Frühlingserwachen – mach die Fliege!

© Matt Eastham

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Noch immer nicht auf den bevorstehenden Frühjahrsschlupf vorbereitet? Durch diesen Beitrag von Matt Eastham das Wasser im Mund zusammenrinnen lassen und am Bindestock an die Sache machen. Large Dark Olives schwärmen schon bald!

Der Frühling kommt näher und mit ihm, eine der freudigsten Zeiten des Fliegenfischerkalenders. Was gibt es Schöneres als nach Monaten des Flußbettpflügens mit einem Arsenal an tungstenbeschwerten Äschenbomben, an einem kühlen Märztag ans Wasser zu gehen und die Oberfläche von zahlreichen stahlgrauen Olive Duns erobert zu sehen…und Forellen die eifrig danach steigen? Dieser Moment des Jahres mit der Erkenntnis das die Wirbellosen und die Forellen den Winter unbeschadet überstanden haben, ist immer besonders für mich. Selbstverständlich schaffen sie es immer – und immer wieder ist es eine Offenbarung nach dieser langen Zeit, während der unsere Flüsse beinahe leblos erschienen. Im Wissen dass die beste Zeit des Fliegenfischerkalenders auch bald vor der Tür steht, mache ich mich voller Elan auf, die schier unendlichen Möglichkeiten der nächsten Stunden, Tage, Wochen im Kopf.

Das kleine Insekt verantwortlich dafür, das jährliche Schauspiel in die Gänge zu kriegen ist natürlich baetis rhodani – die Large Dark Olive (LDO). Als Top Insekt für Fliegenfischer schlüpft diese Fliege mehr oder weniger während des ganzen Jahres, wird aber in erster Linie mit dem Erwachen der frischen Saison in Verbindung gebracht. Einen milden Februar vorausgesetzt, stehen die Chancen ausgezeichnet dass pünktlich zu Saisonbeginn am 16. März, die LDO seit Tagen tröpfchenweise schlüpft und Forellen nun bereit sind ihre Frühjahrsfutterplätze zu beziehen. Jene Fliegenfischer, denen es ermöglicht war den Äschen während der Wintermonaten nachzustellen, konnten vielleicht bereits von diesem Verhalten profitieren. Wenn an milden Tagen im Januar und Februar, ein zarter Schlupf den einen oder anderen Fisch an die Oberfläche locken konnte.

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Andererseits – wenn wie vor zwei Jahren – der Winter das ganze Land bis lange nach Beginn der Forellensaison in seinem kalten Griff hat, wird sich das Fischen zu Saisonbeginn wie an diesen Mittwintertagen anfühlen, an denen überhaupt keine Olives schlüpfen und der Fluss wie tot erschien. Unter ganz gewöhnlichen Wetterverläufen aber und mit ein wenig Ahnung zu Stand- und Futterplätzen von Fischen, kann sich der Fliegenfischer frohen Muts ans Wasser begeben, in der berechtigten Hoffnung während einiger Stunden pro Tag die Trockene auszupacken.

Large Dark Olives sind einerseits bis zu einem gewissen Grad berechenbar, andererseits auch wieder schwer kalkulierbar. Liebend gerne fische ich während des Frühlingsschlupfs, da es die einzige Zeit des Jahres ist an der wir exakt wissen, wann wir uns am Wasser einfinden müssen. Im Frühjahr wachsen mir keine grauen Haare ob der Gedanken, dass ich möglicherweise zu spät ans Wasser komme, oder ob ich zu früh nach Hause gehe und mir die Mutter aller Insektenschlüpfe entgeht. LDO schlüpfen zu dieser Zeit ausnahmslos in der Mitte des Tagesverlaufs: unerwartete Morgenschlüpfe gibt es genau so wenig wie einen späten Spinnerfall von Interesse. Während des LDO Schlupf zu fischen ist eine Mittagsangelegenheit. Vorausgesetzt wir sind um 11 am Fluss und halten bis spätestens 4h Nachmittags durch, können wir uns darauf verlassen zur ‘Forellen Öffnungszeit’ gefischt zu haben. Berechenbar, oder? Tja, nicht ganz…

