Raderfly – Verdrallte Vorfächer – Made in Germany

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© Veit Dresmann

Vor zwei Jahren hatte ich erstmals auf ‚Verdrallte Vorfächer‘ oder ‚Verzwirnte Vorfächer‘ meines FSV Bröltal Vereinskollegen Markus Radermacher aufmerksam gemacht. Seit 32 Jahren fischt er bereits mit der Fliege. Anfangs an der Sieg, als diese noch ein Top Gewässer in NRW war, im letzten Jahrzehnt ausschliesslich an der Bröl. An dieser sah er sich vor der Herausforderung zum einen wenig Platz für Würfe vorzufinden, zum anderen an dicht bewachsenen Ufern zu fischen. Nicht wenige Vorfachmeter fanden sich im Gebüsch wieder und vor jedem Ritt ans Wasser, musste der Vorrat an Monofil genauest überprüft werden.

Der Wunsch nach Vorfächern wurde lauter, die widerstandsfähiger zugleich aber geschmeidiger sind als herkömmliche, im Handel erhältliche konisch verjüngte. Vorfächer die bessere Abrolleigenschaften aufweisen, die nicht von Memory geplagt werden, die die Kraft eines Rollwurfs perfekt in die Vorfachspitze übertragen. Durch einen Beitrag in der damaligen Zeitschrift ‚Der Fliegenfischer‚, einer publizistischen Institution von 1975- 2007, wurde Markus Radermacher auf die Herstellung von verdrallten Vorfächern aufmerksam. Einer Jahrhunderte alten Tradition, die von modernen Material ebenso überrollt wurde, wie andere Gerätschaften des Fliegenfischens.

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© Veit Dresmann

Und schon bald beschloss Markus Radermacher, angespornt durch seine fischende Familie, dem exzessiven Schnurverlust ein Ende zu setzen. Basierend auf dem von Charles Ritz entwickeltem 60-20-20 Prinzips zur maximalen Kraftumsetzung bei der Herstellung selbst gezogener Vorfächer, begann Markus seine Frau und zwei Söhne – allesamt begeisterte Fliegenfischer – mit den ersten verdrallten Vorfächern auszustatten. Besonders beim Trockenfliegenfischen spielen diese Vorfächer ihre ganze Stärke aus. Abgesehen von den bereits erwähnten Eigenschaften bei Wurf als auch deren Reissstärke, verfügen verdrallte Vorfach über ausgezeichnete Schwimmeigenschaft. Hergestellt aus mehreren Monofil Strängen, nehmen verdrallte Vorfächer aufgrund der dadurch größeren Oberfläche nämlich Fette sehr gut auf.

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© Veit Dresmann

Was anfangs für die Familie gedacht war, wurde auf Betreiben von Markus‘ Frau Edeltraut Radermacher bald zur professionellen Tätigkeit. Jahrelang wurde das Verfahren verfeinert, damit die Vorfächer die Konstanz aufweisen mit denen diese heute überzeugen. Anleitungen aus dem Web waren die erste wichtige Stütze. Klar könnte jeder hergehen und mit Hilfe eines Akkuschraubers selbst die Vorfächer ziehen. Um aber die Einheitlichkeit der Vorfächer zu garantieren, wurde von Markus Radermacher jahrelang mit Brettlänge, Motorengeschwindigkeit und Schraubenposition experimentiert. Dabei sind auch schon mal 5.000m Monofilament eingesetzt worden, bis das perfekte Vorfach gefunden wurde.

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© Veit Dresmann

Die Lebensdauer der Vorfächer ist sehr lange, auch wenn sie nicht ganz unzerstörbar sind. Besonders an der Verbindung zum Tippet, am Pitzenbauerring entstehen sehr leicht Brüche. Um dem entgegen zu wirken, hat Markus eine Methode entwickelt, wobei der Ring vor dem Verdrallen in das Vorfach integriert wird. Dadurch finden sich an den Raderfly Vorfächern keine kleinen Schlaufen, an denen der Ring befestigt ist. Mittlerweile verdrallt er auch viel mit Dyneema, welches noch weniger Dehnung aufweist als ein reines Monofil. Ab kommenden Jahr werden zudem Vorfächer mit Sichthilfe in das Sortiment von Raderfly aufgenommen. An diesen befindet sich an der Vorfachspitze ein ca. 20cm farbiges Endstück, zur besseren Beobachtung des Vorfachs beim Nymphenfischen.

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oben: integrierter Raderfly Ring; unten: handelsübliche Ringverknotung

Wer sich also unzufrieden zeigt mit den handelsüblichen gezogenen Vorfächern, sollte den von Edeltraut Radermacher betriebenen Online-Shop ‚Raderfly‚ besuchen. Dort finden sich zahlreiche Modelle für unterschiedlichste Situationen. In der Länge von 1-3m, olivgrün oder transparent, aus Monofil oder Dyneema, ob für Forelle und Äsche oder Hecht. Würfe lassen sich mit den verdrallten Vorfächern präziser umsetzen und durch ihre Reissfestigkeit, kann der Verlust von Monofil reduziert werden. Ein wichtiges Argument für die Brieftasche als auch die Umwelt.

Jemand der wie Markus Radermacher 100-120 Tage am Wasser verbringt, stellt hohe Ansprüche an Gerät und Ausrüstung. Und die permamente Verfeinerung der eigenen Technik und den dazu nötigen Hilfsmittel, unterscheiden die Besten unserer Leidenschaft von den engagierten Hobbyisten. Ich setze in der Zwischenzeit begeistert verdrallte Vorfächer ein, wenn die Begebenheit am Wasser, Präzision und Feingefühl verlangt.

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© Veit Dresmann

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