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Forelle & Äsche | Fliegenfischen | Fliegenbinden

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Crippled Midge – Zuckmücken als unterschätzter Schlüssel zum Wintererfolg

by Tankred Rinder Leave a Comment

Insektenaktivität an der Oberfläche begegnet man um die Jahreszeit nicht sehr häufig. Wer aber selbst im Dezember einen Ausflug oder Spaziergang an einem geliebten Fluss macht, wird hin und wieder einen Fisch an der Oberfläche erkennen. Wonach diese steigen, lässt sich schwer mit 100% Sicherheit bestimmen. Wirft man aber den Blick gegen den Himmel in Richtung Ufervegetation, lässt sich das Flirren kleiner Mücken (Buzzers) ausmachen. Einer konstant während des Jahresverlaufs vorhandenen Nahrungsquelle an Gewässern, deren Untergrund sandige bis stellenweise schlammige Stellen aufweist. In diesem Substrat fühlen sich Zuckmücken wohl und schlüpfen selbst zur Winterzeit bei moderaten Temperaturen, wie wir sie zur Zeit in weiten Teilen Deutschlands antreffen.

Stillwasser-Wissen und die lange unterschätzte Rolle der Zuckmücke

Dem Stillwasser Fliegenfischer ist das schon lange bekannt. Zuckmücken sind die ersten Insekten die im zeitigen Frühjahr schlüpfen. Zugleich auch die letzten die während ein wenig Sonneneinstrahlung auch in der kalten Jahreszeit noch aktiv sind. Der Fliegenfischer im Fluss hat traditionell diesem Muster wenig Beachtung geschenkt. Wozu auch, wenn in vielen Revieren die Saison Mitte Oktober endet und er sich noch auf passable Aktivität von Eintags- und Köcherfliegen verlassen kann.

Eine immer häufiger anzutreffende Verlängerung der Forellensaison bis Ende Dezember, ein Umstand der dem Besatz mit Regenbogenforellen zu verdanken ist, sowie eine zunehmende, der Landwirtschaft geschuldeten Sedimentierung heimischer Niederungsflüsse, verlangt jedoch nach einem Weiterdenken bezüglich der vom Fliegenfischer angebotenen Nahrungsimitation. Tritt ins Lampenlicht – Crippled Midge

Begegnet bin ich dem Muster bei der von mir verschlungenen Lektüre von Stan Headley im englischen Trout & Salmon Magazin. Er ist Schotte und lebte viele Jahre auf den Orkney Inseln, die mit Ausnahme weniger kleiner Bäche, einzig über Lochs aber keine Flüsse verfügen. Die im hohen Norden gelegene Inselgruppe, weist dank des Golfstroms ganzjährig Temperaturen über dem Gefrierpunkt auf. Seine Art zu fischen, zu denken und zu schreiben, hat mich seit Ewigkeiten fasziniert und inspiriert. Wer jemals in Schottland oder Irland klassisch Loch-Style fischen möchte, wird um seine hervorragenden Publikationen “The Loch Fisher’s Bible” und “Reflections on the Loch: Tales, Tactics and Top Flies for Loch Trout” nicht umhinkommen.

Wenn Theorie gewinnt

Für F&Ä hat Andy Paschek die Crippled Midge gebunden und das Muster direkt von seinem Garten aus an der steirischen Mur getestet hat. Dort hatte es während der letzten Wochen nächtens bereits -12°. Die eingangs beschriebenen Konditionen waren nicht vorzufinden. Nach einem steigenden Fisch Ausschau zu halten? Sinnlos. Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg zum Propheten kommen – meinte Andy. Das Muster wurde also am Seitenarm einer Montage mit beschwerter Nymphe gefischt.

Eine gar nicht so abwegige Idee – schließlich ertrinken Cripples und Stillborns und werden unter die Oberfläche gedrückt und sinken ab. Am Strecker befand sich nicht irgendeine beschwerte Nymphe, sondern eine die Andy Paschek 2025 die allermeisten Fänge bescherte. Die Überraschung war zugegeben groß, als während der Erprobung, die Crippled Midge sich während schwieriger Bedingungen gegen diese sichere Bank durchsetzte. Ein Hoch auf die Crippled Midge!

Bindematerial

Haken: 16-20

Faden: Braun 8/0

Fühler & Wing Post: Floss oder Polypropylen (weiß)

Rippung: Tinsel fein (gold)

Körper: kräftig orange-braunes Robbenfell

Hechel: Furnace (hell)

Thorax: Hasenmaske (grob) mit ausreichend Deckhaar

Beim Binden des Musters gilt es darauf zu achten, dass der Körper luftiger gedubbt wird als der Thorax. Der darf etwas dichter sein. Ein Galgen Tool hilft wie bei allen Parachute Mustern. Die Hechel wird ganz dicht am Körper/Haken um den Wing Post gewickelt wird und die Windungen wandern nicht – wie oft üblich – den Wing Post hoch. Los geht’s.

1. Den Haken fixieren, eine Grundwicklung legen. Das Polypropylen zu einer Schlaufe formen und einbinden.

2. Das Tinsel einbinden und das Dubbing locker am Faden anbringen.

3. Zwei Drittel des Hakens locker mit dem Dubbing umwickeln und danach die Rippung anbringen bis an die Stelle, an der sich der Wing Post befinden wird.

4. Den Bindefaden vor den Polypropylen-Stamm (Wing Post) in Richtung Öhr bringen und eine Furnace Hechel einbinden.

5. Den Faden bis ans Öhr führen. Danach das Hasenfell anbringen und das Dubbing zurück an den Wing Post wickeln

6a. Als nächstes folgt der vermutlich schwierigste Schritt. Die Wing Post Schlaufe im Galgen Tool anbringen und die Hechel so dicht es geht von oben beginnend nach unten wickeln. 6b. Die Hechel sicher abbinden, indem ein paar Windungen um den Hechelstamm gelegt werden und danach einige mehr um den Hakenschenkel. 6c. Als nächstes das Polypropylen über den Thorax legen und am Öhr sichern.

7. Danach einen Kopfknoten anbringen und mit ein paar Tropfen Lack sichern. Zuletzt die Fühler auf die gewünschte Länge zurechtschneiden. Fertig ist die Crippled Midge. Happy Tying!

Herzlichen Dank an Andy Pasche aka @mojo_flies für das gebundene Muster und die Fotografie. Besucht seinen Instagram Kanal, um weitere tolle Fliegen zu finden und mehr über seinen Rutenbau zu erfahren.

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