Die Mur in Graz – noch einmal davon gekommen?

© flickr: Tobias Abel

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Seit Januar 2010 wehrt sich ein erheblicher Anteil der Grazer Bevölkerung, gegen den Bau einer Kraftwerkskette an der Mur in Graz und Umgebung. Nebst Umweltschützern, Biologen und anderen Aktivisten engagierte sich besonders der Grazer Fischer Franz Keppel vulgo Huchenfranz. Nach kleinen Erfolgen und erheblichen Rückschlägen – vor knapp einem Jahr am 29.8.2013 bestätigte der Bundesumweltsenat in Wien die Entscheidung des Landes Steiermark, dem Kraftwerksbau das grüne Licht zu geben, trotz negativ ausfallender Umweltverträglichkeitsprüfung – durfte die Bürger-Initiative ‚Rettet die Mur‘ nach nur einer Woche nach dem fatalen Entscheid kräftig durchatmen.

Nach jahrelangem Ritt durch alle Instanzen, gestand sich der Energiebetreiber ESTAG ein, dass das 97 Mil. Euro Projekt aufgrund wenig zuversichtlicher Aussichten an den Strombörsen nicht mehr rentabel sei. Durch den massiven Ausbau erneuerbarer Energien – von Ökostromabgaben subventioniert – lassen sich mit investitionsintensiven Wasserkraftanlagen, nicht mehr ähnliche Gewinne erzielen wie noch vor wenigen Jahren.

Ganz vom Tisch ist die Bedrohung für das vielfältige Artenaufkommen der Mur und die Lebensqualität der Grazer Bürger aber noch nicht. Im Januar dieses Jahres gaben sich die Projektwerber der Energie Steiermark wieder hoffnungsvoll. Baukosten fuhren ebenso in den Keller, wie die an der Strombörse zu erlangenden Preise. Man gibt sich also zuversichtlich das Projekt noch irgendwie umzusetzen. Denn rechtlich steht diesem Vorhaben nichts mehr im Weg, nachdem der Verwaltungsgerichtshof die Beschwerden der Bürgerinitiative abgeschmettert hat. Ein Entscheid der den Eindruck entstehen lässt, Umweltverträglichkeitsprüfungen sind bloß ein rechtliches Instrument, um Projekte die belegt negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit ausüben, mit  Sondergenehmigungen wie im Fall der Staustufe Graz-Puntigam trotz allem zu realisieren.

Bleibt zu hoffen, dass das Säbelrasseln des Energiekonzerns einzig PR-Vorstöße sind, um in der Öffentlichkeit das Gesicht zu wahren, nach dem Rückschlag den man als Konzern hinnehmen musste. Der vom Projektpartner Verbund Österreich in seinen Jahresbericht 2013 bilanzierte Wertverlust von 19,3 Mil Euro innerhalb eines Jahres, für die im Rahmen desselben Projekts erstellten Murstaustufen Graz/Kalsdorf und Graz/Gössendorf, vermitteln den Investoren hoffentlich keine mutmachenden Aussichten. Zumal der Wertverlust dieser Staustufen sich prognostiziert auf 40 Mil Euro verdoppeln wird, liegt der Abschlussbericht der Energie Steiermark erst vor.

Als Grazer hat die Mur natürlich einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Wo sonst kann man noch, mitten in einer Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern, laichende Huchen beobachten und fangen. Aber seht selbst, was es zu verlieren gäbe – ein beeindruckendes Video, eine Liebeserklärung an die Mur und seinen König der Salmoniden.

 

Comments

  1. manuela andrich says:

    Zu fällen einen schönen Baum , braucht „s eine halbe stunde kaum…
    jedoch zu wachsen bis man ihn bewundert braucht er ein Jahr hundert……
    LG Manuela

    • !00% Zustimmung Manuela – der Verlust der Mur in ihrem jetzigen, noch immer relativ naturnahen Zustand in Graz, würde bei der Habitatwiederherstellung viele Jahre Renaturierungsarbeit in Anspruch nehmen.
      LG Tankred

  2. rene köstenberger says:

    Danke franzi für deinen Einsatz , die mur bräuchte noch viel mehr solche leute wie dich !!!!Lg. Fluss frei

  3. Hey Danke. Die Doku kannte ich als Österreicher noch nicht.
    Den Huchenfranz natürlich schon. Der ist bekannt. :D

    greez

    • Hi Jan
      Freut mich, dass ich Dir bei der Entdeckung eines tollen Videos helfen konnte. Gedreht wurde das Ding von den sympathischen Jungs von http://www.AlpineSpey.at
      Dem Huchenfranz bin ich begegnet durch seinen unermüdlichen Einsatz für ‚Rettet die Mur‘. Kann mir gut vorstellen das seine Bekanntheit weit über dieses Projekt hinausgeht. Er scheint alle Eigenschaften einer Legende zu besitzen – Leidenschaft, Mut, Durchhaltevermögen.
      LG und tight lines Tankred

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