Vergangenen Sommer hatte ich eine Offenbarung, während ich durch eine Broschüre der Österreichischen Fischereigesellschaft gegr. 1880 blätterte. In dicken kursiven Lettern fand ich eine wunderbare Aussage von Dr. Michael Hofmeier. “Nicht die Erleichterung, sondern die kunstvolle Erschwerung führt zu wahrer Befriedigung in der Fliegenfischerei” behauptet er. Der Hinweis bekräftigt den von mir vor wenigen Jahren eingeschlagenen Weg, so oft es geht, auf tief geführte schwere Nymphen und auf Short-Line Techniken zu verzichten.
Warum? Weil Salmoniden nicht nur am Flussgrund oder an der Oberfläche fressen. Es fällt zwar nicht immer leicht, auf die sichere Bank des Kontakt-Nymphens zu verzichten. Immer leichter aber, sobald sich die Gelegenheit bietet, Fische bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten. Die Ausbeute mag dabei zwar etwas geringer sein, die Freude über einen gefangenen Fisch aber ungleich größer. Darauf kommt es mir mehr und mehr an – ich suche den Spaß an der herausfordernden Umsetzung. An der Platzierung am virtuellen Scoreboard bin ich weniger interessiert.
Am Gewässer an dem ich fische, sind fast immer Fische bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten. Ein lautes Platschen da, ein Ring dort – oder eine Forelle die wie eine von einem U-Boot abgefeuerte Rakete aus dem Wasser geschossen kommt. Seit langem dachte ich schon, dass es sich dabei um die Jagd auf Köcherfliegen handelt. So richtig Klick gemacht, hat es aber erst vor Kurzem. Bis dahin griff ich instinktiv immer nach einer Elk Hair Caddis oder Buck Caddis. Damit konnte ich auch einigen Erfolg verbuchen. Noch effektiver stellten sich Klinkhammers oder Parachute Emergers heraus. Richtig überzeugt war ich aber weder von den Oberflächen-Mustern noch von denen im Film. Warum?
Die Fänge fühlten sich nach Glückstreffern an. Je öfter ich das Spektakel beobachtete, umso mehr kam ich zur Überzeugung, dass diese Fische keine geschlüpften Köcherfliegen fraßen. Was sie abfingen, mussten Sedge-Puppen sein – dachte ich mir. Und die treiben oft Dutzende Meter im Mittelwasser oder nahe der Oberfläche, bevor sie zum Schlupf ansetzen
Also erinnerte ich mich an ein Muster, dass ich von einem slowenisch/steirischen Freund geschenkt bekam, als wir gemeinsam an der Pöls fischten. Würde sich das Muster als Lokalfavorit herausstellen, oder auch hier bei mir seine Verführkraft entfalten? Aus einer der selten benutzten Fliegenbox hervorgekramt, musste es den Beweis antreten, ob meine These hält. Und voila, das Muster enttäuschte nicht.
So ließ ich mir von ihm eine Video-Bindeanleitung zukommen. Auf den ersten Blick wirkt die Fliege umständlicher zu binden, als es tatsächlich der Fall ist. Innerhalb weniger Stunden hatte sogar ich ein Dutzend gebunden. Da mir das nicht so sauber und so kreativ in Szene gesetzt gelingt wie Andy Paschek, von dem ich kürzlich berichtete, bat ich ihn, für dich werter Leser von F&Ä, diese Rhyacophila Puppe zu binden. Weder sind mir der Urheber noch etwas von der Entstehungsgeschichte dieses Musters bekannt. So begnügen wir uns mit der Bezeichnung Sedge (Caddis) Puppe.
Walter Reisinger berichtet in Entomologie für Fliegenfischer davon, dass Details wie Fühler und Flügel vermutlich wenig zum Bissreiz dieser Art von Muster beitragen. Damit hat er vermutlich recht. Und doch ist es befriedigend eine Fliege mit etwas mehr Detail zu binden. Vor allem dann, wenn diese Ergänzungen wirklich keine all zu große Bindeerschwernis darstellt. Obendrein kommt dieses Muster mit ganz wenig Bindematerial aus. Das Kapitel zu den Köcherfliegen in seinem Buch möchte ich überhaupt jedem ans Herz legen. Dort finden sich auch einige spannende Muster. Beim nächsten Versuch übe ich mich dann an Gary LaFontaines Sparkle Pupa und Deep Sparkle Pupa. Dazu bald mehr.

Bindematerial Sedge Puppe
Haken: Curved (Gammarus), Marke egal Gr. 12-16
Faden: dunkelbraun
Rippung: Kupferdraht (fein)
Unterkörper: bleifreier Draht
Körper: Seals Fur olive/green
Thorax/ Beine/ Flügel: Fasanenstoß

Den Haken einspannen, eine Grundwicklung legen, etwas Kupferdraht in der Hakenbeugung einbinden und ein paar Windungen Wickelblei anbringen.

a. den Körper bis zu einem Drittel vor dem Hakenöhr dubben. b. den Körper ribben c. ein Bündel Fasanenfibern an den Spitzen einbinden. Nicht zu lange und nicht zu kurz überstehen lassen.

a. Die Spitzen werden jetzt erst zurückgeklappt und fixiert. b. Im nächsten Schritt werden die so lange zwischen den Fingern gerollt, bis Knicke und leichte Verformungen an den Spitzen erkennbar sind. Es wird überraschen, wie widerstandsfähig Fasanenstoßspitzen gegen Krafteinwirkung sind (s. nächste Abbildung).

Ähneln die Beinchen erst denen von Insekten, ist es Zeit für den nächsten Schritt. Nimm 5-6 Fasanenfibern, fasse die Fibern mittig und schlag sie um zu einer Schlaufe und binde sie auf beiden Seiten ein. Das imitiert die Flügel der Puppe.

Als nächstes bindest du jeweils links und rechts zwei Fibern ein, die ein gutes Stück über den Körper rausragen. Das imitiert die beiden Antennen.

Im nächsten Schritt greifen wir die Fasanenfibern die am Thorax eingebunden wurden und klappen sie nach vor über das Hakenöhr und fixieren die Fibern mit einer Windung oder zwei. (s. Abbildung darunter)

Das über das Öhr stehenden Fibern klappen wir wieder zurück, legen sie über den Thorax und fixieren sie dort. (s. Abbildung unten). Mit einer Dubbingnadel gehst du zwischen die beiden Lagen und bildest ein kleines Köpfchen.

Zuletzt wird der Faden etwas lackiert, danach ein Kopfknoten gebunden und der Binderest entfernt. Fertig ist die Sedge (Caddis) Puppe

Auf den ersten Blick mag das Muster kompliziert zu binden erscheinen. Aber glaub mir, dass sogar ich mit meinen moderaten Bindefähigkeiten, das ganz gut hinbekomme. Der Umstand, dass es nur ganz wenige Materialien braucht, um diese Puppe zu binden, hat dieses Muster schnell zu einem Favoriten von mit gemacht. Das sich dieses in seiner Form sehr nahe am natürlichen Vorbild bewegt, lässt sich an der Abbildung darunter erkennen.
Happy Fly Tying!


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