer und Fliegenfischerinnen, die bis vor etwa zehn Jahren mit dieser großartigen Betätigung begannen, führte kaum ein Weg an einem Wurfkurs vorbei. Es trifft zwar zu, dass sich der eine oder andere das Werfen völlig autark beibrachte. Ich vermute aber, dass die meisten früher oder später einen Kurs belegten oder sich das Werfen zumindest von einem Kollegen oder einer Kollegin zeigen ließen. Geübt werden kann es schließlich ohnehin nur in Eigenregie. Dass mittlerweile nicht wenige Anfänger – zumindest in Ländern, die dem Euro-Nymphing unvoreingenommen gegenüberstehen – den Einstieg vollziehen, ohne zu erlernen, wie man eine Schnur wirft, hinterlässt, so lese ich zumindest, dann doch einige Fragen.

Die Begeisterung für das Gesamtpaket

Für mich bestand die Faszination am Fliegenfischen schon immer aus der Summe seiner einzelnen Komponenten. Viele Fische zu fangen war stets nur eine davon. Ginge es in erster Linie darum, könnte ich auch mit effektiveren Methoden Forellen, Äschen und vielen anderen Fischarten nachstellen. Fliegenbinden und auch das Werfen der Schnur waren und sind für mich integrale Bestandteile der Freude am Gesamtpaket Fliegenfischen.

Besonders an trägen Tagen und in Momenten einer Beißflaute, die es auch beim Nymphenfischen gibt, ist Fliegenwerfen der perfekte Ausgleich für die lästige Hatz von Platz zu Platz auf der Suche nach dem einen Fisch, der mich entschneidert. Schließlich gibt es auch dabei Abläufe zu verinnerlichen, die bestimmt irgendwann abzurufen sind, wenn es wirklich darum geht, diesen einen Ausnahmefisch zu überlisten – z. B. beim Fischen mit der Trockenfliege, beim Küsten- oder Stillwasserfischen. Wenn auch ohne Zweifel das Sich-Entschneidern auch darauf Einfluss haben kann, wie zufrieden ich abends nach Hause gehe. So viel Ehrlichkeit muss sein.

Als mein Pächterkollege mich kontaktierte, ob ich auch dabei sei, wenn Juergen Friesenhahn zu uns an den Fluss komme, war ich sofort von der Idee begeistert. Schließlich kennt man selbst irgendwann die eigenen Unzulänglichkeiten beim Fliegenwerfen. Die Gelegenheit, Wege und Mittel zu finden, sich die antrainierten Wurffehler aufzeigen zu lassen, wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Erste Berührungspunkte: Line Poetry

Persönlich mit Juergen in Kontakt gekommen bin ich anlässlich des Forellen- & Äschen-Buchprojekts Line Poetry: Spey Casting mit der Einhandrute. Gemeinsam mit Christopher Rownes hatte er das Konzept für das Buch erarbeitet, als Übersetzer des englischen Manuskripts fungiert und nicht zuletzt mit mir gemeinsam am Lektorat gearbeitet.

Die Stimme vom Casting-Pool

Bekannt war er mir schon vorher als Moderator am Casting-Pool bei der EWF. Diese Aufgabe erfüllt er seit 17 Jahren und übersetzt simultan die Wurfvorführungen der internationalen Casting-Experten. Allesamt, oder viele davon, wie ich fast vermute, sind es zertifizierte Instruktoren wie er selbst.

Das Fundament guter Wurflehre

Manchmal werde ich darauf hingewiesen, dass man auch ohne Wurfkurs und ohne Zertifizierung ein hervorragender Werfer sein kann. Diese Tatsache möchte ich gar nicht abstreiten. Den überzeugenden Vorteil, den eine Fly Fishers International Zertifizierung mitbringt, ist aber, abgesehen von den einheitlichen Standards bei der Beurteilung der Wurflehrer, die Bewertung der didaktischen Fähigkeiten der Auszubildenden. Also das durch eine Prüfung belegte Vermögen, in der Lage zu sein, den Lehrstoff verständlich und an einheitliche Standards gekoppelt weiterzugeben.

Wer an die Schulzeit zurückdenkt, wird sich daran erinnern, dass es innerhalb der Lehrerschaft doch sehr große Unterschiede gab, das Wissen um ein Fach zu vermitteln. Da zähle ich die Begeisterung für den eigenen Lehrstoff noch nicht einmal dazu. Schließlich kann nicht jeder mit einem Unterhaltungstalent ausgestattet sein. Dass Juergen Friesenhahn nebst der Zertifizierung und seinem Wissen um das Fliegenwerfen davon eine Riesenportion besitzt, darüber konnte sich schon jeder bewusst werden, der ihm einmal am Casting-Pool auf der EWF zusah.

