Auf Meerforellen durch die Saison – Winter

Raue Brandung – harte winterliche Bedingungen © Jürgen Häfele

Wem die fünfmonatige Bachforellen-Schonzeit doch ein wenig zu lange erscheint, der sollte sich einen Ausflug an die Küste gönnen. Durch das Ausbleiben allgemeiner Touristen während dieser Saison, wegen niedriger Temperaturen und kräftigen Winden, sind die Unterkünfte günstig zu haben. Die Stunden am Wasser sind trotzdem kurz, doch der Blick aufs Meer beflügelt die Fantasie und bekräftigt das Verlangen, nach dem was die kommenden Monate bringen werden. Wie man selbst bei widrigsten Umständen, der Ostsee den ein oder anderen Fisch entlockt, verrät uns Jürgen Häfele im abschließenden Teil der Serie – Auf Meerforellen durch die Saison!

Wie im Spätherbst konzentrieren sich die Anstrengungen des Fliegenfischers an der Küste, auch im Winter auf Grönländer (nicht-geschlechtsreife Meerforellen) und Überspringer (blanke Fische die sich Geschlechtsreife nicht an der Vermehrung beteiligen). Doch schon gesellen sich an der ein oder anderen Stelle – abhängig vom Flusssystem des Festlands – ab Januar auch die ersten Absteiger wieder unter die Zielbeute. Letztere sind leicht an ihrer geschwächten Kondition (mager und mit weichem Körper) zu erkennen und besonders schonend zu behandeln. Da diese sich gerne an Flusseinläufen sammeln, sind diese Gebiete am besten weitläufig zu umgehen und zu meiden.

Laichrückkehrer – besonders schonend zu behandeln © Jürgen Häfele

Der Winter – wenn die Temperaturen einigermaßen mitspielen – bietet aber die besten Voraussetzungen zum Fischen auf die Überspringer. Silberblank und wohlgenährt stoßen sie regelmäßig in die seichten Küstenzonen vor, auch wenn das Futterangebot spärlich ist. Wenn auch nur für kurze Fressperioden, um nach den noch immer aktiven Tangläufern zu suchen, oder die eine oder andere Grundel aufzuspüren. Gut zu wissen, dass sie nun in Wurfweite sind.

Erreichen die Wassertemperaturen aber ihre Tiefststände, verlassen die Meerforellen Gebiete mit hohem Salzgehalt. Die Überspringer zieht es eher in tiefere Regionen, wohingegen die Grönländer die brackigen Zonen der Förde suchen. Die fallenden Temperaturen reduzieren zudem auch den Stoffwechsel der Forellen und die Nahrungsaufnahme wird dementsprechend zurück geschraubt. Doch selbst wenige Sonnenstunden, regen den Appetit an und zur richtigen Zeit am richtigen Platz, kann man auch im Winter attraktiven Sport vorfinden.

Ausnahmefisch – Überspringer © Jürgen Häfele

Fliegenfischen auf Meerforellen im Winter ist schon sehr speziell aufgrund der niedrigen Temperaturen. Jetzt spielen Bekleidung und Wohlbefinden für mich die größte Rolle für eine ausdauernde erfolgreiche Fischerei – denn nur wer nicht friert kann sich konzentrieren und hat Spaß am fischen. Irgendwie schon abgedroschen der Satz „1000 Würfe eine Meerforelle“ – aber gerade jetzt im Winter ist da einiges wahres dran. Um so besser sollte die Planung und Vorbereitung für einen eventuell erfolgreichen Tag sein.

Über „wie und wo gefischt wird“ wurde schon viel geschrieben und ist natürlich auch abhängig von der Region. Für diejenigen die eine weite Anreise an die Küste haben ist es wichtig an verlässliche Wetterdaten zu kommen. Ich habe mich immer sehr gut auf die Daten vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie verlassen können und danach entschieden wo ich fischen werde. Und eine Erfahrung die ich über die vielen Jahre machen konnte: bei Minusgraden Außentemperatur läuft so gut wie nichts. Eine stabile Wetterlage mit leichten Winden aus Süd bis West bringen den Erfolg.

