Fliegenfischen an der Bröl – vor dem Aus?

© Tobias vor der Brüggen

© Tobias vor der Brüggen

Fischereipachtverträge – die Schwierigkeiten der Verhandlung.

Bezeichend, dass ich pünktlich zum Forellensaison Ende, mit der Aussicht eines weiteren Endes konfrontiert werde. Erst zu Beginn dieser Saison trat ich dem FSV Bröltal bei. Wenige Monate später steht der Verein vor seiner schwierigsten Herausforderung in der 37-jährigen Vereinsgeschichte. Wie es sein kann, dass ein engagierter, in seiner Satzung der Förderung des Fliegenfischens verschriebener Verein vor dem Aus steht, liess ich mir von Rüdiger Fischer, Erster Vorsitzender des FSV Bröltal 1977 e.V. schildern.

Der FSV Bröltal ist ein dem Fliegenfischen und Fischschutz verschriebener Verein, der zur Zeit der Vereinsgründung ein 14 Kilometer langes Stück der Bröl gepachtet hatte. Später sollten weitere 36km hinzukommen und dem Verein somit eine der längsten, zusammen hängenden Pachtstrecken in NRW bescheren. Ende der 80er Jahre baute man mit Unterstützung der Lachs- und Meerforellensozietät ein Bruthaus zur Aufzucht von Smolts. Diese Initiative bildete die Initialzündung für das  Lachsförderprogramm. Im Herbst wurde regelmäßig elektrogefischt, Lachse und Meerforellen abgestriffen und die Eier im Bruthaus ausgebrütet. Seit Anfang 2000 macht das die Landesfischereianstalt Albaum, wo noch immer der erste Lachsrückkehrer gefangen im Sieg-Rhein Flusssystem, präpariert als Dauerleihgabe zu sehen ist. Um dem Bruthaus weiter Sinn zu gegen, stieg man danach in die Bachforellenzucht ein.

Die Bröl ist wahrscheinlich einer der am besten untersuchten Flüsse Deutschlands. Eine Dauermessstation zur Erfassung des Wasserchemismus wurde eingerichtet. Messsonden wurden im Substrat der Bröl verankert und unzählige Doktor- und  Forschungsarbeiten über die Zusammensetzung des Flusses und seiner Lebewesen wurde geschrieben. Im Zuge der Forschung bestätigte sich die Vermutung, dass das Kieslückensystem durch Erosion und Verschlammung, sowie anthropogene Einträge aus Ansiedlung, Landwirtschaft – Viehtritt, Düngung, Abwässer – insbesondere in die Zuflüsse und somit Kapillaren des Bröl-Systems schwer beschädigt ist. Seriöse Studien belegten also, dass in der Bröl seit Anfang des 21.Jhdt Kieslaicher wie Salmoniden und Äschen besonders schwere Bedingungen vorfinden. Die abgelegten Eier ersticken im verschlammten Kieslückensystem und sorgten für nur sehr mangelhafte Reproduktion.

Im 14km langen oberen Bereich der Bröl findet eine natürliche Produktion befriedigten Ausmasses statt. Und so wurde vom Verein beschlossen, dem autochthonen Bestand nicht genetisch nicht ins Handwerk zu pfuschen und durch den Besatz von Brütlingen oder fangfähigen Fischen zu stören. Auch da die Erfahrung zeigte, dass nur 30% der besetzten Fische – durch Fettflossenschnitt markiert – von Anglern gefangen wurden. Abwanderung, Hochwässer, verlorenen Revierkämpfe gegen kleine Stammforellen, Probleme bei der Nahrungsaufnahme tragen alle dazu bei, dass in Teichen gemästete Forellen sich in ursprünglichen Gewässern nicht besonders leicht tun.

Der zwölfjährige Pachtvertrag für die Bröl wurde mit der Sieg Fischerei-Genossenschaft abgeschlossen. Einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und vom Gesetzgeber installiert. Die Legitimation ergibt sich aus dem Landesfischereigesetz. Die Genossenschaft vertritt die Fischereirechtinhaber, denen es nicht erlaubt ist das Fischereirecht privat zu vermarkten. Die Pachtabwicklung obliegt somit der Genossenschaft, bestehend aus einem Vorstand, welcher nach der internen Satzung die Geschäfte abwickelt. Erwirtschaftete Erträge werden anteilig an die Genossen ausgeschüttet.

