Fliegenfischer sehen ihre Fliegen üblicherweise, wenn sie diese kaufen, bzw. an das Vorfach knüpfen. Wer seine Muster selber bindet, sieht das fertige Produkt erstmals am Bindetisch. Beim Fischen sehen sie die Fliege auf der Wasseroberfläche, Nymphen und Nassfliegen nur dann, wenn das Wasser sichtig ist und diese Muster nicht zu tief gefischt werden. Sie sehen ihre Fliegen nie so, wie sie von den Fischen wahrgenommen werden. Das gleiche gilt für die Fischnährtiere, ausgenommen man beobachtet diese in einem Aquarium. Mit einigen Tricks und moderner Fototechnik ist es problemlos möglich die Sichtweise des Fisches zu imitieren, sagt Walter Reisinger, der den folgenden Beitrag verfasste.
Meilensteine der Unterwasser-Fotografie und Literatur
Der Amerikaner Edward R. Hewitt war meines Wissens der erste der 1922 in dem Buch „Secrets of the Salmon“ solche Fotos veröffentlichte (noch in schwarz/weiß Aufnahmen). Eines der besten Werke zu diesem Thema stammt von den Engländern Brian Clarke und John Goddard. Dieses Buch erschien 1982 auch in deutscher Sprache („Die Forelle und die Fliege“), war jahrelang vergriffen und ist nun in einer zweiten Auflage erschienen. Ich kann es jedem interessierten Fliegenfischer empfehlen. Welches Interesse dieses Buch auf den britischen Inseln – wo Fliegenfischen einen wesentlich höheren Stellenwert hat als bei uns – hervorrief, zeigt die Tatsache, dass die BBC mit den beiden Autoren einen Film zu diesem Thema produzierte, der mehrmals gesendet wurde.
2019 nahmen sich Peter Hayes und Don Stazicker des Themas an und sorgten mit „Trout and Flies: Getting Closer“ für eine faszinierende moderne Betrachtung des Themas. Es ist ein grandioses E-Book, das mit Links und QR-Codes zu Aufnahmen weiterleitet, die uns aus nächster Nähe das Steig- und Fressverhalten von Forellen beobachten lassen – eine absolute Empfehlung.
In neueren Büchern zum Thema Insektenkunde findet man normalerweise sehr gute Unterwasserfotos von Wasserinsekten. Auch wir haben einige solcher Aufnahmen in unserem Buch „Entomologie für Fliegenfischer“ publiziert.
Gary LaFontaine und die Beobachtungen in Montana
Gary LaFontaine ist einen anderen Weg gegangen, um dies zu sehen. Er hat sich mit einer Tauchausrüstung unter Wasser begeben und die Fischnährtiere, hauptsächlich Köcherfliegenpuppen beobachtet. Er hat dabei nicht nur das Aussehen der aufsteigenden Puppen, sondern auch deren Schlupfverhalten und das Fressverhalten der Forellen analysiert und beschreibt dies auch in seinem Werk „Caddisflies“.
Bevorzugt machte er seine Unterwasserbeobachtungen in Montana. Dazu muss man wissen, Montana liegt durchschnittlich 2.000 Meter hoch und hat ein kontinentales Klima mit geringen Regenfällen im Sommer. Um diese Jahreszeit wird es tagsüber heiß und kühlt nachts wieder ab. Dies bewirkt, dass Sauerstoff in der Nacht im Wasser gebunden wird, der dann tagsüber durch Sonneneinstrahlung und damit verbundene Wassererwärmung ausperlt. Solche Sauerstoffperlen bleiben überall hängen, auch an aufsteigenden Köcherfliegenpuppen.
Die These der Gasbildung auf dem Prüfstand
Ich habe dies wiederholt bei Aquariumsstudien bei denen ich kaltes Leitungswasser beimischte, erlebt. Möglicherweise ist dies eine Erklärung für seine Behauptung, Köcherfliegen steigen mit Hilfe von Gasbildung im Inneren der Puppenhülle auf. Studierte Entomologen, mit denen ich zu dem Thema sprach, können diese These nicht bestätigen.
Bei Arten, die an der Wasseroberfläche schlüpfen, ist die Puppenhülle deutlich sichtbar am Abdomenende gelöst. Auch dies kann unter bestimmten Situationen zu Lichtbrechungen und -reflexionen führen. Wir haben dies in unserem Buch erläutert. Dass sich amerikanische Köcherfliegen anders verhalten als alle anderen Arten weltweit, kann man ausschließen.
Allerdings sieht eine Köcherfliegenpuppe unter Wasser, durch eine Tauchermaske (oder Fischauge) betrachtet, anders aus als an der Wasseroberfläche oder außerhalb des Wassers. Auch gebundene Puppennachbildungen sehen unter Wasser anders aus. Dies kann man mit einfachen Studien nachkontrollieren und problemlos fotografisch nachweisen.
Aufnahmen mit der Deep Sparkle Pupa
Bild 1 zeigt eine Fliege, die mit Superkleber an eine Aquariumwand (innen) geklebt wurde. Mehrere Blitze leuchten die Fliege schattenfrei aus. Dahinter ist eine starke Lichtquelle mit gleichmäßigem Licht hinter Milchglas. Kameraeinstellungen manuell.

Bild 2 zeigt die Fliege mit den gleichen Licht- und Kameraeinstellungen. In das Aquarium wurde kaltes Leitungswasser eingefüllt. Der Sauerstoff ist sofort ausgeperlt und blieb in vielen kleinen Perlen an der Fliege hängen.

