Mit taktischen und technischen Tipps zu mehr Erfolg beim Fliegenfischen. Bindeanleitung fängiger Fliegen für jede Jahreszeit. Fliegenfischen Bücher und Reisen
Ein sehr erfreulicher Aspekt der Crowdfunding-Kampagne für die Bücher „Trout Bum“ und „Forellenjagd“ (läuft noch bis zum 8. Juli): Obwohl Bob Wyatt weit weniger bekannt ist als die Fliegenfischer-Legende John Gierach, hält sich „Forellenjagd“ bei den Vorbestellungen fast die Waage – das aktuelle Duell steht bei 109 zu 118. Dass meine Leserschaft erneut darauf vertraut, ich besäße ein gutes Händchen bei der Auswahl von Büchern für das Forelle & Äsche Verlagsprogramm, freut mich sehr.
Nachdem in den letzten zwei Wochen bereits die Leseproben für „Trout Bum“ veröffentlicht wurden, folgt nun ein Auszug aus dem zweiten Buch. Damit du genau weißt, worauf du dich freuen kannst – und als kleine Entscheidungshilfe, falls du die Kampagne noch unterstützen möchtest –, findest du im nächsten Beitrag exklusive Einblicke in „Forellenjagd“:
Das neue Vorwort der überarbeiteten Version von 2025
Die originale, übersetzte Bucheinleitung
Das Inhaltsverzeichnis für den perfekten Überblick
Bob Wyatts Vorwortzur ‘Forellenjagd’ Neuausgabe 2025
Eines der bedeutendsten Werke über die Beziehung zwischen Mensch und Beute ist „Meditationen über die Jagd“ des bedeutenden spanischen Philosophen Ortega y Gasset. Ich habe dieses wunderbare Buch als eine Art konzeptionelles Gerüst für „Trout Hunting“ genutzt, daher auch der Titel. Ortega hat sich intensiv mit dem Geist und der Psychologie der Jagd auseinandergesetzt, insbesondere mit der Idee, dass die Jagd einen nicht nur glücklich macht, sondern selbst eine Form des Glücks ist.
Die Literatur zum Fliegenfischen ist eine langjährige empirische Untersuchung der Erfahrungen, Interpretationen und traditionellen Einstellungen von Anglern. Ich musste mich mit einigen anspruchsvollen, aber unumstrittenen Erkenntnissen über die Beziehung zwischen Raubtier und Beute vertraut machen – was schließlich auch die Beziehung zwischen uns und der Forelle ist.
Man sagt, Zeit sei Geld. Das stimmt nicht. Im Gegensatz zu Geld kann man Zeit nicht sparen, man kann sie nur ausgeben. Mit achtzig Jahren wird einem bewusst, dass das Leben keine Generalprobe ist. Nach sieben Jahrzehnten, in denen ich mich mit dem Fliegenfischen beschäftigt habe, beginne ich erst jetzt, einige Dinge umfänglich zu begreifen. In den Achtzigerjahren habe ich meine Vorstellungen vom Verhalten von Forellen und davon, wie sie auf unsere Fliegen reagieren, überdacht. In den Neunzigerjahren schrieb ich einige Artikel für die britische Zeitschrift „Fly Fishing & Fly Tying“ und einige andere Magazine. YouTube gab es damals noch nicht, und so kam eins zum anderen. Meine Angelkumpels ermutigten mich, diese Ideen in einem Buch zusammenzufassen. „Trout Hunting“ erschien 2004. „What Trout Want: The Educated Trout and Other Myths“ folgte 2013.
Ich hielt es für wichtig, beide Themen so gründlich wie möglich zu recherchieren, was mich in unbekannte, aber faszinierende Gewässer führte. Die Abschnitte über das Fliegendesign beschreiben einige traditionelle, meiner Meinung nach jedoch falsche Interpretationen des Verhaltens von Forellen. Das bedeutete, dass ich meine Argumente so gut wie möglich untermauern musste. Ich stieß auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die einige Fragen aufwarfen. Die Wissenschaft ist schließlich eine endlose Reise voller Fragen, Herausforderungen, Ketzerei und Beweise. Schlussfolgerungen unterliegen stets dem, was Wissenschaftler als Falsifizierung bezeichnen, was wiederum zu noch mehr Fragen und weiteren Entdeckungen führt. So funktioniert Wissenschaft.
