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Forelle & Äsche | Fliegenfischen | Fliegenbinden

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Lass die Puppen steigen: Technik und Tipps für den Caddis-Schlupf

by Tankred Rinder 2 Comments

Wie jedes Jahr überfällt mich zu der Zeit die schleichende Erkenntnis – die Salmonidensaison geht zu Ende. Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt denke ich mir. Eben noch vertiefte ich mich in die Fliegenfischerei mit Köcherfliegen (Sedge/Caddis) Puppen, zack fahren auch diese von mir zu lange ignorierten Insekten ihre aktive Schlupfzeit deutlich zurück. Foto: © Walter Reisinger. Immerhin lassen die milden Temperaturen hier in NRW auf eine Emergenz von Zuckmücken hoffen. Meine Boxen sind auf alle Fälle fürs kommende Wochenende darauf ausgerichtet.

Wird es auch dafür zu kalt, bleibt immerhin Zeit, mich intensiver mit der von mir bislang sträflich vernachlässigten Fischerei mit Puppernmustern zu vertiefen. Im letzten Beitrag habe ich schon von meinen bisherigen Erfahrungen damit berichtet. Tiefer darin eingedrungen bin ich schon während der letzten Wochen, dank Caddisflies von Gary LaFontaine aus dem Jahre 1981. Einem erstaunlichen Werk das sich auf 336 Seiten einzig und allein Köcherfliegen widmet.

Seinem wissenschaftlichen Hintergrund ist es wohl geschuldet, dass er über 200 Stunden lang – den Taucheranzug übergezogen – im Wasser verbrachte, um deren Verhalten zu studieren. Caddisflies ist eines der Bücher, die man immer und immer wieder lesen kann und soll. Zu verdichtet ist der Informationsgehalt, um beim einmaligen Lesen alle die Erkenntnisse, Thesen, Tipps und Tricks aufzunehmen. Nur so lassen sich meiner Meinung nach, LaFontaines Erfahrungen den eigenen Beobachtungen gegenüberstellen und daraus am Wasser die richtigen Schlüsse zu ziehen. 

Klappe ich meine Fliegenboxen auf, macht sich die Erkenntnis breit, Reihe um Reihe sind mit Eintagsfliegenmustern bestückt. Natürlich wird die ein oder andere Goldkopfnymphe (z.B. Hares Ear) wahrscheinlich als Köcherfliegenlarve aufgefasst werden. Aber mit Ausnahme des jüngst vorgestellten Musters, sowie einer Reihe an Super Pupas in unterschiedlichen Größen, die ich stark gefettet am mit Mucilin behandelten Vorfach fische, ist meine Auswahl an Puppenmustern sehr gering. Dabei quillt Walter Reisingers Entomologie für Fliegenfischer förmlich über damit. Greif zum Buch Junge und setze dich damit an den Bindestock, flüstere ich mir zu!

Seht selbst nach, wenn ihr das Buch besitzt. Wenn nicht, werde ich seit mehr als zehn Jahren nicht müde, den Kauf dieses Buches zu empfehlen. Nicht nur der Darstellung der biologischen Artenvielfalt unserer Gewässer wegen, sondern auch wegen der immensen Anzahl an wirklich interessanten, aus meiner laienhaften Sicht, kreativen und trotzdem nicht zu schwer zu verarbeitenden Fliegenmustern. Für Caddisflies hingegen muss man mittlerweile etwas tiefer in die Taschen greifen: Fluch und Segen des E-Commerce. Egal wie nischenhaft das Thema und das Interesse daran erscheint – global gesehen ist es doch eine große Menge, die hinter einem in geringfügiger Menge vorhandenem Produkt her sind. Mit etwas Geduld und Merkzetteln auf allen verfügbaren Marktplätzen, lassen sich aber meist irgendwann günstige Exemplare ergattern. Aber ich schweife ab. 

