New Zealand Dropper, Duo Nymphe, Klink and Dink

 

Nymphen Duo einsatzbereit © flickr: kasperbs

Nymphen Duo einsatzbereit © flickr: kasperbs

Wo es erlaubt ist, besteht die Zusammenstellung meines Tippets für den Fang von Forelle & Äsche, aus einem Duo von zwei Nymphen, oder aus einer Trockenfliege in Kombination mit einer Nymphe. Bei dieser Zusammenstellung aus Fliegen unterschiedlichster Eigenschaft und Größe, steht nicht immer wie vielleicht angenommen, die Potenzierung der Fangchancen durch die größere Anzahl von Fliegen in einer Drift  im Vordergrund.

Dieses vordergründige Motive spielt unbestritten eine sehr wichtige Rolle, erlaubt es dem Fliegenfischer doch zwei unterschiedliche Wassertiefen abzusuchen. Ein weiterer wesentlicher Nutzen aus einem Multifliegenwurf ergibt sich jedoch, aus der Zuordnung einer Nymphe oder Trockenfliege zu einem taktischen Einsatz.

Mehrere Jahre lang ging ich davon aus, dass Nymphen und Trockenfliegen so nahe wie möglich an ihre natürlichen Vorbilder angelehnt, gebunden werden sollten. Mit Bezug auf klassische Fachliteratur des Fliegenfischens, kam es mir nicht in den Sinn diese logische Annahme zu hinterfragen. Erst mit dem Erfolg der sich durch die Verwendung universell gültiger, höchst fangfähiger Muster wie z.B. einer Adams, Prince Nymphe etc. einstellte – deren Aussehen trotz realistischer Vortäuschung, auf keinem in der Natur vorkommenden Vorbild beruht –  begann ich meine Haltung zu diesem Trugbild zu hinterfragen.

Mit dem Studium von Publikationen zeitgenössischer Meister des Fliegenfischen und etlichen Tagen an Versuch und Irrtum, musste ich als kritischer Schüler anerkennen: entscheidender als Größe, Form und Farbe der Nachahmung – ohne Zweifel hochwichtige Komponenten für den Fang von Forelle & Äsche – bleibt die Präsentation der künstlichen Fliege.

Fliegenfischen Duo Nymphe

Wie und wahrscheinlich bedeutender, in welcher Tiefe, bewegt sich die präsentierte Fliege? Wie sitzt die Trockene am Wasser auf? Im Oberfächenfilm mit Teilen des Körpers versenkt, oder stolz erhoben auf ihren Hecheln ruhend.

An diesem Ansatz knüpft die Duo Nymphen Methode – gerne auch New Zealand Dropper, oder Klink and Dink genannt – an. Der Einsatz dieser Taktik wurde, wie die Bezeichnung der Technik andeutet aus Neuseeland importiert, wo örtliche Fliegenfischer Nymphen unter  einem Bissanzeiger durch verheissungsvolle Rinnen treiben lassen. Dabei werden zwei Nymphen unterschiedlicher Größe in verschiedenen Wassertiefen angeboten.

Diese Vorgehensweise ist besonders bei der Waid auf Regenbogenforellen von Bedeutung. Im Gegensatz zu Bachforellen, bevorzugen Regenbogner die Nahrungsaufnahme in einer horizontalen Ebene. Bachforellen hingegen zeigen eine Vorliebe zur vertikalen Jagd und steigen dabei beachtlich viele Meter, um Oberflächennahrung zu sich zu nehmen. Selbstredend, dass diese Regel von der Tiefe des Wasser abhängig ist und Ausnahmen im Verhalten von Fischen, wie immer die Regel bestätigen.

