Blau machen!

Temperatursturz, Regen, Herbstgrau – und dass zwei Wochen vor dem Ende der Forellensaison. Die Verhältnisse draußen laden ein, morgens eingehüllt im Bett zu bleiben. Das Wissen um das baldige Ende des diesjährigen Forellenjahrs, treibt mich aber an. Das erste Mal seit Monaten wird wieder die Thermo Unterwäsche ausgepackt, werde ich den dicken Wollpullover überstülpen – über den Hoodie und über den Pullover.  Ich fliegenfische leidenschaftlich gerne in der kühleren Jahreszeit. Die Schritte vor die Tür in der Halbdunkelheit, die heiße Atemwolke vor dem Gesicht, die Mütze über den Ohren – dies alles signalisiert die Wiederkehr einer unveränderlichen Gültigkeit im Zyklus der Forellensaison. Den Anfang und das Ende – Alpha und Omega. Und so mache ich es den Salmoniden gleich und packe ein letztes Mal auf, versuche vor den Monaten der Überbrückung das meiste daraus zu machen.

Aus diesem Grund bitte ich Euch meine werten Leser zu verzeihen, dass ich an diesem Wochenende von der wöchentlichen Berichterstattung absehe. Vorrausschauend auf die Schonzeit, kann ich bereits jetzt so viel verraten.

•    Der Veröffentlichungskalender für die kommenden Wochen und Monate ist  gefüllt mit interessanten Beiträgen.
•    Die Serie Fliege des Monats wird über die Wintermonate weitergeführt. Einige unter uns finden vielleicht die Gelegenheit vor, das eine oder andere Mal noch den Äschen nachzustellen – dazu wird es inspirierende Muster geben.
•    Den Besuchern von Forellenseen – natürlich oder künstlich – möchte ich mit Bindemustern, sowie taktischen Überlegungen entgegenkommen.
•    Revierbesprechungen zu Flüssen in Deutschland und UK werde ich weiterhin nachkommen – die Ausflugsziele der kommenden Saison wollen geplant werden.
•    Weitere Literaturbesprechungen werden ebenso wenig ausbleiben, wie der Blick auf Veröffentlichungen die einen besonderen Beitrag leisten,  Fliegenfischen in Deutschland mit hochwertigen taktischen Tipps zu bereichern.
•    Auch Hintergrundinformation zu Biologie, Fischkultur und Bestandsthemen heimischer Flüsse, werde ich mich widmen.
•    Und den Persönlichkeiten, die mit ihrem Enthusiasmus und Pioniergeist, modernes Fliegenfischen wie wir es kennen mitbestimmt haben, schenke ich in den nächsten Monaten erneut meine Aufmerksamkeit.

Ich freue mich auf die kommenden Wochen, doch an diesem Wochenende – mache ich blau!

Forelle Äsche Fliegenfischen Gone Fishing

At Least There Are No Mosquitoes – Finnmark Tour

https://vimeo.com/55799079

Der weiten Verbreitung hochqualitativer Videoausrüstungen für den Heimgebrauch ist es zu verdanken, dass zahlreiche Fliegenfischer ohne die Unterstützung von Tackleherstellern und professionellem Film- und Tonstudios, ihre Ausflüge an das Wasser dokumentieren. Der videoaffine Heimproduzent schafft es womöglich schnell, die Eindrücke der Momente am Wasser festzuhalten und diese semiprofessionell – mittels erschwinglicher Editierungssoftware – zu einem kohärenten visuellen Ereignis umzusetzen.

Schwieriger erweist sich die Tonmischung – ’schmähone‘ Dubbing genannt – mit stimmigen Soundatmosphären oder sprachlichen Erzählungen. Jeder der sich einmal an Sounddesign oder Stimmaufnahmen versucht hat, kann das bezeugen. Somit versucht der Heimproduzent diese Hürde zu umgehen, indem die Aufnahmen mit Musik unterlegt werden. Bekanntlich sind Geschmäcker unterschiedlich, doch die vermittelten Eindrücke – Video in Kombination mit Audio – sind entweder ’stimmig‘, oder wie leider in den meisten Videos dieses Genres, die auf das Stilmittel Naturaufnahme mit musikalischer Untermalung zurückgreifen, sperrig und disjunkt.

