Fliege des Monats: Mai – Ephemera danica – Maifliege

Große (Dänische) Eintagsfliege © flickr: Walwyn

Große (Dänische) Eintagsfliege © flickr: Walwyn

Wie kaum eine anderes Wasserinsekt und Kunstfliege hat Ephemera Danica die Fantasie von Fliegenfischern, Fliegenbindern und Autoren beflügelt. Unterhält sich der Fliegenfischer mit Laien, werden selbst diese oft von der Maifliegenzeit gehört haben. Warum dieser Zeit beinahe mystische Verehrung zu Teil wird, lässt sich anhand zweier Faktoren festhalten.

Erstens ist Danica die größte auftretende Eintagsfliege und durch ihr Ausmaß höchst proteinreich. Zweitens hat sich diese Erkenntnis über Millionen von Jahren selbst im kleinen Forelle & Äsche Gehirn eingebrannt. Somit werfen sogar kapitale Vertreter dieser Spezien ihre angeborene Vorsicht über Bord und scheuen nicht davor zurück sich an die potentiell gefährlichere Wasseroberschicht zu begeben, um während der kurzweiligen Schlüpfphase von Ephemere Danica, sich die Bäuche voll zu schlagen und Kalorien aufzuladen. Somit wird es selbst für Trockenfliegenfischer möglich, während einer relativ begrenzten Periode, gute Karten zu besitzen beachtliche Forellen an den Haken zu bekommen. Der Anblick eines weit geöffneten Mauls das sich sehr langsam aus dem Wasser erhebt, ist ein Moment besonderer Spannung.

Vor vielen Jahrzehnten wurde die Zeit der Sorglosigkeit von Forelle & Äsche  ‚Duffer’s Fortnight‘ (des Tollpatschs Doppelwoche) genannt, da es schier unmöglich erschien, während dieses Fressrauschs als Fliegenfischer leer auszugehen. Jedoch birgt auch die Maifliegenzeit Herausforderungen – speziell an den reisenden Fliegenfischer – der den bis oben vollen Fischkorb durchaus nicht immer garantiert.

Maifliegen schlüpfen in der Regel zwischen Mitte Mai und Anfang Juni und es kann durchaus einige Tage dauern, bis Salmoniden sich ausschliesslich auf diese Nahrung einstellen. Für den Fliegenfischer ist es zur Zeit eines intensiven Schupfs eine der größten Herausforderungen, Forelle & Äsche zum einen auf die eigene Fliege im Meer der abtreibenden Duns aufmerksam zu machen und zum Anderen von der Fressbarkeit der Kunstfliege zu überzeugen. Die von Walter Reisinger, Hans Hilgers und Sven Ostermann vorgestellten Muster, haben ihre Fängigkeit über die Jahrzehnte bewiesen und sollten Euch in den kommenden Wochen viel Freude zur Maifliegenzeit bescheren. Happy Tying!

Walter Reisinger – Ephemera Danica – Preska Nymphe

Walter Reisinger stellt uns dieses interessante Muster vor, das ähnlich einem unbeschwerten Emerger nass im Oberflächenfilm gefischt wird. Der Name der Nymphe geht zurück auf den französischen Fliegenbinder und Buchautor Tony Preskawiec, dessen bekannteste Publikation ‚Mouche & Lancer‘ noch vor dem 2. Weltkrieg mehrere Auflagen erlebte. Dem deutschsprachigem Publikum wurde die Preska Nymphe 1977 im Verlag Schück erschienenem Buch ‚Zwanzig Fliegenmuster reichen aus‘ (J.P. Metz, H. Kretschmer, R. Rubel) vorgestellt.

Walter Reisinger hat in den letzten Jahren dieses Muster wieder aus der Fliegendose von ‚gestern‘ hervorgekramt und damit sehr erfolgreich an der Gmundner Traun gefischt. Leichte Modifizierungen am Original wurden dabei vorgenommen. So wurde z.B. in diesem vorgestellten Muster, die Rippung hinzugefügt und der gewöhnliche langschenkelige Haken durch diesen Buckelhaken ersetzt.

Bindematerialien:
Haken:             Caddis 206 BL, Größe 8 oder ähnlicher
Bindefaden:    Dunkelbraun 8,0
Rippung:         Glänzender Kupferfaden oder feiner Kupferdraht
Körper:            Oranges Dubbing (zB. gefärbter Seehund, Seals Fur)
Hecheln:         Mallard (Stockente) Flankenfeder – tan und gelb bis oliv

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Bindefaden und Rippungsfaden anlegen. Dubbing anwinden und den Körper formen

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Die tan gefärbte Mallard Flankenfeder mit der Spitze einbinden und einen Hechelkranz formen.

