Du musst tief am Grund fischen, wird gerne gesagt, um stattliche Fische zu fangen. Vergessen wird bei diesem gut gemeinten Ratschlag, dass besonders Bachforellen in unterspülten Ufern und zwischen Wurzeln, bei Wassertiefen die gerade mal ihren Rücken bedecken, ihr Zuhause aufschlagen. Verlassen sie den Zufluchtsort, haben sie es oft nicht weit bis zur nächsten Futterspur, die nicht nur Bläschen sammelt, sondern auch Insekten im verunglückten Zustand im Oberflächenfilm gefangen hält. Dass die traditionellen, nordenglischen, ungeflügelten Nassfliegen-Muster bestens prädestiniert sind, diese Futterquelle zu imitieren, erzähle ich seit Jahren. Dass es zudem mehrere Varianten gibt, diese und alle anderen Nassfliegen zu fischen, davon berichtet der gebürtige Nordengländer Matt Eastham.
Spider & Nassfliegentechniken: Im Tanz der Strömung
Nachdem ich kürzlich eine Reihe von Spider-Mustern aus dem Norden vorgestellt habe, dachte ich, es wäre vielleicht eine gute Idee, ein paar Worte über ihren erfolgreichen Einsatz zu verlieren. Ich bin weit davon entfernt, ein Experte zu sein. Ich bin jedoch ein begeisterter Fliegenfischer, der jedem der bereit ist, mir zuzuhören, etwas aus seinem Erfahrungsschatz erzählt. Was ich beschreiben kann, sind einige der verschiedenen Arten, wie diese speziellen kleinen Fliegen gefischt werden können – einschließlich der Methoden die für mich am besten zu funktionieren scheinen……und wenn sie für mich klappen, sollte das für jeden anderen der Fall sein!
Spiders sind im Grunde genommen Nassfliegen und werden als solche zum Fischen in den oberen Zentimetern der Wassersäule verwendet. Die Tatsache, dass sie so spärlich und auf relativ dünnen Haken gebunden sind, erleichtert dies. Bei Bedarf können sie aber auch – wie es später beschrieben wird – etwas tiefer gefischt werden können.
Das Fischen mit der Nassfliege ist heutzutage nicht mehr sonderlich in Mode. In der Tat ist der Begriff „Nassfliege“ in gewissem Maße zum Synonym für einen ziemlich simplen und ineffektiven Ansatz geworden, der gemeinhin als „down and across“ (schräg flussab) bezeichnet wird. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte; in den richtigen Händen sind diese Fliegen effektiv und das schon seit Jahrzehnten – es gibt nur wenige bessere Methoden, um große Wasserflächen an regengespeisten Flüssen abzusuchen.
Obwohl es viele Variationen und kleinere Taktiken gibt, um mit Spiders zu fischen, lassen sie sich alle unter zwei großen Überschriften zusammenfassen: „flussab“ und „flussauf“. Je nach der allgemeinen Richtung des Wurfs und der Richtung, in die sich der Angler bewegt, während er durch den Pool fischt.
1. Schräg flussab:
Leider hat die alte „down and across“-Methode dem Nassfliegenfischen im Laufe der Jahre einen schlechten Ruf eingebracht. Gemeinhin wird sie als „chuck and chance it“ (Glücksmethode) bezeichnet. In ihrer einfachsten Form steht der Angler am Pool-Einlauf und wirft ein Team von drei Spiders in einem Winkel von etwa 45° stromabwärts. Die Fliegen lässt er von der Strömung mitreißen, bis sie parallel zum nahen Ufer direkt stromab vom Angler baumeln. Nachdem er ein paar Schritte flussabwärts gegangen ist, wird dieser Vorgang so lange wiederholt, bis der vor ihm liegende Abschnitt ausgefischt ist. Die Theorie besagt, dass durch die schnelle Bewegung quer zur Strömung – hoffentlich vor dem Maul einer sich dort befindlichen Forelle oder Äsche – eine gewisse Aggression und/oder Neugierde in den Fischen geweckt wird. Sie sehen sich quasi dazu animiert, die Fliege zu nehmen. Und das tun sie auch.
