Köcherfliegen

Allgemeines:
Köcherfliegen – Sedges (engl.) oder Caddis (amer.) sind aquatische Verwandte von Schmetterlingen und Motten. Im Aussehen ähneln ausgewachsene Sedges in der Tat Motten, weisen im Gegensatz zu diesen aber keine schuppigen Flügel auf. Ein Saugrohr zur Nahrungsaufnahme wie bei Schmetterlingen oder Motten ist ebenso nicht vorhanden.

Köcherfliegen durchlaufen einen vierstufigen Entwicklungszyklus von Ei, Larve, Pupa zum erwachsenen Insekt (Imago). Der Fortpflanzungsakt findet meistens ufernah am Boden statt. Nach der Befruchtung überfliegen die Köcherfliegenweibchen die Wasseroberfläche und legen dabei ihre Eier ab. Die Eier sind oft hellgrün und werden häufig in Strängen abgelegt. Die Eier sinken danach langsam auf den Grund und entwickeln sich zu Larven, welche in diesem Jungstadium pflanzliche Organismen mit einem feinstem Netz zur Nahrungsaufnahme zu sammeln oder aus feinsten Sandpartikeln schützendes Gehäuse (Köcher) zu bauen.

Trichoptera_Cased Caddis Nymph_1

Cased Caddis © André Karwath aka Aka (Wikimedia Commons)

Lebenszyklus – Larve (Nymphe):
Bei den Larven der Köcherfliege werden drei Typen unterschieden – köcherbauend, freilebend und netzbauend. Die Larve entwickelt sich innerhalb ihres Köchers, welcher bis zu fünf Mal erneuert und vergrößert wird um den heranwachsenden Larvenkörper weiterhin beherbergen zu können. Design und Größe des Gehäuses geben Rückschluss auf die Spezies der Köcherfliege und werden von Larven auf dem Grund mit sich herumgetragen. Larven – Peeping Caddis, Hydropsyche – sind für Fliegenfischer durchaus interessant und werden von Forelle und Äsche besonders im Spätherbst gerne als Nahrung verzehrt. Von der Strömung aufgespült und erfasst, treiben die kleinen Gehäuse hilflos durch das Wasser und werden für Fische eine leichte Beute.

Die meisten Sedges durchlaufen zwei Generationen an Nachwuchs in einem Jahr, auch wenn einige der größeren Sedges bis zu einem Jahr benötigen um schließlich als adultes Insekt an der Wasseroberfläche durch die Puppenhülle zu brechen.

Sedge Pupa © www.cumbriaflyfishing.co.uk

Sedge Pupa © www.cumbriaflyfishing.co.uk

Lebenszyklus – Puppe:
Ungefähr drei Wochen vor dem Schlupf, dichtet die Larve ihren Köcher ab um sich zu verpuppen. Im Inneren der feinsandigen Umhüllung entwickelt sich die Puppe beinahe an das Aussehen des erwachsenen Insekts heran. Die Puppe hat längliche Beine und Antennen und einen gut entwickelten Hinterleib mit üblicherweise acht Segmenten. Entlang des Körpers befinden sich Lamellen zur Atmung und es ist nicht ungewöhnlich für Sedges am hinteren Teil des Körpers breiter zu sein als im Brustbereich. Der vergleichsweise kleine Brustkörper verleiht den Sedge Puppen ein pyramidenförmiges Aussehen.

Nach Abschluss des Verpuppungsprozesses durchbricht diese die Versiegelung des Gehäuses und kriecht aus dieser, um danach an die Wasseroberfläche zu schwimmen und dort letztendlich die Oberflächenspannung des Wassers zu durchbrechen, den Kokon unter äußerster Anstrengung zu sprengen und als geschlechtsreife Köcherfliege zu entschlüpfen. Letztlich geschlüpft, verharrt die Köcherfliegen einige Minuten auf der obersten Wasserschicht um ihre Flügel zu trocknen bevor sie zu ufernaher Vegetation fliegt.