Den Bindefaden mit einem halben Schlag (Half Hitch) sichern.

Den Bindefaden mit einem halben Schlag (Half Hitch) sichern.

Fibern nach hinten streifen, dabei gleichmäßig um den Dubbingkörper verteilen, mit dem Rippungsfaden festlegen und nach vorne rippen. Mit dem Bindefaden abfangen.

Fibern nach hinten streifen, dabei gleichmäßig um den Dubbingkörper verteilen, mit dem Rippungsfaden festlegen und nach vorne rippen. Mit dem Bindefaden abfangen.

Die gelbe/olive gefärbte Feder einbinden, einen Hechelkranz formen und diesen abbinden.

Die gelbe/oliv gefärbte Feder einbinden, einen Hechelkranz formen und diesen abbinden.

Mit einem Kopfknoten abschließen und diesen lackieren. Die fertige Fliege.

Mit einem Kopfknoten abschließen und diesen lackieren. Die fertige Fliege.

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Hans Hilgers – Ephemera Danica – Maifliege Dun

Hans Hilgers hat einen anderen Weg eingeschlagen und sich der klassischen, auf der Wasseroberfläche aufgerichteten, geschlüpften Maifliege (Dun) zugewandt.

Das Muster greift dabei auf modernes Material (CDC) und Bindetechnik zurück und stellt eine gewisse Herausforderung an den Fliegenbinder dar. Insbesondere der CDC Strang ist nicht ohne Hilfsmittel zu bewerkstelligen. Die sicherlich besten Anleitung zur Benutzung eines CDC Dubbing Schlaufen Instruments, findet Ihr bei diesem Leitfaden zur Nutzung des Marc Petitjean Magic Tool. Der Pfennigfuchser oder Kreative kann das Tool mit einfachen Mitteln selbst basteln.

Bindematerialien:
Haken:             Trockenfliegenhaken Größe 10
Bindefaden:     Dunkel Oliv
Körper:            Bronze Mallard (Stockente)
Flügel:             Bronze Mallard (Stockente)
Thorax:            CDC (Natur oder Cream)

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Die Bronze Mallard Feder in die linke Hand nehmen, die Länge des Schwänzchens abschätzen und an dieser Stelle die Fibern nach hinten streichen. Danach die Spitzen der Feder am Haken einbinden. Um den Körper widerstandsfähiger zu machen, kann dieser mit Lack versehen werden. Zu Letzt den Stamm der Federspitze mit einer feinen Schere in der Mitte entfernen um die beiden Schwanzspitzen zu formen.

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Eine weitere Mallard Feder zur Hand nehmen, den Stamm von Flaum und Fibern befreien und diese wie abgebildet mit den Spitzen nach vorne einbinden.

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Durch Windungen an der Vorderseite der Hechel – vor dem Öhr – die Fibern aufrichten.

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Zwei bis drei CDC Federn aneinander reihen, mit einer Materialklemme aufgreifen und wie in diesem oder jenem Artikel zu einen Dubbingstrang winden.

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Den Dubbingstrang am Körper einbinden und diesen mit einigen Windungen vor und hinter den Hechelflügeln anbringen. Mit einer Dubbing Nadel das CDC ausfransen und fertig ist der Mayfly Dun.

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Sven Ostermann – Ephemera Danica – CDC Loop Wing Emerger

Sven Ostermann nimmt sich des Stadiums des Schlupfs an, in dem Maifliegen die größte von Forelle & Äsche verursachte Mortalitätsrate erleben. Noch nicht bereit, im letzten Moment von der Wasseroberfläche abzuheben, stellen Emergers eine leichte – wenn nicht sogar eine bevorzugte Beute dar. Mit wenig Kraftanstrengung können Emerger gemächlich und genüsslich aus dem Oberflächenfilm gesaugt werden. Mehr schlüpfbereite als bereits gehäutete (Subimago) Maifliegen, finden ihren Weg in die Mäuler von Forelle & Äsche.

Bindematerialien:
Haken:                 Tiemco TMC 2312 #10
Bindefaden:        Dyneema
Schwänzchen:     Straussenfieberspitzen 2-3 Stck.
Rippung:             zwei Windungen mit Antron-Garn
Körper:                Eichhörnchen-Dubbing (beige hinten, dunkelgrün/braun vorne)
Flügel:                 eine gelbe CdC-und zwei beigefarbene CdC-Federn

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2-3 Stück Straussenfieberspitzen an der Hakenbeugung einbinden. An selber Stelle das Antron Garn befestigen.

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Beigefarbenes Eichhörnchen Dubbing am Haken anbringen und danach mit zwei Windungen des Antron Garns versehen. Das Antron hernach abbinden und den Binderest entfernen.

