Eyebrook Reservoir, England: Stillwasser Fliegenfischen at its best!

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Kürzlich kam ich an dem im Sauerland gelegenen Möhnesee vorbei. Einem Stausee beachtlicher Größe – 10km2 Wasseroberfläche – mit artenreichem und gesundem Fischbestand. Selbst Maränen (Renken) werden zusammen mit Hechten und Seeforellen millionenfach als Besatzzuchtfische ausgesetzt und entwickeln sich prächtig. Und als ich so die Kurzbeschreibung des Anglerparadies Möhnesee durchlas – insbesondere Hechte, Barsche und Aale gibt es reichlich, doch auch dicke Karpfen, Rotaugen und Brassen lassen so manches Anglerherz höher schlagen – fing mein Herz an laut zu pochen in Erinnerung an einen Ausflug vor wenigen Wochen an das englische Eyebrook Reservoir. Einem Stausee und Fliegenfischerparadies in Northamptonshire (UK) voll mit Bach- und Regenbogenforellen. Und durch das Schicksal des 2.Weltkriegs eng mit der Möhneseetalsperre verbunden.

© Wikimedia Commons: Snowmanradio

Eyebrook Reservoir © Wikimedia Commons: Snowmanradio

Ähnlich der zwischen 1908-1913 erbauten Möhneseetalsperre – im Jahr der Einweihung der größte Stausee Europas – diente Eyebrook Reservoir in der Vergangenheit einem industriellen Zweck und belieferte seit 1940 die nahegelegenen Stewarts & Lloyds Corby Stahlwerke (heute Tata Steel Europe) mit Brauchwasser. 1942 öffnete Eyebrook Reservoir für das Fliegenfischen vom Ufer als auch vom Boot aus.

In den frühen Maitagen 1943 blieben die Boote jedoch in der Anlegestelle, als an zwei aufeinander folgenden Nächten Lancaster Bomber in 18 Meter Höher über den Stausee donnerten. Diente Eyebrook Reservoir doch der Vorbereitung auf das Kommando, das in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943, die Staumauern einiger Talsperren im heutigen Nordrhein-Westfalen und Hessen zerstören wird. Ein bedauerlicher – militärisch jedoch notwendiger – Akt um das Ende des verhassten Krieges zu beschleunigen.

Eyebrook Reservoir - Trainingsgelände der Dambuster Kommandounternehmen

Eyebrook Reservoir – Trainingsgelände des Dambuster Kommandounternehmen © Flickr: Adam Burt

Schon lange wollte ich am in der Nähe der Schwiegereltern gelegenen Eyebrook Reservoir fischen. Am 2. April dieses Jahres fand ich endlich die Gelegenheit mit Fischpartner Andrew, diesem Idyll einen Besuch abzustatten. Der See unterscheidet sich von den anderen in der Nähe befindlichen, wahrscheinlich noch bekannteren Reservoirs Rutland Water und Grafham Water, durch seine Intimität. Eyebrook ist ein Reservoir für Fliegenfischer – Punkt aus.

Muss man an anderen Stauseen das Gewässer mit Wassersportlern aller Art teilen, so ist Eyebrook einzig der Fliegenfischerei vorbehalten. Hierzu steht eine moderne Flotte aus 26 Booten zur Verfügung, darunter zwei Behinderten freundliche Wheely Boats für den Zutritt mit Rollstühlen.

Eyebrook Reservoir - Bootflotte © Eyebrook Trout Fishery

Eyebrook Reservoir – Bootflotte © Eyebrook Trout Fishery

Andrew und ich entschieden uns an diesem Tag – sonnig aber relativ kalt – jedoch vom Ufer aus unser Glück zu versuchen. Erwärmen sich ufernahe Regionen doch lange vor dem Rest des Sees und einige wenige Sonnenstrahlen reichen aus, um das Unterwasserleben in Aufregung zu versetzten. Zuckmückenpuppen (Buzzers) steigen an die Oberfläche um zu schlüpfen, Libellenlarven kriechen am Grund entlang ans trockene Ufer zur Häutung, Wasserflöhe (Daphnien) schweben in großen Wolken durch das Wasser. Und diese Aktivität signalisiert Forellen, dass es Zeit ist das im Winter verlorene Gewicht wieder aufzupacken.

Eyebrook ist weit über die Grenzen der Midlands hinaus bekannt für sein einzigartiges Nymphen und Trockenfliegenfischen. Während an vielen Reservoirs Fliegenfischer standardmäßig zur Streamers, Lures und anderen Reizfliegen greifen – speziell am Saisonanfang – herrschen in Eyebrook die Vertreter einer naturnahen Variante des Fliegenfischens vor. Buzzers, Damselnymph, Diawl Bach, Cruncher, PTNs, GRHEs und Montana Nymphen sind hier die erste Wahl, wenn Ende März die Saison eröffnet.