Regenbogner auf Point Fly © flickr: kasperbs

Regenbogner auf Point Fly © flickr: kasperbs

„There is only one theory about angling in which I have perfect confidence, and this is that the two words, least appropriate to any statement, about it, are the words „always“ and „never.“ Sir Edward Grey            

Verfeinert wurde diese Methode, durch den Ersatz des Bissanzeigers mit einer sehr schwimmfähigen Trockenfliege. Dies könnte ein großes Sedgemuster, Simulator, Humpy oder ähnlich unsinkbares Muster sein, welches wie ein Weinkorken durch alle Schnellen dümpelt, ohne sich die Blöße des Ertrinkens zu geben.

Trotz der Reizfähigkeit der genannten Muster, greife ich bei bei gemächlicheren Flüssen eher auf einen Parachute Emerger oder Klinkhammer zurück, dessen vergleichsweise geringer Furchtfaktor in Kombination mit dem tiefgelegten Körper und des Hinterlassens eines deutlichen ‚Abdruck‘ auf der Wasseroberfläche, die scheueste Forelle & Äsche aus den Tiefen lockt.

 

Klink & Dink mit Parachute Emerger © Amy Frost

Klink & Dink mit Parachute Emerger © Amy Frost

Über Auftrieb verfügen beide Muster genug um selbst eine beschwerte Nymphe der Größe 14 abwärts, hinter sich her zu ziehen. Diese Kombination aus Trockener und Nymphe ermöglicht es, die gewählte Nymphe in einer bestimmten, durch die Länge des Vorfachs bestimmten, Tiefe zu fischen. Der Emerger, über seine Rolle als Tiefenregler hinaus, wird seiner Rolle als Fischmagnet häufig gerecht. Das er darüberhinaus nicht dieselbe Frustration hinterlässt wie andere Bissanzeiger – heftig attackiert ohne einen Fang zu hinterlassen – machen Auskriechermuster einfach zu ersten Wahl, wenn Nymphenfischen mit einer Form von Bissanzeigern betrieben werden möchte.

Ein weiterer effizienter und dabei taktischer Einsatz eines Duos an Nymphen wurde uns Mitteleuropäern, durch die Effektivität des Czech Nymphing vor Augen geführt. Eine stark beschwerte Nymphe bringt dabei eine weiter oberhalb am Tippet angeknüpfte – oftmals sehr kleine Nymphe – in die gewünschte Tiefe von Forelle & Äsche. Ohne die starke Beschwerung der Nymphe an der Spitze, deren Gewicht als Stabilisator fungiert und vorgeknöpfte kleine Nymphen über dem Wassergrund treiben lässt, wäre es kaum möglich die Nymphe in einer konstanten Drifttiefe zu führen.

Seitliche Wurföffnung verhindert Verhedderung © Amy Frost

Seitliche Wurföffnung verhindert Verhedderung © Amy Frost

Das die ‚Opferfliege‘ – egal ob beschwerte Nymphe oder Trockene – ihren gerechten Anteil an Fischen fängt, stellt einen Bonus dar, den es bei Zweifel in Anbetracht der Notwendigkeit eines Duos/Trios an Fliegen zu berücksichtigen gibt. Die Wurffähigkeit des Köders , wird durch die Nutzung einer Kombination aus Fliegen aus meiner Sicht unwesentlich beeinträchtigt. Mit ein wenig Anpassung und Übung – ein etwas offenerer Loop mit leicht seitlich geneigter Rute bei Rück- und Vorwurf – lässt sich der befürchtete Vorfachsalat ohne weiteres verhindern.

Klink and Dink in der Praxis

Fliegenfischen Duo Nymphe Klink and Dink

Das klassische Set-up einer Trockenfliegen/Nymphen Kombination. Klinkhamers und Parachute Emergers sind auftriebstarke Fliegen und zumeist gehöriger Größe. Der Partridge Klinkhamer 15BN Haken ist gewaltig – im Vergleich zu anderen Trockenfliegenhaken – und Haken in Größe 16 erscheinen riesig. Meine Muster binde ich fast ausschliesslich auf 18-20. Alternativ ist ein leichtgewichtiger Gammarus Haken zu empfehlen wie z.B. Kamasan B100.