Ist die Wahl des richtigen Zeitpunkts noch leicht, wird die Platzwahl oft problematisch. LDOs sind berüchtigt für ihr Verhalten, örtlich begrenzt zu schlüpfen. Damit meine ich, dass ein Angler scheinbar alle jungen Ausschlüpfer für sich hat, während sein Kollege nur einen einzigen Pool weiter kaum eine Fliege zu Gesicht bekommt. Leider gibt es für diesen Umstand keine einfache Lösung, wie ich so oft am eigenen Leib erfahren musste. Die Mittagszeit vergeht und kein Lebenszeichen der Insekten oder Fische ist zu erkennen. Zurück bleibt dieses beklemmende Gefühlt, dass irgendwo anders am Fluss die Fische inmitten eines Massenschlupfs durchdrehen. Sollen wir also an unserem Lieblingsspot bleiben, der schon so oft in der Vergangenheit unter ähnlichen Bedingungen die richtige Wahl war? Oder machen wir uns auf die Suche? Kopf oder Zahl? Die Uhr tickt und dieses Dilemma verwandelt den bis dato ruhigen Angler in ein zitterndes Nervenbündel.

So mancher wird sich damit begnügen an der Stelle weiter zu fischen, ob mit oder ohne Lebenszeichen der Wirbellosen – völlig legitim. Und dennoch: wem nach Trockenfliegensport ist, wird wohl oder übel in Bewegung bleiben müssen und vorsichtig die Ufer entlang gehen, auf der Suche nach zarten Anzeichen des anstehenden Spektakels. Wenige Minuten an einem Pool auszuharren und nach dem charakteristischen Aussehen einer segelbootartigen Flotilla ruhig abtreibender Duns Ausschau zu halten, die Ohren spitzen um auf das verräterische Schlürfen steigender Forellen zu achten, ist eine gute zeitliche Investition. Gut Strecke zu machen während der Hauptfutterzeit – in der Regel zischen Mittag bis zwei Uhr Nachmittag – eröffnet vortreffliche Chancen Oberflächensport vorzufinden.

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Es lohnt sich auch darauf hinzuweisen, dass ein stetiger schwacher Schlupf die Forellen manchmal weit mehr in anhaltende Fresslaune versetzt, als ein plötzliches Schlupfgewitter. Warum das so ist, lässt sich anhand der Lufttemperatur erklären. Im zeitigen Frühjahr treffen wir oft auf diverse Wetter- situationen – von Schneegestöbern bis zu sanftem Sonnenschein und Temperaturen im oberen Zehner- bereich. Bei kühleren Tempe- raturen ist es nicht ungewöhnlich bei einem spärlichen Schlupf Fische an der Oberfläche vorzufinden. Das liegt daran, dass es den Insekten Mühe bereitet von der Wasseroberfläche abzuheben – in der kühlen, feuchten Luft trocknen und härten die Flügel der frisch geschlüpften Insekten nur langsam und es dauert eine Ewigkeit bis diese flugfähig sind. In solchen Situationen kann man nicht selten Forellen dabei beobachten, wie sie sich hart an den unglücklich Gestrandeten austoben und sich die Mortalitätsrate 100% nähert – Himmelsbrot für Trockenfliegen Enthusiasten. Es mögen nicht viele Insekten geschlüpft sein, aber diese sind wehrlos und die Forellen wissen das, schlängeln von hier nach dort und greifen beliebig eins nach dem anderen ab.

Das Gegenteil kann sehr frustrierend sein. Sonnig warmes Wetter kann eine regelrechte Explosion an geschlüpften LDOs an den Rauschen vor den Poolköpfen auslösen. Natürlich erlaubt diese Bedingung ein rasches Abheben der Insekten und der Angler fragt sich nicht unberechtigt wie es sein kann, dass eine Insektenwolke um seinen Kopf schwebt und keine Fische steigen. In diesen Situationen ist es besser mit Spiders oder Nymphen zu fischen; die Forellen werden keine Zeit und Energie darauf verschwenden Insekten ins Visier zu nehmen, die in wenigen Sekunden nach dem Schlupf flugfähig sind…man kann sich aber darauf verlassen, dass die Fische unter Wasser jagen und vom Flussbett aufsteigende Nymphen abfangen.

