North Country Spiders – Ihr Einsatz und die Fangmethoden

Fliegenfischen Spiders High Sticking

Die klassische North Country Spider Fischerei – Nymphen und Nassfliegenfischen – weist bei weitem mehr Berührungspunkte mit der Trockenfliegenfischerei auf, als auf den ersten Blick offensichtlich.

  1. Die von W.C. Stewart propagierte Methodik des Fliegenfischens mit Spiders nimmt die gesichtete, knapp unter der Wasseroberfläche jagende Forelle & Äsche ins Visier
  2. Bei der effektivsten Form des Fliegenfischens mit Spiders, nähert sich der Angler von hinten dem steigenden Fisch und wirft an relativ kurzer Schnur, aber langem Vorfach flussaufwärts.
  3. Fliegenfischen mit Spider Mustern ist gleichfalls eine besonders visuelle Variante der Fliegenfischerei. Der Biss auf eine knapp unter der Oberfläche treibende Fliege, wird durch eine in Sekundenschnelle aufblitzende helle Flanke, von einer mit unserem Köder abdrehenden Forelle & Äsche signalisiert.

Ganz allgemein stimmt es sicherlich, dass die Nassfliegenfischerei etwas in Verruf geriet, als simple, wenig herausfordernde Spielart des Fischfangs. Hierbei wird gerne Bezug genommen auf die klassische ‚Down and across – schräg flussab und gegen die Strömung‘ Methode. Jedoch stellt diese Taktik nur eine der mehreren Möglichkeiten dar, Forelle & Äsche mit unter der Oberfläche geführten Fliegen zu erbeuten. Warum diese Form der Fliegenfischerei – nach wie vor oft und überall angewandt – zu Recht von vielen Seiten auf Ablehnung stößt, versuche ich kurz zu erklären.

1.       Schräg Flussab und gegen die Strömung oder der Wet Fly Swing

Fliegenfischen Down Across Swing

Mehr als jede andere Spielart des Nassfliegenfischens, hat diese Taktik dazu beigetragen Nassfliegenfischen als anspruchslose Variante des Fischfangs zu positionieren. Bei dieser Technik wirft der Fliegenfischer seine Schnur 45⁰ flussabwärts, lässt seine Fliege(n) von der Strömung erfassen und somit entgegen der Flussrichtung durch das Wasser treiben, bis sie schließlich direkt unter dem Fischer angelangt sind, um dann dort an der oft sehr langen Leine zu baumeln. Anschließend werden einige Schritte flussab gemacht und der beschriebene Prozess wiederholt, bis der Pool oder Lauf völlig abgefischt wurde.

Die Methode zielt darauf ab, durch die rasch durchs Wasser treibenden Fliegen, in Forelle & Äsche einen aggressiven oder neugierigen Instinkt auszulösen, der diese zum Zupacken verleitet.

Unbestreitbar wird dieser Reiz losgetreten, doch genauso unbestreitbar sind es häufig Flossenträger  die gerade eben der Kinderstube entflohen sind, die sich von einer unnatürlich quer durch den Fluss treibende Fliege zum Biss animieren lassen. Reifere und erfahrene Salmoniden, werden selten von diesem Schwindel beeindruckt. In der Praxis weist diese Technik des Weiteren die Schwäche auf, von vielen Fliegenfischern an straffer Schnur ausgeübt zu werden.

Der interessierte Fisch verspürt beim Versuch des Abdrehens, sofort den Widerstand durch die gestreckte Schnur und spuckt die Fliege rascher aus, als der Fliegenfischer auf den kurzen Ruck der durch die Leine geht, zu reagieren im Stande ist. Wenige Bisse führen somit zu einem gehakten Fisch. Die die hängen bleiben, sind häufig untermaßig.

Die Down and across Methode ist zweifelsohne eine entspannte Form der Fischerei, die unter bestimmten Umständen auch ihre Berechtigung erfährt:

–          Zur Zeit geschwollener und hoch stehender Flüsse

–          Während getrübten oder angestaubten Wassers

–          An kalten Frühlingstagen vor und nach einem Schlupf

–          Zur Abendfischerei, wenn Flüsse auf den Sonnenuntergang zufliessen

–          Wenn heftige Winde den stromauf Wurf stark beeinträchtigen

–          Wenn natürliche Begebenheiten den stromauf Wurf nicht ermöglichen

Eines ist sie jedoch ganz bestimmt nicht – spannend und herausfordernd, mit guten Aussichten auf überdurchschnittliche Fische.