Ich habe dann einen Tag gewartet, bis alle Gasperlen sich losgelöst hatten, bzw. aufgestiegen waren. Leider hat sich die Fliege dann von der Aquariumwand gelöst. Für Bild 3 habe ich die Fliege in einer Halterung in die Mitte des Aquarium gestellt. Licht- und Kameraeinstellung sind gleich wie auf den Bildern 1 und 2.

Bilder 4, 5 und 6 – so könnte der Fisch die Fliege sehen.

Bild 4 – als Licht blieb die starke Lichtquelle mit gleichmäßigem Licht hinter Milchglas. Die Blitze waren ausgeschalten. Die Kameraeinstellung war: Zeitautomatik, Spotmessung, 1/80 Sekunden – f/8

Bild 5 – als Licht blieb die starke Lichtquelle mit gleichmäßigem Licht hinter Milchglas. Die Blitze waren ausgeschalten. Die Kameraeinstellung war: Zeitautomatik, Spotmessung, 1/50 Sekunden – f/8, Belichtungskorrektur +0,7 LW

Bild 6 – als Licht blieb die starke Lichtquelle mit gleichmäßigem Licht hinter Milchglas. Die Blitze waren ausgeschalten. Die Kameraeinstellung war: Zeitautomatik, Mehrfeldmessung, 1/30 Sekunden – f/8, Belichtungskorrektur +2 LW
Aufnahmen mit der Emergent Sparkle Pupa
Die Kameraeinstellung war: Programmautomatik, Spotmessung, 1/400 Sekunden – f/10. Auf dem letzten Bild war die Belichtungszeit 1/350 Sekunden. Keine Blitze, nur natürliches Licht.
Die Aufnahmen wurden im März um ca.09.00 Uhr gemacht. Es war wolkenloser Himmel, die Sonneneinstrahlung ist um diese Tageszeit flach und jahreszeitlich bedingt schwach.
Analyse der drei Testaufnahmen

Auf dem obersten Bild schwimmt die Fliege im Oberflächenfilm. Das Vorfach wölbt die Wasseroberfläche und die Sonnenstrahlen werden gebrochen. Dies erzeugt eine unnatürliche Erscheinung des Vorfaches. Alle Rehhaare ragen über das Wasser.

Auf dem mittleren Bild ist die Fliege bereits eingesunken. Nur mehr die Spitzen der Rehhaare ragen aus dem Wasser. Das Vorfach ist etwas länger als 1 cm ebenfalls unter Wasser. Die Einsinkstelle des Vorfaches ist durch Spiegelungen deutlich zu erkennen.

Auf dem unteren Bild ist die Fliege nun zur Gänze unter Wasser, knapp unter der Wasseroberfläche. Die Einsinkstelle des Vorfaches ist auf dem Bild nicht mehr zu sehen.
Wissenschaft und Praxis: Das Erbe der Sparkling Pupa
Bis zum heutigen Tag geht unter Fliegenfischern die Diskussion weiter, ob Köcherfliegen zum Aufsteigen Gas unter der Puppenhülle bilden oder nicht. Gary LaFontaine ist leider nicht mehr unter uns, um ihn dazu erneut zu befragen. Auch in US + UK Foren wird dieses Thema nach wie vor heiß debattiert. Die Wissenschaft ist sich darüber einig, dass es bislang keine Forschung gibt, die diesen Ansatz unterstützt. Anhand allem was wir von Gary LaFontaine wissen, ist davon auszugehen, er besäße die Größe darüber nachzudenken und die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wissenschaftlich widerlegt worden zu sein.
Was wiederum keinen Millimeter davon abweicht, dass seine Sparkling Pupa eine der besten Nachahmungen aufsteigender Köcherfliegen ist. Das wußte er – das wissen viele von uns.

Aufgewachsen im oberösterreichischen Linz, kam Walter Reisinger vor vierzig Jahren mit der Fliegenfischerei in Berührung. Schon früh entstand in ihm der Wunsch, das Aufkommen und Leben der natürlichen Vorbilder besser zu verstehen. Autodidaktisch entwickelte er sich zum versierten Hobby-Entomologen, der den Lebenszyklus europäischer Vertreter von Eintags- Köcher- und Steinfliegen dokumentierte und photografisch festhielt. So entstand 2002 unter der Zusammenarbeit von Walter Reisinger, Dr. Ernst Bauernfeind und Erhard Loidl erstmals das Buch ‘Entomologie für Fliegenfischer‘ – einem in der Zwischenzeit Standardwerk für Insekten- und Bindeinteressierte Fischer.
Herzlichen Dank an Walter Reisinger für die Bereitstellung dieses Texts, der 2008 bereits unter www.flyfishingloidl.at erschien.

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Ich denke die Versuche so wie Forellen unsere Fliegen.sehen.gestaltet sich viel.einfacher aus deren Perspektive. Fotos aus unserer Sicht sind und bleiben ein wahrscheinlich nur ein hoffnungsloser Versuch den “Schlüssel” zu finden.
Ohne Zweifel Bernhard – wie das Fischauge Lichteinstrahlung und die Färbung bzw. Klarheit des Wassers wahrnehmen, werden wir schwerlich rezipieren können. Die Fotos wurden zumindest im Aquarium und von unten aufgenommen, wie aus Walter Reisingers Beschreibung hervorgeht.