Fliegenfischen Orkney Inseln – nachtlose Sommer, windige Seen, butterbauchige Forellen – Teil 1

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© Amy Frost

Im Jahr 2008 wollte mir meine Frau zu einem runden Geburtstag eine besondere Freude machen. Schottland sollte es werden, soviel wusste sie. So günstig wie möglich sollte es werden und im loch-style fischen ungeübeten Fliegenfischern realistische Chancen bieten, eine packende Fischerei mit guten Aussichten auf tolle Fangerfolge zu erleben. Noch nicht sehr lange hielt ich zu diesem Zeitpunkt eine Fliegenrute in der Hand und Amy verliess sich vernünftigerweise auf den Rat eines erfahrenen Wurf- und Taktiklehrers. ‚Fahrt doch auf die Orkney Insel‘ riet er ihr – ‚dein Mann wird es lieben. Für einen freiwilligen Beitrag an die Orkney Trout Association in geringer Höhe, darf er alle Seen der Inselgruppe befischen. Die kleinen Inseln sind übersät mit Lochs mit Ansprüchen an unterschiedliches Können und Du wirst dich am historischen Erbe der Inseln, den landschaftlichen Reizen der prägnanten Flora und Fauna und der kulinarischen Köstlichkeiten erfreuen.‘

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© Amy Frost

Mehr Überzeugungsarbeit brauchte es nicht – die Aussicht auf einige kleine Städte zum flanieren und shoppen, ausgedehnte Strandspaziergänge mit der realistischen Chance Robben zu sehen, geschichtliche Sehenswürdigkeiten aus der Steinzeit bis zu den Wikingern und Lebensmittel frisch aus dem Meer oder von den üppigen – vom Golfstrom begünstigten – Weiden. Der Besuch der Orkney Inseln erzeugte selbst für meine nichtfischende Frau stürmische Vorfreude.

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© Amy Frost

Fliegenfischen in den Lochs von Orkney ist aufregend und zählt zu den spektakulärsten Gelegenheiten auf wilde Bachforellen in Schottland zu fischen. Jedes einzelne Loch ist einzigartig bezüglich seiner natürlichen Umgebung und nicht selten steht der Fliegenfischer vor der Qual der Wahl. Die Lochs der Orkney Inseln können für den Fliegenfischer herausfordernd sein. Wer jedoch bereit ist seine Umgebung zu beobachten und die Zeichen zu verstehen weiss, hat gute Chancen für seinen Einsatz denkwürdig belohnt zu werden.

Verteilt auf das ‚Western Mainland‘ befinden sich fünf Haupt-Lochs – Harray, Stenness, Boardhouse, Swannay und Hundland. Die ersten beiden sind die größten Lochs der Insel, wobei letztere noch immer über genügend Fläche verfügen um sich einen ganzen Tag vergnüglich daran aufzuhalten. Bei der Auswahl an Gewässern die die Orkney Inseln bieten, fiel es mir schwer in den zehn Tagen die ich dort verbrachte, allen Lochs einen Besuch abzustatten. Mein Reisebericht widmet sich somit in erster Linie meiner Erfahrung mit Loch Harray, Boardhouse und Swannay. Der Vollständigkeit halber möchte ich aber nicht auf die Beschreibung von Stenness und Hundland, sowie die Lochs der äußeren Inseln des Orkney Archipels verzichten.

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© Amy Frost

Loch of Harray

Mit einer Uferlinie von 14km und einer Gesamtfläche von 10km2, ist Harray unbestritten das Kronjuwel aller Lochs auf den Orkney Inseln. Mit seinen produktiven Buchten, Schären, Untiefen und Landzungen ist Harray das am meisten für das Watfischen geeignete Loch der Orkney Inseln. Insbesondere in der ersten Jahreshälfte. Mehr noch – Harray ist eines der wenigen Lochs, an dem Watfischer in den ersten Monaten der Saison sogar bessere Chancen auf Erfolg haben, als ihre loch-style fischenden Kollegen im Boot. Finden sich die Forellen doch in den flachen, mit Schären durchzogenen Buchten ein, die für den Bootfischer heimtückische Hindernisse darstellen und schon so manchen Außenbordmotor inklusive Boot, in beträchtliche Mitleidenschaft gezogen haben. Wer sich den besonderen Freuden des loch-style Bootfischens hingeben möchte, dem sei geraten zumindest einmal mit einem, mit den Tücken des Lochs vertrauten Ghillie gemeinsam Harray zu befischen.