Es gibt jedoch einige große Probleme mit dieser Methode:
a. Zieht sie die Aufmerksamkeit meist nur kleinerer Fische auf sich, da sich die Fliegen im Grunde unnatürlich verhalten (winzige Insekten schwimmen nicht schnell quer durch flotte Strömungen). Die größeren, klügeren Bewohner lassen sich nicht so leicht von diesem Trick täuschen.
b. Neigt der Angler dazu, diese Methode an einer straffen Schnur zu fischen. Das führt dann dazu, dass er zwar viele Bisse spürt, wenn die Fische die Fliege untersuchen. Jedoch sind diese Anfasser nicht in der Lage mit der Fliege im Maul abzudrehen, ohne den beträchtlichen Widerstand der Schnur zu spüren und die Fliege sofort wieder auszuspucken.
Im Endeffekt hat der Angler zwar das Gefühl, viel Interesse an seiner Fliege zu wecken, aber nur ein geringer Anteil der Bisse endet als Fisch am Haken. Landet schließlich doch einer an jenem, ist es meist ein kleiner Fisch. Außerdem ist die Methode monoton und offen gesagt langweilig – es ist schlicht und einfach keine Technik für den denkenden Fliegenfischer.
2. Gegenüber und flussab:
Diese Unterscheidung mag trivial klingen, aber die praktische Umsetzung unterscheidet sich erheblich…. und die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Es gibt verschiedene Taktiken, die man unter dieser Überschrift zusammenfassen könnte. (Vielleicht ist Dir die Oliver Edwards „Rolltreppenmethode“ schon einmal zu Ohren gekommen).
Bei allen ist das Grundprinzip sehr ähnlich: Der Angler bewegt sich abwärts durch einen Pool und lässt seine Fliegen stromabwärts von seiner Position treiben. An der oben beschriebenen Technik können jedoch mehrere Änderungen vorgenommen werden, die die Aussichten auf Erfolg erheblich verbessern.
a. Zunächst müssen wir das Verhalten der Fliegen berücksichtigen. In den allermeisten Fällen ist es beim Fischen in Flüssen besser, die Fliegen so lange wie möglich treiben zu lassen, bevor die Strömung ihr Vorankommen beeinträchtigt und eine „unnatürliche“ Bewegung auslöst. Es ist jedoch richtig, dass viele Arten olivfarbener Eintagsfliegen und auch Köcherfliegen flott aus dem Flussbett aufsteigen, um schnell an die Oberfläche zu kommen, wo sie ihren Schlupf vollziehen. Forellen und Äschen haben großes Interesse an dieser Phase des Lebenszyklus der Insekten. Wenn wir also diese Aufwärtsbewegung imitieren können, wird das wahrscheinlich zum Erfolg führen; in diesem Sinne kann ein gewisser „Schwung“ gegen Ende des Wurfs nützlich sein – vorausgesetzt, er wirkt kontrolliert und nicht übertrieben.
b. Ein gewisses Maß an Schnurkontrolle ist erforderlich: Eine hohe Rutenspitze – vielleicht bis zu 45° – ermöglicht es, den größten Teil der Fliegenschnur von der Wasseroberfläche fernzuhalten. Vorausgesetzt es wird ein ausreichend langes Vorfach verwendet — ich würde ein Minimum von 4,30m vorschlagen — , fischen die Fliegen auch so in einer akzeptablen Entfernung vom Angler. Trotzdem aber nahe genug, damit sie genau kontrolliert werden können. Denn gebrochene Strömungen üben ansonsten einen zu großen unerwünschten Einfluss auf die Fliegenschnur aus.
Eine hohe Rutenspitze ist auch wichtig, um Fische an den Haken zu bekommen, die erst weit stromabwärts vom Angler anbeißen. Die hängende Schlaufe der Fliegenschnur zwischen der Rutenspitze und der Wasseroberfläche wirkt als Bissanzeiger und als Stoßdämpfer. Dem Fisch wird so ermöglicht, gegen geringen Widerstand mit der Fliege nach unten zu drehen. Solche Bisse werden nun gesehen, bevor sie gefühlt werden – und eine viel bessere Anhakquote ist die Folge.

Um dies in die Tat umzusetzen, finde ich, dass das folgende Setup an meinen lokalen Flüssen gut funktioniert, und ich würde es jeden Tag der Woche der grundlegenden „down and across“-Methode vorziehen:
(Dort wo erlaubt) besteht das Vorfach aus drei Fliegen: In manchen Fällen – wie zum Beispiel bei relativ sanfter, gleichmäßiger Strömung und wenn die Fische sehr stark auf den Oberflächenfilm achten, um ihre Nahrung zu finden – werden alle diese drei Fliegen Spiders sein. In einer lebhafteren, leicht gebrochenen Strömung und als allgemeine Suchmethode neige ich jedoch dazu, zwei Spiders als Springer am Seitenarm und eine kleine beschwerte Nymphe, wie eine kupferfarbene Hasenohr-Nymphe oder eine PTN (Pheasant Tail Nymphe) als Strecker an der Spitze zu fischen.
