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Forelle & Äsche | Fliegenfischen | Fliegenbinden

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Feuchte Waders, trockene Gedanken: Drei Daddys im Bad – Ingo Karwath

by Tankred Rinder 2 Comments

(© Photo: Ingo Karwath – Männer sind einfach. Eine Angel und eine Havanna, und schon sind sie happy.)

Forellenfischer werden das gar nicht kennen, aber Lachsanglern überall auf der Welt ist es vertraut. Geht ein Lachsangler ans Wasser, dann in der Regel wie ein Labrador nach acht Stunden im Wohnzimmer. Fröhlicher Blick, fester Gang, gerader Rücken, die Rute wippt im Takt der Schritte energisch vor sich hin, Spitze zum Fluß gerichtet, man spürt die feste Zuversicht. Kommt derselbe Lachsangler nach acht Stunden zurück, wirkt er eher gebeugt, erschöpft, die Rute wippt müde, ihre Spitze zeigt zum Parkplatz. 

Der fünfte Tag ohne Fisch ist vorüber. Mann wie Flasche leer. Dem Forellenfischer ist das gar nicht vertraut, weil er ja doch meistens was fängt. Der Gang eines Fischers hin zum Wasser erinnert an den Gang der Kinobesucher nach James Bond, nach John Wick, nach Robert McCall, wenn alle Männer aus dem Kino kommen, als wären sie etwas härter als beim Eintritt. Etwas größer, etwas stärker. Sich zu identifizieren ist schon ein Vergnügen, und bei unseren Ausflügen an Eder, Oder oder Diemel pflegte der Udo gern zu fragen: Wer bist du heute? Und ich sagte nicht selten: Ernest! Arnold! Oder Charles! 

Drei Schwergewichte

Die Wahl hatte Konsequenzen. Als Charles Ritz musste man natürlich französische Muster fischen. Als Arnold Gingrich auf Nachfrage geschmeidig aus unserer Literatur zitieren. Als Ernest Schwiebert viel über Wein und Käse reden. Aber „Big E“, wie man ihn wegen seines Egos despektierlich nannte, war schon ein kompletter Fischer. Wie man in den zwei Bänden von „Trout“ nachlesen kann, hatte Schwiebert wenig Mut zur Lücke. Er wusste viel, fast alles, und konnte viel. Und es war natürlich komisch, wenn der Ingo-Ernest dann andauernd Baumhänger hatte. Und mit 25 von Wein und Käse ja nur eine Anfangsahnung pflegte. Ich war trotzdem ein Fan von Ernie. Eine meine Lieblingsgeschichten von Schwiebert ist die über den Buttonwood Pool. An einem sonnigen Morgen geht er den Pfad zum Slide und Buttonwood Pool und findet ihn von der Spinne versperrt. 

„The textbook precision of the spider’s work caused me to stop. Its silken geometry was wonderful, glowing brightly in the sun. Since I was grateful to the spider for its judgement about the weather, and that no one else had fished the pool, I circled cautiously past its web“. (Schwiebert, The spider at buttonwood pool, A River for Christmas 1988). Aber der Morgen entwickelt sich nicht wie erhofft. Trotz der Frühlingssonne, der Ephemerella Schlupf bleibt spärlich. Unser Angler fängt zwei Forellen. Und kommt auf dem Rückweg wieder an der Spinne vorbei. „It was greedily devouring a mayfly freshly trapped in its delicate traceries, and most spiders have a better thing to do than waste a morning’s work in idle talk about fishing“. 

Daddy Long Leg

Mit so einer klassischen Story kann ich hier nicht aufwarten, aber bei uns waren neulich drei Daddys im Bad. Jedes Jahr im Herbst begegnet mir das Daddy Long Leg Phänomen. Mal sitzen sie auf der klammen Hintertür, mal verfliegen sie sich in die Küche, und ja, auch in Spinnennetzen habe ich sie schon bemerkt, oder sie hocken mit mehreren unter der Außenlaterne. Tipula, vermutlich paludosa oder czizeki, die Wiesen- und die Herbstschnake, deren Flugzeiten sich überschneiden. Dann folgt unabänderlich ein Ritual, das ich jedes Jahr vollziehe. Ich packe eine 6er Rute ein, eine Rolle mit Schwimmschnur, ein paar Vorfächer und Nylon, und eine 6fach Dewitt mit „Daddy Long Legs“.

