James R. Babb – Crosscurrents: A Fly Fisher’s Progress

James_Babbs_Crosscurrents

James Babbs ‘Crosscurrents’ liest sich ebenso spannend und aufregend, wie seine Biographie die in Fragmenten im Laufe dieser Anthalogie vorgestellt wird. Die Erzählungen dieser Veröffentlichung stammen aus Babbs redaktioneller Arbeit für die amerikanische Outdoors Zeitschrift Gray’s Sporting Journal.

Mit unglaublichem Witz und Scharfsinn führt Babb uns zurück in seine fliegenfischende Jugend in Ost Tennessee, dessen Südstaatenrigide Babb schon früh zu eng wird und der er sich als Kind entzieht indem er in die Naturwelten des 19 Jhdt. Autors Henry David Thoreaus abtaucht. Berührt von dessen Erzählungen und Beschreibungen des Bundesstaats Maine, findet James Babb Jahre später tatsächlich seinen Weg in den nördlichsten Zipfel der US-Ostküste. Dort orchestriert Babbs nach Jahren als kommerzieller Hochseefischer, LKW-Fahrer, Redakteur für Handelszeitschriften der Fischereibranche seinen Rückzug in die wald- und fischreichen Weiten Maines. Hier richtet er sich ein genügsames Leben mit seiner Frau – im mit eigenen Händen gebauten Haus, mit Blick auf den selbst ausgehobenen Teich, mit dem selbst gepflanzten Gemüse – und eine autarke Existienz im Einklang mit den eigenen Wertvorstellungen.

Es spricht für Babbs schriftstellerisches Vermögen, als erster Fliegenfischer eine eigene Kolumne bei Gray’s Sporting Journal inne zu haben und zwei Jahre später als Chefredakteur für die Geschicke der gesamten Publikation verantwortlich zu sein. Die Erzählungen entstanden vor dem Hintergrund der Fliegenfischerei, werfen dabei aber einen gründlichen Blick auf das Verhalten und die Einstellungen seiner Protagonisten. Somit werden seine Beobachtungen weit mehr als Reise-Abenteuer- oder Erlebnisgeschichten. Babb gelingt es mühelos Sachthemen Leben einzuhauchen und seine Beschreibungen der Landschaft von Maine, dem Aussehen und Bewegungsabläufen einer charakteristischen Tierwelt sowie die präzise Darstellung der Natur die ihn umgibt, erheben James Babb zu einem bedeutenden naturalistischem Schreiber unserer Zeit.

Kein Gegenstand (Wathosen, Watstöcke, Gespließte), Ort (Mexico, Alaska, Schottland) oder Thema (Bißanzeiger, Bieber, Selbstversorgung) ist gefeit vor den tiefen Einblicken und Erkenntnissen Babbs. Seine Texte zeugen von gesteigertem Wahrnehmungsvermögen, zeichnen sich zugleich von Anteilnahme an seiner Umgebung aus und werden somit auch für Nicht-Fischer zur genussvollen Lektüre.

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