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© Amy Frost

So umschifft man nicht nur gefährliche, bis dicht unter die Wasseroberfläche reichende Gesteinsbrocken, sondern wird an die für die Jahreszeit, Wetter und andere Umstände zutreffenden, aussichtsreichsten Stellen geführt. Wie auch ich als mich der Geschäftsführer der Orkney Trout Association traf. An einem Tag als die Orkney Insel von stürmischen Winden und peitschendem Regen heimgesucht wurden. Meinen Bitten, trotz des Wetters und aus der Sicht des Ghillies Stuart Topp wenig erfolgversprechenden Voraussetzungen dennoch das Boot von Stapel zu lassen, konnte dieser nicht länger widerstehen. Dick eingehüllt und Schwimmweste übergezogen, betraten wir sein luxuriöses, mit Drehstühlen ausgestattetes loch-style Boot. Ein Komfort den ich in der Form nicht mehr erleben durfte.

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© Stuart Topp

Als ich mich am Vortag alleine auf den Weg machte, um einige der flachen Buchten beim Waten zu befischen, konnte ich mich bereits von der Bißfreudigkeit der Orkney Bachforellen überzeugen. Forellen die blitzschnell vom Grund aufsteigen, um sich für eine Fliege des Trios am Vorfach zu interessieren. Traditionell fischt man in Großbritannien und Irland an Seen und Lochs mit drei Fliegen. Einem buschigen Top-Springer der für reichlich Bewegung und Aufmerksamkeit nahe der Wasseroberfläche sorgt. Eine weitere, üblicherweise schlankere Fliege befindet sich in der Mittelspringer Position und zuletzt ein schlankes, etwas schwereres Muster als Strecker am Ende des Vorfachs. Wird das auffällige Top-Springer Muster – welches oft zuerst das Interesse der Fische weckt – abgelehnt, muss die Forelle nach dem Abdrehen noch an den beiden unteren Fliegen vorbei. Verlockend – haben sich Forellen doch wegen ihres Interesses, bereits für etwas anstrengen müssen.

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© Amy Frost

Zurück an Loch Harray inmitten des Unwetters, schaukelte unser Boot in den Wellen auf und ab. Und dass, obwohl alle Orkney Lochs wenig tief sind. Erinnert man sich zurück an die Zeit, als man das erste Mal auf Lochs aufmerksam wurde, fallen zuerst Loch Ness und sein Monster und vor allem die Tiefen dieser Seen ein. Nicht so auf den Orkney Inseln, deren Lochs durchschnittlich nur 3m tief sind. Ideale Bedingungen somit für blühendes Unterwasserleben in Form von Pflanzen und Insekten und somit reich bedeckter Tisch für die Bachforellen der Orkney Inseln. Die Wahl meiner Fliegen, damals noch nicht selbstgebunden und von einem fantastischen, kleinen nordschottischen Tackle-Shop bestellt – Hugo Ross, Caithness – wurde von meinem Ghillie nach kritischer Prüfung mit Zustimmung aufgenommen. Denn meine Montage setzte sich zusammen aus Sedgehog und Half Hog Mustern – Kreationen des von den Orkney Inseln stammenden und weit über die Grenzen Schottlands hinaus bekannten Fliegenfischer und Fliegenbinder Stan Headley – an beiden Springern und einer klassischen Black Pennel am Strecker.

Unter dem wolkenschwangerem Himmel und den aufgepeitschten Wellen, zog der hellgrüne Hotspot meines Halfhogs die Forellen wie magnetisch an. Auch wenn meine Muster im stürmischen, mit Schaumköpfen durchzogenen Wellengang bereits auf zehn Metern nicht mehr auszumachen waren, fand eine Forelle nach der anderen ihren Weg an meinen Haken. Nur kurz nach der Landung schoss die Schnur nach vorne, verspürte ich einen Schlag in der Schnur. Meinem Bootpartner erging es ähnlich, sogar noch besser. Mein Dutzend gefangener Fische, verdoppelte er locker in den wenigen Stunden. Dann legte sich das Wetter und mit ihm die Beisslaune. Also nichts wie ans Ufer, gesammeltes und trockenes Reisig unter den Kelly Kettle und sich vergegenwärtigen was soeben geschah. Den Witterungsunkenrufen und dem Gefühl meines Partners zum Trotz, entpuppte sich unser Ausflug zu einem Fest rasanter Aktivität. Selbst nach fünfunddreißig Jahren am Wasser, erlebt man Überraschungen – behauptete mein Ghillie Stuart Topp.