Buzzers

Unterschätzt nie örtliches Wissen über Fangstellen und Köderwahl! Ein kurzes Gespräch an der Kartenausgabe oder dem Tackleshop, kann für den Fangerfolg des Tages ausschlaggebend sein. Es liegt im Interesse der Betreiber Fischer zur Rückkehr ans Gewässer zu gewinnen.

Nymphen: Lures

Den Wagen unter den Bäumen entlang des Ufers geparkt, setzten wir unsere Ruten zusammen. Zu Jahresbeginn und -ende verwende ich gerne eine WT7/8 mit genügend Rückgrat um häufig auftretenden Winden mit Nachdruck zu begegnen. Auch Sinkschnüre beim Bootfischen lassen sich damit für den nächsten Wurf souverän aus dem Wasser heben. Der sonnige Tag veranlasste uns aber rasch dazu, an diesem Tag einer Trockenschnur mit einer Montage aus drei Nymphen den Vorzug zu geben. Der über die rechte Schulter kommende Wind war nicht ideal. Doch nicht böig genug um die verlässlichen Aussagen an der Kartenausgabenstelle über Fangstellen der vergangenen Tage zu ignorieren.

Ausreichend Abstand zum nächsten Fischer gebietet der Abstand - selbst wenn dieser mehr fängt als man selbst

Ausreichend Abstand zum nächsten Fischer gebietet der Abstand – selbst wenn dieser auf einen Schwarm trifft!

Mit vier Lagen Kleidung geht es dann in dreißig bis fünfzig Meter Abstand zu einander ins Wasser. Links von mir, in etwa hundertfünfzig Meter Entfernung sehe ich einen Fischer im Drill und meine Zuversicht über eine erfolgreichen Tag wächst. Bevor sich die berechtigte Hoffnung jedoch in einen festen Zug an der Schnur verwandelt, gilt es durch Probieren Gewissheit zu zwei wesentlichen Komponenten zu erfahren. In welcher Tiefe cruised der Fisch und wie energisch ist er bei der Nahrungssuche? Diese beiden Faktoren sind beim Reservoir fischen wahrscheinlich wichtiger als die Wahl des Musters. Und so stehen Andrew und ich im eiskalten Wasser und gehen davon aus, dass bedingt durch die geringe Erwärmung der letzten Wochen, zum einen die Fische sicherlich noch tief stehen und des Weiteren, die Nahrungsaufnahme dadurch noch gemächlicher angehen. Kaum den Gedanken zu Ende gesponnen, nehme ich aus dem Augenwinkel Andrew’s gebogene Rute wahr und weiss: Heute wird ein guter Tag!

Eyebrook_Landing_Trout

Die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht suche ich systematisch die Wassertiefe ab in dem ich mit jedem Wurf mein Trio aus zwei Buzzern und einer Diawl Bach um jeweils fünf Sekunden länger absinken lasse. Sammelt sich Gewächs am Haken beim Einholen der Schnur, habe ich Gewissheit grundnah zu fischen. Am Himmel beobachte ich das stete Kreisen eines Fischadlers – bereits seit 1956 ist Eyebrook Reservoir ein Site of Special Scientific Interest (SSSI) und wird dementsprechend nach Auflagen des Umweltministeriums gemanagt – während ich langsamer als langsam mit einer Achterschlaufe die Schnur einhole. Und während ich noch dem eleganten Flugs des Adlers folge und mir überlege wer von uns beiden wohl zuerst eine Forelle erbeuten wird, verspüre ich einen Schlag in der Schnur. Zuerst einen, dann einen weiteren.

Beim elektrisierenden Schlag der sich über die Fliegenschnur bis in die letzten Nervenzellen meines  Körpers überträgt, fällt es nicht leicht Ruhe zu bewahren. Ich spreche aus hart erlernter Erfahrung wenn ich davon berichte, dass ich unzählige Male mit dem reflexartigen Anhieb, der Forelle die Beute vor der Nase wegzog. Warum sich Forellen nicht immer sofort auf den kleinen Happen stürzen ist mir unerklärlich. Beim Fischen mit Streamern oder Beutefischimitationen ist dies Taktik jedoch häufig zu beobachten. Mit rasanter Geschwindigkeit stürzt sich die Forelle auf die Fischbrut, lähmt diese mit einem Schlag der Schwanzflosse, um darauf die hilflosen und betäubten Brütlinge von der Wassseroberfläche einzusammeln.