Milde winterliche Temperatur – Erfolg nicht weit © Jürgen Häfele

Auffallend ist, dass sich im Winter die Meerforellen nicht so häufig an den Riffs aufhalten, sondern eher dazwischen. Oft sind diese Bereiche etwas tiefer und bieten den Forellen Schutz. Hier sind Sie auch kaum der Strömung ausgesetzt und können mit ihrer Energie haushalten. Denn im Winter bei niedrigen Wassertemperaturen überlegen sie sich gut, wofür sie ihre Kräfte einsetzen. Persönlich mag ich noch immer die Schwimmschnur am liebsten und benutzte fast ausschließlich diese. Einzig die Vorfächer werden länger als sonst und dürfen bis zu 4-5 m messen, was in erster Linie dem meist klaren Wasser geschuldet ist. Spinnfischer benutzen meist Küstenwobbler oder Spirolino und Fliege für eine langsame Köderführung und genau so wichtig ist es für uns Fliegenfischer die Fliege so langsam wie möglich zu führen. Die Fische sind träge, die Nahrung bewegt sich nicht so rasch wie sonst und lange Verfolgungen stehen nicht am Plan der Meerforellen.

Aussichtsreich – tiefe Buchten © Jürgen Häfele

Viel langsamer als mit Schwebe-Garnelen (Mysiden), auf die ich Euch aufmerksam machen möchte, kann man kaum fischen. Die Fliege wird nach dem Auswerfen mal für circa eine Minute so gut wie nicht bewegt. Am gestreckten Vorfach schwebt diese Fliege dicht unter der Oberfläche und nur durch die Strömung wird sie in Bewegung versetzt. Das gut spielende Material der Soft Hackle verleiht der Fliege ihren Reiz. Oft wird beim Biss durch den Fisch die Oberfläche durchbrochen und die Leine straft sich ohne viel Zutun von selbst. Eine sehr spannende Methode im Winter die die Disziplin erfordert, nicht einzustrippen.

Der Meerforellenfischer ist allgemein der aktivere Typ, der immer etwas machen möchte. Darum fällt es ihm anfangs schwer, die Fliege nicht in Bewegung zu setzen. Stellt sich nach ungefähr einer Minute kein Biss ein, kann man die Fliege langsam einstrippen – immer wieder von längeren Stopps unterbrochen. Wer sich mit dieser weniger aktiven Art die Fliege einzuholen nicht anfreunden möchte, kann gerne auf andere Muster zurückgreifen. Pattegrisen, Jule-træ oder die Polar Magnus – letztere in pink und orange reizen im Winter die Meerforellen immer. Doch auch für diese Fliegentypen gilt: Tempo reduzieren, den die Meerforellen sind nicht in überbordender Jagdlaune.

Petri Heil und viel Spaß beim winterlichen Meerforellenfischen wünscht – Jürgen Häfele

Das schwimmt vor unserer Küste im Winter – Tight Lines © Jürgen Häfele

 

Zum Fliegenfischen kam Jürgen Häfele vor 25 Jahren in Irland am River Drowes. In Rostock lebend war die Leidenschaft für die Küste schnell entfacht und die meiste Zeit beim Fliegenfischen auf Meerforellen in Rügen verbracht. Für den Rostocker Raum betreibt er auch das feine regionale Forum “Der Ostseefischer”. Beruflich bedingt wurden die letzten 15 Jahre fischereilich fast ausschließlich an der schwedischen Südküste verbracht. Durch den Wohnortwechsel nach Niedersachsen, rücken Forelle & Äsche mehr und mehr in den Fokus seiner Ausritte mit Rute und Rolle.

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Comments

  1. Andreas Trost says:

    Hab nicht gedacht das ich es mal in die Forelle &Äsche schaffe, da hätte es mir fast die Füße weggehauen als das Bild entstanden ist in der Brandung. Toller Bericht Tankred…

    • Hallo Andreas,
      tolles Foto, dass Jürgen hier geschossen hat. Er hat es mir für diesen Beitrag gegeben. Sieht auch so aus, als würdest Du ein Vollbad nehmen. Aber Ostseefischer sind aus härterem Holz geschnitzt, wie’s so scheint?
      Viele Grüße und Tight Lines in den kommenden Wochen
      Tankred

  2. Dr. Wolfgang Stoltenberg says:

    Siehste,
    Lesen hilft! Da habe ich doch wieder was gelernt. Anfang März geht’s auf das Silber, Rügen. Mal sehen wo die Fische stehen. Jetzt les ich noch mal schnell den Frühjahrs Artikel.
    Glück Auf!
    Aus Tief im Westen
    Wolfgang

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