Einen LDO Emerger oder eine Dun Imitation während eines Frühjahrsschlupfs zu imitieren ist eine umkomplizierte Sache. Nach einem langen Winter, lechzen die Fische danach wieder in Kondition zu kommen und es gibt keine bessere Zeit eine große Bachforelle unvorsichtig beim Fressen zu überraschen –  zudem oft an überraschend leicht zugänglichen Spots. Die Forellen sammeln sich am von Bläschen übersäten Futterstrom unweit unterhalb des an Strömung abnehmenden Kopf eines Pools – die perfekte Lage um Olives aufzulauern, die zumeist in den Rauschen oberhalb eines Pools schlüpfen. Das leicht hektische Wasser dort erlaubt es dem Angler, mit relativer Leichtigkeit unbemerkt Position zu beziehen. Und vorausgesetzt es gelingt eine treffende Imitation mit minimalem Furchen zu platzieren, ist spannender Sport schon früh in der Saison mit ziemlicher Sicherheit zu haben. Für Fische während der Anfangsmonaten der Saison braucht es nicht immer den gleichen subtilen Ansatz bezüglich Präsentation wie in den darauffolgenden Sommermonaten. Und während ich persönlich verjüngte (getaperte) Vorfächer in einer Länge von 4,30-4,90m bevorzuge, kann man mit Sicherheit davon ausgehen mit überall erhältlichen verjüngten Copolymer Vorfächern in der Länge von 2,70m einen gerechten Anteil an Fischen zu fangen. Einfach eine 45cm lange Tippet Spitze in der Stärke 0,12-0,14mm ans Vorfach knüpfen und man ist dabei.

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Nun zu den Imitationen: Fliegenwahl zu der Zeit des Jahres muss nicht kompliziert sein und ich tendiere dazu mich auf einige wenige Muster zu verlassen, um sowohl das Emerger als auch Dun Stadium abzudecken. Plume Tip-artige Fliegen (z.B. F-Fly o.ä.) sind noch immer populär und so ziemlich jeder Fliegenfischer scheint einige Varianten dieser Fliegen bestehend aus der Erfolgsformel: “dünnes Schwänzchen – schlanker Körper – CDC Plume Flügel” mit sich zu führen. Da bin ich nicht anders. Jedoch hebe ich mir diese Muster für kleinere Fliegen und herausfordernderes Sommerfischen auf. Die Frühjahrsfischerei kann beizeiten hektisch sein und viele Fische zeigen sich im welligen Wasser. Der meiner Meinung nach etwas hohe Pflegebedarf von CDC Mustern, stellt für mich eine zu umgehende Einschränkung dar. Die folgenden vier Muster haben sich für mich über die Jahre bewährt, sind einfach zu binden, robust und absolut fängig, wenn baetis rhodani beschließt in Erscheinung zu treten.

Pearly Butt Bloa

Klassische North Country Spiders können während der Frühphase eines Schlupfs echte Killer sein. Hauchzart und mit wenig Schnick-Schnack gebunden, sind sie darauf ausgelegt in der allerobersten Wasserschicht zu fischen. Erlaubt man es ihnen unter der Position des Anglers sachte gegen die Strömung zu schwingen, schmiegen sich die zarten Hechelfibern an den Haken und die Fliege gibt eine erstaunlich treffende Imitation einer aufsteigenden Eintagsfliegennymphe ab. Wenn das Scharen mit den Hufen bis zu einem Schlupf nicht so ganz euer Ding ist, kann das Absuchen verdächtiger Stellen im Wasser mit einem Spider im Vorfeld eines Schlupfs, eine sehr effektive Methode sein um festzustellen, wo genau etwas später Oberflächensport vorzufinden sein wird. Wenn es darum geht Olives des Frühjahrs zu imitieren, gibt es kein besseres Spider Muster als die Waterhen Bloa. Das untenstehende zeitgemäße Update stammt aus dem Bindestock von Paul Procter und fügt dem klassischen Muster einen kurzen Butt an Pearly Tinsel an, was der Fliege unbestritten ein kleines Stücken Extra-Reiz mitgibt.

Haken: Partridge Classic Spider #14
Butt: UTC Mirage Tinsel
Faden: Yellow Pearsalls Silk, hauchzart mit Maulfwurf gedubbed
Hechel: Sumpfhuhn (Moorhen) Deckfedern – maximal zwei Windungen

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Pearly Butt Bloa © Matt Eastham

LDO Para-Emerger

Ein einfaches Parachute-Muster an einem gekurvten Emerger Haken gebunden. Der Schlüssel zum Erfolg dieses Musters liegt in der Auswahl der Hechel, deren Fibern etwas länger als bei Fliegen ähnlichen Typs sind und mit wenigen Windungen fertig gestellt wird. Das Resultat ist ein spärlich, langbeinig wirkendes Biest, das aus meiner Erfahrung Forellen weit mehr anspricht als eine kräftigere gebundene Klinkhammer. Dieses Muster erledigt einen hervorragenden Job, aufsteigerfressende Forellen zu verführen und wird selten abgelehnt, auch wenn die Fische sich bereits auf komplett geschlüpfte Duns eingestellt haben.