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© Stuart Topp

Loch of Swannay

Swannay ist einer der geheimnisvollsten Lochs des gesamten Archipels – torffarbig, reich an Gammarus, spektakulär wenn in Topform. Im nördlichen Teil der Insel gelegen, behaust Swannay mit die besten zugleich aber die mürrischsten Forellen auf den Orkneys. Das Durchschnittsgewicht liegt über den Fischen der anderen Lochs und ihre Färbung unterscheidet sich von den Artverwandten auf den Orkneys. Sowohl äußerlich als auch innerlich – pink bis orange, geschuldet dem massenhaften Auftreten der Seeflohkrebse.

Die erste Jahreshälfte bietet die beste Chance mit Swannay Forellen in Kontakt zu treten. Auch dort ist der Bootsangler leicht im Vorteil, da das Seebett durchzogen ist mit extrem glitschigen Steinen die einerseits Waten und sogar aufrecht stehen immens schwierig machen. Als Watangler sollte man nicht auf einen Stock verzichten, der den nötigen Halt verleiht  bzw. Löcher zwischen den Geröllbrocken entdecken lässt. Ab dem Sommer laben sich die Forellen an Daddy Long-Legs, Haarmücken und Dungfliegen, wenn diese vom Hang auf die Wasseroberfläche geweht werden. Ein Narr wer nicht zur Trockenfliege greift – wunderbare Erfolge sind zu erwarten.

Nachtlose Sommer – Aufnahme kurz vor 24 Uhr © Amy Frost

Nachtlose Sommer – Aufnahme kurz vor 24 Uhr © Amy Frost

Trotz seiner Launenhaftigkeit war ich von der Herausforderung Swannay zu befischen begeistert. Was vielleicht mit seiner relativen Abgeschiedenheit, ganz in der in der Nähe unseres Ferienhauses zu tun haben mochte. Während des nachtlosen Sommers – Sonneaufgang 3:00, Sonnenuntergang 21:29 –  begab ich mich zum wenige Minuten entfernten Loch, liess mich einhüllen in den Flug Millionen von Caenis und sah Swannay vor mir liegen, übersät mit Dutzenden gleichzeitig auftretenden Ringen. Ein Spektakel, dass sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt hat, wie auch die Bedeutung der Bezeichnung für eine der kleinsten Vertreter der Maifliegen – Caenis: des Anglers Fluch. Der moderate Erfolg schmeckte umso süßer.

© Stuart Topp

© Stuart Topp

Die Orkneys sind ein besonderes Reiseziel, dass mitreisenden Familienmitgliedern ebenso interessante, wie abwechslungsreiche Unterhaltung bietet. Monolithische Steinkreise, Jazzfestival im Sommer, Besichtigungsausflüge zu Robben und Vogelkolonien und für besonders mutige, das Tauchen zwischen den Wracks der selbstversenkten kaiserlichen Kriegsflotte aus dem Jahr 1919. Durch ihre besondere Lage am Rande des Golfstrom, weisen die Orkneys sehr moderate Temperaturen während des ganzen Jahres auf und die Inseln bestechen durch üppige Vegetation für ein Landgebiet im hohen Norden. Tourismus ist neben Fischerei, Landwirtschaft und Ölproduktion einer der Hauptwirtschaftszweige der Inseln. Somit ist es einfach Unterkünfte aller Qualitätsstandards, als auch Autos zu mieten. Wundert euch nur nicht wenn ihr gefragt werdet, den Mietwagen unversperrt am Parkplatz des winzigen Flughafens abzustellen. So ist ein Urlaub auf den Orkney Inseln nun mal – herzlich, beeindruckend und unvergesslich.

Für interessierte Leserinnen und Leser an einer Reise auf die Orkney Inseln, bin ich bei Fragen jederzeit da. Gerne übernehme ich auch die Organisation der Reise – Info zu Anreise, Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten, Buchung des Ferienhauses, Ghillie und Fischereilizenzen . Füllt bitte untenstehendes Formular aus und schlüsselt in einigen Worten auf: wie viele Personen, Zeitpunkt des Urlaubs und ich erstelle ein attraktives Angebot. Freue mich von Euch zu hören, tight lines.

 

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