Keine andere Fliege kommt mit. Sonst wird das kein reiner Kram und ich knote garantiert keine Nymphe in den Hakenbogen. Ein „Buzzer“ 10 cm unter einem „Daddy“ ist sehr fängig. Verhindert aber, worauf ich scharf bin, den Daddy Ring. So wie das Jahr einer Frau erst vollkommen ist, wenn sie ein Paar zu kleine Schuhe kaufte, ist meines erst vollkommen mit einer Forelle auf „Daddy Long Leg“. Und da ich dieses Herbstritual seit über 40 Jahren beharrlich pflege, regional und auf Besatzfische, möchte ich behaupten, früher war nicht nur mehr Lametta, früher stiegen die Fische auch besser. 

Ich nehme an, die Umstände der Zucht und die artenärmer werdende Natur haben dazu geführt, dass Forellen sich nicht mehr mit schwimmender Naturnahrung befassen mögen. Man sieht sie unter der Fliege schwimmen und sie steigen nicht. Zufassen mögen eher die Fische, die schon länger im See sind, und das wird dann kein schlechter Drill. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das so ähnlich gestalte wie Bootsangeln, nur eben vom Ufer aus. Ich stelle meinen Fox Light Chair auf, lege den Kescher griffbereit, fette die Fliege und entfette das Tippet, beides sehr wichtig, lege zehn Meter Schnur aus und zünde mir eine Mille Fleur an. Der „Daddy Long Leg“ an meinem Vorfach ist altbacken, so mit Raffia und Zwirn, schlechter Hechel und Elchhaarbeinen. Ein „Daddy“ muss an der Oberfläche ein wenig kleben, sonst heben die Forellen ihn an. Sie steigen ja nicht so viel und haben kaum Übung. Manchmal, selten, bekomme ich einen Biss auf die Wartefliege. Aber eigentlich fische ich nicht. 

Havanna in der Luft

Ring, Sprung, Wirbel, Welle, Flosse – darauf harre ich. Die Ringe bis 20 Meter Entfernung werfe ich sitzend an, für mehr muss ich aufstehen. So länger als drei Stunden bleibe ich selten, genieße die eine Stunde, in der ich die Luft kubanisch gestalte, und den Rest, den der frische Herbst offenbart. Oft fügen sich dabei Ideen für das kommende Jahr, und das hilft die alte Saison vergehen zu lassen. Denn so ab Ende Oktober bestimmt nur noch die Tidenuhr meine Ausflüge, und ich schaue bei Flut mal hier und da eine Stunde ob die Zander mögen. Frust kommt da erst gar nicht auf, ich komme und gehe beschwingt, es ist eher ein Rhythmus, der den Alltag prägt. In der Regel mögen die Zander nämlich nicht, aber alle paar Tage eben doch, und auch diese Tradition bringt mich dem Jahreswechsel näher, an dem mein innerer Fischer sich mit festem Willen dem neuen Jahr stellt. Dann wiederholen sich meine Traditionen, gemischt mit Neueinfällen, nur eben ein Jahr oller.

Dr. Ingo Karwath ist seit fünfzig Jahren Fliegenfischer und Fliegenbinder. Er ist mit einer Pastorin verheiratet und darf einen theologischen Witz pro Woche machen. Er war mit großer Freude Grundschullehrer und ist seit März 2022 pensioniert. Seine Zeit teilt er mit Bindestock, Büchern, Computer, Kamera, Hobelform, Drehbank, Fräse, Wathose, Zelt und Kajak und Labrador Janne. Ingo war in jungen Jahren Chefredakteur von FliegenFischen, Jahrzehnte als Autor tätig und betreibt die Website “Der-FliegenBinder“. Er war auf der 48/49ten AAR Obermarsnocknummer und Bramfallvorderhandsmann auf der “Gorch Fock”.