2.       Schräg auf und flussab gegen die Strömung

Fliegenfischen Up Stream

Ohne genauere Beobachtung der praktischen Anwendung, mag diese Form der Nassfliegenfischerei sich wenig von der zuvor beschriebener Taktik unterscheiden. Der Fliegenfischer verfährt auch hier nach dem Prinzip, der Richtung des abfließenden Wassers zu folgen. Und doch sind die fundamentalen Abläufe von großer Unterschiedlichkeit, zumal sich folgender erfreulicher Effekt einstellt. Bessere und größere Fische.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, den Spiders oder Nassfliegen einen ‚dead drift‘ zu ermöglichen in dem diese leicht flussaufwärts abgelegt werden. Beim Einsatz von Spiders oder Nymphen lohnt es sich Gedanken zu machen, welche Lebensform die Imitation mit Haken darzustellen versucht und unter welchen Voraussetzungen, das künstliche Objekt seinen natürlichen Vorbildern am ehesten gerecht werden kann.

Drag – oder Zug an der Schnur – verleiht unseren Nymphen und Nassfliegen ebenfalls unnatürliches Verhalten. Der scheue oder aufgeklärte Fisch wird unseren Köder mit Argwohn betrachten. Somit streben wir auch mit Nassfliege und Nymphe eine möglichst langen zugfreien Drift, der unsere Fliegen natürlich den Strömungen und Kleinstströmungen aussetzt.

Es ist zutreffend, dass Nymphenvertreter der Schnellschwimmer (Olives: Baetidae) und einige Köcherfliegen sich mit raschen Bewegungen an die Wasseroberfläche bringen, um dort den Schlüpfvorgang in die Wege zu leiten. Und ja, auch mir landete schon öfters ein Fisch am Haken, mit der zum Einpacken der bereiten Schnur rasch herangezogenen Nymphen.

Zumal eine Möglichkeit zu finden diesen Prozess nachzuahmen, nicht verkehrt ist – man vergleiche dazu den Leisenring Lift oder den Induced Take. Somit es zutreffend, dass ein gewisser Grad an ‚Swing‘ am Ende des Drifts, ein probates Mittel ist um diesen natürlichen Vorgang zu imitieren. Der Schwerpunkt der Konzentration liegt in diesem Zusammenhang jedoch auf einem kontrollierten Swing, an Stelle eines übertriebenen.

Der zugfreie Drift unserer Nassfliegen/ Spiders/ Nymphen gelingt uns schwer mit mehreren Metern Flugschnur auf dem Wasser. Die auf dem Wasser liegende Schnur unterliegt immer dem Druck oder dem Zug der Strömung. Deshalb tendiert der Spiderfischer, als auch der Nymphfischer zur Präsentation des Köders an kurzer abgelegter Schnur, mit einem relativ langem Vorfach (1,5 -2 Rutenlängen).

Dieses ermöglicht die zwei oder drei Spiders, die im Abstand von 60cm voneinander angebracht werden, weit genug vom Fliegenfischer entfernt durch das Wasser zu treiben. Die Rute wird in einem Winkel von 45⁰ gehalten um zugleich als Bissanzeiger und Puffer zu fungieren: die durch die Anhebung und Winkelung der Rute schlaffe Schnur streckt sich, wenn der Fisch mit der Fliege während des kurzen abdreht.

Besonders im Frühjahr, wenn das Wasser durch Schneeschmelze und Regenfall  noch angetrübt ist  und mit relativ hohem Wasserstand verläuft, wende ich diese Technik gerne an. Da anzunehmen ist, das Forelle & Äsche noch etwas grundnaher ihr Auskommen suchen, knüpfe ich gerne eine kleine beschwerte Nymphe (Hendrick Spider Größe 14-18) an die Vorfachspitze um die beiden Spiders am Mittel- und Topspringer zu stabilisieren.

Der Wurf flussauf mit nur 1,5 bis maximal 2 Rutenlängen Fliegenschnur außerhalb der Rutenringe, bedarf keines ständigen Mendings und erlaubt den Spiders ohne Druck auf die Schnur abzusinken und natürlich auf weiter unterhalb stehende Fische zuzutreiben. Bisse in der ‚dead drift‘ werden als leichtes Zucken, ‚Stehenbleiben der Schnur‘, kurze Züge in der Schnur oder bei etwas Glück als deutlicher Schwall unter dem Aufblitzen einer Fischflanke im Wasser wahrgenommen. Um der Drift der Spiders etwas Geschwindigkeit zu entnehmen, kann und soll ruhig ein flussaufwärts Mend durchgeführt werden.

Letztlich beim Swing entgegen die Strömung, der unter dieser beschriebenen Technik, niemals übertrieben und immer kontrolliert ausfällt – geringer Schnurwiderstand und geringerer Strömungswiderstand – wird ein ähnliches Phänomen imitiert, wie im bereits zuvor genanntem Leisenring Lift und Induced Take. Die weichen Hecheln der Spiders legen sich am Körper an und nehmen eindeutig die Form einer Nymphe an, auch wenn der Spider zuvor noch einer schlüpfenden oder totgeborenen Nymphe, oder einer ertrunkenen Dun ähnelte.