In dem Vierteljahrhundert seit seiner Veröffentlichung wurde dieses Buch von der Online-Kultur des Fliegenfischens überholt. Die anspruchsvolleren und für manche geradezu anstößigen Ideen hätten vielleicht etwas klarer formuliert werden können. Ich habe die eine oder andere unverblümte Meinung abgeschwächt oder revidiert. Neue Erkenntnisse haben meine Sichtweise in einigen Punkten verändert, doch bei den Kernargumenten bin ich weitgehend bei meiner Meinung geblieben. Die Philosophie und Ästhetik, auf denen die große Tradition des Fliegenfischens beruht, sind nach wie vor dieselben.
Eines möchte ich an dieser Stelle klarstellen: meinen Respekt vor den Größen der Fliegenfischer-Literatur, meinen Helden, insbesondere G.E.M. Skues, Vincent Marinaro, Gary LaFontaine, Joe Brooks, Swisher & Richards sowie einigen anderen, weniger bekannten Autoren, die unsere Herangehensweise an diesen wunderbaren Sport und die Fische, die wir fangen, maßgeblich geprägt und verbessert haben. Einige der wichtigen Bücher werden hier hervorgehoben, um vielleicht einen jungen Angler, der gerne Bücher liest, dazu anzuregen, sich mit ihnen vertraut zu machen.
Beim Fliegenfischen dreht sich alles um die Menschen, mit denen man angelt. Meine Angelkumpels, mein Vater, meine Onkel und Brüder sowie viele andere haben so viel zu den schönsten Momenten meines langen Lebens beigetragen. Ich hoffe, sie alle wissen, was sie mir bedeuten.
„Wenn man auf der Jagd ist, fühlt sich die Luft anders an, viel feiner, wenn sie über die Haut streicht und in die Lungen strömt; die Felsen erhalten eine ausdrucksstärkere Gestalt, die Vegetation wird bedeutungsvoll … Im Mittelpunkt des Ganzen steht jene mystische Vereinigung mit dem Tier, ein Spüren und Vorahnung davon, die den Jäger automatisch dazu bringt, die Umgebung aus der Perspektive der Beute wahrzunehmen.“ José Ortega y Gasset (Meditationen über die Jagd, 1942)
Einleitung: Was ist Fliegenfischen eigentlich? Welten erschaffen
Zunächst einmal geht es beim Fliegenfischen nicht nur darum, Fische zu fangen. Es gibt viele Möglichkeiten, Fische zu fangen, daher erscheint das Fliegenfischen aus manchen Blickwinkeln nicht besonders sinnvoll. Ähnlich wie in der Kunst- oder Sportwelt lässt es sich von außen nicht genau beurteilen. Das bedeutet, dass Außenstehende es meist nicht verstehen. Es ist kompliziert.
Für einen Insider ist das Fliegenfischen mehr als nur ein Interesse, ein (bloßes) Hobby oder ein Zeitvertreib. Es ist „eine eigene Welt“, ein komplexes Geflecht aus Sehnsüchten, Erfahrungen und Assoziationen. Es betrifft deine Finanzen, deine emotionalen Beziehungen, deinen Geschmack und deine Kinder. Normalerweise gehören auch deine engsten Freunde dazu. Es macht Spaß, hat aber mit wilden Lebewesen zu tun, daher ist es eine ernste Angelegenheit. Als ernsthafte Tätigkeit ist es in unser Selbstverständnis integriert, so real wie unsere Persönlichkeit.
Das Fliegenfischen verkörpert eine der wenigen westlichen kulturellen Erzählungen, die die Moderne unbeschadet überstanden haben. Ich möchte den Begriff „große Erzählungen“ jedoch nicht verwenden, denn wenn man seine eigenen Leidenschaften beschreibt, verfällt man allzu leicht in solche Übertreibungen. Der Begriff „groß“ sollte vielleicht bedeutenden kulturellen Erzählungen wie Demokratie, Religion und Fußball vorbehalten bleiben.
