Ein Woolly Bugger namens Olivia – Früh übt sich

Nimmt meine 3-jährige Tochter das Wort Fliegenfischen in den Mund, versuche ich mir manchmal vorzustellen wie diese Leidenschaft in einigen Jahrzehnten wohl aussehen mag. Dabei erinnere mich an eine Unterhaltung vor einigen Jahren mit dem Redakteur einer renommierten Zeitschrift zur Zukunft unserer Leidenschaft: “ Fliegenfischen ist ein Altmänner-Sport” sagte er mir. Die Worte wollen mir nicht aus dem Kopf gehen. Soll da etwas dran sein?

Bei all den Zukunftsszenarien die ich mir bislang ausmalte, schien ich aber ein wichtiges Element dabei zu übersehen: Die Akteure selbst. Zustand der Gewässer und der Umwelt, Fischbestände und Produktentwicklung spielten alle eine Rolle bei meinen Überlegungen. Wo sich aber die nächste Generation FliegenfischerInnen finden lässt, der Frage gehe ich erst nach, seitdem ich selbst Vater wurde. 

Blicke ich mich auf manchen Messen um, kann der Eindruck schon entstehen, dass an der Aussage jenes Redakteurs was dran sei. Die Überzahl männlicher Besucher ist nämlich nicht von der Hand zu weisen. Das Durchschnittsalter ist scheinbar auch hoch. Zugleich war ich aber schon auf Fachveranstaltungen mancher Tackle-Händler, denen es ganz gut gelingt, jüngeres Publikum anzuziehen. Soziale Medien werden auch zum Teil von Typen dominiert die die Jugend, oder zumindest jugendliches Auftreten, auf ihrer Seite haben. 

Und nicht nur dort finden sich geschliffene (im positivsten Sinn des Wortes) Auftritte abenteuerlustiger, naturbezogener, junger bis junggebliebener Menschen die Dank ihrer Leidenschaft dem Fliegenfischen von nah bis fern nachgehen. Produktkataloge internationaler Vertriebe und Händlerkataloge sind voll von ihnen. Insofern scheint das Bild einer Demografie von fortgeschrittenen Alters nur in Teilen zuzutreffen. Das Image des Fliegenfischers ist sicherlich weniger verstaubt, als einem Uneingeweihte vermitteln möchte. Zudem finden auch mehr und mehr Mädchen und Frauen Zugang zu der in weiten Teilen noch immer männlich dominierten Domäne. Als Vater einer jungen Tochter stimmt mich das ganz zuversichtlich.

Eine von der amerikanischen Outdoor-Industrie im Jahr 2017 in Auftrag gegebene Untersuchung zum Thema Angeln allgemein kommt dabei zu interessanten Erkenntnissen. Eine der relevantesten Einsicht ist, das entgegen der eingangs erwähnten Behauptung, dass Fliegenfischen ein Altmänner-Sport sei, es in der Zeit von 2015-2016 mehr Neueinsteiger/Rückkehrer zum Angeln gab, als verloren gingen und die Absprungrate geringer ausfiel als in den vorangegangenen Jahren. 

Was das alles mit Ein Woolly Bugger namens Olivia zu tun hat? Selbe Studie besagt, dass gerade Gelegenheiten zum Angeln in jungen Jahren von Bedeutung sind, um Menschen für das Angeln bzw. das Fliegenfischen zu begeistern. Des weiteren wird in dem Bericht aufgezeigt, dass 83% der aktiven Angler in der Kindheit mit der Leidenschaft in Berührung gekommen sind. Diese aufkeimende Begeisterung für alles ums Fischen, möchte ich mit der nächsten Veröffentlichung im Forelle & Äsche Verlag, dem Kinderbuch
Ein Woolly Bugger namens Olivia
fördern und unterstützen.

Über Olivia habe ich bereits vor einigen Jahren berichtet, lange bevor ich selbst Vater wurde. Fasziniert hat ich mich an dem rund 46-seitigen Kinderbuch, einerseits die Tiefe mit der Kindern im Alter von 6-10 Jahren das Thema Fliegenfischen näher gebracht wird. Materialwissen, Wurftechnik bis Fliegenkunde wird den angehenden FliegenfischerInnen ebenso vermittelt, wie die noch immer gepflegten Statusunterschiede zwischen Trockenfliegen, Nymphen und Streamern. 