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Aus der Erfahrung gelernt und nun besser auf diesen Moment vorbereitet, beschleunige ich die Achterschlaufen Handbewegung, um der interessierten Forelle eine fliehende Zuckmückenpuppe zu signalisieren. Sekunden später streckt sich die Schnur und nach dem Anhieb verbeugt sich meine Rute vor dem ersten Fisch des Tages. Andrew – der zu der Zeit bereits vier hatte – sollte Recht behalten haben in seiner Annahme, die Fische befinden sich noch nahe am Grund. Und so zeigt sich die Flanke der kräftigen Forelle besetzt von Egeln. Nachdem ich nun Einholgeschwindigkeit und Sinktiefe bestimmt hatte, konnte ich innerhalb einer halben Stunde auf Andrews Fangerfolg anschliessen.

Den Winter grundnah verbracht, zieren oft Egel die Flanken von Regenbogenforellen

Den Winter grundnah verbracht, zieren oft Egel die Flanken von Regenbogenforellen

Nach so einem Auftakt fischt es sich entspannt. Die Fresslaune der Forellen war dennoch verblüffend. Im Laufe des Tages konnten Andrew und ich Forellen aus allen Tiefen an den Haken bringen und sowohl Streckerfliege, als auch Mittel- und Topspringer verleiteten die Fische zum Anbiss. Dem nicht genug entschied ich mich nach der achten Forelle meine Montage völlig umzukrempeln, da ich wissen wollte ob sich der Umbau irgendwie auf die Erfolgsrate auswirkt. Zu meiner Freude verübte die Kombination aus Nymphen und Reizfliege den selben Effekt. Auch bei dieser Zusammenstellung fingen alle drei der nun eingesetzten Fliegen. Einige Male kam ich nicht einmal dazu mein Trio zum Grund sinken zu lassen und noch während ich zählte um die Einholtiefe meiner Fliegen zu bestimmen, straffte sich die Fliegenschnur und signalisierte einen Biss.

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Nachdem Andrew und ich Fisch um Fisch fingen, gönnten wir uns eine verdiente Pause in der Sonne, füllten unsere Bäuche mit Pork Pies und stiessen mit kubanischem Rum auf unser Glück an. Mit einem Grinsen von Ohr zu Ohr stimmten wir überein, dass es heute nicht besser werden könne. Mein Gott hatten wir uns getäuscht!

Als es langsam Zeit wurde einzupacken, um meine Weiterreise nach London anzutreten, hakte Andrew seine bisher beste Regenbogenforelle aus Eyebrook, die später die Waage bei 4.45kg anschlagen lassen wird. Ob in dieser Größe eingesetzt oder herangewachsen lässt sich schwer einschätzen. Die kräftige, makellose Rückenflosse erlaubte jedoch den Rückschluss, dass diese prächtige Forelle bereits mindesten eine Saison sich im Gewässer befand.

Fangerfolge wie wir sie an diesem Tag erlebten, sind selbst in einem gut besetzten Stausee wie Eyebrook und den anderen Midlands Reservoirs nicht an der Tagesordnung, und nicht selten musste ich mich mit einem Fisch während des ganzen Tages begnügen.  Ein Blick auf den Fangbericht auf der Homepage von Eyebrook Reservoir berichtet mir zum heutigen Stand, einen durchschnittlichen Fang pro Fischer von 3.54 Fischen pro Tag. Somit waren meine dreizehn und Andrew’s mehr als zwanzig an jenem sonnigen Apriltag sicherlich eine Ausnahme, wie man sie als Fischer ganz selten erlebt.

Und auch schätzen soll – die dürftigen Tage kommen ganz bestimmt wieder!

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Für interessierte Leserinnen und Leser an einer Reise nach Eyebrook Reservoir, bin ich bei Fragen jederzeit da. Gerne übernehme ich auch die Organisation der Reise – Info zu Anreise, Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten, Buchung des Ferienhauses, Guide und Fischereilizenzen. Füllt bitte untenstehendes Formular aus und schlüsselt in einigen Worten auf: wie viele Personen, Zeitpunkt des Urlaubs und ich erstelle ein attraktives Angebot. Freue mich von Euch zu hören, tight lines.

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Comments

  1. Anonymous says:

    Man Tankred you sure do get around !
    Nice one CJ

  2. Anonymous says:

    Hi Tankred,
    wieder einmal ein schöner Bericht!

    Gruß
    Hans

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