Der Vorstand der Sieg Fischerei-Genossenschaft setzt sich zusammen aus Vertretern des Staatsforsts, Grundstückseigentümer, Vertreter der Städte und Kommunen und Vertreter der Fischereivereine. Aus der Zusammenstellung zeichnet sich eine Bündelung an Kompetenzen ab, deren Hauptfachgebiet nicht unbedingt die Fischerei zu sein scheint.

Vor der Aufnahme der Pachtverlängerung wurden der Sieg Fischerei-Genossenschaft die Fangbücher der letzten fünfzehn Jahre überreicht. Ebenso ein auf Eigenkosten des FSV Bröltal in Auftrag gegebenes, fischereibiologisches Ertraggutachten. Das vernichtende Ergebnis des Gutachten bestätigte die detailliiert geführten Fangbücher. Anstatt des vom Gesetzgeber geforderten Ertrags von 15kg pro Angler, kann der Brölangler mit einem nachhaltigen Ertrag von 2kg Fisch rechnen. Nachhaltig soll heißen Fang an nichtbesetzten Stammforellen und Äschen. Die Besatzforellen werden nicht zur Ertragsmenge hinzugezählt. Der Sieg Fischerei-Genossenschaft wurden diese Zahlen umfänglich vor den Verhandlungen zu den neuen Pachtverträgen überreicht. Die Gründe die für den Rückgang des autochthonen Fischbestands verantwortlich waren, wurden ebenfalls ausführlich präsentiert. Die Reaktion der Sieg Fischerei-Genossenschaft dazu überraschte nicht wenig: Setzt doch etwas mehr Forellen ein, dann fangt ihr auch mehr.

Interessanterweise gibt es eine nach dem Landesfischereigesetz gültige Hegepflicht, die zuerst dem Eigentümer des Fischereirechts übertragen wird. Zudem ist eine Fischerei-Genossenschaft dazu verpflichten den Wert eines Gewässers zu erhalten. Hegepläne werden zwischen Fischereirechtseigentümern und den Behörden abgestimmt. Hierin wird festgelegt wie viele Fische wovon und in welcher Größe besetzt werden dürfen. Diese Pläne sind bindend. Für die Bröl existiert jedoch kein Hegeplan. Anstatt dessen hilft man sich mit einem Gebilde, einem Besatz- und Hegeausschuß. Die Mitglieder dieses Ausschuss werden von der Bezirksversammlung der Fischereivereine gewählt .

Die Sieg Fischerei-Genossenschaft hat einen geborenen Platz in diesem Ausschuss. Alle anderen müssen nach Delegiertenstimmrecht je nach Größe des Vereins gewählt werden. Wie in ähnlichen Gremien haben größere Vereine natürlich mehr Stimmrecht. Der FSV Bröltal als Pächter eines Salmoniden Gewässer bezahlt mehr als andere Vereine für das Pachrecht, hat aber als kleiner Verein keinen Sitz in diesem Ausschuß. Der Verein darf somit nicht einmal zuhören und wird komplett fremdgetaktet von Leuten, die die Bröl nicht kennen und dem Verein zu erklären versuchen, wie die Bröl bewirtschaftet gehört.

Der reine Pachtzins der letzten 12 Jahre belief sich bislang auf €20.000 für 36km, zusätzlich Nebenkosten für den Pflichtbesatz – den der Besatz- und Hegeausschuß für die Bröl festgelegt hat. Diese Kosten belaufen sich noch einmal auf €4.000. Für die kommende Pachtverlängerung wird der Preis nun auf rund €21.000 Euro angehoben werden. Ein Preis den der FSV Bröltal nicht mehr begleichen möchte.

Der Genossenschaft als Pächterin sind die Probleme der Bröl bekannt. Auch aus dem fischereibiologischen Gutachten – den nur sie hat das Recht Forschungsarbeiten zu genehmigen. Dem Kreisfischereibeamten – einem Organ mit besonderer Fachkompetenz der die Fischereibehörde in Fachfragen berät – sind die Probleme der Bröl ebenfalls bewusst. Dennoch ist seitens der Genossenschaft der Glaube vorhanden, dass der Wert der Bröl exakt dem vorgeschlagenen Pachtzins entspricht.

