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Forelle & Äsche | Fliegenfischen | Fliegenbinden

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Zwischen Wurfpool und Gebirgsfluss: Ein Streifzug von der EWF zur Gmundner Traun

by Tankred Rinder 2 Comments

Besuche der EWF sind für mich terminlich nicht einfach. Regelmäßig fällt die Veranstaltung auf ein Wochenende, an dem meine Frau Geburtstag hat. Da mir eine Einladung zu einem einwöchigen Österreich-Ausflug mit Fliegenfischen ins Haus flatterte, wollte ich mir aber die angebotene Mitfahrgelegenheit nicht entgehen lassen. Ein Plan musste geschmiedet werden. Ein Kompromiss musste gefunden werden.

Eine gemeinsame Freundin aus München war eben verreist und ihre Wohnung stand uns frei. Ein Baustein des Plans war also erfüllt: “Lass uns deinen Geburtstag in München feiern”, – war mein Vorschlag. Von der Idee, drei Tage gemeinsam in München zu verbringen, wovon ich mich an einem für wenige Stunden ausklinke, waren Frau und Tochter begeistert. Die Dauer meines Messebesuchs stand zwar auf dem Prüfstand. Ein halber Samstag, überlegte ich, sollte reichen, um die Gespräche zu führen die geplant waren.

Messetreiben und Logistik-Hürden

Der Sekt zum Anstoßen wurde im ICE geöffnet. Der war, aufgrund des ständig verlängerten Piloten und Kabinen-Crew Streiks der Lufthansa, voller als sonst. Vom Flugausfall der beinahe eine Woche dauernden Arbeitsniederlegung sollte auch die EWF betroffen sein, wie mir die Veranstalter der EWF, Michaela und Robert Stroh, später berichten werden.

Cornelia Reidinger-Mang aka @kaiserinfishy

Wieder einmal sollte das EWF Wochenende von strahlendem Sonnenschein begleitet sein. Die Wurfpools waren sehr gut besucht und auf den Übungswiesen wurde ausgetestet und probiert. Der Biergarten war noch voller als sonst und die Tische bogen sich unter der Last der Halben und der gut gefüllten Einkaufstaschen der prächtig gelaunten Besucher.

Begegnungen und Materialsuche im Zeitraffer

Ein Halbtag auf der EWF ist wahrlich nicht viel bei dem Angebot an Wurfdemos internationaler Fliegenfischer und der Menge an interessanten Vorträgen. Zähle ich die geplanten Treffen dazu mit Sepp Prantler, Conny Reidinger, Andy Paschek, Stefan Bauer (Futterkorb.ch), plus die ungeplanten – Jan Kubala, Philip Sicher, Jiri Klima, Christoph Zimmermann, Marc Andre Laubscher und Christopher Rownes und nicht zu vergessen die fantastischen Vertreter der Heartland Flyfishers rund um Peter Paulini – und schon fehlte die Zeit, um die in letzter Minute zusammengestellte Einkaufsliste an Bindematerial und Kleinstausrüstung aufzufüllen.

Am Stand von Hofstetter Pelz & Design konnte ich dann aber nicht vorbeilaufen, ohne mich mit ausgezeichnetem Rehhaar einzudecken. Wer keine Jäger in seinem Umfeld kennt, tut gut daran, sich diesen Shop zu merken. Hohe Qualität, große Fellstücke, Masken und Streifen zu einem guten Preis. Beim Tungstenangebot verschiedener Händler musste ich ebenso rasch zugreifen, bevor die Preise – so die Gerüchteküche – aufgrund der Rüstungsanstrengungen weltweiter Akteure anziehen werden.

Fish-Spotting an der Isar

“München ist eine wunderschöne Stadt”, dachte ich mir erneut, als wir als Familie an den Kiesbänken entlang der Isar spazierten. Als meine Tochter mit mir auf der Brücke stand, um Barben zu beobachten, die aus den Rinnen auf die Flachwasserzonen glitten, um dort nach Insektenlarven zu wühlen, wünschte ich mir gar, eines Tages dort zu fischen. Am liebsten mit meiner Tochter auf der Brücke. Ihre Fish-Spotting Fähigkeiten sind beachtlich und sie war spürbar stolz, vor mir diese prächtigen Fische erspäht zu haben.