Andererseits ist es nicht abwegig, das Fliegenfischen mit dem zu vergleichen, was Kulturphilosophen als die „Meistererzählungen“ der Kunst bezeichnen. Verschiedene Kunstformen und kulturelle Praktiken wie das elisabethanische Theater und die Oper haben sich erhalten – als intellektuelle Kuriositäten in einem Kultur-Themenpark des 21. Jahrhunderts –, während sich das Fliegenfischen, das weder Kunst noch Sport ist, ästhetisch und praktisch in erstaunlichem Tempo weiterentwickelt hat und weltweit an Dynamik zu gewinnen scheint.
Autoren, die über das Fliegenfischen schreiben, bringen oft Aelian ins Spiel, jenen Römer aus dem 2. Jahrhundert, der die makedonische Praxis beschrieb, Fische mit gefleckter Haut mit einem Köder aus roter Wolle und Federn von unterhalb des Kehllappens eines Hahns zu fangen (da, jetzt habe ich ihn selbst wieder ins Spiel gebracht). Wir alle erkennen die Bedeutung dieses Moments. Das Fliegenfischen war erfunden worden – der Beginn einer ununterbrochenen Geschichte, die sich über zwei Jahrtausende erstreckt. Spontan fällt mir nichts Vergleichbares ein. Die Jagd mit Pferden und Hunden – möglicherweise der einzige sogenannte Blutsport, der das Fliegenfischen hinsichtlich seiner langen Tradition noch übertrifft – scheint in Europa nach Tausenden von Jahren ununterbrochener Tradition nun endgültig vorbei zu sein.
Das Fliegenfischen scheint die Moderne nicht als uriges kulturelles Relikt überstanden zu haben, sondern als lebendige und kreative Aktivität, die erst jetzt in ihr goldenes Zeitalter eintritt. Die dazugehörige Ausrüstung ist effizient und elegant, ja sogar exquisit – ganz zu schweigen davon, dass sie teuer ist. Die Verhaltens- und Praxisregeln sind selbstregulierend, aber fortschrittlich. Wer hätte sich vor hundert Jahren vorstellen können, dass das „Fangen und Freilassen“ (Catch & Release) heute so große Akzeptanz findet?
Die wohlhabenderen und fanatischeren unter uns werfen Fliegen auf jede nur erdenkliche Fischart in jeder nur vorstellbaren Gewässerart, und zwar überall auf der Welt aus. Es erscheint uns gar nicht mehr exotisch oder seltsam, wenn wir den neuesten Fotobericht über die sportlichen Qualitäten eines völlig unbekannten Fisches in den Sümpfen Neuguineas lesen. Jemand sagt: „Mann, diese honduranischen Fledermausfische ziehen dir die Spule in zehn Sekunden glatt leer!“ Und wir sagen nur: „Okay! Wie viel kostet der Flug?“
Diese Einstellung ist so weit verbreitet, dass jeder, mit dem ich angeln gehe – unabhängig von seiner finanziellen Situation –, davon ausgeht, dass er früher oder später einmal auf Tarpon, Permit oder Bonefish angeln wird. Wir wägen die jeweiligen Kosten und Vorteile ab. Hmmm. Mal sehen … die Zahnbehandlung oder die Reise zur Kola-Halbinsel?
Jedenfalls wird auch deutlich, dass viele allmählich erkennen, wie sehr das Fliegenfischen den Alltag durchdrungen hat. Die Literatur war noch nie so reflektiert und philosophisch, obwohl sie schon immer ziemlich romantisch war. Die Amerikaner setzen die neuen Ideologien wie üblich in die Tat um, aber Reflexivität und ein selbstgestaltetes Leben sind so amerikanisch wie das beliebte Frühstücksgericht Biscuits and Gravy.
Da es kaum alte kulturelle Erzählungen gibt, um die man sich Gedanken machen müsste, haben die Amerikaner stets ohne zu zögern eigene erdacht. Der nordamerikanische Fliegenfischer wurde neu erfunden – von einer idyllischen und etwas puritanischen Figur à la Ted Trueblood zu einem charmanten, sportlichen, redegewandten, gut informierten, politisch bewussten, sympathischen und etwas ironischen Weltenabenteurer … und es steht ihm gut. Britische Angler sind im Großen und Ganzen etwas konservativer, auch wenn sich das derzeit rasch ändert. Vielleicht haben sie das Gefühl, dass es in Bezug auf die Tradition mehr zu bewahren gibt.