Die Nymphe kann ruhig einen Goldkopf führen und Muster in der Größe 14 abwärts, sollten keine Klinkhamer oder Parachute Emerger in die Tiefe ziehen. Wie im Diagramm gezeigt, fischt die Nymphe nicht direkt unter der Trockenen, sondern wird von dieser hinterhergezogen. Die Tippetlänge zwischen Emerger und Nymphe beträgt zwischen 50-100cm.

Das Tippet kann direkt am Haken angebunden werden. Diese Variante hat den Nachteil den Widerhaken, der das Tippet am Abrutschen hindert, nicht abklemmen zu können. Ich bevorzuge, Klinkhamer oder Emerger mit einem       5 – 8 cm langen Springerknoten am Vorfach zu befestigen. Das kann sich negativ auf die Bissanzeige auswirken, da diese – wenn auch nur wenigen Zentimeter – heikle Bisse mit raschem Ausspucken vielleicht nicht anzeigen.

Ein weiterer taktischer Nutzen aus einer Trockenfliegen und Nymphkombination ergibt sich aus dem zusätzlichen Gewicht, den die Nymphe dem Set-up verleiht. Weht ein rauher Wind flussabwärts, kann dieser die Trockenfliegenfischerei in diesem Moment obsolet machen. Beschwerte Nymphen sind einfacher gegen den Wind zu werfen. Somit ermöglicht die Duo-Nymph Methode, dieses Hindernis zu überkommen und die Trockene muss nicht aufgrund unbarmherziger Windverhältnisse in der Fliegendose bleiben.

Duo Nymphe in der Praxis

Fliegenfischen Duo Nymphe Montage

Bei dieser Anwendung dient die beschwerte Nymphe dazu, die kleinere voran geknüpfte Nymphe rasch auf Tauchgang zu bringen und diese in der Strömung zu stabilisieren. Die leichte Nymphe wird durch die Ankerfunktion der Goldkopf – oder anderen beschwerten Nymphe auf gewünschter Tiefe gehalten. Im Spannungsfeld zwischen dem Gewicht der Pointfly, der Strömungskraft und dem Ende der Fliegenschnur, kann die vorgeschaltete Nymphe relative konstant in einer – bestimmt durch den Abstand zwischen beschwerter und leichter Nymphe –  Tiefe geführt werden.

Czech Nymphen in der Praxis

Fliegenfischen Duo Nymphe Czech Nymphe

Diese Nymphenkombination stellt die größte wurftechnische Herausforderung dar. Auch wenn diese aus Polen stammende und von Tschechen verfeinerte Technik, ihren Ursprung im Mangel an käuflich verfügbaren Fliegenschnüren findet, ergibt sich der praktische Nutzen der kurzgeführten Wurfschnur im Weiteren aus dieser sehr speziellen Köderzusammenstellung.

Die kleinere, leichte Nymphe wird in diesem Beispiel an das Tippetende geknüpft. Im Wurf drängt die schwere Nymphe dazu, die leichte zu überholen, was bei Leerwürfen unweigerlich zu Vorfachsalaten führt. Darum bewährt sich bei dieser Methode, die Nymphen flussauf zu schlenzen. Das Gewicht der beschwerten Nymphe ist dabei ausreichend, das Vorfach einige Meter weit zu befördern.

Beschwerte Nymphen, zeichnen sich durch einen Mangel an Beweglichkeit und Verführbarkeit aus. Deshalb lohnt es sich die Position der schweren Nymphe am Vorfach voranzuschalten, um die leichte Nymphe dem Spiel der Strömung auszusetzen und in kurzem Abstand – maximal 20 – 30cm – mobil und lebhaft, ein wenig über dem Flussgrund entlang trudeln zu lassen.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Duo Nymphen – wie man sie befestigt

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