Der erste Wurf erfolgt quer und leicht flussaufwärts von meiner Position. Nach der Landung wird die Fliegenschnur sofort etwas flussauf gelegt, was dem Team an Fliegen eine Dead Drift ermöglicht und der Strecker-Fliege ein wenig Zeit zum Absinken gibt. Wir reden hier von keinen großen Tiefen – vielleicht von 30-40cm. Es hat aber den Effekt, das Vorfach zu stabilisieren und dem Wurf ein wenig Ballast hinzuzufügen…., was in ein paar Sekunden wichtig sein wird.
Während dieser Dead Drift Phase zeigen sich die Bisse als Zucken an der Spitze der Fliegenschnur oder vielleicht als „Verwirbelung“ knapp unter der Oberfläche in Nähe einer der Streckerfliegen. Du siehts, für diese Art der Fischerei ist viel Konzentration erforderlich. Wenn sich die Fliegen stromabwärts bewegen, kann es sein, dass die Schnur ein oder zwei weitere mal umgelegt werden muss. Unser Ziel ist es, dass die Strömung das Vorfach zwar erfasst und dieses unter uns zu schwingen beginnt. Die Beschleunigung darf aber nicht zu schnell sein und die Fliegen nicht einfach durch die Oberfläche gezogen werden.
Hier kommt die beschwerte Streckerfliege ins Spiel, die den Wurf etwas weiter unten im Wasser verankert und ein kontrolliertes Auf- und Abschwingen über die Strömung ermöglicht. Meiner Meinung nach wird so das Verhalten des aufsteigenden Insekts vor dem Schlupf imitiert. Dies führt oft zu einem guten, positiven Biss eines anständigen Fisches, der sich als strammer Zug in der Schnur bemerkbar macht. Ähnlich agiert der Nymphenfischer der stromaufwärts fischt, wenn er einen Biss „auslöst“, indem er seine Fliegen zum erneuten Auswerfen sachte anhebt. Denke aber daran, die Rutenspitze dabei hoch zu halten!
Ich hoffe, das hört sich nicht kompliziert an, denn das ist es wahrlich nicht. Qualifiziertere, anschaulichere Informationen lassen sich leicht finden, wenn man weiß, wo man suchen muss: Oliver Edwards’ ausgezeichnete DVD-Reihe enthält eine ausführliche Darstellung der Nassfliegentaktik, und Paul Procter behandelt das Spidersfischen regelmäßig in seinen Artikeln für die Zeitschrift Trout & Salmon.
3. Der Stromauf-Ansatz.
In vielerlei Hinsicht ist dies die Quintessenz des Angelns im Norden Englands. Es ist eine wunderbar subtile Art und Weise, Spiders an der Oberfläche und im Oberflächenfilm, sichtbar steigenden Fischen zu präsentieren. Traditionell wird die mit einer langen Rute (mindesten 9ft, besser noch 10ft) und einer sehr kurzen Schnur praktiziert. Dies geht auf die frühesten Anfänge der Tradition in Nordengland zurück, als die Ruten noch schwer und unhandlich waren und die Fliegenschnur bestenfalls mäßig schwimmfähig war. Aus der Not heraus wurde die Wurfdistanz mit einer solch unhandlichen Rute kurz gehalten und die Seidenschnur so weit wie möglich vom Wasser ferngehalten. Die Methode war aber zweifellos erfolgreich, da die zarten Spider sich als so gute Imitationen von schlüpfenden, verkrüppelten und ertrunkenen Insekten erwiesen. Gewaltige Fänge waren mit der Methode möglich.
