Fliegenfischen River Test – König unter Königen

 

River Test ©flickr Anguskirk

River Test ©flickr Anguskirk

Der Süden Englands, geologisch geprägt durch weit verlaufenden Kreideformationen, beheimatet zahlreiche der bedeutungsvollsten Flüsse für die Entwicklung des Fliegenfischens. So befinden sich neben, Ebble, Nadder, Wylye, Meon, Piddle und Avon, mit dem Itchen und Test, gleich zwei der erstaunlichsten Kreideflüsse in der Grafschaft Hampshire.

Dass ausgerechnet an deren Ufern wegweisende Entwicklungen des Fliegenfischens – Trockenfliegenfischen, Nymphenfischen – entwickelt wurden, bedingt zu einem hohen Ausmaß der außergewöhnliche Charakter von Kreideflüssen.

Kalk ist porös und Niederschlag sickert direkt zu Grund. Dort sammelt sich das Wasser in weiten Hohlräumen (Grundwasserleiter, Aquifer), um an anderer Stelle seinen Weg an die Oberfläche zu suchen. Das Kalkgestein fungiert als zeitlich begrenzter unterirdischer Stausee, und regelt somit die Temperatur des angestauten Wassers. An seinen Quellen weist ein Kreidefluss somit konstante Wasserversorgung mit geringfügiger Temperaturveränderung auf.

Aus Mangel an Sedimentation führen Kreideflüsse zumeist glasklares und mineralhaltiges Wasser. Dieses Zusammenspiel an äußerst günstigen Vorraussetzungen, ermöglicht artenreiches und schier unbegrenztes Auftreten von Wasserpflanzen, Insekten und somit Fischen.

 

Stellung beziehen und gemächlich aufsaugen © flickr: HerryLawford

Stellung beziehen und gemächlich aufsaugen © flickr: HerryLawford

Somit ist es kein Zufall, das ausgerechnet hier Frederic Halford, Francis Francis, Henry Hall, George Marryat, William Lunn, H.T. Wickham und G.E.M. Skues, wegweisende Techniken und, bis heute fängige Kunstfliegenmuster, zum Fang von Forelle testeten und verfeinerten.

Bereits um 1870 war der Test um Stockbridge, auf einer Länge von mehreren Kilometern, ein gut gepflegter Fluss im Besitz des Houghton Fly Fishing Club und später der Stockbridge Fishing Association. Der in hohem Ausmaß existierende Forellenbestand wurde bereits damals durch geregelten Besatz aus eigener Aufzucht aufgebessert, um viktorianischen Gentlemen und allen anderen, die sich den Ausbau des englischen Schienennetzes zu Gute machen konnten, erfolgreiche Tage am Wasser zu versichern.

 

Deckung nützen © flickr: BingoBangoGringo

Deckung nützen © flickr: BingoBangoGringo

Dieses Erbe, macht den Test zu einem heiß begehrten Ziel für Fliegenfischer aus aller Welt. Dieser Umstand schlägt sich natürlich gehörig zu Buche und Tageskarten an den öffentlich zugänglichen Strecken des River Test sind nicht billig. Für den betuchten Fliegenfischer sind in der Forellensaison zwischen Ende April – Mitte Oktober Tageskarten zwischen 300-600£ zu erstehen.

Dennoch ist es möglich dem Fliegenfischen am Test auch mit dünnerer Brieftasche nachzugehen, wenn man wie ich selbst, die Zeit ab Ende der Forellensaison für einen Ausflug auswählt.

Der Test, gerne auch der ‚king of rivers‘ genannt, verspricht selbst in den Herbst und Wintermonaten ausgezeichnetes Fliegenfischen, und Schlüpfe bis spät in den November sind keine Seltenheit und gewähren somit selbst Fänge auf die Trockene.

Zu einem guten autochtonen Bestand an Bachforellen und Äschen gesellen sich eingesetzte triploide (unfruchtbare) Bachforellen in stattlicher Größe und der Fang von Forellen im 3 Pfund Bereich ist keine Seltenheit.

 

Gin clear Wasser selbst im regnerischen Herbst © flickr: gareth1953

Gin clear Wasser selbst im regnerischen Herbst © flickr: gareth1953

Der Wasserverlauf am River Test ist besonders faszinierend. Der Ober-und Mittellauf des Flusses durchzieht ein üppiges Tal, das bereits sehr früh landwirtschaftlich erschlossen wurde. Nebst der Schafzucht, diente das Test Valley der Zucht von Brunnenkressen. Das komplette Tal wird somit durchzogen von von Menschenhand erschaffenen Kanälen, Bewässerungsrinnen, Mühlbächen aber auch natürlichen Zuflüssen von Bächen.

Somit verlaufen an manchen Stellen  zwei oder mehrere befischbare Gewässer parallel und es ist leicht den Überblick zu verlieren ob man nun den eigentlichen River Test oder einen der vielen verzweigten Nebenflüsse des ganzen Flusssystems befischt.

Wer sich für die Herbst-Winterfischerei am River Test begeistern kann und schon immer mal am Test sein Glück versuchen möchte, kann mich gerne kontaktieren. Dem Fliegenfischer stehen mehrere Flußkilometer des River Test und aller seiner angeschlossen Zuflüsse offen, um seine beschwerte Czech Nymphen in die Tiefe von Gumpen und Rinnen zu befördern, in der Hoffnung eine der prächtigen Test Äschen zu überlisten.

 

Belohnung für Beharrlichkeit © Dan Price

Belohnung für Beharrlichkeit © Dan Price

Mehr vom zweifelhaften Einfluss der Protagonisten am River Test auf das Nymphenfischen erfahren? Die komplette Geschichte dazu gibt es in unserem Buch – ‚Nymphenfischen: Geheimnisse entlarvt‘.
Ab sofort erhältlich auf www.nymphenfischen.com 

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