Trichoptera_Caddis_1

© wikipedia: James Lindsey

Lebenszyklus – Imago:
Ausgewachsene Insekten erscheinen wie Puppen, abgesehen von den vollentwickelten Flügeln, die bei manchen Spezien beinahe durchsichtig sein können. An Land verbringt die Köcherfliege zwischen zwei Wochen und ein paar Monaten um sich auf den Paarunngsvorgang vorzubereiten, Partner oder Partnerin zu finden und nach vollendetem Geschlechtsakt als Weibchen über die Wasseroberfläche zu schlittern und dabei ihre Eier abzulegen um den Zyklus von vorne zu beginnen.

Köcherfliegen sind relativ großwüchsige Insekten. Die größten unter ihnen erreichen eine Körpergröße bis zu 30mm, die kleineren kommen immerhin noch auf 6-7mm und in der Regel treffen wir auf Insekten mit einer Körperlänge von 12 -18mm. Interessanterweise unterscheiden sich Puppen kaum in der Länge vom erwachsenem Insekt.

Die Körperfarbe von Sedge Puppen reicht von schmutzigem Khaki bis zu sehr hellem Grün, wobei selbst unterschiedlichste Brauntöne nichts ungewöhnliches darstellen. Geschlechtsreife, geschlüpfte Insekten besitzen entweder einen grünlichen Körper mit gefleckten Flügeln oder bräunliche durchaus auch graue Körper, wobei diese Spezien dann häufig über semittransparente Flügel verfügen.

Imitation Larve:
Larven kriechen langsam mit ihrem Gehäuse über den Grund. In Flüssen werden sie häufig von der Strömung erfasst und hilflos flussab getrieben. Dabei werden sie leicht zu einer begehrten Beute von Salmoniden. Das trifft besonders während nahrungsärmeren Zeiten, wie zum Beispiel Spätherbst oder Winter zu. In Seen spielen Sedges mit Gehäuse als Nahrungsquelle eine geringere Bedeutung, da sich diese sehr gut in der Lage befinden vor Salmoniden und anderen Räubern zu verstecken.

Imitation Puppe:
Mit dem ersten Auftauchen von Sedges lohnt es sich Puppenmuster anzubinden und Salmoniden vorzusetzen. Ab dem Spätfrühjahr durchlaufen Sedges den Entwicklungsprozess von Puppe zum erwachsenen Insekt. Die Puppe, befreit vom Schutz des Gehäuses, kriecht am Grund umher um den geeigneten Moment zum Aufstieg an die Wasseroberfläche abzuwarten. Bereits zu diesem Zeitpunkt setzen sich Sedges der erhöhten Gefahr aus, Beute von Forelle und Äsche zu werden. Um den finalem Prozess im Schlupfvorgang zu durchlaufen, befördern sich die Puppen an die Wasseroberfläche um letztlich unter allergrößter Anstrengung die Spannung der Wasseroberfläche zu durchbrechen und sich vom Puppenkleid zu befreien. Im Stadium von Aufstieg bis zum Schlupf befinden sich Sedges ebenfalls in einem äußerst verletzlichen Zustand.

Imitation Insekt:
Ausgewachsene Sedges werden unmittelbar nach dem Schlupf, während des Trocknen der Flügel, sowie bei der Rückkehr an die Wasseroberfläche nach der Befruchtung zur Eiablage, am häufigsten Opfer von Attacken von Räubern. Während der Eiablage schlittern Sedges über das Wasser. Dieser Vorgang kann leicht imitiert werden und Sedges sind wohl die einzigen Trockenfliegen für die Drag von Vorteil sein kann um Salmoniden zum Beißen zu bewegen.

Schlüpfe:
Sedges befinden sich relative spät im Schlupfzyklus von Insekten an heimischen Flüssen. Vereinzelt findet man sie bereits ab April vor (Grannom). Ab Ende Mai bis Mitte September kann man relativ verlässlich mit dem Schlupf von Sedges rechnen, welche oft vom späten Nachmittag an, während der Dämmerung bis hin zum Schutz der Nacht stattfinden.

Schlüpfende Köcherfliege © James Lindsey's Ecology of Commanster Site

Schlüpfende Köcherfliege © James Lindsey’s Ecology of Commanster Site


Bindeanleitungen für Köcherfliegen findet Ihr mit diesem Link

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