Leider wird diese Technik heutzutage kaum noch praktiziert. Warum das so ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Ich glaube, dass die Entwicklung moderner Emerger-Muster wie z.B. der allgegenwärtigen Klinkhamer, einen großen Anteil daran haben könnte. Früher füllten Spider die Lücke zwischen Trockenfliegen und Nymphen. Also ein Fliegenmuster, das im oder knapp unter dem Oberflächenfilm präsentiert wurde. Es war das Rezept für steigende Fische, die am geschlüpften Insekt kein Interesse hatten und im Film gefangene Fliegen bevorzugten. Heutzutage gibt es jedoch eine Vielzahl von Parachute- und No-Hackle-Mustern, die dieses Kriterium hervorragend erfüllen. Zudem haben die den zusätzlichen Vorteil, dass sie einen „trockenen“ Flügel haben, der für den Angler natürlich deutlich sichtbar bleibt. Die Tatsache, dass Spider-Muster knapp unter der Oberfläche fischen, bedeutet, dass die Bisserkennung bei dieser flussaufwärts gerichteten Technik in der Tat sehr schwierig sein kann.
Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass die Nassfliege stromaufwärts gefischt, die am schwierigsten zu meisternde aller Fließgewässerdisziplinen ist – ich kann verstehen, warum so viele Angler sie zugunsten der relativ unkomplizierten „feuchten“ Trockenfliege meiden. Und doch ist sie eine so lohnende und geschichtsträchtige Methode, dass ich es sehr schade finde, dass sie vernachlässigt wird. Ich versuche auf jeden Fall, ein Auge darauf zu haben und sie ein paar Mal pro Saison einzusetzen; allerdings bei weitem nicht oft genug, um auch nur annähernd kompetent darin zu sein!
Die Grundlagen sind wie folgt: Sobald erkennbar ist, dass die Fische sich von Insekten ernähren, die in und knapp unter der Oberflächenschicht gefangen sind (Emerger, ertrunkene Duns, tief liegende Terrestrials usw.), kommen Spider zum Einsatz. Ein Duo oder ein Trio an Fliegen – dort wo es gestattet ist – wird an einer sehr kurzen Schnur flussaufwärts geworfen. Nach Möglichkeit werden dabei steigende Fische angeworfen. Doch auch als Suchtaktik, bei der der Angler auf dem Weg nach oben durch den Pool alle wahrscheinlichen Standplätze abdeckt, eignet sich diese Technik.
Die Schwierigkeit liegt in der Bisserkennung. Die können sich auf verschiedene Weise manifestieren. Wir können zum Beispiel sehen, wie sich in dem Bereich, in dem wir unsere Fliegen vermuten, eine Erhebung des Wasser bildet, oder vielleicht das Aufblitzen eines sich drehenden Fisches. Oft sehen wir, wie die Spitze unserer Fliegenschnur schnell nach vorne sticht. Das erfordert höchste Konzentration, da wir mehrere Bereiche auf der Wasseroberfläche gleichzeitig im Auge behalten müssen – die Streckerfliege kann 3,50 – 4,50m von der Spitze der Fliegenschnur entfernt sein. Zugleich müssen wir aber beide Bereiche im Auge behalten.
Ein guter Spiderfischer der flussaufwärts fischt, hat so etwas wie den sechsten Sinn des Euro-Nymphen-Anglers, der fast unbewusst erkennt, wann er die Rute in Vorausahnung eines Bisses heben muss. Um mit der Stromauf-Spider Methode erfolgreich zu fischen, muss man völlig im Einklang mit seiner Umgebung sein. Man muss wirklich „in the zone“ sein. Es kann eine frustrierend schwierige Technik sein, die aber zugleich sehr lohnend ist. Zu sehen, wie eine große Äsche aus dem Flussbett aufsteigt und sich auf einen ungesehenen Happen unter der Oberfläche stürzt, bevor man die Rute hebt und feststellt, mit ihr nun verbunden zu sein, ist schwer beeindruckend.
Ich empfehle von ganzem Herzen, es beim nächsten Mal auszuprobieren, bevor man zu den Klinks greift!


Herzlichen Dank für diesen Beitrag an Matt Eastham – einen fanatischen Fliegenfischer, der seine Besessenheit fürs Fischen, Fliegenbinden und Fotografie lange Zeit im nun vom Netz genommenen Blog North Country Angler festhielt. Als geschätzter Schreiber und Fotograf liefert er regelmäßig Beiträge für Publikationen wie Trout & Salmon und Eat, Sleep, Fish.

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Sehr schön geschrieben! Anerkennung von einem Spiderfan!!👍🏼🎣
Vielen Dank Peter – es freut mich immer von anderen begeisterten Spider-Fischern zu hören. Für mich ist die Art der Angelei vom Spannungsfaktor dem Fischen mit der Trockenfliege gleichzusetzen.
Tight lines, Tankred