Doch zu der kleinen Gruppe an Heimproduzenten, die ein besonderes Gefühl für das Zusammenspiel von Landschaftsaufnahmen und Musik besitzen, zählen ohne jeglichen Zweifel die fränkischen Jungs, die sich hinter der Bezeichnung Meefischli verbergen. Ich hatte auch keine Ahnung, dass Meefischli eine mainfränkische Spezialität sind. Bei diesem in Eigenregie produziertem Video sitzt einfach jeder Schnitt in Bezug auf das gesungene Wort. Schöne Aufnahmen die einen stringenten Bogen spannen von Hoffnung, Plagen und Enttäuschung hin zu der Erlösung und Einheit mit sich selbst und seiner Umgebung, inklusive beneidenswert schönen Fischen. Ich frage mich, wozu die jungen Herren im Stande wären, stehe ein Tonregisseur mit Studio zur Verfügung.

Stan and me – Kathryn Maroun und Stan Bogdan

Ein guter Bekannter hat mir dieses Video zugespielt, welches dem wohl bekanntesten, in Kleinmanufaktur produzierenden Rollenhersteller ein ehrwürdiges Denkmal setzt. Nicht das Stanley Bogdan das zu Lebzeiten nötig gehabt hätte. Wahrscheinlich wäre ein Portrait in dieser Form sogar unerwünscht gewesen. Verzichtete doch der seit Anfang 1940 in Eigenregie rollenerzeugende Stan Bogdan, Zeit seines Lebens auf aufwendige Verkaufs- und Marketingstrategien. Sprachen seine manuell hergestellten Rollen doch für sich und waren begehrte Stücke in den höchsten gesellschaftlichen Sphären. Wartezeiten auf die handgefertigten Stücke betrugen dabei bis zu mehreren Jahren. Einstimmiger Kanon der geduldig Wartenden – es lohnte sich!

Bogdan Rollen sind natürlich gefragte Sammlerstücke und Investitionen. Sahen Käufer seiner Rollen, diesen Wert doch stetig steigen. Der Anblick der Rollen – schwarz eloxiert, Gold umrandet, mit verstellbar gefederten Bremsen versehenen – weckt unweigerlich Begehrlichkeiten, die den mit geringeren Anschaffungsmöglichkeiten ausgestatteten Fliegenfischer, durchaus in Erklärungsnöte bringen könnte.

My biggest worry is that when I’m dead and gone, my wife will sell my fishing gear for what I said I paid for it.“ – Koos Brandt

Brothers On The Fly – Swedish Lapland

Zu Jahresbeginn streckte mich eine Erkältung nieder. In warme Decken gehüllt, den Laptop im Bett, wähnte ich mich dem einzigen Vergnügen hinzugeben, dass mir mein geschwächter Zustand erlaubte. Video schauen. Als ich auf Vimeo eine Suche nach Fliegenfischabenteuern generierte, hatte ich noch keine Ahnung auf welch energieraubende Tätigkeit ich mich einliess. Die Frustration über Filme – Musikvideos maskiert als Fliegenfischfilme, gedreht von Testosteron geladenen Fischern – ermüdete mich so sehr, dass ich bald nicht mehr wusste ob das Fieber, oder die Verzweiflung ob des qualitativ flachen Filmmaterials mehr Verschleiss nach sich zog.

Und doch konnte ich unter all dem Material – ich zeigte Beharrlichkeit wie sie sich nur einstellt, wenn jede Bewegung zur Anstrengung wird – ein paar Dutzend Juwelen finden.  Und so wurde ich fündig und stiess auf diese deutsche Produktion, die sich von den anderen steil abhob. Stimmiger Schnitt, musikalisch treffende Umsetzung; selbst die Liedtexte beziehen sich auf die Erzählung. Thematisch unterscheidet sich ‚Brothers on the Fly‘ wenig von all den anderen Filmen, die filmisch meistens auch sehr gut produziert waren. Jedoch schaffen nur wenige der anderen, die Essenz unseres Sports, abseits von Kapitalfischen und der Durchdringung wenig erreichter Landschaften, so eindringlich festzuhalten.

Ein Film über Freundschaft, Abenteuerlust, Leidenschaft, Verlust und Gewinnen – und ganz ohne kapitalschwerem Sponsoring. Viel Spass!

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