Was der FSV Bröltal erlebt ist sicherlich kein Einzelschicksal. Je spezieller die Vereine was die anglerfischereiliche Ausrichtung und die Gewässer angeht, desto größer ist die Gefahr Schiffbruch zu erleiden. Es scheint der FSV Bröltal ist einer der ersten Vereine die an diesen Punkt angelangen. Gewässer liefern nicht mehr denselben Ertrag wie von vor Jahren, Angler reagieren darauf und stellen sich die Frage: „So viel Geld für so wenig anglerische Erlebnisse. Ich trete aus, zieh mich zurück, will hier nicht mehr angeln.“ Was natürlich auch die Wirtschaftskraft eines Vereins ausblutet.

Nachdem der FSV Bröltal die schwierige Entscheidung getroffen hat, die geforderte Pachtzins nicht erfüllen zu wollen, sind die Fronten verhärtet. Die Sieg Fischerei-Genossenschaft sucht jetzt nach einem oder mehreren potenten Vereinsnachfolgern oder Investoren, die die aktuelle Forderung bedienen würden. Die Sorge über eine Parzellierung, des 36km langen Flußabschnitt sind berechtigt. Was das für ein sensibles Ökosystem wie die Bröl bedeutet kann man sich ausmalen. Inhomogene Bewirtschaftung bis hin zur völligen Vernichtung des Bestandes.

Entwicklungen die auch den Rheinischen-Fischereiverband als Initiator des Lachs- und Wanderfischprojekt Programm sehr beschäftigen. Denn der Verband weiß sehr wohl was sie am FSV Bröltal haben und wie sensibel der Verein mit diesem fragilen Habitat umgeht. Dem Rheinischen Fischereiverband werden öffentliche Mittel bereit gestellt, um Smolts in nicht unerheblicher Größe einzusetzen. Oder um Forschungen zu betreiben was die Wanderfischthematik betrifft. Überlegungen ob man mit diesen öffentlichen Mitteln sinnvoll wirtschaftet, wird natürlich nachgegangen werden müssen.

Der FSV Bröltal ist als Verein der Förderung des Fliegenfischens verschrieben, ist darauf angewiesen über ein adäquates Gewässer bewirtschaften zu können. Schwierig genug in der Region. Wird die Bröl in diesem Umfang nicht mehr gepachtet wird der Verein es schwer haben in jetziger Form weiterleben zu können. Die verbleibende, 15km lange Nümbrechter Bröl ist von Fläche und Struktur eher als bachähnlich anzusehen und ungeeignet eine Vielzahl an Anglern bedienen zu können. Der Verein wird ohne die unteren Lose der Bröl kleiner werden müssen. Das  Engagement im Bruthaus müsste eingestellt werden, weil es im Oberlauf der Bröl keinen Sinn macht den einigermaßen intakten autochthonen Bestand an Bachforellen mit eingekauften Fischen zu vermischen.

Es bleibt zu hoffen dass der FSV Bröltal einen neuen Lebensraum findet. Entweder die Bröl zu annehmbaren, akzeptablen wirtschaftlichen Bedingungen, oder Platz an einem anderen Gewässer. Der Bröl selbst kann man nur wünschen, künftig in gute Hände zu geraten. Als Lebensraum mit einer Vielzahl an Lebewesen hat es sich die Bröl nicht verdient, aus monetärem Interesse über den Haufen gefahren zu werden.

Broel

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Comments

  1. In Norddeutschland sieht es nicht anders aus. Handeln nach Grundlagen des Wasserrechts, d.h. Richtung guter ökologischer Zustand / gutes ökologisches Potential ist weitestgehend unbekannt. Gute Beispiele werden als Feigenblatt missbraucht.
    Alte Praxis der die Gewässer fortwährend an positiver Entwicklung behindernden, ja weiterhin durch Baggereinsatz verschlechternden Unterhaltungsverbände setzt sich fort.
    Einige wenige Beispiele dagegen einschreitender Landkreise können nicht als wesentliche Besserung angesehen werden in einer Zeit, da die zeitliche Zielsetzung geltenden Rechts „nächstes Jahr = 2015“ heisst.
    In Sachen Fisch (und seiner mindestens naturnahen Umwelt) sind wir in Deutschland schwach aufgestellt.
    Schade eigentlich!