© Michael Wenzel (MW Art Flies)

Präsentation ist und bleibt das A&O beim Fliegenfischen, meiner Meinung nach. Puppenmuster lebensnah darzustellen ist anspruchsvoll. Es stimmt, dass Köcherfliegenpuppen eine grundnahe Driftphase und eine an der Unterseite des Oberflächenfilms zurücklegen. Beides ist mit einer gewöhnlichen Dead Drift gut abzubilden. Für den Aufstieg an die Oberfläche muss man aber ein wenig bewusster dieses Verhalten nachahmen zu versuchen. Außer man belässt es dabei, die Fliege auszuschwingen, was diese an die Oberfläche drückt. Meine Beobachtung echt guter Nymphenfischer lehrt mich aber, dass die oft kleine Aktionen beim Begleiten der abdriftenden Nymphe einbauen. Ein Tappen am Griff, ein regelmäßiges Anheben und Senken der Rute – und schon haucht man dem Muster mehr Leben ein.

Eine erstaunliche Beobachtung LaFontaines während seiner Tauchgänge ist die Konzentration der Nahrungsaufnahme verteilt über die gesamte Gewässersäule:

➤ 10% erfolgt von der Oberfläche 

➤ 10% von der Unterseite des Oberflächenfilms

➤ 60% in der Drift im Mittelwasser

➤ 15% am Gewässergrund

➤ 5% erfolgt ohne klare vorherige Positionierung 

Somit ist aus seiner Sicht die gerne zitierte Behauptung, “…Fische fressen entweder von der Oberfläche oder am Grund…” elementar unrichtig und missachtet dabei 75% der Fläche, an der Insekten in ihren unterschiedlichen Stadien aufgenommen werden. Ich wage zu behaupten, dass seit der Bucherscheinung 1981 im Oberflächenfilm sitzenden Emergermustern (Klinkhammer, Parachute & Para Loop Stil) eindeutig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und doch erinnere ich mich an eine Unterhaltung bei John Norris in Penrith, als der Verkäufer mir dazu riet, an den Hakenschenkel des halbtrockenen Emergers einen Dropper mit einer Länge von 10cm und einer kleinen Nymphe daran anzuknüpfen. Nicht und nicht wollten die im und auf den Film positionierten Fliegen genommen werden. Die unmittelbar darunter aber wurden mit Gusto aufgeschnappt. Mahlzeiten von Salmoniden erfolgen nun mal dort, wo sich Nahrung konzentriert. Für andere Zonen herrscht währenddessen Blindheit.

Der Schlupf von Köcherfliegen ist in vier Phasen einzuteilen.

  • Die Dead Drift der Puppe knapp über dem Gewässergrund stellt die 1.Phase des einsetzenden Schlupfes dar. Erst beißt sie sich durch den Verschluss des Köchergehäuses. Danach driftet sie bis zu 100 Meter über den Grund entlang. In dieser Phase spricht alles für den Einsatz von beschwerten Köcherfliegenpuppen. Auch ohne erkennbaren Schlupf kann es schlüssig sein, mit schweren Mustern zu fischen, da Massenwanderungen (Behavioural Drift) keine Seltenheit sind. Aquatische Insekten lassen sich dabei an andere Standorte treiben, um Überpopulation an einer Stelle zu verhindern.
  • In Phase 2 steigt das Insekt zügig an die Oberfläche. Größere Arten lassen sich dafür etwas länger Zeit, doch der Aufstieg erfolgt generell flott.
  • Phase 3 spielt sich an der Unterseite des Oberflächenfilms ab. Alle Sedge Puppen zeigen dieses Verhalten und driften an der Position, abhängig von der Art und von atmosphärischen Bedingungen, einige Meter ab. 
  • In Phase 4 durchbricht die Puppe den Film. Die dünne Puppenhülle platzt und das Insekt schlüpft aus. Anders als Eintagsfliegen trocknen Sedges ihre Flügel nicht. Mit ein bis zwei Flügelschlägen heben sie von der Oberfläche ab. Ein Mitgrund warum sich Salmoniden auf eine unter der Oberfläche hängende Puppe regelrecht stürzen und die Oberfläche und mit einem Sprung durchbrechen. Einige Köcherfliegen Vertreter wiederum laufen schräg gegen die Strömung ans Ufer. Andere wiederum schwimmen unter der Oberfläche ans Ufer und klettern an Steinen und Gewächs an die Luft.

