Unendliche Stille (Thomas McGuane) – Leseprobe

Wenn einer im Alter von sechzehn Jahren beschließt Schriftsteller zu werden, um einen Beruf auszuüben der so viel Zeit wie möglich am und im Wasser erlaubt; der vom Erlös des ersten Roman-Bestsellers in den 70ern ein Flachbodenboot kauft und so nebenbei zu einem Pionier des Salzwasser-Fliegenfischens auf Bonefish, Tarpon und Permit wird; der sich vom Verkauf der Filmrechte eine Ranch in Montana zulegt, um sich im Epizentrum des amerikanischen Fliegenfischens auf Forellen zu bewegen…wenn wundert’s, dass so einer Erzählungen und Essays übers Fliegenfischen schreibt, die von vielen Kritikern zur besten Angelprosa gezählt werden, die es gibt. [Read more…]

Ferne Welt: Charles Rangeley-Wilson (Rezension)

Ferne Welt (Charles Rangeley-Wilson) - Fliegenfischen in Alaska
Mückenspray am Arsch – Fliegenfischen auf Seesaiblinge in Alaska

Was Charles Rangeley-Wilson wohl aus meinem Ausflug an die Kyll am letzten Wochenende gemacht hätte? Zum Saisonauftakt nach Gerolstein. Den Ort den die meisten Leser hier wahrscheinlich nur als Namensgeber für Mineralwasser kennen. Doch im Eifelkurort bröckelt äußerlich der Glanz ab wie das Blattgold von Barockengeln in von Kirchensteuerverlust geplagten Großstädten. Selbst der kostenlose Mineralwasserbrunnen war versiegt. Temporär nehme ich an aufgrund der kalten Jahreszeit. [Read more…]

Viel versprochen…alles gehalten – jetzt vorbestellen!

Tja, da wird die Forellensaison nach langmonatiger Pause wieder eingeläutet und die Flüsse hier, wie auch fast überall anders hierzulande, treten unnachgiebig über die Ufer. Dabei wäre gerade jetzt der Zeitpunkt ans Wasser zu gehen, nötiger gewesen als an irgendeinem anderen Moment während der letzten fünf Monate. Im Hochsommer letzten Jahres beschloss ich mittels Crowdfunding die nächsten zwei Bücher im Forelle & Äsche Verlag teilzufinanzieren. Als Anreiz für die Unterstützer verpflichtete ich mich – durchaus sportlich wie manch ein Freund meinte – bis April 2019 die beiden nächsten Veröffentlichungen auf den Markt zu bringen.  [Read more…]

Henne oder Hahn – Cape oder Saddle?

v.l.n.r. Rooster Neck (Cape), Rooster Saddle (Sattel), Rooster Neck (Cape)

Kurz bevor Marco Reisen an diesem Wochenende zur Belgium Fly Fair 2019 nach Charleroi fuhr, unterhielten wir uns ein wenig übers Fliegenbinden. Um genauer zu sein über Capes und Saddles um bei den Begriffen zu bleiben, die auch oft in Online Shops verwendet werden. Im Zuge der Unterhaltung berichtete mir Marco von einer immer wiederkehrenden Problem, dass ihm Freunde und Bekannte meldeten. „Du Marco, ich habe mir einen Gold Grade Balg gekauft, der nichts taugt.“ Wie kann es sein, dass ein Pro Grade, Premium oder Gold Grade Balg nicht hält was er verspricht?

Ganz einfach! Zu wenig Überlegung wofür der Balg verwendet werden soll. Darum sehen wir uns einmal an, welche Fragen es zu klären gibt bevor man das nächste Mal Geld für den Kauf eines Balges in die Hand nimmt. Und schließlich ob sich ein Cape (auch Neck genannt) besser eignet als ein Sattel (saddle)

Die allererste Frage die sich stellt ist, welche Fliegen möchte ich eigentlich binden. Sind es vornehmlich Trockenfliegen, Nassfliegen, Nymphen oder Streamers. Die Antwort auf diese Frage bestimmt zu einem hohen Grad bereits, worauf meine Wahl fallen wird. Nicht selten entscheidet sich ein Käufer aus Kostengründen für einen Hennenbalg. Wird diese Entscheidung getroffen muss einem auch klar sein, dass sich der Balg der Henne – egal ob vom Hals (Cape) oder vom Sattel (Saddle) – für das Binden von Trockenfliegen nicht eignet. Punkt! Warum das so ist kurz zusammen gefasst.

Indischer Hahn (l) und Hennensattel (r)

Hennenfedern/ Hennenhechel/ Hennenbalg/ Hennensattel/ Hen Cape/ Hen Saddle

Die Halsfedern der Henne sind merkbar kurz, rund – wenn man so möchte -und vergleichsweise weich, wodurch sie nicht in der Lage sind, mit ihren Spitzen eine Fliege zu stützen, damit diese auf der Oberfläche schwimmt. Das weiche Material biegt sich beim leichtesten Kontakt mit einer Oberfläche um. Diese Materialeigenschaften – Weichheit und Beweglichkeit – werden hingegen bei Nassfliegen und Nymphen gesucht. Denn unter Wasser reagieren die Fibern dieser Federn auf die geringste Wasserbewegung und suggerieren der Fliege lebendige Eigenschaften. Egal ob als Kopfhechel oder Beinchen. Auch als Flügelmaterial bei Eintags- und Köcherfliegen sind Hennenbälge gut geeignet. Die Halsfedern sind dünner und etwas steifer als die des Sattels und eignen sich deshalb auch sehr gut zum Palmern von Körpern. Auch für Streamer, Lachs- und Meerforellen- fliegen sind Hennenfedern  beliebt – besonders die gefärbten Varianten.

Hahnenfedern/ Hahnenhecheln/ Hahnenbalg/ Hahnenskalp/ 

Worin unterscheiden sich nun die Federn vom Hahn und warum sind diese so begehrt? Halsfedern (Cape) aber auch die Federn des Hahnensattel sind deshalb so gefragt, da diese als einzige Federn zur Herstellung von Trockenfliegen herangezogen werden können. Die Federn bestehen aus langen, steifen, dichten und fein auslaufenden Fibern. Nur im unteren Teil der Feder weisen diese Nebenfibern (webb) auf. Englischsprachige Bindeseiten beziehen sich mit dem Begriff ‚webby’ auf diese Nebenfibern die sehr weich sind und sich deshalb nicht für die Behechelung von Trockenfliegen eignen. Im deutschsprachigen Raum spricht man von der Flaumzone, die abhängig von der Qualität und Beschaffenheit des Balgs und seiner Herkunft bis zur Hälfte der Feder einnehmen kann. Es gilt die Regel: je kürzer die Flaumzone, umso hochwertiger die Feder/der Balg. Denn flaumfreie Federn sind standfest. Durch die feinen Spitzen der Fibern sind sie sehr schwimmfähig und nehmen wenig Wasser auf und lassen sich leicht trocknen (z.B. durch Leerwürfe).

Da wir nun sicher sind, dass wir gerne Trockenfliegen binden möchten, stellt sich nun noch immer die Frage: kaufen wir uns ein Cape (Hals) oder einen Sattel?

Hahnenbalg/ Rooster Cape/ Cock Neck

Die für Hechelkränze brauchbaren Federn liegen beim Cape wie der Umhang von Batman oder Superman um den Hals und die Brust und bedecken den Rücken. Direkt am Kamm des Halses sind die Federn sehr klein und weisen bei sehr hochwertigen Bälgen Federn bis zur sehr Größe #26/28 auf. Selbst auf Bälgen mit scheinbar geringeren Qualitätsgraden (#3, Bronze etc.) finden sich noch immer kleine Federn am Hals, mit denen sich mühelos einige Trockenfliegen in der Größe #22 binden lassen. Über das restliche Cape sind Federn bis zur Größe #10 verteilt. Ein Cape ist somit die geeignete Wahl für Binder die eine große Bandbreite an Fliegengrößen binden möchten. Nachteilhaft – wenn man überhaupt davon sprechen möchte – ist die im Vergleich zum Sattel geringere Länge der Federn. Weshalb sich aus einer einzigen Feder kaum mehr als zwei Fliegen binden lassen. Wer also bevorzugt Trockenfliegen in einem relativ schmalen Größenband binden möchte, wird mit einem Sattel die bessere – auch kostengünstigere – Wahl treffen.

Hennensattel (l) und Hahnesattel (r)

Hahnensattel/ Rooster Saddle/ Cock Saddle

Professionelle bzw. gewerbliche Fliegenbinder lieben Sättel. Warum? Weil der Hahnensattel aus vornehmlich sehr langen Federn besteht und wenig Varianz bei der Größe der Federn aufweist. Die Unterschiede bewegen sich meist in drei aneinander grenzenden Hechelgrößen z.B. #10-14 Eine der drei Größen stelt dabei eine Hauptgruppe dar und die beiden Nebengrößen befinden sich an den Rändern des Sattels. Seit einigen Jahren gibt der Markt nun aber auch sogenannte Midge (Mücken) Sättel her, worauf sich in erster Linie Federn in Hechelgröße #16-20 vorfinden. Die Federn des Sattels weisen einen geringeren Taper (Verjüngung) als die des Capes auf, weshalb sich aus den längsten Federn des Sattels bis zu zehn Fliegen binden lassen und selbst die kürzeren für mindesten fünf Stück ausreichen.

Wer nun fleißig gebunden hat und alle brauchbaren Trockenfliegenfedern benutzt hat, muss sich noch lange nicht von seinem Sattel oder Cape verabschieden. So manch andere Federn für unterschiedlichste Bindeeinsätze befinden sich noch an allen Bälgen. Streamers lassen sich dann noch immer aus den Federresten binden. Andere Hahnenbälge wiederum – darunter auch oft die Pro Grades (nicht zu verwechseln mit dem Premium Grade) – erreichen nie die Anzahl der enthaltenen Federn eines Top-Balges und sind im Grunde genommen einzig für das Binden von Streamer oder Salzwassermuster zu gebrauchen.  Die für das Binden von Trockenfliegen in unterschiedlichsten Größen geeignete Qualität lässt sich aus dem ‚Grading’ des Balges ablesen – bis zu einem gewissen Grad. Denn einheitliche zertifizierte Qualitätsangaben gibt es nicht. Was es mit dem Grading und der Qualität auf sich hat und wofür die Federn von Hähnen oder Hennen sonst noch zu verwenden sind, darüber berichten Marco und ich in einem weiteren Beitrag in Kürze.

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