Werfen als Mittel zum Zweck

Was aber nicht davon ablenken soll, wie tief verankert seine Überlegungen in den Abläufen aller erdenklichen Wurftechniken sind, egal ob mit der Einhand- oder Zweihandrute. Selbst die Pausen und das gemütliche Zusammensitzen am Abend unseres Treffens wurden dazu genutzt, über das Fliegenwerfen und natürlich das Fliegenfischen zu reden. Worüber auch sonst, denn schließlich ist das Werfen kein Selbstzweck, sondern dient in erster Linie der Sache, die Fliege zum Fisch zu bringen.

Unsere Zusammenkunft wurde somit auch zu einem Lehrgang in Knoten- und Vorfachkunde, und wie selbstverständlich musste Juergen die Steine in unserem Fluss umdrehen, um zu sehen, was hier so lebt. Auch wenn wir gar nicht zum Fischen kamen an dem Tag. Der Mann atmet das Fliegenfischen und das -werfen.

Der Kurstag in der Praxis

Zurück auf die Wiese: Die Mechanik verstehen

Doch genug der Lobhudeleien. Wie war der Tag mit Juergen Friesenhahn eigentlich? Los ging es erst mal auf der Wiese bei praktisch Null. Karten wurden um eine Schnurschlaufe aufgelegt, sodass wir wussten, wovon die Rede war, wenn von Schlaufenweite, unterer und oberer Schnur gesprochen wurde. Schließlich sollen die Ausführungen sofort aufgenommen und nicht erst darüber nachgedacht werden, welche Teile einer ausrollenden Schnur jetzt wohl damit gemeint sind.

Seitenwürfe und das „Last-Cast-Syndrom“

Danach folgten Seitenwürfe. Abgesehen davon, dass diese häufig Anwendung an kleineren, baumbewachsenen Flüssen finden, sind Seitenwürfe die perfekte Übung, um die Elemente des eigenen Wurfs zu beobachten und zu analysieren. Was mir dabei wieder einmal vor Augen geführt wurde: das Last-Cast-Syndrom.

Ein zu aggressiver Stopp des Handgelenks beim finalen Vorwärtswurf löste Wellen in der Schnur aus, die im schlimmsten Fall zu Windknoten führen. Seit Jahren ist mir dieser Fehler bewusst. Ihn auszumerzen, werde ich nur allein können. Es aber veranschaulicht zu bekommen, und hilfreiche Tipps, wie ich im weiteren Verlauf des Kurses gefühlvoller mit der Rute im Überkopfwurf agiere, waren schon das Geld wert, an dem Tag teilzunehmen.

Ab ins Wasser: Rollwürfe, Switch-Casts und Spey-Casts

Nachmittags ging es ins Wasser, um an Rollwürfen und Switch-Casts zu feilen, nachdem zuvor auf der Wiese die Mechaniken des Vorwärtswurfs – Schlüsselposition, progressive Beschleunigung im Straight Line Path, Stopp am Punkt der höchsten Beschleunigung – aufgefrischt wurden. Erstaunt war Juergen darüber, dass ich den Switch Cast weitaus besser beherrsche als den Rollwurf, obwohl ersterer als komplexer gilt, da die Schnur dynamischer bewegt wird. Die Erkenntnis überraschte mich letztlich wenig, da ich selten Rollwürfe praktiziere.

Abschließend konnte jeder von uns vier Teilnehmern sich noch explizit in einen Wurf vertiefen, an dem ihm besonders gelegen war. Für die einen waren es Doppelzugübungen, für mich war das die Perfektionierung von Circle Spey und Double Spey Cast. Beide brachte ich mir mit der Veröffentlichung von Line Poetry (Rownes & Friesenhahn, 2024) selbst bei und erzielte beim Erlernen mit Hilfe des Buches vorzeigbare Erfolge. Dass an der einen oder anderen Stelle des Wurfablaufs ein Feinschliff vorgenommen werden muss, überraschte mich wenig. Sch schließlich ging es genau darum, als ich beschloss, mich für den Kurs einzuschreiben.

FAZIT

Hin und wieder ist es für die eigenen Fähigkeiten förderlich, einen Fachmann heranzuziehen, um das scheinbar bereits Erlernte zu verbessern. Auch Sportler, die ihre Leidenschaft ernst nehmen, greifen auf einen Trainer zurück, der sie dabei unterstützt, Mängel an ihrer Technik zu beseitigen.

Wenn auch du daran interessiert bist alleine oder mit Kollegen und Kolleginnen Juergen Friesenhahn zu einem Casting Workshop zu Einhand- und Zweihandruten Würfen einzuladen, besuche seine Seite: https://wurfkurse.de Es bedeutet hervorragend investierte Zeit und Geld.


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Filed Under: Fliegenwerfen, Tipps

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