  2. Guten Tag,
    möchte erstmal Dir zu Deiner „Top Blog Seite“ gratulieren !
    Schaue immermal wieder herrein und bin sehr neugierig was es so gibt in der Fliegenfischerwelt.
    Nun zur Bröl; ich bin vor Jahren in zwei Angelvereine im Rhein Sieg Kreis eingetreten und mußte mit grossem Bedauern feststellen, daß ich das Geld besser für ein anderes Hobby verwendet hätte !
    Eine Welt, die voll von so verlogenen und heuchlerischen Ämtern-Behörden-Politikern „( EU-Richtlinien )“ und Weltfremden Naturschutzmenschen „(B.U.N.D.)“ ist, macht allen das Hobby kaputt!
    Nicht nur der Bröler Verein hat Probleme, alle anderen im Umkreis haben auch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.
    „Die wissen das Sie uns für Dumm verkaufen können“! Unser sauer verdientes Geld über einen langen Leidensweg/Zeitraum aus der Tasche ziehen dürfen, „weil ja Jedem sein Hobby etwas Wert sein sollte“!?

    M.f.G.
    M.G.K.

    • Ebenfalls guten Tag,
      danke für Dein Kompliment für Forelle & Äsche. Leider kam es mir auch zu Ohren, dass die Erfahrungen des FSV Bröltal kein Einzelschicksal sind. Deine Frustration kann ich sher gut nachvollziehen. So wie Dir ergeht es vielen. Es ist wie Du sagst bedauerlich, mit unserem Geld Grundstücks- und Flussbesitzer zu finanzieren, die für das Innenleben eines Teils ihres Besitzes wenig Verständnis und Interesse haben.
      Wird erst das Tal der Tränen erreicht werden – kein Fischbestand, keine Angelvereine und keine Sportausübende mehr – wird vielleicht auch dort ein Umdenken stattfinden. Es ist verwunderlich wie uneinheitlich eine große Gruppe an Menschen wie die der Angler organisiert ist. Bleibt zu hoffen, dass sich irgendwo in diesem Bundesgebiet eine Lobby formt, die ihre Unterschiedlichkeiten vergisst und sich der Gemeinsamkeiten bewusst wird. Schwindender Fischbestand, der in erster Linie durch rücksichtslose Landwirtschaft und fehlgeleitetee Naturschutzempfinden verloren geht.
      Aber nur nicht den Kopf hängen lassen, manchmal müssen sich Dinge zum Äussersten verschlechtern, bevor sie sich wieder verbessern können.
      Viele Grüße, Tankred

  3. Willommen in „DEUTSCHLAND“;
    hier werden auch noch tote-ausgenommene Tiere vermarktet („gemolken“) als würden sie gerade frischaufgezogen über den Gartenzaun springen !!!
    Lieber Tankred ich bin in zwei Vereinen im Rhein Sieg Kreis Mitglied; hätte ich vorher gewusst mit welcher Mischpoke an Behörden-„Naturschutzheuchlern“ und Verwaltungsaffen-Vertretern, ich als letztendes „zahlendes“ Glied zu tun hätte, wäre mein Geld in ein anderes Hobby geflossen !!!!!!
    Das was an der Bröl gerade passiert ist tagtägliches Brot in Deutschland. Es werden „Behördlich“ Naturschutzgebiete (“ von der Politik so vorgegeben, „EU“ lässt grüßen „) ausgewiesen, die zb.an Bahntrassen anliegen und wo Nachts ca. 20-30 Güterzüge und sonstiger Tagesverkehr durchknallt !
    Die schwarze Pest auf zwei Flügeln wird heilig gesprochen. Weil es der einzige Vogel ist der Nachweislich (“ BUND “ Heuchlerverein !“) eine Wachstumspopulation ist. „Bis alles leergefressen und keine Sportsfreunde mehr da sind die ihn durch Besatz am Leben erhalten.
    Wer hat denn noch Lust denen weiter Geld in den Arsch zu schieben, damit man dafür
    weiter verarscht wird.
    Die werden die Bröl noch zu vermarkten wissen glaub es mir !

    M.f.G.

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