Fragt sich nur noch, wie erkennt man einen einsetzenden Köcherfliegenschlupf, wenn die innerhalb weniger Sekunden vom Wasser abheben, oder zum Ausschlüpfen unter der Oberfläche ans Ufer schwimmen? 

1. Keine erkennbaren Insekten an der Oberfläche bei gleichzeitiger Beobachtung fressender Fische (Schwalle, Wasserverdrängungen)

2. Springende Forellen sind ein deutlicher Hinweis, auf vom Grund aufsteigende Puppen die abgefangen werden sollen. Der Antrieb der raubenden Fische lässt sie regelrecht aus dem Wasser schießen.

3. Buckelnde Fische und laute Klatscher lassen einen Köcherfliegenschlupf erahnen. Beide Steigformen sind auch bei der Aufnahme anderer Insekten zu beobachten. Treten die aber gemeinsam während einer Fressperiode auf, ist das ein guter Hinweis, dass die Nahrung Köcherfliegenpuppen sein könnten. 

Großartig am Fliegenfischen ist die Vielfalt an Nahrungsformen, die zu imitieren ist und die unterschiedlichsten Herausforderungen die so am Wasser angetroffen werden. Sich die Zeit zu nehmen, das Verhalten von Fischen zu beobachten und darauf seine Taktik auszurichten, zählt zu den erfüllendsten Formen dieser Tätigkeit. Salmoniden sind keine Kostverächter. Sie lassen sich während konzentrierter Fressphasen vereinzelt auch mit anderen Mustern und Taktiken fangen. Aber sie bewusst und überlegt mit einer der Situation angepassten Fliege zu täuschen, zählt für mich zu den magischsten Momenten.

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Comments

  1. Oliver von Richter says

    at

    Danke für die beiden Artikel Tankred, Deine Beobachtungen decken sich mit meinen. Die Tabelle in diesem Artikel drängt nach einer Veränderung am Bindetisch und in der Fliegenbox.
    Ich habe nicht viele Bücher zum Thema Fliegen. Die Entemologie für Fluegenfischer ist natürlich dabei. Das Buch von Gary LaFontaine wird sich dazugesellen.
    Wenn mir dann noch jemand zeigt wie man an gestreckter Schnur die Bisse erkennt ist die Welt perfekt

    Reply
    • Tankred Rinder says

      at

      Sehr gerne Oliver,
      Es freut mich, dass deine Erkenntnisse sich mit meinen decken. Mir macht es einfach immer mehr Freude, variabel mit der Fliege zu fischen, anstatt mit den gleichen Methoden die schon immer funktionierten. Neues zu probieren macht Spaß.
      Lafontaines Buch ist weit mehr als ein Fliegenbuch. Es liefert Einblick in den Lebenszyklus von Köcherfliegen und wie der Fliegenfischer, sich diese Nahrungsquelle – dominanter als andere Insektenarten – zu Nutze macht.
      Walter Reisinger hat über seine Muster vor beinahe zwanzig Jahren einen tollen Bericht geschrieben https://www.flyfishingloidl.at/wp-content/uploads/2017/05/lafontaine_1.pdf
      Reisingers Buch ist auch weit mehr als ein Entomologiebuch. Das zu erkennen, dazu habe ich auch länger gebraucht. Wirklich tolle Muster sind in ‚Entomologie für Fliegenfischer‘ zu finden.
      Zur gestreckten Schnur in aller Kürze: Konzentriere dich darauf, was nicht passiert. Sprich in gewohnter Manier und Tempo abzutreiben. Ein kurzes Verharren Stocken, Stehenbleiben, ist oft ein Biss.
      Wünsche dir einen schönen 3. Advent.
      Grüße, Tankred

      Reply

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