Dass andererseits entwicklungshemmende Faktoren wie Ausgrenzung manchmal bereits in jungen Jahren in den Köpfen von Kindern verankert werden, ist so nebenbei eine der wesentlichsten Aussagen dieses bild- und textreichen Buches. Dem entgegenzuwirken ist eine der kritischsten Aufgaben in der Kindererziehung, wie ich an meiner heranwachsenden Tochter beobachten kann.

Die Kernbotschaft in Ein Woolly Bugger namens Olivia versteckt sich also hinter den Bemühungen der kleinen Olivia in die Fliegenbox für die kommende Forellensaison aufgenommen zu werden. Welche Hürden sie auf diesem Weg überkommen muss, welcher Kräfte es dabei bedarf und welche Stärken sie dabei entwickelt, dass kannst Du bzw. Deine Kinder oder Enkelkinder ab Herbst 2020 lesen.

Wusstest Du das letzte Woche Welttag des Buches war? Keine Sorge, war mir bis vor kurzem auch nicht bewusst! Anlässlich dieses seit 1995 existierenden Aktionstags für das Lesen, Bücher und die Kultur des geschriebenen Wortes, erlasse ich allen Bestellungen im Forelle & Äsche Verlag bis zum 04.05.2020 die Portogebühren – Jedes bißchen hilft! 

In Zeiten wie diesen, geprägt von Sorge um den Arbeitsplatz und Kurzarbeit, um Unternehmensschließungen und die wirtschaftliche Zukunft, kann sich näher rücken und gegenseitig unterstützen, über den Fortbestand geschätzter Anlaufstellen entscheiden. Danke Dir – sei achtsam und bleib‘ gesund!

 

Unendliche Stille: Thomas McGuane – Leseprobe

Wenn einer im Alter von sechzehn Jahren beschließt Schriftsteller zu werden, um einen Beruf auszuüben der so viel Zeit wie möglich am und im Wasser erlaubt; der vom Erlös des ersten Roman-Bestsellers in den 70ern ein Flachbodenboot kauft und so nebenbei zu einem Pionier des Salzwasser-Fliegenfischens auf Bonefish, Tarpon und Permit wird; der sich vom Verkauf der Filmrechte eine Ranch in Montana zulegt, um sich im Epizentrum des amerikanischen Fliegenfischens auf Forellen zu bewegen…wenn wundert’s, dass so einer Erzählungen und Essays übers Fliegenfischen schreibt, die von vielen Kritikern zur besten Angelprosa gezählt werden, die es gibt. [Read more…]

Ferne Welt: Charles Rangeley-Wilson (Rezension)

Ferne Welt (Charles Rangeley-Wilson) - Fliegenfischen in Alaska
Mückenspray am Arsch – Fliegenfischen auf Seesaiblinge in Alaska

Was Charles Rangeley-Wilson wohl aus meinem Ausflug an die Kyll am letzten Wochenende gemacht hätte? Zum Saisonauftakt nach Gerolstein. Den Ort den die meisten Leser hier wahrscheinlich nur als Namensgeber für Mineralwasser kennen. Doch im Eifelkurort bröckelt äußerlich der Glanz ab wie das Blattgold von Barockengeln in von Kirchensteuerverlust geplagten Großstädten. Selbst der kostenlose Mineralwasserbrunnen war versiegt. Temporär nehme ich an aufgrund der kalten Jahreszeit. [Read more…]

Viel versprochen…alles gehalten – jetzt vorbestellen!

Tja, da wird die Forellensaison nach langmonatiger Pause wieder eingeläutet und die Flüsse hier, wie auch fast überall anders hierzulande, treten unnachgiebig über die Ufer. Dabei wäre gerade jetzt der Zeitpunkt ans Wasser zu gehen, nötiger gewesen als an irgendeinem anderen Moment während der letzten fünf Monate. Im Hochsommer letzten Jahres beschloss ich mittels Crowdfunding die nächsten zwei Bücher im Forelle & Äsche Verlag teilzufinanzieren. Als Anreiz für die Unterstützer verpflichtete ich mich – durchaus sportlich wie manch ein Freund meinte – bis April 2019 die beiden nächsten Veröffentlichungen auf den Markt zu bringen.  [Read more…]

%d Bloggern gefällt das: