Rettet die Mur und ihre laichenden Huchen

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© Franz Keppel

Ihm verdanke ich es, dass ich seit einigen Wochen eine Echo Glass 13’0″ #8 besitze. Auch verdanke ich es ihm, dass ich vor etwas mehr als einem Jahr, nach jahrzehntelanger Abwesenheit, ganz nahe an meinen Geburtsort in der Obersteiermark zurückkehrte. Dorthin wo wir als Kinder in Nebenflüssen der Mur, riesige Schläuche von LKW Reifen ins Wasser ließen, um kurz vor der Mündung in den Hauptfluss, den rettenden Weg ans Ufer zu finden. Unvergessliche Erinnerungen an nicht ungefährliche Zeiten.

Um ihn dreht sich aber auch ein Mischgefühl aus lähmender Ohnmächtigkeit gegenüber Politik, in ihrer Rolle als verlängerter Arm wirtschaftlicher Interessen, ohne Rücksichtnahme auf Mensch, Natur und Umwelt. Als aber auch die Bewunderung für den unermüdlichen Einsatz engagierter Individuen, ob alleine oder im Zusammenschluss, sich dem Diktat öffentlicher – manchmal auch geheimer – Beschlüsse im vermeintlichen Wohlsinn der Allgemeinheit, wenn nötig mit aller Kraft entgegenzusetzen.

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Mit der Fliege auf Huchen in der Mur – Obersteiermark

Ob des formidablen, opportunistischen Gegners des Huchens, der grünen Mur und der Bürger von Graz, hat die Initiative “Rettet die Mur” und der umtriebige ‚Huchen-Franz‘ Keppel den langen Atem auch nötig. Im Jahr 2007 noch ließ sich der jetzige Bürgermeister von Graz, PR- und medienwirksam mit einem Huchen abbilden und plädierte für die Erhaltung des Lebensraums dieses einzigartigen Fisches, mitten in einer beinahe 300.000 Einwohner zählenden Stadt. Beinahe 10 Jahre später wünscht sich eben jener Bürgermeister – Siegfried Nagl ÖVP – einen neuen ökologischen Beirat zum Thema Staustufe Graz-Puntigam:”…einen, wo Expertise und Engagement besser getrennt sind.”

'Huchen-Franz' Keppel und Autor

‚Huchen-Franz‘ Keppel und Autor

Als ob dadurch, das ökologische und nun auch ökonomische Desaster der Umsetzung dieser Staustufe verhindert werden könne.

•    Die Rodung von 10.000 Bäumen in Innenstadtlage
•    Die Verwandlung der frei fließenden Mur in eine Schlammödnis inklusive Faulgasbildung mitten im Stadtgebiet
•    Die Feinsteinhauptstadt Graz durch den Bau der Anlage über Jahre noch stärker zu belasten
•    Den Lebensraum und die Vielfalt entlang des grünen Bands an der Mur für unzählige bedrohte Tierarten zu zerstören
•    Ein 110 Millionen teures Projekt den ohnehin nicht wenig haushaltsverschuldeten Grazern um den Hals hängen, dass sich nach jüngsten Berechnungen, selbst in 50 Jahren nur zu etwas mehr als der Hälfte der Gesamtkosten amortisieren würde.

Man darf sich zurecht fragen wessen Interessen die Stadtregierung vertritt, wenn ein Antrag der Grünen und KPÖ von 25.2.2016, mit der Beschlussfassung zum Bau eines Speicherkanals bis zur Sitzung des Umweltbeirats zu genau jenem Thema am 1.3.2016 abzuwarten, seitens des Bürgermeisters abgelehnt wird. Jenes Beirats der später dem Projekt ein vernichtendes ökologisches Zeugnis aussprechen wird.

Selbst dem Verbund – Österreichs größtem Energiekonzern – erscheint das Projekt Staustufe Graz-Puntigam als zu umstritten und zu wenig rentabel, sodass sich der Konzern der geplanten Beteiligung entzog. Unbeirrt hält der steirische Energiekonzern EStAG jedoch an dem Projekt fest und startete am 1.3.2016 Enteignungsverfahren gegen Grundstücksbesitzer.

Frei fliessend und frisch vs. aufgestaut und übelriechend

Frei fliessend und frisch vs. aufgestaut und übelriechend © Franz Keppel

Während weltweit – vor allem in den USA – Dämme und unrentable Wasserkraftwerke eingerissen werden, möchte EStAG den Grazern ein Kraftwerksprojekt unter dem Vorwand ‘ökologisch wertvoll’ und ’Naherholungsgebiet’ schmackhaft machen. Und trotz massiver Umweltbedenken seitens des WWF, wurde in einer Umweltverträglichkeitsprüfung des WIENER RECHNUNGSHOF, dem Projekt Graz-Puntigam ein positiver Bescheid aufgrund des ‘öffentlichen Interesses’ ausgestellt. Just in Österreich, dass sich durch einen besonders hohen Ausbaugrad seiner Gewässer (mehr als 70%) auszeichnet. In jenem Österreich an dem anderswo, in Niederösterreich z.B., kostspielig und aufwendig Huchen nachbesetzt werden. In Graz hat man das (noch) nicht nötig wie man sieht.

© 01 KLEINEZEITUNG GRAZ 10. 4. 2016

Viel mehr als einen bescheidenen Beitrag zur Rettung des Huchens in Graz, kann ich durch das Lenken der Aufmerksamkeit auf den unermüdlichen Kampf einer breiten Allianz aus Tier-und Umweltschützern und den Grazer BürgerInnen, mit diesem Beitrag nicht leisten.

Wer mehr erfahren möchte – wer weiß schon ob man die Erfahrungen der AktivistInnen nicht auch bald in seinem näheren Umfeld gebrauchen wird können – dem empfehle ich, den Besuch des Portals ‘Der Angelhaken’. Die online Veröffentlichung des gleichnamigen Print-Magazin des Arbeiterfischereiverein Graz. Einer wirklich gelungenen Webpräsenz, an der sich viele Angelvereine eine Scheibe abschneiden können.

Nicht zuletzt konnte ich viele aktuelle Informationen im Windmühlenkampf gegen die geplante Staustufe Graz-Puntigam, dem höchst informativen Portal ‘Fliegenwasser’ entnehmen. Einer zentralen Anlaufstelle für äusserst nützliches Wissen über die Flüsse in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Der nächsten Region unter massivster Bedrohung durch Energiekonzerne.

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© Franz Keppel

 

 

 

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