Zu Gast bei Andy Paschek: Bindestock und Rutenbau

Vom Vorbild zur Imitation: Andy Paschek aka @mojo_flies

Sonntag Nachmittag, von Frau und Kind am Bahnhof verabschiedet, machte ich mich neuerlich auf nach Fürstenfeldbruck, um gemeinsam mit Andy Paschek nach Murau in der Steiermark zu fahren. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate beschlossen wir, einige Tage zusammen zu verbringen. Erst bei ihm an der Mur, anschließend in Gmunden anlässlich des 34. Treffens der Freunde der Gmundner Traun.

Andy Paschek habe ich in einem Beitrag im letzten Herbst, anlässlich meines ersten Besuchs an der Mur vorgestellt. Instagram-Nutzern dürfte er unter @mojo_flies bekannt sein, als regelmäßiger Poster exzellent gebundener Fliegen. Muster die erst am wenige Schritte vom Wohnhaus entfernten Fluss getestet werden, bevor ihnen die Ehre erteilt wird, in den sozialen Medien veröffentlicht zu werden. Dass er sich während der letzten Jahre zum Auftragsbinder entwickelte, überrascht wenig. Wer wirklich keine Zeit zum Fliegenbinden findet, täte gut daran, die Möglichkeit zu erörtern, Fliegen bei ihm zu bestellen.

v.l.n.r. Maggie & Pedro Kunz, TR, Andy Paschek

Die Transformation des Ateliers

Dass die sauber gebunden sind und ein um die andere wie die zuvor aussieht, davon konnte ich mich in seiner Werkstatt überzeugen. Einem multifunktionalen Atelier bestehend aus zwei Räumen, in dem gebunden wird, Gäste empfangen werden, Workshops stattfinden und das in den wenigen Monaten seit dem letzten Besuch eine beachtliche Transformation durchlebt hat.

Der Bambus aus dem Besitz von Philip Sicher war letztens schon da, wie auch das Heizgerät zum erwärmen der Rohre und die Hobelbank. In der Zwischenzeit hat sich eine weitere Drehbank zur Ausstattung gesellt, weitere Maschinen zum Bohren von Hülsen, zum Trocknen von Lack, Luftabzüge, Saugmaschinen und weitere Gerätschaften, deren Zweck ich schon wieder vergessen habe.

Ambitionen im Rutenbau

Mit Sicherheit darf man aber schon jetzt von einer Rutenbaumanufaktur sprechen, auch wenn die wenigen fertig gebauten Exemplare – allesamt schon im Einsatz – , noch nicht ganz den Anspruch erfüllen, den er als Besitzer einer Walter Brunner und einer Kurt Zumbrunn Gespließten an sich selbst stellt. Der erste offizielle Verkauf muss also noch auf sich warten.

Glaubt man aber, was mir vom Schweizer Fliegenbinder Pedro Kunz, der gemeinsam mit Andy Paschek einen Rutenbaukurs bei Philip Sicher belegte, bei einer Zigarillo am Balkon des alten Stadthauses prophezeit wurde, so wird mit ihm in einigen Jahren vermutlich zu rechnen sein. Motivation, Talent und Einsatz sind in hohem Maß erkennbar – sagte man mir. Ich bin gespannt darauf, diesen Prozess verfolgen zu dürfen. 

Drei Tage verbrachten wir in Murau: Zwei am Wasser und einen ganzen am Bindestock. Fingen Fische, redeten über Fische, zeigten uns gegenseitig Dinge, banden wie die Irren. Schließlich wollten wir vorbereitet an die Gmundner Traun.


Die Gmundner Traun: Ein alpenländisches Juwel

Wochenlang verfolgte ich den Wasserstand, der bis kurz vor unsere Abreise nichts Gutes verheißen ließ. Doch als wollte die Traun sich an unserem gemeinsamen dritten Besuch zum ersten Mal in gutem Licht zeigen, sank der Wasserspiegel innerhalb weniger Tage auf einen idealen Stand. Zwei Fischtage hatten wir gebucht, bevor am Wochenende das internationale Mitgliedertreffen stattfand.

„Die Traun muss man sich erarbeiten“

Roman Mosers Worte, der uns an einem Abend zum Essen traf, hallt noch heute nach. “Die Traun muss man sich erarbeiten”. In der Tat erfordert die Traun Zeit und Geld, möchte man nachhaltige Erlebnisse von ihren Ufern mitnehmen. Wobei in aller Fairness gesagt werden muss, dass die Tages- und Wochenkarten-Preise, verglichen mit anderen Top-Revieren in Österreich, moderat ausfallen. Dass der Fluss nur mehr ein Schatten seiner selbst sein soll, gemessen am Ruhm den das Gewässer in den Jahrzehnten vor und nach dem 2. Weltkrieg erlangte, überrascht wenig.