Haken: Varivas 2200 #14
Faden: Sheer 14/0, Cinnamon
Rippung: Hends Body Quill oder Pearsalls Silk
Dubbing: Mischung aus Masterclass Farbton 1 und 2
Flügelstammt: Aerodry Wing
Hechel: Dark Dun Cock

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LDO Para-Emerger © Matt Eastham

LDO Jingler

Ein schottisches Muster, das zunehmend an Popularität südlich der Landesgrenze zunimmt. Vor einigen Jahren wurde mir dieses Muster von einem Freund aus Glasgow gezeigt. Ich muß gestehen, dass ich es anfangs als unsauberes Durcheinander und mit dem vollen Hechelkranz als Rückschritt in der Bindeentwicklung abgetan habe. Trotzdem hat sich diese Fliege als Offenbarung erwiesen, wofür ich keine plausible Erklärung habe. Egal wo, wann und wie man dieses Muster fischt – langsames Wasser, schnelles Wasser, flussauf, flussab, trocken oder naß: ganz schnell wird es zum Forellenmagnet. Kernpunkt beim Binden ist es danach zu streben, ein buschiges, chaotisches Aussehen zu erzielen – in Wahrheit noch viel mehr als es mir im unten stehenden Muster gelang. Die Rebhuhn Hechel wird ‘von hinten nach vorne’ eingebunden, wobei die konkave Seite der Hechel über das Öhr ragt und alle Fibern vor dem ersten Wurf mit den Fingern nach hinten gestrichen werden… macht euch auf rasante Ereignisse gefasst.

Haken: Partridge SLD #14
Faden: Sheer 14/0 Cinnamon
Schwänzchen: Coq de Lyon
Körper: Hends Body Quill oder einfach den Bindefaden
Hechels: Rebhuhn grau vor Ginger Cock

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LDO Jingler © Matt Eastham

Snowshoe Hare Emerger

OK, hier ist meine Alternative zu einer oben erwähnten CDC Plume Tip Fliege. Eine ‘ohne Hechel’ Imitation die für Situationen reserviert ist, wenn die Fische aus unerklärlichem Grund etwas konventionellere Angebote ablehnen. Das Muster hat sich besonders während der Endphase eines Schlupfs bewährt, wenn die Regelmäßigkeit des Forellenstiegs etwas abnimmt und die Fische dabei beobachtet werden können, wenn sie in Kehrströmungen Stellung beziehen und die letzten Cripples und totgeborenen Insekten von der Oberfläche schnappen. Snowshoe Hare lässt sich nicht einfach verarbeiten and es hat einige Jahre gedauert bis ich das vorliegende Ergebnis erzielen konnte. In diesem Beispiel wird das Fell in einem Dubbing Loop verdrallt, anstatt als Haarbüschel eingebunden. Der Aufwand lohnt sich aber – die Fische pflücken dieses Muster so lässig aus dem Oberflächenfilm, als wäre der letzte Rest an Vorsicht komplett über Bord geworfen. Und anders als CDC braucht es keine regelmäßige Pflege mit dem Trockenmittel.

Haken: Varivas 2200 #14
Faden: Sheer 14/0 Cinnamon
Rippung: Hends Body Quill oder Pearsalls silk
Dubbing: Mischung aus Masterclass Farbton 1 und 2
Flügel: Dun Snowshoe Hare im Dubbing Loop verdrallt

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Snowshoe Hare Emerger © Matt Eastham

*Dieser Beitrag erschien original im monatlich erscheinenden e-zine Eat, Sleep, Fish

Matt Eastham_mugshotHerzlichen Dank für diesen Beitrag an Matt Eastham – einem fanatischen Fliegenfischer, der seine Besessenheit fürs Fischen, Fliegenbinden und Fotografie in seinem höchst lesenswerten Blog North Country Angler festhält. Als geschätzter Schreiber und Fotograf liefert er regelmäßig Beiträge für Publikationen wie Trout & Salmon und Eat, Sleep, Fish.

 

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