Jeden Juli gehe ich mit einer Gruppe von Freunden im Nordwesten Schottlands angeln. Letztes Jahr haben wir nach dem Abendessen Gedichte des britischen Hofdichters Ted Hughes zum Thema Fliegenfischen vorgelesen, um seines Todes zu gedenken. Es wirkte weder prätentiös noch peinlich (na ja, vielleicht ein bisschen), und mir wurde klar, dass wir uns in einer neuen Welt befanden. Die Tatsache, dass der nächste Abend zu einem Workshop für schlüpfrige Witze ausartete, schmälerte das Erlebnis des Vortags nicht im Geringsten.
Ich halte es für wichtig zu erkennen, dass diese Entwicklungen nicht, wie manche beklagen, das Ergebnis von bloßem Snobismus oder einer Modeerscheinung sind (auch wenn das Forbes-Magazin verkündete, dass das Fliegenfischen neuerdings die bevorzugte Freizeitbeschäftigung der meisten Unternehmensvorstände sei). Die Reife dieses Sports und sein Potenzial, das Erlebnis zu erweitern, zeigten sich bereits in den sechziger Jahren in der Beliebtheit der Bücher von Joe Brooks, A. J. McLean, Roderick Haig-Brown und anderen.
Anfangs sahen die Buchverlage darin lediglich eine Nischenbewegung, doch schon bald wurde klar, dass eine ganze Generation das Fliegenfischen auf eine Weise für sich entdeckt hatte, die niemand hätte vorhersehen können. Die neue Generation der Fliegenfischer ist vielleicht nicht ganz so belesen, doch die großartigen alten Bücher bewahren die Weisheit dieser Tradition. Nichtsdestotrotz hat die Begeisterung für das Fliegenfischen seit den 70er Jahren einen enormen Aufschwung erlebt.
Eine Auszeit an einem Bach, in dem Cutthroat-Forellen schwimmen. Billy Wyatt bindet eine neue Fliege.
Die Frage ist: Was kam zuerst – „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ (der Film) oder die Bereitschaft des Publikums dafür? Ganz offensichtlich hatte Regisseur Robert Redford ein Gespür für die Mischung aus Romantik, politischer Korrektheit und stilvollem Umweltschutz, die er in diesem Film so wirkungsvoll verpackte. Wir waren nicht nur bereit dafür, wir waren geradezu hungrig danach. Es war nichts weiter als ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Dinge verändert hatten. Dieser Film hatte eine enorme Wirkung, hat aber nichts ausgelöst – außer vielleicht bei ein paar Modeopfern, denen der Look einfach gefiel.
Die Literatur hat die Entwicklung des Fliegenfischens widergespiegelt. Ich erinnere mich an das, was ich an dem Tag tat, als ich von Roderick Haig-Browns Tod erfuhr, genauso wie ich mich an den Tag erinnere, an dem Präsident Kennedy erschossen wurde. Ich war nicht auf das Gefühl des Verlusts vorbereitet, das mich überkam. Ich hatte das Gefühl, ihn zu kennen, und war fest davon überzeugt, ihn eines Tages am Fluss zu treffen. Das war zwar nie wirklich im Bereich des Möglichen, aber wenn ich auf Vancouver Island am Stamp, am Gold oder am Englishman angelte, befand ich mich in seinem Revier. Er hatte meine Erfahrung mit diesen Flüssen – und mit allen Flüssen überhaupt – geprägt. Ich angelte nun bewusster, auf die richtige Art und Weise, mit mehr Sorgfalt und Zurückhaltung, als ich es an den Flüssen meiner rücksichtslosen Jugend getan hatte.