Roman Moser: Autor, Wurflehrer, fliegenfischende Legende

Kraftwerksbau, Erd- und Wassererwärmung, invasive Arten (Dreissena Muscheln), Kolmatierung, Prädatoren (Otter, Kormoran, Gänsesäger) – all diese Faktoren setzen der Traun, wie in Wahrheit allen Gewässern, immens zu. Und trotzdem ist es ein erbauliches Erlebnis an diesem großen Fluss, mit seinem glasklaren Wasser zu fischen. Es gilt Strecke zu machen, wenn tiefe Züge nicht zu begehen sind, wenn die Verteilung der Standplätze so ausfällt, dass über weite Strecken keine Fische stehen, da Bedingungen für ein Auskommen in Sicherheit und mit Nahrungsreichtum nicht überall gleich verteilt sind. Typische Konditionen für einen Fluss der Größe der Gmundner Traun.

Spektakel am Laichplatz und Fangerfolge

Äschen auf blank gefegten Laichbetten 

Am Weg von einem Fischplatz zum anderen, konnten wir schon von weitem, die von den Schlägen der Schwanzflosse freigelegten Laichplätze der Äschen erkennen. Reges Treiben herrschte dort. Es war ein Spektakel, die Milchner dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig vom besten Platz zur Befruchtung verjagten, um sich an die ruhig verharrenden Rogner schieben zu können. Die unbeweglichen Schatten direkt hintern den Laichbetten, machten wir als Regenbogenforellen aus, die auf ihren Anteil des abtreibenden Laichgeschäfts warteten. Es überrascht wenig, dass Egg-Muster längst im Fliegenfischen Einzug gehalten haben. Meinen Geschmack trifft das nicht – aber jeder Jeck ist anders. 

Am Ende des ersten Tages befürchteten wir ein ähnliches Ergebnis wie während der beiden ersten Besuche an der Traun. Gerade mal entschneidern konnten wir uns mit der Nymphe an der Raidl Mühle – einem der für mich attraktivsten Plätze an der Gmundner Traun. Am darauffolgenden Tag hingegen gingen uns auf den Streamer Forellen im zweistelligen Bereich ans Band. Im Swing oder heran gejerkt – die Fische in Theresienthal, am Sauschneider Stein und am Forelleloch waren in richtig guter Bisslaune.


Treffen der Freunde der Gmundner Traun: Ein Appell

So hatten wir zumindest etwas vorzuweisen, als wir uns am Wochenende zum Treffen der Freunde der Gmundner Traun einfanden, das traditionell an zwei Tagen stattfindet. Obwohl ich erst zum zweiten Mal daran teilnahm, fühlte ich mich dank der vielen bekannten Gesichter tatsächlich wie unter Freunden.

v.l.n.r. Thomas Koller und Heimo Huber  https://huberpower.com/wordpress/

Fachvorträge und Netzwerken

Albert Pesendorfer, Roman Moser, Ernst & Andreas Scheibenpflug, Walter Reisinger, Michaela & Robert Stroh – sie alle fanden Zeit, sich mit uns auszutauschen. Die Vorträge am Samstag von Heimo Huber (Revierobmann Obere Traun) – setzt diesem Mann ein Denkmal bitte – und Thomas Koller (Fischmeister) zum Thema Prädatorenmanagment und Wolfgang Hauers Unterwasserfilm von der Traun, bestätigen eine Erkenntnis aus allen Fachvorträgen während der letzten Jahre: Gewässerschutz ist die dringlichste Aufgabe für uns FliegenfischerInnen.

Ein Blick in die Zukunft

Bringen wir jetzt nicht gemeinsam alle unsere Kräfte auf, wird das Fliegenfischen so wie wir es kennenlernen durften, vielleicht nicht mehr in der von uns geschätzten Form auszuüben sein. Wer die Arbeit der Freunde der Gmundner Traun fördern möchte, tut das besser heute als morgen. Schließlich sollst auch du in Zukunft dieses alpenländische Juwel noch genießen können.

(l.) Albert Pesendorfer – Obmann Freunde der Gmundner Traun


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Filed Under: Aktuelles, Reviere

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Comments

  1. Andreas Paschek says

    at

    Lieber Tankred!
    Danke für die gemeinsame Zeit zu Wasser und Lande. Ich freue mich schon auf die vierte Runde „Spitze Feder und scharfer Hobel“.

    Reply
    • Tankred Rinder says

      at

      Lieber Andy,
      ich habe dir zu danken! Die Freude ist ganz meinerseits.
      Kann es kaum erwarten. LG Tankred

      Reply

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