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Nun erneut beigefarbenes Eichhörnchen Dubbing bis zur Körpermitte anbringen und an der Stelle die drei CDC Federn (zwei beige, eine gelb) an den Federspitzen einbinden.

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Die gelbe CDC Feder zu einer Schlaufe formen und am Haken einbinden. An der Einbindestelle Vorderseite etwas dunkelgrünes Eichhörnchen-Dubbing anbringen.

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Ein wenig braunes Eichhörnchen-Dubbing zum Hakenöhr führen, dabei aber darauf achten, ausreichend Platz zum Abbinden der CDC Hecheln zu lassen. DIe restlichen CDC Hecheln abermals zu einem Loop formen und am Öhr einbinden.

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Das Dyneema Garn rostbraun mit wasserfestem Stift färben und die Fliege mit einem Kopfknoten final abbinden. Das Dubbing mit einer Nadel ausfransen und fertig ist der im Oberflächenfilm verharrende Emerger.

Richard Walkers Maifliegen Nymphe

Ich persönlich verbrachte sehr viel Zeit mit der Stillwasserfischerei. Welch Glück, dass Ephemere Danica sich nicht nur an heimischen Flüssen, sondern auch gerne an Seen vermehrt. Der englische Fischer Dick Walker, der sich nach Jahren des Friedfischeangelns dem Fliegenfischen zuwandte, entwickelte dieses Maifliegen Nymphenmuster das heute noch zu der Handvoll an realistischen Nachahmungen einer Maifliegennymphe zählt. Seine Fähigkeit hat dieses Muster jedoch nicht nur an Seen sondern auch an Flüssen unter Beweis stellen können. Der reisende Fliegenfischer der bereits frühzeitig seinen Urlaub gebucht hat um am Wasser angekommen feststellen muss, dass sich Danica noch nicht blicken lässt, tut gut daran dieses Nymphe vorrätig zu haben.

Bindematerialien:
Haken:                  Kamasan 800 od. 830 Größe 10
Bindefaden:         Braun
Schwänzchen:     Fasanenstoss
Rippung:              Bindegarn braun
Körper:                 creme oder beigefarbene Wolle, Wickelblei
Flügelscheide:     Fasanenstoss

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Den Körper mit Wickelblei versehen und am Thorax eine zweite Lage Blei anbringen, um diese zu betonen.

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Den Bleikörper mit dem Garn umwickeln. An der Hakenbeuge mit einigen Fibern Fasanenstoss ein Schwänzchen einbinden. An der selben Stelle ungefähr 20cm Bindegarn zur Rippung anbringen und creme oder beigefarbene Wolle einbinden. Diese um das letzte Drittel des Hakens winden. Mit dem separaten Bindegarn, mit mehreren Umwindungen, die für Ephemere Danica typischen breiten Segmentstreifen bilden.

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Die Wolle einige weitere Windungen entlang des Körpers wickeln und etwa 2/3 vor dem Hakenöhr einige Fibern Fasanenstoss befestigen.

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Die Wolle bis an das Hakenöhr führen und die Fasanstossspitzen dort abbinden. Die Spitzen nicht entfernen. Diese werden im nächsten Schritt zurückgelegt um die Beinchen der Maifliegennymphe zu imitieren.

Die Fasanestoss Spitzen am Hakenöhr nun in der Mitte teilen und in etwa gleichen Teilen, links und rechts abspreizen. Den Flügelscheiden Fasanenstoss nun über den Thorax legen und mit einem Kopfknoten abbinden. Die Wolle mit einer Dubbing Nadel ausfransen und fertig ist die Richard Walker Maifliegen Nymphe.

Die Fasanestoss Spitzen am Hakenöhr nun in der Mitte teilen und in etwa gleichen Teilen, links und rechts abspreizen. Den Flügelscheiden Fasanenstoss nun über den Thorax legen und mit einem Kopfknoten abbinden. Die Wolle mit einer Dubbing Nadel ausfransen und fertig ist die Richard Walker Maifliegen Nymphe.

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Mit den hier vorgestellten Mustern wird nun jeder von Euch bestens auf die Maifliegensaison an Flüssen und Seen vorbereitet sein. Somit wünsche ich allen Lesern von Forelle & Äsche einen fangträchtigen Mai. Tight Lines!

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Comments

  1. Danke für die Korrektur Walter,
    diese Unachtsamkeit ist mir unterlaufen. BG Tankred

  2. Walter Reisinger says:

    Das Muster von Sven Ostermann ist kein Paraloop Emerger, sondern ein CDC – Loop Wing Emerger.
    Walter

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