3.       Flussaufwärts

Fliegenfischen Up Stream Nassfliege

Dem Revival der Bedeutung von W.C. Stewart’s wundervollem Buch ‚The Practical Angler‘ im letzten Jahrzehnt oder zwei ist es zu verdanken, dass eine in Vergessenheit geratene Technik zum Fang von Forelle & Äsche, neue Begeisterung erfährt. Stewart erkannte bereits Mitte des 19. Jhdt. die Vorzüge, die die flussaufwärts Herangehensweise dem Fischer liefert. Und im Stichwort ‚Herangehen‘ liegt auch der Zauber dieser Technik.

Von hinten kommend ist es dem vorsichtig watenden Fischer möglich, sich auf wenige Meter den Standorten von Salmoniden zu nähern, ohne diese in Aufregung zu versetzen oder zu verscheuchen. Die zu der Zeit Stewarts verwendeten Ruten waren sehr schwer und Schnüre tendierten dazu, sich in kurzer Zeit vollzusaugen und zu sinken. Somit achtete der bedachte Fischer darauf, oberflächennahe Forelle & Äsche an kurzer Schnur und langem Vorfach zu überlisten. Der Bedarf an langen Würfen war somit nicht gegeben.

Die Methode stellte sich als äußerst erfolgreich für den Fang von Fischen, deren Hauptnahrung ‚Emergers‘, sowie fehlgeborene, verkrüppelte und ertrunkene Nymphen und Duns darstellten – leichte und mit wenig Kraftaufwand zu konsumierende Beute.

Entgegen den geringen Anstrengungen der Salmoniden bei Erbeutung dieser Nahrung, stellt das flussaufwärts fischen mit Spiders, höchste Anforderung an Konzentration und Durchhaltevermögen des praktizierenden Fliegenfischers. Ein oder zwei Würfe an eine verdächtige Stelle und schon geht es zwei Schritte weiter an die nächste. Die kurze Schnur und das Vorfach treiben mit den Fliegen im zumeist flott fließenden Wasser, rasch auf uns zu und werden alle 15-20 Sekunden erneut abgelegt.

Gestein und Geröllbrocken beeinträchtigen unser Vorankommen. Das Beobachten der Schnurspitze und des eingefetteten Vorfachs verlangt Konzentration und jede noch so kaum wahrnehmbare und unnatürlich erscheinende Bewegung in der Schnur, wird mit einem kurzen Anschlag quittiert. Oft wird es sich um einen Hänger handeln, noch öfter jedoch befindet sich am anderen Ende der Schnur Forelle & Äsche.

Nymphenfischen ohne Bissanzeiger – ob in Form eines Kunststoffteils oder der vorgeschalteten Trockenfliege (Emerger) – besitzt die Qualität, die Sinne immens zu schärfen. Oft ist es der sprichwörtliche sechste Sinn, der einen Biss erahnen lässt und der Anhieb auf unerklärlichen Verdacht, endet in einer sich verbeugenden Rute. Bei aller Liebe zur Trockenen, sie fungiert nebst Nahrungsimitation doch auch immer als Bissanzeiger.

Der Anblick einer sich schnell drehenden Flanke beim Spider Fischen, empor geschossen vom Geröllgrund des Flusses, in der Nähe der von uns vermeintlich befindlichen Fliegen ist ein an Spannung und Dramatik nicht zu überbietendes Erlebnis. Mein Empfehlung für Euch alle: verzichtet gelegentlich auf den Emerger und ersetzt diesen mit Spiders und mottet die Kunststoffsichthilfen komplett ein. Der gewonnene Stolz und die Freude, ob des unter selbst auferlegtem Handicap gefangenen Fisches, sind diesen Versuch wert. Der Fisch, dessen Biss ich nicht wahrnehme, verdient es nicht von mir gefangen zu werden. Viel Spass beim Lesen und Ausprobieren!

LESEEMPFEHLUNG:
W.C. Stewart –  The Practical Angler: Together with a Caution to Anglers.
H.H.Edmonds & N.N. Lee – Brook and River Trouting
Terry Lawton – The Upstream Wet Fly
 

 

 

 

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Comments

  1. Hallo Tankred,

    ich kann mich Axel nur anschließen, sehr guter und ausführlicher Bericht.
    Könntest Du einige Bilder von den Spider zeigen, wird bestimmt Interessant sein. Die Spider binde ich ja auch gerne, muss aber immer wieder hören – da ist ja keine Hechel drauf. Aber das kennst Du bestimmt auch.

    Liebe Grüße
    Hans

    • Hallo Hans,

      Danke für das Kompliment und die Anregung Fotos hoch zu laden. In zwei Wochen werde ich in der Tat einige Frühjahrsmuster vorstellen.

      Ich teile 100% Deine Meinung, dass es eine Freude ist Spiders zu binden. Ähnlich wie bei Mode und Design gilt auch an der Stelle, manchmal ist weniger mehr.

      Allerbeste Grüße
      Tankred

  2. Hallo Tankred,

    ein sehr schöner und informativer Artikel! Vielen Dank.

    Liebe Grüße
    Alex

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