Die große Erzählung des Fliegenfischens (sie ist schließlich ziemlich großartig) bewirkt, dass Reflexivität untrennbar mit dem Erlebnis verbunden ist; wir denken nach, während wir die Tätigkeit ausüben, und nicht erst im Nachhinein. Wir sind keine bloßen Beobachter, sondern Teilnehmer am Lauf der Dinge. Wir formen uns selbst, während wir das Erlebnis gestalten, und fügen dieses Erlebnis der Summe einer Welt hinzu, die wir selbst erschaffen.
Das Wichtigste ist, dass wir uns mit der realen Welt verbunden fühlen, so wie wir sie uns wünschen – einer weitläufigen Welt voller frischer Luft, klarem Wasser und wilden Tieren, nach denen wir mit unserer kunstvoll gefertigten Fliege suchen. Diese Erfahrung prägt unseren Sinn für Schönheit und Proportionen und gibt uns einen Anhaltspunkt dafür, was uns als wahre Werte erscheinen. Wenn wir ganz in das Fliegenfischen eintauchen, befinden wir uns manchmal in einem Zustand reinen, selbstbewussten Glücks.
Das Fliegenfischen ist eine tiefgreifende, beständige Quelle der Freude – keine Spielerei.
In seinem letzten Interview vor seinem Tod beschrieb Ted Hughes dies als unsere Suche nach den „ursprünglichen, verlorenen Zuständen, einem Ort, an dem man einer unter den Bären ist“. Das Fliegenfischen ist sicherlich genau das, aber es ist nicht nur die Verkörperung unseres primitiven Ur-Selbst. Es ist auch eine tiefe Verbundenheit mit den ästhetischen Traditionen, die, wie Haig-Brown es ausdrückte, “ihren Ursprung in jenem ersten Mann haben, der sich zum Bach schlich, als der Stamm eigentlich keinen Fisch brauchte”. Ein weiterer Hughes – diesmal Robert –, der seit fünfundzwanzig Jahren Fliegenfischer ist und als Kunstkritiker für das „Time“-Magazin tätig ist, vertritt in seinem Buch „A Jerk on One End“ die These, dass Hemingway nicht aus Beutegier vom Angeln besessen war, sondern weil er ein Ästhet und Stilist war.
Wir angeln zum Vergnügen, und die Ästhetik des Fliegenfischens ist eine tiefe und verlässliche Quelle dieses Vergnügens. Das Fliegenfischen ist im Wesentlichen nicht wettkampforientiert und so elegant, dass es schwierig und unzutreffend ist, es als Sport einzustufen, und es ist sicherlich keine bloße Spielerei, obwohl es schnell zu einer solchen werden kann. Trotz der gängigen Einordnung hat es nie wirklich den Status einer Kunst erreicht – bis jetzt jedenfalls, da sich seine Ziele tatsächlich dem Zustand der Kunst annähern.
Kunstphilosophen haben (erneut) verkündet, dass die Kunst tot sei; das heißt, die Traditionen und übergreifenden Erzählungen der bildenden Kunst seien unterbrochen worden und hätten nun keine Bedeutung mehr. Angesichts des Bruchs des kulturellen Bedeutungszusammenhangs in den Traditionen der Kunst, der Religion und vieler anderer ethnischer und kultureller Erzählungen ist es nicht verwunderlich, dass eine so stimmige und schöne Beschäftigung wie das Fliegenfischen von so vielen Menschen begeistert aufgenommen wird. Nur wenige Kunst- und Sportarten können auf eine so lange, ununterbrochene Tradition, eine so ausgereifte Philosophie oder Wurzeln zurückblicken, die so tief in unserem Wesen als Menschen verankert sind.
Philosophen des Fliegenfischens haben es als Streben nach Unschuld beschrieben. In seinem hervorragenden Buch „What The Trout Said“ zitiert Datus Proper Annie Dillard aus „Pilgrim at Tinker Creek“, und es lohnt sich, dies zu wiederholen „…Man kann der Unschuld nachjagen, wie Jagdhunde Hasen nachjagen: zielstrebig, getrieben von einer Art Liebe, über Bäche stürzend, heulend und verloren in Feldern und Wäldern, mit weit aufgerissenen Augen alle Hecken und Hügel überspringend, lautstark und ganz unbewusst der tiefsten, unverständlichsten Sehnsucht Ausdruck verleihend, einer Flamme, die tief im Herzen lodert.“
Apperzeption – das Bewusstsein um unser eigenes Bewusstsein – macht es uns unmöglich, verlorene Unschuld zu erlangen oder wiederzuerlangen. Die Jagd – und das Fliegenfischen ist zweifellos eine Form der Jagd – bringt uns diesem ursprünglichen Zustand vielleicht am nächsten. Wenn man mittendrin ist, ist man mittendrin.