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Filed Under: Grübelein

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Comments

  1. Frank says

    at

    Über die Auswahl des Equipments muss Mann nicht streiten, nur die Rauchware als cubanische schenkelgerollte Grazie, Romeo y Juliata, näää, ehrlich, das ist weich gespülter Zigarrengenuß! Der Connoisseur, der Wahre, schätzt Partagas, Bolivar, Hoyo De Monterrey, Trinidad, Monte Christo oder eine ganz schlichte Cohiba! Vom Format bietet sich nach der Brotzeit beim Fischen auch nicht die Robusto an, sondern eine Doppel Corona, auch Churchill schätze sie besonders, oder auch eine Lancero! Vergnügen für 2 Stunden, ich präferiere dazu ein schlichtes Münchner Hell (meine proletarische Herkunft!) und dann steige ich mit den Simms Wadern, G4 Z, was sonst, ne alte Sage LL, was sonst, wieder in den sich tümmelnden Bach und kloppe die nächste fuffziger Bafo raus! Na gut, aber die Zigarren sind wirklich ein ewiger Begleiter am Wasser und zwar wirklich nicht RyJ, weil die wirklich nur nach heißer Luft schmecken! Ladet mich doch mal ein bei Euch was zu schreiben! Ich kann Spey Würfe, richtig lange Leinen von 20 Meter und mehr! Damit sieht selbst Chris Rownes eher alt aus… das glaubste nicht, ist aber so! Wenn man vom Hard Core Zweihandwerfen kommt, klassische lange Leinen, ist das, was Chris Rownes da mit EH fabriziert alles alter Tobak! Technisch auch nicht immer ganz akkurat, aber sieht natürlich für Unbedarfte trotzdem cool aus. Frag ihn mal, ob er wenigstens die ZH auf beiden Händen wirft… und es soll tatsächlich Menschen geben, die auch EH links wie rechts werfen… und keinerlei Zertifizierungen besitzen… DER Fehdehandschuh liegt, Jungs, macht was draus, oder auch nicht! :-)

    Servus, Frank

    Reply
    • Tankred Rinder says

      at

      Servus Frank,

      Dein Kommentar hat mich in gleichen Teilen amüsiert als auch vor den Kopf gestossen. Mit Hingabe zu wedeln, scheint in Deinem Naturell zu liegen. Versetzte ich mich in die Situation eines Vorstellungsgesprächs, müsste ich feststellen, dass Du dem Proletariat lange genug entwachsen bist, um einem langjährigen Redakteur einer deutschen Fliegenfischenzeitschrift für seine Wahl der Genussmittel zu belächeln. Im selben Atemzug stellst Du die Expertise eines angesehenen Fliegenwerfers und Instruktors in Frage. Als fiktiver, verantwortungsbewusster Vorgesetzter dem Harmonie im Team wichtig ist, müsste ich eine Absage aussprechen.

      Der Ton des Kommentars ist ebenso zu hinterfragen. Ich für meinen Teil ‘kloppe’ keine Fische aus dem Wasser – schon gar keine 50er auf Ansage. Außer der Bach wimmelt vor Besatzfischen. Und zum Duell würde ich auch niemanden herausfordern. Ich stimme Dir zwar zu, dass es zur Expertise kein Zeugnis braucht – hoffe aber, Du teilst mein Urteil, dass es bei der Einschätzung von zu erbringender Leistung ein Stück weit hilft.

      Von einem Bewerber der seine Hausaufgaben gemacht hat, hätte ich mir die Erkenntnis erwartet, nach dem Lesen meiner Seite, dass das Thema Spey Casting Einhandrute auf F&Ä bereits abgedeckt ist und das Thema Zweihand-Werfen für meine Leser vermutlich nur von peripherem Interesse ist. Von einiger Handvoll Trout-Spey Interessierten abgesehen.

      Was ich mir aber erwartet hätte:
      Wo kann ich Leseproben von Dir einsehen?
      Welche Themen von Interesse für Forelle & Äsche FliFis kannst du beisteuern?
      Was kannst Du vorweisen, dass mich jetzt ggf. noch umstimmen könnte?

      Schicke mir über das Kontaktformular, oder per Email, die leicht zu finden ist, eine Antwort auf diese Fragen.

      Beste Grüße, Tankred

      Reply

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