Ein Ort, an dem man sich wie einer der Bären fühlt
Das Beunruhigende daran ist, dass die Faszination des Fliegenfischens so offensichtlich ist und immer weiter zunimmt, dass wir uns eine Situation vorstellen können, in der es einfach zu viele Fliegenfischer gibt. An einigen der vielbeschriebenen Gewässer ist dies bereits der Fall, und es gibt fast keine „letzten guten Plätze“ mehr, die noch unentdeckt sind. Orte, an denen man sich unter den Bären wie einer von ihnen fühlen kann, gibt es zwar noch, aber die Bären gewöhnen sich langsam daran, von unseren Resten zu leben.
Die Welt verändert sich, und zwar rasant, und es wird immer Menschen geben, die sich ihr Stück vom Kuchen sichern wollen, bevor alles weg ist. Der Rest von uns, der meist hinter anderen herfischt, wird feststellen, dass die echte Wildnis verschwinden wird – aber auch, dass dieser ursprüngliche, verlorene Zustand kein bewahrtes Stückchen Eden ist, das nur mit Geld und per Hubschrauber erreichbar ist. Es ist vielmehr eine Geisteshaltung und eine innere Einstellung.
Forellenjagd: Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Was ist Fliegenfischen eigentlich? Welten erschaffen
Kapitel Eins – Tradition Form folgt Funktion Die Bücher
Kapitel Zwei – Wo man sie findet Ein Ort, von dem man weiß, dass er Forellen beherbergt Das Potenzial des Gewässers
Kapitel 3 – Flüsse I: Das Gewässer befischen Die tief stehende Forelle – eine fundierte Vermutung Fluss-Taktiken: Die abgesunkene Fliege Trockenfliege Erkenntnisse aus Westkanada Kluge Forellen Selektive Forellen
Kapitel 4 – Flüsse II: Sichtfischen Schauen vs. Sehen Erkundungen Fischen während des Schlupfs Erkenntnisse aus Neuseeland
Kapitel 5 – Stillwasser I: Ufer und Boot Erkenntnisse vom Lough Corrib Der Zauber der Reizfliege Echte Farben Das Wasser lesen Den Schlupf nutzen Die statische Trockenfliege Lehren aus Tasmanien
Kapitel 6 – Stillwasser II: Die nördlichen Lochs Die Karst- und Kalksee-Lochs von Cape Wrath
Kapitel 7 – Fliegenbinden Die Unfehlbaren Originalität Das Beuteschema Binden auf Verwundbarkeit I: Der DHE (Deer Hair Emerger) II: Der SHE (Snowshoe Hare Emerger) III: Die DHS (Deer Hair Sedge) IV: Die CDC & Elk V: Die Clipped-Hackle-Dun
Kapitel 8 – Einige neue Techniken und alte Geheimnisse Die zeitgenössische Nassfliege Die moderne irische Lough-Fliege Die magische „Smithy“ Die unverzichtbaren Nymphen Auf Tiefe gehen Die Dame ist ein Fisch Fischchen-Imitate für große Forellen Am Strand
Kapitel 9 – Das Erlebnis ist das Wichtigste Das große “Wettfischen” Schnurtanz mit den Wölfen Anglerlatein Abtauchen ins Unbekannte Der große Schlaf Fangbegrenzungen
Das war es also, das erste übersetzte Kapitel aus Bob Wyatts Forellenjagd. Wenn dir der Auszug gefällt und du gerne das ganze Buch lesen möchtest, klicke auf den orangen Button “Jetzt ansehen & unterstützen”. Mit einer Vorbestellung eines oder beider Bücher sicherst du die Vorfinanzierung der aufwendigen und kostenintensiven Übersetzung aus dem Englischen.
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